Schattenseite der Empathie

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Schattenseite der Empathie

Menschen mit hoher Sensibilität verfügen oft über eine überdurchschnittliche Empathie und die Fähigkeit, sich sehr gut in die Gefühle, Emotionen und Gedanken anderer einzufühlen. Es zeigt sich häufig, dass Hochsensible eine besondere Offenheit und Bereitschaft besitzen, anderen zuzuhören und in Zeiten des Leids mit Mitgefühl, Mitleid und großer Hilfsbereitschaft zu reagieren. Sie sind in der Lage, feine Nuancen in der Gefühlswelt und den Stimmungen ihrer Mitmenschen wahrzunehmen und darauf sensibel zu reagieren. Das Leiden von Menschen oder Tieren berührt sie zutiefst und löst in ihnen Traurigkeit und Aufgewühltheit aus.

Diese ausgeprägte Sensibilität kann Hochsensible jedoch auch vor besondere Herausforderungen stellen. Aufgrund der intensiven Wahrnehmung von Reizen und Emotionen neigen sie dazu, schneller überfordert zu sein und sich leichter gestresst zu fühlen. Es ist wichtig, dass hochsensible Menschen lernen, ihre eigenen Grenzen zu respektieren und sich Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen, um sich vor Überstimulation zu schützen.

Darüber hinaus kann es für Hochsensible schwierig sein, in einer Welt, die oft von Reizüberflutung und Hektik geprägt ist, einen angemessenen Ausgleich zu finden. Regelmäßige Ruhepausen, Zeit in der Natur und kreative Tätigkeiten können dabei helfen, zur inneren Balance zurückzufinden und die eigene Sensibilität als Stärke zu begreifen.

Es ist wichtig, dass hochsensible Menschen lernen, ihre besondere Gabe der Empathie und Feinfühligkeit als Bereicherung zu sehen und sie bewusst für sich und ihr Umfeld einzusetzen. Indem sie lernen, mit ihrer Sensibilität achtsam umzugehen und sie gezielt zu nutzen, können sie nicht nur sich selbst besser verstehen und entfalten, sondern auch einen wertvollen Beitrag für ein empathisches und mitfühlendes Miteinander leisten.

In der Auseinandersetzung mit ihrer Hochsensibilität können hochsensible Menschen wertvolle Erkenntnisse über sich selbst gewinnen und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln. Es lohnt sich, die eigene Sensibilität als eine einzigartige Gabe zu betrachten, die es gilt zu pflegen und zu schätzen.

Schattenseite der Empathie menschen zahnrad gesellschaftEmpathie – die Stärke der Hochsensiblen

Die Fähigkeit zur Empathie ist von großer Bedeutung für das soziale Miteinander, da sie es ermöglicht, die Signale anderer Menschen richtig zu interpretieren. Hochsensible Personen zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, sich in die Gefühle anderer hineinzuversetzen, was zu einer starken Verbundenheit und einfühlsamen Reaktionen führt. Dank ihrer hohen emotionalen Intelligenz bereichern Hochsensible unsere Gesellschaft auf vielfältige Weise. Sie sind besonders gut darin, Konflikte zu lösen, zuzuhören und uns auf Aspekte aufmerksam zu machen, die uns bisher entgangen sind. Häufig findet man empathische Menschen in helfenden Berufen wie Therapeuten, Ärzten, Heilpraktikern, Krankenschwestern und Rettungssanitätern.

Eine weitere Stärke empathischer Menschen liegt in ihrer Fähigkeit, gut zuzuhören. Dadurch vermitteln sie ihren Gesprächspartnern das Gefühl, verstanden und akzeptiert zu werden. Schutzbedürftige Menschen und Tiere fühlen sich bei empathischen Personen besonders gut aufgehoben. Empathen sind oft in der Lage, die Bedürfnisse und Emotionen ihres Gegenübers allein anhand der Körpersprache zu erkennen. Eine besonders ausgeprägte Empathie zeigen Synästhetiker.

Insgesamt spielen empathische Menschen eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft, da sie dazu beitragen, zwischenmenschliche Beziehungen zu stärken, Konflikte zu lösen und für das Wohlbefinden anderer zu sorgen. Ihre Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, trägt dazu bei, ein harmonisches und verständnisvolles Miteinander zu fördern.

Die Schattenseite der Empathie

Hochsensible Menschen zeichnen sich oft durch ihre starke Empathie aus, die sie dazu neigen lässt, sich intensiv um die Bedürfnisse und das Leid anderer zu kümmern. Dabei geraten ihre eigenen Bedürfnisse oft in den Hintergrund. Ein Übermaß an Empathie kann dazu führen, dass die Grenzen zwischen dem Leid anderer und den eigenen Bedürfnissen verschwimmen. Es ist daher von großer Bedeutung, dass Sie als Helfende eine besondere Achtsamkeit walten lassen, um Grenzen zu setzen und sich nicht bis zur völligen Erschöpfung aufzuopfern. Der Körper sendet in solchen Fällen oft Warnsignale aus, die sich beispielsweise in Form von Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Erschöpfungszuständen und Depressionen bemerkbar machen, als Reaktion auf die ständige Überforderung und das Ignorieren eigener Bedürfnisse.

Besonders Menschen in helfenden Berufen sind einem erhöhten Risiko für Burnout ausgesetzt. Daher ist es von großer Bedeutung, frühzeitig die Warnsignale zu erkennen und gegenzusteuern. Es gibt zahlreiche Angebote zur Förderung der Achtsamkeit, die Ihnen helfen können, sich selbst besser wahrzunehmen. Dabei geht es unter anderem darum zu lernen, “Nein” zu sagen, ausreichend Pausen einzulegen, sich nicht ausnutzen zu lassen und die eigenen Grenzen zu erkennen. Einige Aufgaben lassen sich möglicherweise auch delegieren, um die eigene Belastung zu reduzieren.

Empathische Menschen neigen oft dazu, Konflikten aus dem Weg zu gehen, um andere nicht zu verletzen. Das sogenannte Helfer-Syndrom kann dazu führen, dass man zum ständigen Kummerkasten für Personen wird, denen man bereits geholfen hat. Es ist wichtig, solche Denkmuster zu durchbrechen und klare Grenzen zu setzen, um die eigene Gesundheit nicht zu gefährden.

Insgesamt ist es entscheidend, dass Sie sich Ihrer eigenen Bedürfnisse bewusst werden und lernen, diese angemessen zu berücksichtigen, um langfristig gesund und ausgeglichen zu bleiben. Nur so können Sie langfristig anderen Menschen helfen, ohne sich selbst zu vernachlässigen.

Hoch-Empathie

Menschen mit hoher Empathie, auch bekannt als Vollempathen, verfügen über eine besonders ausgeprägte Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Sie können das Leid und Elend, das durch Unfälle, Kriege und Naturkatastrophen verursacht wird, intensiv und fast so miterleben, als wären sie selbst vor Ort. Diese starken Empfindungen können zu einer enormen emotionalen Belastung führen, weshalb viele Vollempathen es vermeiden, Nachrichten zu verfolgen, um sich selbst zu schützen.

Vollempathen besitzen eine Art sechsten Sinn, der es ihnen ermöglicht, feinste Nuancen im Verhalten anderer zu erkennen. Sie fühlen sich tief mit allem Lebendigen verbunden und können körperliche Schmerzen anderer regelrecht spüren. Menschenansammlungen bedeuten für sie eine regelrechte Überflutung an Reizen, die sie oft nur schwer ertragen können und die zu Erschöpfungszuständen führen kann. Oft lastet ein Gefühl von tiefem Weltschmerz auf ihnen. Ihr vegetatives Nervensystem reagiert häufig überempfindlich und zeigt Symptome wie Krämpfe und Schmerzen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass hoch-empathische Menschen besondere Bedürfnisse haben und sensibler auf ihre Umgebung reagieren. Daher ist es ratsam, diesen Personen mit Verständnis und Rücksichtnahme zu begegnen. Es kann hilfreich sein, Vollempathen dabei zu unterstützen, Strategien zu entwickeln, um ihre Empfindsamkeit besser zu regulieren und sich vor übermäßiger Belastung zu schützen. Zudem sollten sie ermutigt werden, Wege zu finden, um sich selbst Gutes zu tun und ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Mit einem einfühlsamen und unterstützenden Umfeld können hoch-empathische Menschen lernen, ihre Gabe als Stärke zu begreifen und sie positiv für sich und andere einzusetzen.

Hoch-empathische Menschen haben viele Möglichkeiten, sich vor zu vielen negativen Reizen zu schützen:

Es ist ratsam, den Konsum von Nachrichten und die Nutzung sozialer Netzwerke zu reduzieren. Menschenmengen sollten vermieden werden, um das Risiko von Infektionen zu verringern. Die Fähigkeit zur Empathie ist eine wertvolle Eigenschaft, die sowohl sich selbst als auch anderen zugutekommen kann. Es ist wichtig, diese empathische Gabe bewusst einzusetzen. Achten Sie darauf, Ihre eigenen Ressourcen sorgfältig zu managen, indem Sie ausreichend Pausen einplanen, Zeit in der Natur verbringen und sich mit positiven Menschen umgeben, die Ihnen guttun.

Was ist dran am Weltschmerz der Hochsensiblen?

in der heutigen Arbeitswelt steht Effizienz oft an erster Stelle. Umsatzsteigerung, Gewinnmaximierung und Leistungssteigerung sind die Leitprinzipien, die zu weiterem Wachstum führen sollen. Gleichzeitig werden wir tagtäglich mit einer Flut von Bildern und Nachrichten über schreckliche Ereignisse konfrontiert. Dies kann bei einigen zu einer gewissen Gefühlskälte und abnehmender Empathie führen, während Hochsensible sich oft ohnmächtig, traurig und wütend fühlen, wenn wirtschaftliche Interessen über die Bedürfnisse von Mensch, Tier und Natur gestellt werden.

Für Hochsensible mag es so erscheinen, als hätten diejenigen, die den Schmerz der Welt nicht spüren, ein kaltes Herz. Dieses „kalte Herz“ wird als eine der Krankheiten unserer Zeit betrachtet.

Es ist von großer Bedeutung, dass unsere Gesellschaft die Hochsensiblen schätzt und anerkennt, da sie dazu beitragen, uns immer wieder zu sensibilisieren und auf einen menschlicheren Weg zurückzuführen. Ihre Empathie und ihr Verständnis sind wichtige Elemente, um uns zu mehr Mitgefühl und Menschlichkeit zu bewegen.

Es ist unerlässlich, dass wir die Bedürfnisse und Empfindungen aller Menschen, unabhhängig von ihrer Sensibilität, respektieren und wertschätzen. Nur durch ein gegenseitiges Verständnis und eine gemeinsame Wertschätzung können wir eine Gesellschaft aufbauen, die auf Mitgefühl, Respekt und Empathie basiert.

Die Vielfalt der Sensibilitäten in unserer Gesellschaft ist eine Stärke, die es zu schützen und zu fördern gilt. Denn nur durch ein harmonisches Miteinander können wir die Herausforderungen unserer Zeit bewältigen und eine Welt schaffen, in der Menschlichkeit und Empathie im Mittelpunkt stehen.

16.06.2019

Heike Schonert
HP für Psychotherapie und Dipl.-Ök.

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Heike SchonertVerlässlichkeit Portrait Heike Schonert

Heike Schonert, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Diplom- Ökonom. Als Autorin, Journalistin und Gestalterin dieses Magazins gibt sie ihr ganzes Herz und Wissen in diese Aufgabe.
Der große Erfolg des Magazins ist unermüdlicher Antrieb, dazu beizutragen, dieser Erde und all seinen Lebewesen ein lebens- und liebenswertes Umfeld zu bieten, das der Gemeinschaft und der Verbindung aller Lebewesen dient.

Ihr Motto ist: „Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, uns als Ganzheit begreifen und von dem Wunsch erfüllt sind, uns zu heilen und uns zu lieben, wie wir sind, werden wir diese Liebe an andere Menschen weiter geben und mit ihr wachsen.“

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Buch Tipp:

Empathie hochsensibler Menschen cover die gabe der empathen AnneHeintze Ananda Hummer
© mvg Verlag

Die Gabe der Empathen:
Wie du dein Mitgefühl steuerst und dich und andere stärkst
von Anne Heintze und Ananda H. Hummer
Was wie ein Witz daher kommt, ist für mehr als acht Millionen Menschen in Deutschland Realität. Sie alle sind Empathen, das heißt ausgestattet mit hochsensitiven und hochsensiblen Eigenschaften, die die allermeisten von ihnen als Bürde empfinden. Der Grund: Mit ihrer Fähigkeit, sich in die Gedanken und Gefühle anderer hineinzuversetzen, besteht ihr Alltag (bewusst oder unbewusst) aus Emotionen anderer – ihre eigenen Bedürfnisse kommen dabei meist zu kurz.

2 Kommentare

  1. Warum werden(sind) Menschen hochsensibel ?
    Sensibilität auf Reize entspringt ja-neurowissenschaftlich gesehen-einer gewissen Erregung. Für mich könnten Traumata in der frühkindlichen Phase den Organismus in einen “Dauerzustand” von höherer Erregung versetzt haben, was dazu führt, dass Reize stärker empfunden werden. Der Geist befindet sich quasi nie in einem Ruhezustand wie bei “normalen” Menschen. Ein nichtverarbeitetes Trauma versetzt den Geist in eine Dauerspannung von Gefühlen und macht somit hoch-sensibel.

  2. Lieber Martin,
    Ja, du hast ganz Recht! Durch die Biografiearbeit mit hochsensitiven Empathen haben wir hunderte Lebensgeschichten gelesen und nur ein einziges Mal fiel der Satz: „Ich hatte eine wunderschöne Kindheit“ – ein Satz, der auch bei ausführlichem Nachfragen noch Bestand hatte.
    Die Frage hören wir oft: Sind Hochsensibilität und Hochsensitivität vererbt oder durch ein Trauma erworben?
    In diesem Bereich bestehen in Fachkreisen sehr unterschiedliche Meinungen. Es gibt Experten, die der festen Überzeugung sind, dass Hochsensibilität vererbt wurde und in der Ahnengalerie der Familie bereits eine Person diese Hochsensibilität auch aufgewiesen haben muss.
    Andere Fachleute argumentieren wiederum, dass Hochsensibilität eine Folge von Traumatisierungen ist und dass keine psychologische Disposition oder sogar eine Vererbung bestehen muss.
    Es gibt auch erfahrene Coaches und Therapeuten, die im Rahmen ihrer jahrelangen Tätigkeit im Hochsensiblen die Erkenntnis gewonnen haben, dass ein Teil der Hochsensiblen erst durch eine Traumatisierung zur Hochsensibilität gelangt ist.
    Und es gibt die Fachleute, die sagen, dass es verschiedene Ursachen für Hochsensibilität gibt. Allerdings erkennen sie auch an, dass die Traumatisierung als Ursache der Hochsensibilität eben nur auf einen Teil der Betroffenen zutrifft und dass dies längst nicht für alle Menschen mit dieser besonders sensitiven Veranlagung gilt.
    Die Auseinandersetzung mit traumatischen Erlebnissen aus wissenschaftlicher Perspektive ist noch längst nicht abgeschlossen. Generell sind die Arten und Gründe der traumatischen Erfahrungen so vielfältig, wie auch die Menschen in ihren Charakteren unterschiedlich sind.

    Für unsere Arbeit ist es unbedeutend, welcher Art die Traumatisierung ist, ob sie bewusst oder unbewusst ist oder wie lange sie schon anhält.

    Denn es macht keinen Unterschied und hat keinen Einfluss auf die Lösung. Aus der Vergangenheit entsteht zwar die Gegenwart, aber wir können jetzt und heute alles dafür einsetzen, damit wir eine schöne Zukunft haben. Jeder von uns. Und mit jeder schweren Lebensgeschichte.

    Herzliche Grüße von
    Anne

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