Schutzmechanismen als menschliches Bedürfnis verstehen

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Schutzmechanismen-babySchutzmechanismen als menschliches Bedürfnis verstehen

Sie sollen uns helfen, schützen, warnen, vermeiden, aufhalten, abgrenzen, zerstören oder erhalten. Es gibt eigene Schutzmechanismen, aber auch die, die nicht in uns selbst stecken. Außerhalb meines Selbst gibt es einen gesellschaftlichen, sozialen und kollektiven Schutz, der in gewisser Weise aktiv ist und unkontrolliert seinen Lauf nimmt. Auf verschiedene Mechanismen gibt es die unterschiedlichsten Antworten. Schutz schafft Sicherheit.

Doch entscheidend ist, wie viel Schutz benötigt wird. Wie viel davon ist für uns sinnvoll? Und welchen Schutz brauche ich wann? Schutzmechanismen können sich auch gegen einen selbst richten und Schutz schafft auch Unfreiheit, nicht nur für einen selbst. Schutzmechanismen sind in jedem angelegt und sie entwickeln sich hauptsächlich mit unserem Schmerzkörper. Mit ihm nehmen wir am stärksten wahr oder unterdrücken etwas. Im Wesen oder Kern sind auch unsere inneren weiblichen und männlichen Essenzen davon betroffen.

Gesunderhaltung, Alterungsprozess, Krankheitsabwehr werden durch Schutzmechanismen beeinflusst.

Der natürlichste Mechanismus ist die Selbstheilung als der wichtigste körperliche Schutz und er interagiert mit allen Prozessen und den insgesamt neun Organ-Systemen: Nerven, Hormon, Herz-Kreislauf, Atmung, Verdauung, Urogenitalsystem, Stütz- und Bewegungssystem, Haut, Immunsystem. Im Gegenteil dazu richtet sich der von innerlichen körperlichen Ereignissen bedrohte Körper gegen sich selbst und reagiert mit Autoimmunkrankheiten, die heute immer häufiger auftreten.

Und wir haben noch andere Kräfte. In den traditionellen fernöstlichen Gesundheitslehren und in der TCM liegen diese und der Schutz im Energiesystem, welches ebenso maßgeblich an unserer Gesundheit beteiligt ist. In den seit mehr als 2000 Jahre alten Grundannahmen über die Ganzheit des Menschen von Körper, Geist und Seele stecken wahrhaft moderne Ansätze, nicht nur für unsere Alternativ- und Komplementärmedizin.

Mit sich und der Umwelt im Einklang zu leben, bedeutet grundlegend männliche und weibliche Prinzipien zu harmonisieren.

In den Entitäten von Yin und Yang ist das, was sich in uns als „zu viel“ oder „zu wenig“ zeigt, immer ein Symptom dafür, dass etwas ausgeglichen werden muss. Abwehrmechanismen treten zwar auch durch Spontanheilung automatisch in Kraft, um etwas auszugleichen. Aber Selbstheilung geschieht, wenn innere Kräfte aktiviert werden. Das gilt auch für unsere Gedanken.

Unsere Gedanken, Gefühle und Emotionen nehmen am meisten Einfluss auf unsere Mechanismen zur Abwehr, Bewahrung oder Vorbeugung. Unsere Zellen schwingen mit ihnen und werden durch positive Informationen bei der Regeneration unterstützt oder durch negative Informationen übersäuert und beschädigt. Irgendwann, wenn das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen nicht mehr intakt ist und die Reparatur von Zellen nicht mehr gewährleistet wird, weil wir dauerhaft übersäuert sind, entsteht Krankheit. Das geschieht im tiefsten Inneren und wird nach Außen hin sichtbar. Deshalb bekommen wir den Prozess erst spät mit.

Eine verbreitete Schutz-Strategie in unserer heutigen Zeit ist Angstvermeidung, der Drang, sich mit etwas zu identifizieren.

Dazu gehört auch jede Art von Fixierung. Ein Beispiel dafür ist im Westen die Fixierung auf das Essen an sich. Andauernd wird über dieses Thema gesprochen, informiert, gekocht, diskutiert und konsumiert. Fixierungen sind im Westen eine Kompensation für verschiedene nicht befriedigte Bedürfnisse, die aber woanders liegen. Wir leiden an Wachstum, Übergewicht und Stoffwechselstörungen.

Schutz und Identifikation sind in ihrer Form starr. Solche Formen oder Fixierungen aufzubrechen, eben auch männliche und weibliche Schutzmechanismen in allen menschlichen Beziehungen, also ein Ungleichgewicht zwischen Geschlechtern aufzubrechen, geht nur durch Berührung und Öffnung.

Immer wieder neue Identitäten anzunehmen, klingt nicht attraktiv, denn es ist anstrengend. Dennoch ist das die Öffnung zum Sein. Und das hat nichts mit Schutz zu tun, sondern mit „Leben“.

Leben ist Fluss, Energie, freies Fließen.

Denn unsere Identität ist nichts Festes, sondern befindet sich im Fluss mit all seinen Hauptströmen und Nebenströmen. Dies zeigt sich auch bei der Geschlechteridentität. Wenn Zuordnungen auftreten, dann sind es immer gesellschaftliche Konstrukte, die letzten Endes auch über das Geschlecht definiert werden. Geschlechterdefinitionen finden wir genügend, aber das Wesen von Männlichsein und Weiblichsein sind Entitäten, die Daseinsformen oder Existenzweisen beschreiben. Es geht darum, männliche und weibliche Schutzmechanismen als verschieden, aber als gleichwertig zu begreifen. Wie wollen wir als Menschen leben“. Wollen wir frei sein oder wollen wir Sicherheit?

Ohne feste und unveränderbare Identitäten würden wir einfach nur leben und sein.

Wir wären offen und liebesfähig. Das gelingt nur schwer.
Der feministische Ansatz im Sinne von Gender verunmöglicht daher die mögliche gesellschaftliche Nutzung essentieller „weiblicher“ Werte wie Beziehungsfähigkeit, Empathie, Verbundenheit, Kommunikation und Nachhaltigkeit. Ein Mensch, der als Individuum seine Eigenschaften nicht wahrnimmt, sich insofern verbiegen lässt, bekommt höchstens einen Tausch oder Handel, der nicht nach Vollständigkeit sucht.

Wie muss ein bewusster Mann und wie eine bewusste Frau sein, damit sie in Beziehung zueinander auf männliche wie auch weibliche Weise in ihren Eigenschaften bewusst in der Welt leben? Verlieren wir nicht die Essenz oder die Würde, wenn wir als Frau oder als Mann andauernd gegenteilige Eigenschaften übernehmen sollen?
Der direkteste Zugang zur Realität überhaupt geht über Gefühle und nicht über Denken, Gedanken, logische Überlegungen.

Schutz schafft Sicherheit, engt aber auch ein und schafft Distanz zu dir und Anderen. Wir erleben jeden Tag mit dem Anspruch auf Risikominimierung, also Angstvermeidung. Leider ist das oft das Gegenteil von Empathie. Berührung auf der Basis von Einfühlung würde unsere diffusen Ängste auflösen. Schwierige Erfahrungen oder Erschütterungen fordern die Schutzmechanismen bei Männern und Frauen heraus. Sich auf Konflikte einlassen, Verbinden statt Identifizieren, gehört zur Empathie.

Schutzmechanismen können auch nach ihren weiblichen und männlichen Eigenschaften unterschieden werden.

Im Konzept der Yin- und Yang-Lehre findet man eine Reihe unterschiedlicher Eigenschaften, zum Beispiel:
Yin Schutz: sich zurückziehend, rezeptiv, reagierend;
Yang Schutz: verteidigend, agierend, hineinsteigernd;
Dies jedoch sagt nichts darüber aus, ob ein Mann oder eine Frau tatsächlich männlich oder weiblich handelt, sondern eher, ob er oder sie in Alltagssituationen und Denkprozessen mehr der Yin- oder eher der Yang-Energie folgt. Bei einer Frau sind z. B. Starre und Rechthaberei Anzeichen für eine unbewusste Identifikation männlicher Energie. Bei einem Mann sind hingegen Launen und häufige Stimmungswechsel eine unbewusste Identifikation mit weiblichen Energien.

Die Seele im Mann und der Geist in der Frau sind nach Carl Gustav Jung der Spiegel unserer unbewussten Energien.
Die menschliche Gesundheit ist dann gegeben, wenn in einer Person weibliche und männliche Energie, im Sinne eines dynamischen Gleichgewichts, harmonisch und ungehindert fließen kann. Das bezieht sich nicht nur auf Körper und Geist, sondern auch auf das Dazwischen: die Energie.

Analog dazu entspricht der Schutzmechanismus des Meridiansystems dem „San-Jiao“ (wörtl.: drei, die brennen), dem Dreifach-Erwärmer (Konzept aus der Fünf-Elementen-Lehre), der sich in drei Brennkammern unterteilt. Dieses System beeinflusst die oberen, unteren und mittleren Funktionen aller Organe und aktiviert grundlegend das innere Qi. Im oberen Teil werden durch die inneren Kräfte Lunge und Herz erwärmt und kontrolliert, im unteren Teil die Leber, Nieren, Blase Dünn-Dickdarm und in der Mitte Magen und Milz.

Dementsprechend funktionieren Atmung, Verdauung und Ausscheidung nur dann gut, wenn wir angstfrei sind und nicht dauerhaft Stress erleiden.
Dabei ist nicht zu vergessen, dass auch der Geist durch diesen Meridian beeinflusst wird. So ist er auch als „Meridian der Hoffnung“ bekannt.

Der Schutzmeridian wirkt regulierend auf das autonome Nervensystem.

Chronischer Stress hingegen schädigt auch unseren Körper und das Energiesystem. Für menschliche Beziehungen und für die Aufhebung von übertriebenen Schutzmechanismen muss daher der Schmerzkörper (Emotionalkörper) geöffnet werden. Dies gilt auch für die weiblichen und männlichen Anteile in uns selbst. So werden Schutzhaltungen und -strategien immer wieder bewusst gemacht, aufgebrochen und angepasst.

Ist das Qi in uns optimal verteilt, sind wir optimal geschützt, aber können immer wieder aufeinander zugehen. Wir sind empathisch in schwierigen Situationen und haben bewusst die Kontrolle über unsere Gedanken, Handlungen und Reaktionen. Wir sind weniger ängstlich, gütig und dankbar, so dass dieses Sein auch unser kollektives Immunsystem stärkt. In jedem Fall aber stärkt dieser offene Schutz unseren eigenen Schmerzkörper.

15.12..2020
Maha Kama
Entspannungstherapeutin, Shiatsu-Praktikerin, Coach
www.sensual-entspannung.de

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