Tiere

Herzensgefährten – Pferdebotschaften für uns Menschen

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Pia-Rennolett

Auszug aus:
Herzensgefährten

Die Herde – zwei Besonderheiten sind an unserer Herde erwähnenswert.
Wir betreiben keinen Pensionspferdestall. Dadurch entfällt das ständige Rein und Raus von neuen Herdenmitgliedern, das Unruhe innerhalb der Herde verursacht, da Rangordnungen und Beziehungsgeflechte neu geklärt und gefestigt werden müssen.

Einige der Pferde sind miteinander verwandt. Diese Familienverbände geben eine feste Struktur vor. Unsere Herde ist also ein fester Verband von Pferden, die seit Jahren miteinander leben oder sogar in die Herde hineingeboren worden sind. Die Pferde, die nicht bei uns aufgewachsen sind, stammen aus unsachgemäßen Haltungen. Sie wurden geschlagen, getreten, ausgebeutet und/oder mangelhaft ernährt. Manche dieser Pferde waren für den Menschen gefährlich, andere hatten sich in sich zurückgezogen und mieden jeglichen Kontakt zu uns Zweibeinern. Mittlerweile zeigen sich alle Herdenmitglieder den Menschen gegenüber offen, zugänglich und kooperativ.

18. Juni
Hechi (sprich Hetschi) und Sanuk stehen am Rande der Herde und ruhen. Ich setze mich zu ihnen.
Sanuk: »Die Welt ist groß. In ihr lebt Ruhe und Zufriedenheit. Es lebt sich. Widerstände sind zwecklos. Das Leben fließt wie das Wasser.«
Hechi dreht sich um. Er steht jetzt mit dem Hintern zu mir.
»Mal ruhig, mal heftig, mal unruhig, mal lustig plätschernd. Es hat seine Eigenheiten. Es ist zwecklos, sich dagegen zu wehren, sich dagegen zu stemmen. Ein Kampf beginnt, der nur unnötig Kraft verbraucht. Die Strömung nimmt uns mit und trägt uns dahin. Ein schönes Gefühl, vom Leben getragen zu werden. So sanft. Diese Idylle des Eins-Seins. Grenzen lösen sich auf.«

Ein Flugzeug kommt. Das schneidende Geräusch unterbricht die Harmonie, die Sanuk mir übermittelt. Es ist wie ein Schnitt in meinem Bauch, und die Kommunikation wird unterbrochen. Nun kehrt langsam wieder Ruhe ein. Meine Ohren dröhnen vom Maschinenlärm.

 »So ist das. Ihr durchschneidet die Harmonie mit fast allem, was ihr tut. Könnt ihr nicht in der ewig währenden Harmonie, die euch umgibt, verweilen? Ihr müsst euch nur öffnen. Warum schließt ihr das Leben aus euren Köpfen aus?

Ihr seid es, die Herz und Verstand zueinander bringen sollen. Wir sind es, die in Harmonie sind, wenn ihr uns lasst. Was ist das Wesen des Pferdes für euch? Was ist die Seele des Pferdes für euch?

Sie kommt wie Wellen, wie die Brandung des Meeres ans Ufer gespült. Sie umfasst euch, möchte euch mitnehmen in das endlose Treiben des Lebens. Aber ihr, ihr wehrt euch plötzlich. Haftet am Boden eurer Realitäten an und wollt nicht fliegen, wollt nicht fließen. Dann haltet ihr uns fest mit der Macht eures Seins. Und wir sind gebunden.«

Jetzt sitze ich hier. Sanuk und Hechi sind noch da. Mich berührt Sanuks sanfte Energie. Das hätte ich nicht gedacht, obwohl ich glaubte, sie zu kennen. Ich muss gestehen, ich war immer etwas angenervt von ihrem fordernden Wesen. Sie bettelt und sie stubst manchmal. Sie wirkt aufdringlich. Doch jetzt kann ich sie besser verstehen. Wie würde ich mich fühlen, wenn ich etwas mitteilen möchte und niemand will zuhören?

Sanuk kaut nun ausgiebig ab, wie zur Bestätigung, dass ich es endlich kapiert habe. Es gibt immer wieder neue Seiten an den Pferden zu entdecken. Und das hört nie auf. Sanuk steht noch immer hier. Mir wird bewusst – jetzt erst –, dass sie die ganze Zeit entspannt neben mir steht, ohne im geringsten aufdringlich zu sein. Ich habe den Rucksack zwischen meinen Beinen. Darin befinden sich Möhren. Sie weiß das. Sie zeigt kein Interesse daran. Schön, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als Möhren.

Am Abend: Ich stehe bei Sanuk und bedanke mich bei ihr für das Gespräch in der Frühe. Ich teile ihr mit, wie beeindruckt ich bin. Gandalf kommt. Zielsicher geht er auf uns zu, bleibt neben mir stehen und nimmt freundlich Kontakt zu Sanuk auf. Ich bin überrascht. Gandalf so nah bei Sanuk. Das habe ich bisher noch nicht gesehen. Sanuk ist genauso erstaunt wie ich. Sie erwidert seine freundliche Geste mit Ohrenanlegen. Ich halte die Hand zwischen die beiden.

Sanuk geht zur Herde. Gandalf schnobert an mir herum. Ich bin erstaunt. Das ist nicht seine Art. Bettelt er womöglich? Wonach bettelt er? Vielleicht will er gekratzt werden? Nein, das ist es nicht. Ich denke wieder an mein morgendliches Erlebnis mit Sanuk. Womöglich will auch Gandalf mir einfach etwas mitteilen. Ich frage ihn danach. Er bestätigt es mir. Dann aber vollkommene Stille in meinem Kopf. Das ist es also nicht.

Eine Idee habe ich noch. Ich versenke mich in meinen Körper. Gandalf entspannt sich nun sichtlich und steht ruhig neben mir, ohne weitere Kontaktaufnahme. Ich suche in meinem Bauch. Da höre ich: »Die linke Schulter!« Ich konzentriere mich darauf und spüre plötzlich einen zuckenden Schmerz. Wie einen Blitz. Danach ein Brennen. Ich bleibe mit meiner Wahrnehmung bei diesem Schmerz in meiner linken Schulter. Gandalf wendet sich ab. »Sie hat`s verstanden«, sagt er im Gehen. Dann schnaubt er unterwegs mehrfach zufrieden ab und schlendert auf die Wiese zum Grasen. Die Herde folgt ihm. Den Schmerz in meiner Schulter haben sie mitgenommen.

30. Juni

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Pia-Rennolett

Die drei Großen stehen im Schatten am Eichenhain. Sie sind unruhig, von Bremsen geplagt.

Tamar: »Ich war ein Benutzter. Ein Gegenstand. Ein Ding. Den Menschen fehlt Herz. Nur wenige haben es. Ich hab immer gekämpft. Ergebnislos. Zwang. Unterdrückung. Knechtschaft. Es gibt so viele Möglichkeiten, uns Pferde zu unterdrücken. Von Menschen gemacht. Von Menschen erdacht.«

Tamar ist jetzt ganz nahe. Er kaut ab.

»Ich hab Ruhe gefunden. Das ist jetzt sehr gut. Kein Kämpfen mehr nötig. Das tut mir sehr gut. Ich liebe den Frieden, den Vogelgesang. Kann`s auskosten jetzt noch. Doch zuvor das war Kampf. Warum kämpfen die Menschen? Geht den Weg des Friedens. Macht Frieden mit uns. Warum habt ihr uns den Kampf angesagt? Warum kämpft ihr, ihr Menschen, zwingt uns in den Kampf?

Wir sind friedlich, wir Pferde. Warum zwingt ihr uns dann? Ich such den Frieden im Menschen. Muss dann gehen bis auf den Grund. Doch der Grund, der ist schlammig. Lasst den Kampf sein, ihr Menschen. Nicht Kampf ist das Ziel. Habt Friede im Herzen. Dann kann ich sanft sein und fürsorglich. Find ich Frieden im Herzen, bin ich sanft wie ein Lamm. Ist da Kampf in den Herzen, ist da Wut und auch Zorn, möcht ich laufen ganz weit weg. Möchte Abstand, möchte Sicherheit, möchte Frieden und Ruhe. Ganz weit fort. Möchte fliehen.

Lasst sie fliehen die Pferde. Lasst der Natur ihren Lauf. Ihr dürft sie nicht zwingen, da zu bleiben. Ihr dürft sie nicht halten, nicht fesseln, nicht binden, nicht knechten, nicht unterdrücken, ihr dürft ihnen keinen Schaden zufügen.

Habt ihr Frieden im Herzen, dann kommen wir von selbst. Wir wollen bei euch bleiben dann. Wir fühlen uns sicher, wir fühlen uns stark, wir fühlen uns gewollt. Ich habe vieles nicht erlebt mit Menschen, wovon ich weiß, dass es so sein könnte. Da liegt viel Potential brach, beim Mensch und beim Pferd. Wir könnten zu etwas Größerem erwachsen, der Mensch und das Pferd. Wir könnten beide profitieren, der Mensch und das Pferd.

Geht in euch, ihr Menschen, erkennt, wer ihr seid. Geht in euch, ihr Menschen, erkennt, wer wir sind. Wir sind Pferde, ihr Menschen. Lasst uns sein, was wir sind. Lasst uns frei sein, lasst uns fliegen.

Wir sind wie der Wind. Wir sind flüchtig, wir sind schnell, wir sind tosend und so stark, wir sind sanft, nur ein Hauch, wir sind zart, wir sind da. Ihr könnt uns nicht halten in den Händen, so wenig wie den Wind. Lasst uns frei sein wie der Wind. Wir sind gern an eurer Seite, habt ihr Frieden in den Herzen. Haltet uns nicht. Bindet uns nicht.

Ich will damit sagen: Ihr dürft kommen zu uns Pferden, wann immer ihr wollt. Wir sind da für euch Menschen, wann immer ihr wollt. Wir helfen tragen eure Lasten, wann immer ihr wollt. Ihr könnt kommen zu uns Pferden, wann immer ihr wollt. Seid ihr friedlich in euren Herzen, könnt ihr uns mitnehmen. Könnt kommen mit Halfter, mit Strick. Wir gehen dann mit. Wir kommen gerne mit.

Seid ihr nicht rein in euren Herzen, Herzen so voller Ballast, dann bindet uns nicht. Wir wollen fliehen, können nicht, und der Kampf beginnt. So viel Zorn, so viel Wut, so viel Angst, so viel Angriffslust. Schlimm, schlimm. Das halten wir nicht aus. Bindet uns nicht. Lasst uns frei sein in unseren Herzen. Lasst uns Pferd sein. Lasst uns laufen vor Gefahr. Lasst uns laufen bei Gefahr. Seid keine Gefahr. Wir müssen laufen bei Gefahr. Lasst uns laufen bei Gefahr.«

Tamar kaut ab.

»Friede sei mit uns.«

Ich fühle mich erschöpft. Tamar übermittelte seine Worte in einer solchen Geschwindigkeit, dass ich kaum mit Schreiben nachkam. Er steht zufrieden neben mir.

Herzensgefaehrten-neue-erdeDen Gedankenstrom stoppen

Suche dir einen Platz in der Natur, an dem du dich wohlfühlst. Übe dich im Nichts-Tun. Kommen Gedanken auf, so lass sie an dir vorüberziehen wie nette kleine Wölkchen. Versetze dich in die Rolle des Beobachters, der Beobachterin. Nimm innerlich Abstand zu deinen Gedanken. Messe ihnen keine Bedeutung zu. Lass sie sich einfach weiterbewegen, vorüberziehen. Wenn du denkst, dass du schon wieder denkst, so denkst du.

Sollte diese Vorgehensweise bei dir nicht von Erfolg gekrönt sein, so kannst du es auch mit einem Mantra versuchen. Ersetze deinen Gedankenstrom durch selbst ausgewählte Worte, die dir etwas bedeuten und positiv besetzt sind. Friede und Freiheit, Licht und Liebe oder was auch immer dir angenehm erscheint. Du kannst dein Mantra mit der Atmung verweben. Zum Beispiel beim Einatmen »Licht« denken und beim Ausatmen »Liebe« denken und umgekehrt.

Übe dich in der Wiederholung der Worte, bis sie an Bedeutung verlieren. Dann lass sie einfach bedeutungslos an dir vorüberziehen. Es ist die innere Haltung, die du einnimmst, die dabei so wichtig ist. Das Unbeteiligtsein ist die Eintrittspforte in das Reich der Stille.

Wenn du einmal das Reich der Stille betreten hast, dann wird es dir immer leichter fallen, es zu erkennen und auch für längere Zeit darin zu verweilen.

25.04.2018
©Pia Rennollet


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(c) Pia-Rennolett

Über die Autorin

Pia Rennollet lebt in einer kleinen Gemeinschaft im deutsch-französischen Grenzgebiet nahe Zweibrücken. Sie gibt ihren Wissens- und Erfahrungsschatz gerne weiter. Dabei sind die Pferde ihre wertvollen Begleiter. Sie sorgt für viele Pferde (die sie teils aus tierquälerischer Haltung befreit hat) und hilft in der gemeinsamen biologischen Landwirtschaft. Sie ist in den Reiki-Meister- und Lehrergrad eingeweiht. Sie ist nicht online, aber gerne über den Verlag zu erreichen.

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