Schritt für Schritt mit Gefühl

Schritt für Schritt mit Gefühl

In unserer Gesellschaft ist es üblich, alles rational zu begründen. Entscheidet eine Person rein nach ihrem Gefühl, wird es in der Regel nicht ernst genommen, beiseitegeschoben und oftmals belächelt.

Es braucht also viel Mut, zu den eigenen Gefühlen zu stehen und sich diese Gefühle nicht vom Verstand ausreden zu lassen, weder vom eigenen noch vom Verstand anderer Personen. In der Regel sind es die Frauen, die fühlend wahrnehmen, dass der Impuls aus ihrem Herzen der wegweisende ist. Die Frauen werden in diesem Gewahrsein nicht gleichwertig gesehen neben dem männlichen Verstandesdenken, das in der Regel nicht ans Herz angebunden ist.

Dabei machen wir alle die Erfahrung:

Wenn wir gegen unsere Intuition gehandelt haben, ist es für uns nicht so gut gelaufen. Alle großen Erfindungen wurden nicht mit dem Verstand gemacht, es war intuitive Eingebung, die den ersehnten Durchbruch brachte. Es geht also darum, Schritt für Schritt in der fühlbaren Wahrnehmung zu bleiben.

Dieses Vorgehen mögen wir zunächst nicht so gerne. Wir schauen auf die großen Visionen, wie es hier mit unserem Zusammenleben einmal funktionieren soll. Dabei lassen wir außer Acht, dass der Wandel im Moment stattfindet. Bleiben wir unserer inneren Stimme treu, lassen wir uns nicht mehr aus unserer eigenen Mitte bringen, dann sind wir in dem Moment nicht mehr in den alten Strukturen verhaftet.

Es geht also um diese Aufmerksamkeit, um diese nach Innen spürende Haltung. Wir fragen uns:

  • Bin ich noch im Einklang mit mir?
  • Lasse ich mich gerade zu etwas überreden, von dem ich genau spüre, dass es mir nicht gut damit geht?
  • Brauche ich vielleicht gerade einen ruhigen Rückzugsort, um in mich hinein zu lauschen?

Im Gespräch mit anderen sind diese Fragen relevant:

  • Lasse ich mich im Gespräch von mir selbst wegtragen?
  • Bin ich gerade dabei, jemanden meine Vorstellungen überzustülpen?
  • Sollten wir eine Gesprächspause einlegen, um wieder bei uns selbst anzukommen?

Dieses Vorgehen ist zurzeit noch unüblich. Wir wollen schnelle Entscheidungen, setzen uns und andere unter Druck. Oftmals fühlen wir uns mit den Ergebnissen nicht konform, stimmen zu, ohne noch einmal innerlich in die Ruhe zu gehen, um zu revidieren.

Bewusstheit zu leben, erfordert, dass wir immer wieder in uns hineinfühlen und diese Verbundenheit zu unserer Seele über das Herz aufnehmen. Wollen wir authentisch leben, bedarf es dieser inneren Führung. Für Außenstehende oftmals nicht nachvollziehbar, ist es für uns persönlich gerade der richtige Weg, die beste Entscheidung. So zu leben, trägt uns wieder nach Hause.

Dieses Vorgehen ist ein fundamentaler Richtungswechsel.

Statt mich nach Außen zu orientieren und dort ständig etwas verändern zu wollen, schaue ich in mein eigenes Herz und gehe meinen Weg. Leider sind wir so programmiert, dass wir am liebsten mit allen anderen konform sein wollen. Allein mit einer Meinung, einem Vorhaben, einer Entscheidung zu sein, lässt uns oftmals ganz einsam dastehen. Nicht selten bekommen wir Vorwürfe zu hören, uns nicht anzupassen und überhaupt das Ganze erheblich zu stören. Das Auszuhalten lässt uns oftmals in alte Verhaltensweisen zurückfallen.

Wie können wir uns helfen?

Ich erinnere noch einmal: Das Feminine in uns weiß, dass es nichts im Außen zu erringen gibt, dass alles – wirklich alles – in uns angelegt ist. Wir wissen um die Intelligenz des Herzens und um die Begrenztheit des angst- und trennungsgeprägten Verstandes. Wollen wir unseren Freigeist leben, dann gilt es – dieses für sich alleine einstehen – von ganzem Herzen anzunehmen.
Die gute Nachricht: Wir werden immer standhafter. Bleiben wir dabei auch flexibel oder wollen wir mit dem Kopf durch die Wand?

Wichtig ist, jedem die Freiheit der Wahl zuzugestehen. Viele Menschen mögen sich noch nicht aus dem alten Sicherheitsdenken lösen. Das Urvertrauen ist nicht fühlbar und die Schritte, die zu tun wären, sind noch zu angstbesetzt. Oftmals wird uns von sehr ängstlichen Menschen mit Misstrauen begegnet, mit Unverständnis und offener oder versteckter Ablehnung.

Jetzt ist es wichtig, uns Mitgefühl für uns selbst zukommen zu lassen. Denn auch in uns kommen jetzt ungute Gefühle hoch und wir sind schnell wieder in einer Opferhaltung. Deshalb gilt es, die Hände auf die Mitte der Brust (unser energetisches Herzzentrum) zu legen und uns selbst all das Mitgefühl zu geben, das wir jetzt so dringend brauchen. Wir sind frei, wenn wir nicht mehr in Erwartungen an andere Menschen feststecken.

Loslassen ist leicht gesagt und doch fällt es uns so schwer.

Wir hegen alten Groll, sind manchmal geradezu verbittert und nachtragend. Nur leider beschweren wir uns selbst damit. Die Lösung liegt in der Aufarbeitung dieser Themen. Solange aber Ungelöstes nach oben schwappt, versorgen wir uns mit der Liebe, die wir so gerne von anderen hätten. Es geht um die Erkenntnis, dass uns eigene Schattenthemen gespiegelt werden, ansonsten würden wir nicht in Resonanz gehen.

Doch es kommt immer wieder vor, dass wir alle guten Absichten vergessen und uns wieder in ein Gegeneinander hineinziehen lassen. Dann hilft es, sich erst einmal selbst mit Ruhe und Mitgefühl zu versorgen, erst dann können wir in die Eigenverantwortung gehen und Schadensbegrenzung betreiben. Manchmal kommt es gerade dann zu einer ganz neuen Tiefe in der Begegnung, sofern beide dafür offen sind. Stoßen wir auf Granit, so können wir uns gefühlsmäßig mit dem anderen aussöhnen, ohne dass wir es auch selbst erfahren. So laden wir altes Gepäck ab, das wir schon viel zu lange mit uns herumschleppen.

Schritt für Schritt lernen wir, unser Herz geöffnet zu lassen.
Wir neigen dazu, es zu verschließen, wenn wir Ablehnung erfahren. Kennen wir unsere Schattenthemen, dann bleiben wir auch bei diesen Erfahrungen in der offenen Verbindung mit dem anderen, wir verschließen uns nicht mehr und wissen unsere Gefühle zu halten, ohne sie zu unterdrücken.

rose

Was die meisten vergessen

Hans Kruppa

Ein Philosophiestudent fragte seinen Professor: „Worin liegt der Sinn des menschlichen Lebens?“
„Worin liegt der Sinn des Lebens einer Blume?“ fragte der Professor zurück.
„Nun, sie keimt, sie wächst, sie blüht – und verwelkt.“
„Darin besteht auch der Sinn unseres Lebens“, sagte der Philosoph. „Im Keimen, im Wachsen, im Blühen und Verwelken. Doch die meisten Menschen vergessen das Blühen.“

Wie bringen wir uns selbst zum Blühen?

Wir brauchen in dieser Zeit das heilende Wasser des Mitgefühls. Versöhnung und Vergebung fällt uns bei tiefliegenden Verletzungen oftmals noch viel zu schwer. Aber Mitgefühl können wir uns zu jederzeit zukommen lassen. Diese Ressource ist immer verfügbar. Doch auch hier tun wir uns schwer, es uns selbst zu geben. Viel leichter empfinden wir es, wenn wir einer guten Freundin, einem guten Freund in einer misslichen Lage dieses Mitgefühl spüren lassen.

So kann es sein, dass wir mit einer tief liegenden Überzeugung durchs Leben gehen, wir selbst sind es nicht würdig, Liebe zu erfahren. Haben wir bereits im Mutterleib schon die Ablehnung erfahren, nicht geliebt und erwünscht zu sein, dann ist das eine herausfordernde Prägung, die uns durch unser Leben begleitet. Diese Prägung aufzulösen ist untrennbar mit dem Mitgefühl für uns selbst verbunden.

Und die gute Nachricht, die Blumen unterstützen uns auf unserem Weg. So helfen z.B. Orchideenessenzen uns unmittelbar und tiefwirkend (www.healingorchids.de). Je mehr wir in Resonanz gehen mit unserem wunderbaren Mitgefühl, desto mehr Verständnis entwickeln wir für uns und andere. Ist uns etwas passiert, was in uns die Gefühle der Scham weckt, dann setzt oftmals ein kritischer Verstandesmechanismus ein, der uns noch zusätzlich beschimpft und klein macht. Geben wir uns dann Mitgefühl, statt uns selbst fertig machen zu lassen von inneren alten Mustern, dann steigen wir aus diesem Karussell aus. Viele kennen die Bach-Notfall-Tropfen, die in solchen Momenten Wunder bewirken.

Mitgefühl

Mitgefühl ist die Blüte der Liebe
eine weibliche Qualität

Haben wir im Herzen
unsere Seele aufgespürt
sind wir losgelöst
von unserem kleinen Ich

Wir fühlen das
Eins-Sein mit allem

Wir haben uns gelöst
von unserer Vergangenheit
Wir reagieren nicht mehr
wir gestalten im Jetzt

So entsteht für uns alle etwas Neues
durch den persönlichen Wandel in uns

Eva-Maria Zander


Lassen wir uns nicht davon abbringen, Schritt für Schritt mit Gefühl für uns und damit für andere unterwegs zu sein. Das erfordert die Achtsamkeit für den Moment. Auf diese Weise kommen wir uns selbst immer näher, denn das gelingt nur auf eine einzige Weise – über das Fühlen.

19.01.2023Logo Zander
Eva-Maria Zander
www.evamariazander.de

Alle Beiträge der Autorin auf Spirit Online


Freuen Sie sich bereits jetzt auf den nächsten Teil dieser Serie, den Sie am 19.02.2023 hier im Magazin finden mit dem Thema: Das feminine Prinzip in der sozialen Dreigliederung

Eva-Maria ZanderSchritt für Schritt mit Gefühl Maria Zander

Mit dem Kursprogramm „Selbstmitgefühl am Meer“ begleitete sie, als zertifizierte Lehrerin für Achtsames Selbstmitgefühl, Erwachsene zu einer nachhaltigen Steigerung der Lebensqualität.

Die Autorin lebt in Potsdam und hat die meiste Zeit ihres Lebens am Meer verbracht. Jetzt umfasst ihr Angebot Lesungen und Vorträge sowie Impulsgebung und Wegbegleitung für Erwachsene, Jugendliche und Paare.

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Buchtipp Cover zander

Aufstehen in der Weiblichkeit
Wie Frau und Mann Seele, Herz und Mitgefühl ins Leben bringen
von Eva-Maria Zander

Klappenbroschur, 144 Seiten, teils farbige Abbildungen
Verlag: Neue Erde
ISBN 978-3-89060-806-8
16,00 € (D)/ 16,50 € (A)

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