Polyamorie versus Monogamie – Beziehungsmodelle und Spiritualität

zwei-schwaene-swan

zwei-schwaene-swanBeziehungsmodelle und Spiritualität – Polyamorie versus Monogamie

Der Puls der Zeit kommt bei Jedem früher oder später an. Es ist wie der neuste Modetrend, welcher aufgegriffen wird, und von dem man zwangsläufig erfährt. 
Immer mehr Menschen in meinem Umfeld leben Polyamor oder interessieren sich für dieses Beziehungsmodell. 
Ich möchte näher in das Thema eintauchen und hinterfragen, woher dieser Wunsch kommt. 
Ich habe schon einige Aussagen gelesen und erhalten.

Das ging von fanatischen Aussagen ( Man ist nur wirklich spirituell und erwacht wenn man keine monogame Beziehung pflegt ) über Projektionen der eigenen Verletzlichkeit (Statistisch gesehen begehen knapp 80% der Partner Seitensprünge! Es wird Vertrauen missbraucht, gelogen und hintergangen.) bis hin zu der bedingungslosen Liebe (Polyamor ist eine Reife Form der Beziehung. Hier geht es nicht um wildes herum vögeln, sondern um bedingungslose Liebe, in der Eifersucht und Besitzansprüche fehl am Platz sind).

Soweit so gut. Verschiedene Ansätze mit verschiedenen Erfahrungsmustern.

Also versuche ich jetzt, die verschiedenen Ansätzen, aus denen der Wunsch nach Polyamorie entsteht, zu ergründen.
Aus meiner Sicht natürlich nur, und ich bin für jeden dankbar, der mir hier eine andere Begründung nennen kann, um meine Sicht auf die Dinge zu erweitern.

 Man ist nur wirklich spirituell und erwacht, wenn man keine monogame Beziehung pflegt!

Ich frage mich bei dieser Aussage ( und der begegne ich wirklich sehr oft! ) womit man Spiritualität und Erwachen verbindet. 
Hier kann man bei Wikipedia folgendes nach lesen:
Als Ausdrucksformen der Spiritualität konnten mit Hilfe von Fragebogenkonstrukten mindestens sieben Faktoren differenziert werden:

  • Gebet, Gottvertrauen und Geborgenheit
  •  Erkenntnis, Weisheit und Einsicht
  • Transzendenz-Überzeugung
  • Mitgefühl, Großzügigkeit und Toleranz
  •  Bewusster Umgang mit anderen, sich selbst und der Umwelt (entspricht im weitesten Sinne einem achtsamen Umgang auf horizontaler Ebene)
  • Ehrfurcht und Dankbarkeit
  • Gleichmut und Meditation.

Also die Spiritualität als die Wahrnehmung der Einheit von Wirklichkeit und das Anerkennen des Geistigen als Realität, annehmen und leben
und
Die Erleuchtung – das spirituelle Erwachen, der Austritt aus dem von den Buddhisten als Samsara bezeichneten Zustand, der als leidvoll erlebt wird, als immer währender Zyklus der Wiedergeburten, vollzieht sich, wenn der allergrößte Teil der Schleier verschwunden sind. Sie verschwinden nicht zufällig, sondern dadurch, dass Sie die Realität genau so sehen, wie sie ist.
Was bedeutet, die Wahrheit hinter den Dingen zu erkennen und zu akzeptieren.

Durch das immer mehr Verstehen und Annehmen von dem was ist, tritt das Wesen aus dem kollektiven Bewusstsein aus und strömt auch äußerlich wieder mehr und mehr mit der Schöpfung. Er sieht sich nicht mehr als getrennt von den Anderen oder auch von dem, was ihm geschieht. Auf einer tiefen Ebene war er nie getrennt. Die Einheit vollzieht sich dann nach und nach auf den anderen Ebenen und die Schleier der Illusion lösen sich auf.
(Quelle: http://www.lichtkreis-online.de/bodhi-nirvana-erleuchtung.html)

Hebt die Aussage, von man kann nur spirituell und erwacht sein, wenn man in keiner monogamen Beziehung lebt, sich nicht selber auf? Alleine die Tatsache, dass Spiritualität und Erwachen an Bedingungen geknüpft ist, sollte den Verfechtern dieser Aussage zu denken geben.

Woher kommt also diese Ansicht? Kommt man alleine darauf? Oder entspringt diese vielmehr eines Einzelnen, um sich selber eine Begründung, für seine Bedürfnisse und Handlungen zu geben?

Wenn dieser Einzelne dazu auch noch in einer Machtposition ist, viele Menschen erreicht, deren Hoffnungen und Bedürfnisse erfüllt, kann diese Verwirrung aus Täter/Opfer, eine ganz eigenen Dynamik erhalten.

Ich ziehe hier mal liebevoll den Lemming – Vergleich. In dem sich Täter und Opfer gegenseitig bedienen. Es werden Prozesse und Bedürfnisse angeregt und befriedigt.
Mit eigener Ausrichtung, Spiritualität und Erwachen hat dieser Kreislauf, in meinen Augen aber nichts zu tun. 
Statistisch gesehen begehen knapp 80% der Partner Seitensprünge! Es wird Vertrauen missbraucht, gelogen und hintergangen. Jede dritte Ehe scheitert. 

Wer diese Begründung für sich als passend empfindet, lebt in einer Geschichte der Verleugnung.

Diese Geschichten schreibt man sich selber. Immer und immer wieder. Wenn ich in einer Polyamoren Beziehung lebe, dann habe ich keine Besitzansprüche, lebe und liebe frei. Ich fließe mit den Menschen, ob nun drei oder 20, und kann nicht verlassen oder enttäuscht werden; lautet hier die Hoffnung.

Wenn man hier tiefer eintaucht, würden vermutlich alte Glaubenssätze und Wunden aus der Kindheit oder vorherigen Leben/ Ahnenthemen, ans Licht treten, die uns immer wieder Erfahrungen erleben lassen, bis wir hinsehen und ihnen den Raum für Heilung geben.

Aber welche Rolle nimmt die Polyamore Beziehung hier nun ein? Was ist der Unterschied zwischen POLY und MONO? 

Ist es nicht im Grunde nur die Unverbindlichkeit, die sich häufig eingebildet wird? 

Wenn man sich für eine Liebesbeziehung entscheidet, dann entscheidet man sich für ein emotional und sexuell intimes Verhältnis. Man lebt mit einer oder mehreren Personen in wechselseitiger, emphatischer Aufmerksamkeit, die bei uns Wohlbefinden und Harmonie hervorbringt und in Vertrauen mündet. 

Im Bestem Falle! 

Da wir aber alle unsere Geschichten haben, und auch leben, ist es nicht ganz so einfach, eine Liebesbeziehung, so zu führen, wir unsere Vorstellung davon ist. 
Um zu diesem Punkt zu kommen, führt der/die andere/n, bewusst, oder in den meisten Fällen unterbewusst,  an eigene, schmerzhafte und selbsterschaffene Muster.
Hier finden wir uns oft im Missbrauch, Betrug, Nichterfüllung von Bedürftigkeit. wieder.

Wir werden Enttäuscht. Und weil wir es nicht ertragen können, unsere eigenen Themen gespiegelt zu bekommen, beenden wir die Gemeinsamkeit oder finden uns ab, weil es ja im Grunde immer schon so war, und wir es auch nicht anders verdient haben. 

Verletzte Gefühle/ Enttäuschungen beinhalten aber auch immer eine Chance.

Wir haben hier die Möglichkeit, mit Hilfe des anderem/der anderen, im Austausch miteinander, den eigenen Dämonen, aber auch deren der anderen Person, auf dem Grund zu gehen. Sind wir dazu nicht bereit, werden uns diese Erfahrungen weiter begleiten, bis wir hinsehen und erkennen. 

Aus meiner Sicht, beinhaltet, der Weg zu einer erfüllenden Partnerschaft, wie sie im Buche steht, Enttäuschungen. Hier liegt die Chance für sich selber, für den anderen und auch im gemeinsamen Weg. 

Diesen Weg kann man im Monogamen Beziehungsmodell aber auch im Polyamorem Beziehungsmodell erfahren. 

Mir persönlich genügt dazu ein Mensch. Andere bevorzugen für den Weg vielleicht mehrere Spiegelungen. 
Wer aber, auf Grund von Ängsten und Verleugnungen in einer Polyamoren Beziehung lebt, weil eben statistisch gesehen knapp 80% der Partner Seitensprünge begehen, Vertrauen missbraucht, gelogen und hintergangen wird und jede dritte Ehe scheitert, wird in einer tatsächlichen Beziehung, egal in welcher Form, nicht davor verschont bleiben. Und sollte sich hinterfragen, was der Grund, für die Wahl seines Beziehungsmodels ist. 

Polyamor ist eine Reife Form der Beziehung. Hier geht es nicht um wildes herum vögeln, sondern um bedingungslose Liebe, in der Eifersucht und Besitzansprüche fehl am Platz sind.
Bedingungslose Liebe, kann man also in der Polygamen Lebensweise erfahren.
Das wirft bei mir sehr viele Fragen auf. 

Wir haben oben das Thema Beziehung angeschnitten. Wenn eine Beziehung zu führen bedeutet, dass Enttäuschungen benötigt werden, um uns zu entwickeln, (Opfer/Täter) wie kann man dann gleichzeitig die bedingungslose Liebe leben?

Spinnen wir das ganze mal weiter…

Enttäuscht werden kann man, wenn man eine Bedürftigkeit hat und diese Bedürftigkeit nicht gesehen und erfüllt wird.
Die Bedürftigkeit kann viele Syndrome mit sich bringen, und hat seinen Ursprung im Mangel.
Wir erwarten von unserer Umwelt, dass unsere Bedürftigkeiten gesehen und erfüllt werden, um unseren Mangel nicht spüren zu müssen.

Wenn wir das hier einmal nur aufs Thema Liebesbeziehung projizieren, erwarten wir also plump gesagt, das unser/ unsere Partner unsere Gefühle wahrnehmen, und so handeln, wie wir es benötigen, ohne ihre eigenen Bedürfnisse dabei zu leben. 
Entweder gehen wir hier selber in die Täterrolle oder verweilen im Opferdasein. 

Niemand kann die Verantwortung für unseren eigenen Mangel übernehmen. Außer wir selber.

Bedingungslose Liebe zu leben, setzt Selbstliebe voraus. Die Annahme in all seinem Sein.  Täter/Opfer, schwarz/weiß, gut/böse, Himmel/ Hölle oder männlich/weiblich. Egal wie man es dreht oder wendet. Es benötigt die Ausgewogenheit in beiden Aspekten, um in der Mitte zwischen diesen ruhen zu können. 

Wenn wir uns selbst lieben, stillen wir all unsere Bedürftigkeiten in uns, und erlösen uns von unserem Mangel. 

Ist eine Beziehung dann überhaupt interessant für uns?
Oder leben wir dann nicht die allumfassende Liebe in und mit jedem und allem? 
Und wäre das Bedürfnis nach Partnerschaft, egal ob Monogam oder Polyamor nicht aufgehoben? 

31.05.2018 
Alexandra Hornig

Alle Beiträge der Autorin auf Spirit Online

Spirit PLUS – Für Spirit Online zahl ich

Standpunkt und Haltung in einer sich verändernden Welt

Spirituell relevante Informationen nachvollziehbar, kompetent, glaubwürdig und verständlich
Leben ist Veränderung – was so einfach klingt, ist eines der anspruchsvollsten Unterfangen des täglichen Menschseins. Wir stellen uns dieser Aufgabe!

Unsere Informationen auf spirit-online.de sind frei zugänglich – für alle. Jeden Tag. Das geht nur, wenn sich viele Leser*innen freiwillig mit einem Abo beteiligen.
Schon 5,- Euro im Monat sichern die Zukunft von spirit-online.de im Inhalt und in der Qualität – FÜR SIE!

Jederzeit sofort kündbar einfach per E Mail!

Spirit PLUS – Für Spirit Online – Für Spirit Online zahl ich

1 Kommentar

  1. Ja, liebe Frau Hornig – Ihren Betrachtungen und Überlegungen kann ich vollends zustimmen. Nach fast zwei Jahren mehr oder weniger intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema (Da mein Mann mir während der Schwangerschaft mit dem dritten Wunschkind eröffnete, sexuell unbefriedigt zu sein und als Erklärung dafür gefunden zu haben meinte, dass Monogamie ja auch “unnatürlich” sei – als ob Polyamorie dagegen irgendwie “natürlicher” sei… und ihm die PA-Dogmen gute Gründe für seine Phantasie lieferten…) – ist es schön, endlich ein differenzierten Beitrag dazu zu finden – jenseits des Chores der Bewunderer jedweder neuen Mode. Immer noch verschlägt es mir die Sprache angesichts des immensen Sendungsbewusstseins des “Polyamorie-Überbaus” – warum braucht es diese Rechtfertigungsdogmen? Sehr befremdlich. Wer so leben mag, mag es tun und wenn es für ihn/sie passt, gut. Aber anderes dabei degradieren zu müssen – warum? Ein Minderheiten-Phänomen? Keine Ahnung… im Übrigen ist es natürlich eine ziemliche Schwierigkeit, die Diskrepanz zu überbrücken (und eventuell ist es nicht möglich), wenn aus einer monogamen Beziehung einseitig der Wunsch nach dieser “Öffnung” kommt. Für mich geht damit eher eine Türe zu und endet etwas “Heiliges”. Aber wie Sie schon schreiben – manch einer mag für seinen Weg des inneren Wachstums mehrer Spiegelungen benötigen. Wobei ehrlich gesagt, es oft genug mehr um die angesprochenen Bedürftigkeiten geht, weniger um Wachstum (und den Trugschluss, im “Aussen” (also im Anderen, im Gegenüber) – zumal wenn dieses multipel ist – die Lösung der eigenen Probleme zu finden). Die Schlagworte bei meinem Mann jedenfalls sind eher “Anmache”, “Erregung”, dieses “Spiel” spielen wollen, “sexuelle Phantasien” – wenn auch die Vorstellung, eine “Zweit- und Drittfrau” zu haben (neben vielleicht weiteren unverbindlichen Ereignissen) ihm aufregend erscheint… und die Aussicht, mit diesen (so die laut geäusserte Träumerei) “schöne Wochenenden in anderen Städten zu verbringen”. Jeder Freundin würde ich schon längst gesagt haben, dass dieser absolute Mangel an Empathie mit der schwangeren Partnerin und diese krasse Ego-Nummer keinen anderen Schluss zulässt als: der hat sich unmöglich gemacht – befreie Dich von dem. Aber natürlich ist es nicht so einfach, wenn man drin steckt. Puh. Danke jedenfalls für den Artikel! Ich vermisse sehr eine differentziertere Auseinandersetzung in den Medien – wobei ein Schritt zur eigenen Emanzipation vom Thema und denen meines Mannes auch ist: ich muss mich damit eigentlich nicht weiter beschäftigen und es ist egal, wer welchen Lobgesang oder welche scheinbar so überzeugend vielfältige Bestätigung der Poly-Theorie vertritt – ich habe für mich meine Wahrnehmung und meinen Standpunkt… oder auch meine Wahrheit.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*