Politik der Langeweile, Unehrlichkeit und ohne Vision – So wird Zukunft verspielt

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Auge-Haare-gesicht-eyePolitik verspielt leichtfertig unsere Zukunft 

In Deutschland gibt es keine politischen Visionäre. Außer auf der Straße, Kneipen und Facebook.
„Visiönchen“ für Deutschland oder Europa lesen wir jeden Tag. Aufbereitet von Medien, Experten, Politiker ohne Herz und oftmals ohne Hirn. Hinzu kommt neuerdings das schon dagewesene einer Wutmenge der Straße, die sich selbst als Charakter untauglich abstraft. Nur eines sind diese „Visiönchen“ nicht: Visionen mit Charakter, Bewusstheit und oder auch spiritueller Leuchtkraft.
Letzteres wäre vielleicht eine wertvolle zur Einsicht führende Quelle für so manches visionäre und tatsächlich verantwortungsvolle Handeln. Politik verspielt leichtfertig unsere Zukunft!

Politik ist zu einer Beliebigkeit verkommen. In einer Welt in der jeder politische „Dummschwätzer“ auf seine Art seinen „Mist als Populist“, als Ideologe in die Welt bläst und den ausgemachten Schuldigen am liebsten an die Wand stellen möchte. Mit Patriotismus hat dies nichts zu tun. Wahrer Patriotismus findet sich allein im Widerstand gegen den „braunen Sumpf“.

Mit dieser Klientel will die AFD Volkspartei werden. Was den Bürger, Generationen, die Mehrheit der Deutschen wahrhaftig interessiert, ihnen wichtig ist, ist ohne Belang für deutsche Politiker. Dieser Eindruck wird hinterlassen. Damit läuten die Volksparteien ihr eigenes Ende ein. Am ehesten erkennbar am desaströsen Wahlkampf der SPD und der Sturheit der Kanzlerin des Aussitzens. Allerdings tragen an der Beliebigkeit der Politik auch Medien ihre Last. Auffällige tendenziöse, anbiedernde Berichterstattung trifft man nun überall. Wo ist da die Idee einer Zukunft? Wie wollen wir Morgen und über Morgen leben? Wie sieht es mit Generationen-Gerechtigkeit aus? Dazu gehört auch mit der Verschwendung der Ressourcen der Erde aufzuhören und sich klarzumachen, dass die Menschheit dabei ist sich selbst abzuschaffen. Klimawandel oder multiresistente Bakterien oder Viren könnten das Armageddon der Menschheit sein. In der Ignoranz ist der Unterschied einer Angela Merkel und eines Donald Trump nicht allzu groß, denn beide auf ihre Art verschleudern die menschliche Entwicklung der letzten 10000 Jahre.

Vertrauen in die Kompetenz der sogenannten Eliten, ist bereits seit längerem erschüttert – Politik verspielt leichtfertig unsere Zukunft 

Ein Satz den viele denken und auch aussprechen. Und dies nicht nur weil am 24. September 2017 zur Bundestagswahl aufgerufen ist. Oder gerade deswegen. Weil dieser Wahlkampf einfach eine Lachnummer ist.
Insbesondere jene „völkischen Spatzenhirne“ der AFD tragen zur medialen Bereicherung enorm bei.
Wie etwa Alexander Gaulands Positionen, etwa jüngst mit der giftigen Stigmatisierung der Politikerin Aydan Özoğuz als Anatolierin, die in Deutschland eigentlich nichts verloren habe, oder seine Erörterung vor vielen Monaten, ob der populärste einheimische Fußballspieler Jérôme Boateng, mit seiner nicht hellen Hautfarbe überhaupt nachbarschaftsfähig sei, sind in den Gefilden der CDU und CSU noch in den frühen achtziger Jahren im Mainstream gängig gewesen. Politik verspielt leichtfertig unsere Zukunft !

Es ist ja wahr: Die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) ist ein Haufen von politisch unappetitlich agierenden Politikern und Politikerinnen. Sie repräsentiert im nächsten Bundestag jene Mentalität, die bis zur Kanzlerschaft Angela Merkels noch gut in der Union beheimatet war. Nun allerdings eindeutig an „Bräune“ zugenommen hat.

Die Merkel-Republik ist eine, die alle Konflikte im Namen von Sachzwängen sedierte – und sich nun beschwert, dass da ziemlich schreckliche neue Figuren am Horizont auftauchen. Letztlich weil deutsche Politik sich nicht mehr erneuern, transformieren und Wähler integrieren kann.

Eine Kanzlerin, die sich zum „Büttel“ von Trump und Erdogan machen ließ, ist nicht nach dem Geschmack der Öffentlichkeit, vor allem dann, wenn der eine nach Aufrüstung schreit und der andere auch noch deutsche Gelder aus dem EU Topf begehrt. Eine SPD mit riesigem Geldbeutel für mehr Gerechtigkeit aber ohne Finanzplan und Blick in die Zukunft eines Staates der nach wie vor höchst verschuldet ist. Eine Parteienlandschaft die Umwelt, Klimaschutz hinten an stellt, wenn es um Dieselmotoren geht. Eine Parteienlandschaft die nicht zugibt, das nach wie vor Europa daran beteiligt ist, Afrika auszubeuten und sich wundert, wenn die Menschen nach Europa wollen. Die Liste der politischen Lügen und der medialen Ignoranz ist arrogant. Politik verspielt leichtfertig unsere Zukunft!

Funktioniert allerdings wunderbar, da Politik für alle Parteien zu einem Selbstbedienungsladen geworden ist. Politik ist für Menschen da. Für alle Menschen. Das sollte endlich zur Kenntnis genommen werden.
Ist das gerechtfertigt? In allgemeine Politikverdrossenheit, aus der u.a. Wahlmüdigkeit resultiert, möchte ich nicht einstimmen, nein im Gegenteil, aber es ist mein Vorwurf, dass die Verhältnisse „im Kleinen wie im Großen“, „in- und außerhalb Deutschlands“, für die die Politik Verantwortung trägt, dem einzelnen Menschen in all seinen Lebensphasen überhaupt nicht mehr gerecht werden. Hierzu gehören auch die Rentendiskussionen (Arbeit bis 70 Jahre?), als auch die scheinheilige Bevorzugung der Beamten und ihre Vorteils Pensionen mit ihren kaum mehr finanzierbaren Kosten.

Was sind Ursachen dieser Situation?

Nun, diese sind vielfältig und liegen zum Teil auch in der Vergangenheit, was die Analyse nicht vereinfacht. Seit 1949 erst gibt es die Bundesrepublik, in der die Vision des freiheitlich-friedlich-demokratischen Zusammenlebens der Bürger „nach Jahrhunderten von Diktaturen verschiedener Couleur“ realisiert werden soll. Das erfordert das Mittun aller, die Garantie von Gerechtigkeit und Menschenwürde, das Gewähren von Chancen und individuellen Hilfen, aber auch den Schutz der Natur als unserer wichtigsten Lebensgrundlage! Diesem Anspruch wird die Realität nur eingeschränkt gerecht. Und neuerdings durch Rechtspopulisten, insbesondere der AFD gefährdet. Der ewige Kampf der Ideologien zwischen rechts und links, der Kampf um Meinungsmonopole gemischt mit Lobbyinteressen, Netzmanipulation – erlaubt ist was der Ideologie dienlich erscheint. Zeitgleich verändert sich die Meinungsbildung der Bürger. Während früher die Bildzeitung die Bibel des einfachen Wählers war, sind es jetzt obskure Facebook Gruppen, Social Bots und Fake News.

Was ist zu tun? Die Politik muss sich immer wieder klar werden über ihre Bedeutung für das Gemeinwohl und über die Erwartungen der Bürger. Kluge und engagierte Fachleute sind auch an dieser Stelle gefragt, nicht zuletzt aber auch Menschen, denen das Gemeinwohl – und nicht nur ihr eigenes – am Herzen liegt. Diese Sorte Menschen nennt man gemeinhin „Erwachsene“ – erwachsen nicht nach Lebensjahren, sondern nach persönlichen Qualitäten. Hier wird deutlich: Gute Politik kommt nicht ohne gute Pädagogik aus bzw. im Umkehrschluss: die Defizite in beiden Bereichen hängen miteinander zusammen und können folglich auch nur gemeinsam behoben werden.

Das Kanzlersein in Deutschland darf sich aber nicht erschöpfen in einem bloßen, wenn auch umsichtigen Reagieren auf Schocks von außen. Merkels Absage an klingende Verheißungen aller Art ist gut gemeint, dies kann aber auf die Bürger auch kühl wirken, achselzuckend. Wenn die politische Mitte im Land gefühlsarm wirkt, wächst die Anziehungskraft der Konkurrenten weiter links und weiter rechts. Schmidt hat auf diese Art geholfen, die Grünen groß werden zu lassen. Merkel gibt heute den Rechtspopulisten Raum. Je planloser die demokratische Gesellschaft wirkt, umso leichter haben es Fundamentalisten, Herzen und Hirne junger Leute zu gewinnen.

Die politische Mitte muss jetzt liefern. Auch und gerade jene Politiker, die sympathischer weise eigentlich lieber den Ball flach halten, müssen positive Zukunftsentwürfe zeichnen. Land und Leuten genügt vielleicht schon eine grobe Richtung. In der Flüchtlingspolitik zum Beispiel genügt es nicht, den Deutschen nur ein trotziges “Wir schaffen das” zuzurufen. Was genau soll denn langfristig geschafft werden? Die Politik muss beschreiben, wie am Ende ein für alle Seiten guter Ausgang der Geschichte aussehen kann. Etwa so: Wenn es gelingt, viele Menschen aus Syrien und dem Irak erfolgreich in Deutschland zu integrieren, hätte dies positive Effekte weit über Deutschland hinaus. Wir könnten ein Beispiel setzen fürs Miteinander der Religionen, wir könnten sogar eine Wissens- und Leistungselite heranbilden, die eines Tages in einem friedlichen Syrien und in einem friedlichen Irak eine prägende Rolle übernehmen könnte – mit positiven Rückwirkungen für Deutschland und für ganz Europa.

bundestagswahlMit neuem Mut zurück in die Zukunft

Viele Deutsche ziehen derzeit den Kopf ein und beschreiben hohläugig ihre Angst vor einer Islamisierung Europas. Warum machen wir uns nicht gerade und sprechen selbstbewusst über das Umgekehrte: einen deutschen Beitrag zur Modernisierung und Demokratisierung der arabischen Welt?

Je kühner die Vision, umso größer ist naturgemäß die Gefahr, anfangs belächelt zu werden. Willy Brandt stieß Ende der Sechzigerjahre mit seiner Ostpolitik auf viele Widerstände, auch glaubten viele nicht an den von ihm verkündeten Aufbruch in der Bildungspolitik. Am Ende aber gaben seine Visionen der deutschen Politik eine neue Richtung und eine neue Schubkraft, über seine eigene Amtszeit hinaus.

Als Ronald Reagan im Juni 1987 von der damaligen Sowjetunion den Abriss der Berliner Mauer verlangte, tippten sich viele Deutsche an den Kopf. Ähnlich war es, als Helmut Kohl Ende November 1989, drei Wochen nach dem Mauerfall, einen Zehn-Punkte-Plan zur deutschen Einheit vorlegte. Jetzt gehe es um Wiedersehen, nicht um Wiedervereinigung, meinten Kohls Kritiker.
Europa bedeutet Frieden

Heute heißt das wichtigste Projekt Europa. Allerorten zeigt der Nationalismus wieder seine primitive Fratze mit all seiner Wut – als sei irgendein Problem im nationalen Alleingang lösbar. Wer in Deutschland regieren will, muss mit einer klaren neuen Vision kontern. Was spricht dagegen, die Vereinigten Staaten von Europa als Ziel auszurufen – mit dem ausdrücklichen Zweck, gewisse Dinge zu kombinieren: Freiheit und Würde des Einzelnen plus wirtschaftliche Modernität plus soziale Gerechtigkeit, Weltoffenheit und Toleranz. In China, Russland und den USA ist diese Kombination so nicht erhältlich.
In der Debatte über Europa ist leider der Blick aufs große Ganze verloren gegangen. Von Antoine de Saint-Exupéry stammt der Satz: “Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.” Die Europäer blicken derzeit nur auf viele Balken und fangen an zu diskutieren, ob man das Schiff überhaupt braucht. Es wird Zeit, die Gedanken wieder in Richtung Meer zu lenken, zurück in die Zukunft.

Vision – ein politisches Kulturgut

Die Furcht vor der irrenden Vision aber ist der eigentliche Irrtum. Visionäre Bilder und Utopien sind für eine aufgeklärte Politik unverzichtbar. In der globalisierten Welt passen sie allerdings nicht auf einem Bierdeckel, wenn sie das je taten. Heute verlangt die Entwicklung von Visionen Sorgfalt, weil die Bedingungen komplex sind und übermäßige Vereinfachung unangemessen ist. Mancherorts wird die Komplexität nicht als Herausforderung, sondern zur Abwehr von Visionen hergenommen. Dann heißt es schnell, Visionen seien schädlich, weil sie der Planwirtschaft Vorschub leisteten. Politik verspielt leichtfertig unsere Zukunft !

Zudem bedürfe man ihrer nicht, weil die „unsichtbare Hand des Marktes“ ohnehin alles lenke und optimiere. Überzeugend ist dies alles nicht. Und in welches Krisenthema man auch schaut, eine solche Hand ist wohl vor allem deshalb unsichtbar, weil sie gar nicht existiert. Vision braucht heute aber neben den ideellen und idealisierten Endpunkten neue und ergänzende Komponenten. Experimentelle Nachhaltigkeits-Dialoge mit Jugendlichen, Studierenden und Berufsanfängern, aber auch mit Profis und Entscheidungsträgern zeigen das. Sie weisen auf die Dringlichkeit hin, eine Pluralität von Visionen zuzulassen, sich über Prozesse (vermehrt) Gedanken zu machen. In solchen Prozessen liegen Besonderheiten, die Neugier und Aufmerksamkeit erwecken. Denn man wird schnell die Erfahrung machen, dass Verantwortung nicht mehr schlicht nach den einfachen Opfer-TäterMustern aufgeteilt werden kann, die bisher unser Denken beherrschen: Ihr-da-oben-wir-hier-unten funktioniert nicht mehr.

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Uwe Taschow
5 September 2017

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1 Kommentar

  1. Hallo Uwe, du beklagst die fehlenden Visionen, nehme ich an? (Ich muß hier erwähnen, daß ich solche und solch langen Texte nicht lese(n kann).

    Einfacher ist es, wenn du hier…
    schon mal eine Vision formulierst.

    Ja, es ist sehr hilfreich, wenn Visionen formuliert werden. Wie sonst soll denn das morphogenetische Feld wissen, was wir wollen, wenn wir es nicht klar und deutlich sagen? Und so differenziert wie möglich.

    Aber eine unferige Skizze tut es auch schon, denn für eine Vision braucht es kein bis ins Kleinste ausgerechnetes Gutachten.

    Für´s Erste genügt bereits…
    eine grobe Zielformulierung.

    Gruß, Nirmalo

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