Religion als Begriff ist unscharf und schwer abgrenzbar

ReligionReligion – Der Begriff ist unscharf und schwer abgrenzbar

Das Wort Religion kommt vom lateinischen „Relegere: immer wieder lesen, aufsammeln, aufwickeln“; oder von „Religare: Zurück (ver) binden“, aus meiner Sicht am sinnigsten ist zweiteres, also eine „Wiedervereinigung mit dem Göttlichen“. Wobei dieses eben wieder unpräzise ist, weil es unterschiedliche Konzepte von Gott gibt und zB. der Buddhismus gar nicht von Gott spricht. Im Lateinischen wurde das Wort aber auch genutzt für Begriffe wie: „Gottesfurcht“, „Frömmigkeit“, „Heiligkeit“, aber auch „Rücksicht“, „Bedenken“, „Skrupel“, „Pflicht“, „Gewissenhaftigkeit“ oder „Aberglaube“.

Auch das Kirchenlexikon im Internet sagt:

„Der Religionsbegriff ist unscharf und schwer abgrenzbar. Religion kann sowohl die Rückbindung und Hinordnung zu Gott, die Begegnung mit dem Transzendenten als auch die richtige Beobachtung des Kultes bedeuten. Aus religiösen Überzeugungen entsteht ein System von Handlungsrichtlinien und Glaubensvorstellungen, die das menschliche Leben ordnen sollen.“

Und somit denke ich, es ist mit Religion eine institutionalisierte Sinnsuche („System von Handlungsrichtlinien und Glaubensvorstellungen“) gemeint, die daher sicherlich dem Gedanken von Marx entspricht, weil die Sinnsuche eben nicht ergebnissoffen und frei ist. Die Institutionalisierte (zB Katholische Kirche) bzw. elitär gesteuerte (zB. Hinduismus) Sinnsuche gibt Konzepte vor, und vereinheitlicht das höchste Ziel in eine bestimmte Richtung. Damit ist sie ein Instrument zur Machterhaltung und führt das Individuum nur in seltenen Fällen zur individuellen Freiheit.

Definition Religionsgemeinschaft:

Eine solche ist dann die tatsächliche Institution die Angehörige eines „Glaubens“ (auch wieder so ein Wort…) unter ihrem Dach vereint und theologische Themen und Konzepte vorgibt. Hierin besteht meiner Meinung nach die Gefahr einer Verwässerung der Ursprünglichen Idee, so wie die Katholische Kirche die Ideen von Jesus Christus sicherlich in ihrem (machterhaltenden) Sinne verdreht und umdeutet.

Kirche verliert an Bedeutung – Spiritualität ausserhalb der Kirchen

Die Kirche sowie der klassische religiöse Glauben verlieren (zumindest in unserer christlichen Welt) an Bedeutung. Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus. Manche formieren sich dann lieber in neuen (politischen) Vereinigungen. Andere finden ihren eigenen Glauben. Sie suchen und finden einen Zugang zu sich selbst, öffnen sich ihrer Selbstliebe und begegnen hierdurch ihrer eigenen Spiritualität.

Die Glaubenskonstruktion von Gottvater und Jesus Christus war auch nur eine Form, ein Bild, eine Vorstellung. Sie konnte uns helfen, eine Orientierung zu finden. Doch letztendlich sind ALLE Formen von Egos erschaffene Formen. Die wahre Liebe ist formlos. Und auch unser wahrer, spiritueller Geist ist formlos. Unser Dilemma hierbei ist: Wir KÖNNEN das Formlose NICHT mit unseren körperlichen Sinnen wahrnehmen

Ein Glaube, der sich an feste Rituale, Regeln und Verhaltensformen hält (also an bestimmten, vorgegebenen Formen orientiert), ist schon wieder FORM – und damit eben NICHT heilig, sondern Ego.

Heilig ist unser Herzensfeld. Heilig sind wir in unserer feinstofflichen, formlosen Essenz. Heilig ist die Seele in ihrem Sein. Heilig ist all das, was formlos ist – nicht sichtbar, nicht messbar, nicht fühlbar, nicht denkbar. Wir können unsere Heiligkeit mit unseren körperlichen Sinnen eben NICHT fühlen, spüren oder wahrnehmen. Heilig ist eben heilig.

Uwe Taschow

Spirit Online

12. Juni 2017