Nervenkitzel: Warum unsere Seele hin und wieder etwas Aufregung braucht

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Nervenkitzel-mensch-meer-klippen-erfolg-seaNervenkitzel: Warum unsere Seele hin und wieder etwas Aufregung braucht


Tief im Inneren sind wir alle auf der Suche nach innerer Ruhe und nach einer Heimat in uns selbst. Wer in sich ruht und Frieden mit der eigenen Persönlichkeit und ihrem Platz im Universum schließen kann, ist in der Lage, tiefes Glück zu empfinden.

Innere Ruhe und Seelenfrieden müssen aber nicht bedeuten, dass wir ein Leben frei von jeglichen Aufregungen der Außenwelt führen müssen. Die Seele benötigt hin und wieder ein paar Reize, ein wenig Nervenkitzel, um Ruhe und Frieden wieder richtig spüren zu können.

Die chemische Formel des Nervenkitzels und warum wir sie lieben

Mit der Ruhe ist es so eine Sache. Im hektischen Alltag sehen wir uns häufig danach, dem Stress für eine Weile entgehen zu können. Der Urlaub, das verlängerte Wochenende und die Feiertage heben sich wie kleine Inseln aus dem Meer der Alltagspflichten, des Müssens und der Zeitnot hervor. Und wenn sie dann wirklich da sind, diese kostbaren Tage, an denen endlich einmal nichts im Kalender steht, nehmen wir nicht selten den Stift zur Hand und tragen selbst noch ein paar Termine ein.

Für viele Menschen liegen gerade Stress und Langeweile sehr nah beieinander. Wenn das Karussell aus Terminen und viel zu kurzen Tagen für einen Moment aufhört, sich zu drehen, bleibt da dieses Gefühl zurück, das sich wie der Schwindel nach der Karussellfahrt im Kopf weiterdreht. Das Gefühl, das Hamsterrad weiter drehen zu müssen und die Tage zu füllen. Tatsächlich fällt es vielen Menschen schwer, wirklich vom stressigen Alltag abzuschalten und sich auf die Ruhe einzulassen, um einfach nur etwas für sich selbst zu tun.

Aber warum braucht der Mensch den Stress

und neigt besonders im Urlaub dazu, sich in waghalsige Abenteuer zu stürzen, anstatt es sich mit einem Stapel guter Bücher auf dem Sofa gemütlich zu machen? Es ist, wie so vieles in unserem Körper, eine Frage der Chemie. „Solche außerordentlichen Adrenalin-Aktivitäten sind eine Möglichkeit unserem Leben im Urlaub einen Kick-Start für den Alltag zu geben“, erläutert Tim Woodman, Professor und Leiter der Sportschule der Bangor University in Wales, im Gespräch mit dem WDR. Adrenalin ist der Schlüssel.

Das Hormon ist dafür da, in Not- oder Stresssituationen sämtliche Energiereserven im Körper nutzbar zu machen. Ursprünglich diente es dem Körper als Schutzmechanismus. Die Flucht vor dem Säbelzahntiger ist im Alltag der meisten Menschen glücklicherweise nicht mehr erforderlich, aber das Adrenalin ist geblieben. Und wir brauchen es, müssen es hin und wieder spüren, um zu wissen, dass wir noch voll da sind, am Leben und jederzeit bereit, durchzustarten.

Setzen wir uns dem Nervenkitzel freiwillig aus,

ist es sogar möglich, vor allem die positiven Gefühle mitzunehmen, die mit der Ausschüttung von Adrenalin einhergehen. Der Körper produziert vermehrt Katecholamine, insbesondere Adrenalin, Noradrenalin und den Botenstoff Dopamin. Vor allem letzterer ist es, auf den jeder Mensch es hin und wieder abgesehen hat. Dopamin ist nämlich, ganz einfach ausgedrückt, die chemische Formel zum Glücklichsein.

Wenn Dopamin ausgeschüttet wird, wirkt sich das direkt auf das Glücksempfinden und das Belohnungssystem im Körper aus. Wir sind erleichtert, stolz, zufrieden, euphorisch, im Glücksrausch eben. Je nachdem, was diese Gefühle ausgelöst hat und wie der Körper die entsprechenden Hormone verarbeitet, kann das Glücksgefühl stärker oder schwächer ausfallen, länger oder kürzer anhalten. Denn kaum etwas ist so individuell wie das ganz persönliche Glücksempfinden und die Auslöser, die dafür notwendig sind.

Jeder Mensch definiert seinen eigenen Thrill

Angst und Gefahr sind für uns alle ein Garant für Adrenalin. Allerdings sind die begleitenden Gefühle für die meisten Menschen wenig erstrebenswert. Die positive Aufregung, das angenehme Kribbeln ist es, nach dem wir im Alltag immer wieder suchen.

Manche suchen den Kick in Extremsportarten und rücken dabei die Grenzen des körperlich Machbaren immer ein Stückchen weiter nach vorne. Andere mögen es weniger physisch anstrengend und genießen beispielsweise den Nervenkitzel beim Glücksspiel. Wenn wir am Spieltisch die Kugel gespannt mit den Augen verfolgen oder wirklich authentische Online Casino Erfahrungen machen, bei denen der Zufall darüber entscheidet, ob wir glücklich oder enttäuscht vom realen oder virtuellen Spieltisch aufstehen, kann da dieses wohlige Kribbeln sein, nach dem wir gesucht haben.

Wer sich gerne gruselt,

findet seine Portion Adrenalin in Horrorfilmen oder Psychothrillern, in denen es möglich ist, die Gefahr durch Andere mitzuerleben, zwar in abgeschwächter Form, dafür aber in Sicherheit und mit echter Gänsehautgarantie. Ähnlich ist es bei der Fahrt mit der Achterbahn. Sicher angeschnallt bleibt da trotzdem der Rausch der Geschwindigkeit, das Gefühl des freien Falls oder der Looping, den wir natürlich im Vergnügungspark als deutlich angenehmer empfinden als beispielsweise in einem sich überschlagenden Auto.

Escape Rooms sind eine moderne Variante des gesteuerten und kunstvoll durchdesignten Adrenalinkicks. Was gäbe es Schöneres als sich in bewusst in eine vermeintliche Gefahrensituation zu begeben, aus der wir uns mit ein bisschen Geschick garantiert selbst wieder befreien können? Was die wohlige Gänsehaut verursacht, ist so individuell wie der Musikgeschmack oder das Lieblingsessen, aber eines haben wir alle gemeinsam: Wir brauchen sie ab und zu, um uns lebendig zu fühlen.

Wie stark möchten wir die Nerven kitzeln?

Um sich dem Thema Adrenalin und Nervenkitzel wissenschaftlich zu nähern, hat die Psychologie den Begriff des „Sensation Seekings“ definiert. Wie angenehm Menschen die seelische und körperliche Anspannung empfinden, ohne die eine Adrenalinausschüttung nicht möglich ist, geht auf verschiedene Faktoren zurück.

Das hat etwas mit dem Neurotransmitterhaushalt, dem Hormonhaushalt zu tun, aber auch, wie Menschen aufgewachsen sind, ob Eltern zum Beispiel besonders ängstlich waren“ erklärt Marcus Roth, Professor für Differentielle Psychologie an der Universität Duisburg-Essen im Interview mit Der Westen.

paraglidingAuch Alter und Geschlecht scheinen eine Rolle zu spielen. „Alle Studien, die es dazu gibt, zeigen eindeutig Alters- und Geschlechtsunterschiede. Männer weisen leicht höhere Werte auf als Frauen. Wobei diese Unterschiede vergleichsweise klein sind. Am stärksten ist der Wunsch nach dem Nervenkitzel in der Jugend, danach nimmt er kontinuierlich ab.

Ob wir eine Adrenalinausschüttung als angenehm empfinden,

hängt davon ab, ob eine Situation als negativer Stress oder als positives Abenteuer empfunden wird. Wo die Grenze liegt und wie weit wir zu gehen bereit sind, um den Kick zu spüren, ist eine sehr persönliche Frage. Sie wird beeinflusst von äußeren Faktoren, wie zum Beispiel unseren Lebensumständen, Gewohnheiten, der seelischen und körperlichen Verfassung und sie verändert sich mit der Zeit.

Wer bewusst nach dem Adrenalinschub sucht und ihn herbeiführt, indem er sich in entsprechende Situationen begibt, wird mit der Zeit feststellen, dass die Hürde wächst. Das Phänomen der Gewöhnung stellt sich ein und es wird eine größere Anspannung erforderlich, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Vor allem Extremsportler zeigen häufig die Tendenz, die Grenze ihrer körperlichen und seelischen Belastbarkeit immer weiter zu verlagern.

Damit kann der Übergang von chemisch simulierter zu echter Gefahr fließend werden. Adrenalin und Dopamin, das haben Wissenschaftler längst herausgefunden, können süchtig machen. Menschen, die die Hormonausschüttung besonders stark empfinden, benötigen oft extreme Impulse, um das chemische Glück zu spüren, das sie lebendig macht.
Dann kann es sinnvoll sein, nach Alternativen zu suchen, die ebenfalls glücklich machen, aber auf eine weniger gefahrvolle Art und Weise. Glück hat viele Gesichter. Ob wir es beim Bungeesprung von einer Brücke oder in einem weniger adrenalingeladenen Rahmen suchen, liegt bei uns.

01.06.2020
Spirit Online

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