Selbständigkeit. Der Weg vom Konzern zur Solounternehmerin

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Der Weg vom Konzern zur Solounternehmerin

Selbständigkeit ist für viele 2020 zu einem Mantra geworden. Die Pandemie ließ alte Berufsmodelle innert kürzester Zeit zusammenbrechen. Lange schlummernde Ideen zur Veränderung brachen sich Raum. Der Moment war günstig für einen großen Neubeginn. So dramatisch 2020 und auch 2021 wirtschaftlich sein mögen, manche haben die Chance genutzt und gingen ihren Weg in die Selbständigkeit. Wie macht man das? Wie viel Planung braucht es? Wo sind Mut und Vertrauen gefragt? Wie packt man das als Frau und Mutter an? Wie überbrückt man dieses Spannungsfeld, ohne selbst unter die Räder zu kommen? Können dabei Resilienz und Spiritualität helfen? Wie sieht dies konkret aus?

Andrea Riemer im Gespräch mit Teresa Bieler-Stütz, die den Schritt vom Konzern in die Selbständigkeit wagte und sich vor allem kleinen Unternehmen, der Nachhaltigkeit, einem gesamthaften Zugang zum Unternehmen und zur Wirtschaft widmet. Ein Beispiel, wie es möglich ist und gehen kann. Denn: Pandemien und große Umbrüche sind keine Hindernisse, um langgehegte Lebensträume umzusetzen.

Erzähle ein wenig von deinem Weg in die Selbständigkeit. Wie kam es? Was waren deine Erfahrungen, die dich zu diesem Schritt 2020 bewogen? Das war nicht gerade die einfachste Zeit mit Corona?

Teresa Bieler-Stütz: Das ist eine Frage, die ich gar nicht wirklich eindeutig beantworten kann. Es ist jedenfalls eine Summe aus vielen Dingen, die mich in meine Selbständigkeit brachten. Vorausschicken möchte ich, dass ich es immer geschafft habe, berufliche Aufgaben übernehmen zu dürfen, die ich mit Herzblut und Engagement füllen konnte, mit ganz viel Eigeninitiative und Ideen. In meinem Kopf ist es schon immer ein kleiner feiner Traum gewesen, einmal mein eigenes Unternehmen zu leiten.

Selbständigkeit begleitete mich daher schon einige Zeit. Lange wusste ich nicht, was ich denn überhaupt machen möchte. Diese Auseinandersetzung mit mir selbst blieb mir also nicht erspart. Ich durfte unglaublich viel Lernen im Angestelltenleben. Es gab auch ein Stück weit Sicherheit und Vorhersehbarkeit. Dann kamen meine Kinder zur Welt und das Nachdenken, was mit ihnen weitergeben möchte, wurde stärker. Auch das braucht viel Selbstreflexion und das Zulassen von philosophischen Lebensfragen nach dem Sinn und Wirkung meiner Tätigkeit und meines Lebens, was möchte ich erreichen, wofür will ich stehen?

Selbständigkeit ist daher etwas, das ein Prozess ist, der stark in der persönlichen Entwicklung verwurzelt ist Dazu kam dann aber als Wendepunkt eine Umstrukturierung im Unternehmen, wo ich lange war. Mit der potentiellen Zukunft in diesem Unternehmen konnte und wollte ich mich nicht abfinden. Was tun? Das Unternehmen wechseln wäre aufregend gewesen. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass es das Gleiche nur eben in neuem Kleid wäre. Viele Gespräche mit meinem Mann später, der mich bestärkt und unterstützt hat, habe ich mich getraut zu kündigen und mich selbständig zu machen. Das war kurz vor Corona und noch während der Kündigungsphase kam der erste Lockdown. Habe ich an meiner Entscheidung zur Selbständigkeit gezweifelt? Ja, einen Tag lang. Dann habe ich mir in Erinnerung gerufen, warum ich gekündigt habe und was mir die Selbständigkeit alles bieten kann. Ab da war es klar. Die Selbständigkeit bot mir eine ungeheure Erleichterung, „meinen Weg“ neu zu gestalten, neu zu gehen. Einfach ist es sowieso nie, neues, anderes, fremdes anzugehen. Glücklicherweise habe ich immer die Sicherheit meiner Familie, die mich auffangen würden jederzeit, sollte es notwendig sein.  

Du hast drei Begriffe, die du als deine Aktionsparameter nennst: Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeit und Empathie? Kannst du diese Begriffe kurz darlegen, denn es sind auch Begriffe, die in der spirituellen Community, die thematisch weitläufig ist, verwendet werden?

Teresa Bieler-Stütz: Ressourceneffizienz ist für mich ein Begriff, der oft missverstanden wird. Das heißt nicht billiger, mehr, besser – sondern es heißt verantwortungsvoll mit vorhandenem Umgehen im Sinne von Gleichwertigkeit in Entscheidungen von Mensch, Umwelt und Profit. Das hat immer positive Auswirkungen und ist für mich die optimale Form der Effizienz. Ich komme aus dem Personalmanagement, wo es jetzt viele Jahre „Human Resources Management“ geheißen hat und mich das schon immer sehr nachdenklich gestimmt hat. Ich bevorzuge hier, dass ich Teil eines neuen Denkens sein darf, im Sinne von Rückbesinnung auf „People and Culture“.

Nachhaltigkeit steckt für mich da drin – persönliche Nachhaltigkeit ist für mich ein bewusster Umgang mit Entscheidungen und den Konsequenzen, die meine Entscheidungen haben in Form von Bewusstsein, wie wirken sie weiter auf Gesellschaft und Umwelt. Egal, welche Entscheidung ich dann treffe, bin ich mir dennoch im Klaren, was sie sonst noch für Auswirkungen hat. Ich entscheide, ob ich das tausendste Kleidungsstück, das siebentausendste Billigprodukt aus Plastik aus China, den besten, neuesten, größten Fernseher kaufe. Entscheide ich mich aktiv und bewusst dafür und anerkenne, dass hier natürliche und künstliche Ressourcen gebraucht, Menschenarbeit drin stecken, Transportwege notwendig waren, passt auch die Entscheidung. Ich hab nur oft den Eindruck, dass wir uns das eben nicht vor Augen führen, bevor wir Dinge kaufen, weil sie da sind.

Unternehmerische Nachhaltigkeit geht für mich noch ein Stück weiter. Hier bedeutet es für mich eine ehrliche Ausrichtung des Kerngeschäfts eines Unternehmens auf die gleichwertige Verantwortung für Gesellschaft, Mitarbeitende, Lieferanten und Kunden, Umwelt und die eigene Zweckausrichtung eines Unternehmens. Das ist qualitativer Wachstum durch Weiterentwicklung aller im System und eben nicht bloß monetärer Wachstum ohne Rücksicht.

Hier halte ich es mit dem Sänger Pete Seeger: „If it can’t be reduced, reused, repaired, rebuilt, refurbished, refinished, resold, recycled or composted, then it should be removed from production”. Klingt nach einem hehren Ziel, ist es im Moment auch, was für mich aber ein umso größerer Motivator ist, Unternehmen zu diesem Denken hinzuleiten. Erst wenn wir im Produktdesign ansetzen, gibt es neue Wege und neue Lösungen und neue Möglichkeiten.

Empathie ist dazu der Schlüssel. Erst wenn ich mich als Entscheider (und das ist täglich jede/r von uns) darauf einlasse, was meine Auswahl für Konsequenzen hat (auch wenn es ein Inkaufnehmen ist, was völlig in Ordnung ist, doch eben ganz bewusst), kann ich mehr als mich selbst begreifen. Diese Empathie geht mir aber immer mehr verloren. Wir haben eine digitale Scheinwelt geschaffen, in der nichts echt ist. Echte Emotionen sind Mangelware. Das finde ich so schade. Ich meine damit nicht, dass ich immer Rücksicht auf alle nehmen muss. Ganz im Gegenteil. Ich meine, ein sich wieder aufeinander einlassen, ohne gleich zu werten, dafür aber wieder versuchen sich gegenseitig zu verstehen.

So begreife ich insgesamt auch meine eigene unternehmerische Selbständigkeit.

Wie kamst du zu diesen Begriffen und was bedeuten sie persönlich für dich? Wie lebst du als Unternehmerin, als Mensch, als Frau diese Begriffe?

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Teresa Bieler-Stütz, Fotografie ©Vanessa-Bruckner

Teresa Bieler-Stütz: Beim Auseinandersetzen mit mir selbst – was will ich, wofür steh ich – haben sich diese 3 Begriffe als Ausrichtungselemente für mein unternehmerisches Angebot herauskristallisiert, weil sie mich auch als Mensch widerspiegeln. Wer mich persönlich kennt, würde sagen, dass ich immer ehrlich bin, auch wenn es unbequem ist, und diese 3 Begriffe sind sehr unbequem. Sie erfordern nämlich aktive Entscheidungen, Lösungsorientierung, neue Wege und das offene Zugehen auf Neues.

Die Begriffe sind somit sehr persönlich, sie sind ICH.

Ich sehe mich als Mensch, als Frau, als Unternehmerin als eine Person. Ich mache keinen Unterschied, weil ich eben immer ICH bin. Nachhaltigkeit ist dabei schon auch immer ein Thema, das im Alltag sehr herausfordernd ist. Aber hier immer „nachhaltig“ im Sinne von ökologisch zu sein, davon bin ich oft weit entfernt. Was ich jedoch immer versuche, ist integer zu sein im Sinne der Nachhaltigkeit. Das heißt, ich versuche das „Richtige zu tun, auch, wenn niemand zuschaut“. Das gehört für mich stark zur unternehmerischen Selbständigkeit und zur Verantwortung als Mensch. Wir sind alle keine perfekten Menschen und das will ich auch gar nicht sein. Ich mache auch ganz sicher viele Dinge, wo andere den Kopf schütteln, oder sagen, dass sei jetzt doch nicht nachhaltig. Mag sein. Ist finde ich auch für uns alle in Ordnung, Dinge unterschiedlich zu betrachten. Nachhaltigkeit und Menschen sollen wieder in den Diskurs kommen, ohne Wertung.

Als Mama wünsche ich mir, dass wir unseren Kindern eine Welt weitergeben, wo Biodiversität und Chancengleichheit gelebt wird. Daher versuche ich hier auch so zu entscheiden. Verbesserungsmöglichkeiten gibt es immer. Ich bin jedoch eine große Verfechterin mit kleinen Schritten anzufangen, mit denen man sich wohl fühlt. Dann  ich weiß, dass es mir gut tut und ich idealerweise auch fühlen kann, dass dabei andere (egal ob Mensch oder Natur) auch was davon haben.

Was war dein primäres Motiv, kleinen Unternehmen beizustehen? Du hast umfangreiche Konzernerfahrung. Das ist doch ein ziemlicher Bruch.

Teresa Bieler-Stütz: Ich finde eigentlich gar nicht, dass das ein Bruch ist, da Konzerne auch immer kleine Unternehmen innerhalb des großen Unternehmens sind, Menschen unter sich. So groß ist daher der Unterschied meiner unternehmerischen Selbständigkeit gar nicht, auch wenn es auf den ersten Blick anders anmuten mag.

Warum ich trotzdem vielen kleinen Unternehmen mein Wissen und Erfahrung anbieten möchte, ist, weil ich gesehen habe, dass bei kleinen Unternehmen in der Regel die Gründer, die Eigentümer oder die Familie im Vordergrund stehen. Sobald das so ist, ist Nachhaltigkeit und Empathie nicht fremd, braucht jedoch manchmal noch ein bisschen Struktur, um es greifbarer zu machen. Ich habe so viele Jahre in leitenden Positionen in Personal- und Compliance/Nachhaltigkeitsabteilungen gearbeitet, wo ich wirklich viel sehen, lernen, erfahren durfte. Das wäre ja schade, wenn ich dieses Wissen für mich behalten würde und nicht im Rahmen meiner unternehmerischen Selbständigkeit weitergeben würde

Jedenfalls ist der Weg steinig in die Selbständigkeit. Es gibt so viele Regeln, Prozesse, Vorbereitungsschritte, Vorlaufzeiten, dass es schon viel Geduld, Kraft, Ausdauer und den Glauben an den eigenen Weg braucht, vor allem wenn man neu beginnt, dauert es einfach viel Zeit, bis der erste Kunde da ist. Bis der erste Kunde die erste Rechnung bezahlt, braucht schon einen langen Atem. Und dann braucht es mindestens nochmal so viel Kraft, Ausdauer und Disziplin, bis die nächsten Kunden dich finden. Was es aber am allermeisten braucht, ist die Unterstützung des Partners und der Familie, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern ganz besonders in moralischer und zeitlicher. Ohne ein Umfeld, das positiv stützt, halte ich diesen Umstieg von Angestellt-Sein zur Selbständigkeit für ausgeschlossen, wenn Mann oder Frau schon eine Familie hat, die versorgt werden will.

Wie gehst du konkret in Unternehmen vor, vor allem in der Beratung?

Teresa Bieler-Stütz: Immer individuell angepasst. Es gibt kein Patentrezept, das immer und für alle gilt. Die Unternehmenskultur, der Führungsstil, die Art des Unternehmens, Menschen und ihre Werte sind immer anders. Das ist auch das Schöne an meiner unternehmerischen Selbständigkeit. Es geht ums Individuelle und nicht ums One-size-fits-all. Ich versuche mit meinen Werkzeugen von B Corp Impact Assessment (www.bimpactassessment.net) oder manchmal auch mit der Gemeinwohlökonomie-Matrix (www.ecogood.org) einen ganzheitlichen Status zu erfassen, der alle Aspekte unternehmerischen Handels umfasst. Da fließen z.B. Finanzkennzahlen ein. Doch auch sehr viele nicht-finanziellen Kennzahlen wie Zufriedenheit der Mitarbeitenden, Fluktuationsraten, Krankenstandsquoten, interne Beförderungsrate, Bezahlung am Markt, freiwillige Sozialleistungen usw. finden Berücksichtigung. Auch viele Umwelt-Kennzahlen wie Stromverbrauch, welche Energielieferanten gibt es, CO2 Emissionen, Fuhrparkanalyse, Reisetätigkeiten, hinzu zu Lieferanten- und Kundenanalyse im Sinne einer Lieferkettenverantwortung und des gesellschaftlichen Engagements kommen zur Sprache.

Mir ist wichtig, dass es immer eine positive Emotion auslöst. Wir kommen mit Verboten und Scham hier nicht dorthin, wohin wir wollen. Ich liebe Geschichten, die es schon gibt im Unternehmen, die Teil der Unternehmenskultur sind. Es macht alle Mitarbeitenden so stolz, wenn sie über ihre sinnstiftenden Erlebnisse erzählen dürfen und sogar vor den Vorhang geholt werden. Das liebe ich an meinem Job.

Konnektivität, also Verbundenheit, und Synergien spielen heute eine wesentlich größere Rolle als noch vor 10 Jahren. Denn: alles ist mit allem verbunden, klingt spirituell sehr eingängig, doch man muss es auch im unternehmerischen Alltag und in der Selbständigkeit leben können. Wie vermittelst du kleinen Unternehmen diese Entwicklung?

Teresa Bieler-Stütz: Ich lasse es sie spüren und entdecken, ganz spielerisch. Ich habe da einige Methoden im Rahmen meiner unternehmerischen Selbständigkeit entwickelt, die das durch unterschiedliche Spiele zeigt. Oft geht es  mit Hilfe der Natur und seinen innovativen Lösungen. Die Natur handelt nämlich immer systemisch, immer nachhaltig und immer im Kreislauf. Und das Schöne dabei ist, jede/r kann diese Betrachtungsweise annehmen, weil ich es draußen sehen kann, weil es das schon wirklich gibt. Die Überleitung, dass wir Teil des Ökosystems sind, ist dann eigentlich ganz einfach. Die Natur zeigt uns alles, wenn wir es möchten. Damit ist nicht das „Bäume umarmen“ gemeint, was ich auch ganz nett finde. Doch es ist nicht für jede/n geeignet. Nein, ich meine damit Ideen sich die Zeit und die Ruhe zu nehmen, um Beobachten, Hören und Spüren kleiner Dinge um uns herum wieder für uns zulassen zu können; oder auch das kreative Konzipieren einer Idee für Prototypen ausschließlich aus Naturmaterialien zum Beispiel zum Transport, Informationsaustausch, Kooperationsmöglichkeiten, Isolierung, Organisationsabläufen und vieles mehr, weil es die Natur schon so macht und wir so viel lernen können dabei.

Und seien wir uns ehrlich, wer denkt nicht mit Freude daran zurück, als er oder sie als Kind im Wald verstecken gespielt, durch den Regen in die Wasserlacke (Pfütze) gesprungen ist, mit schmutzigem Gewand (Kleidung) vom Spielplatz nach Hause gekommen oder einfach in der Blumenwiese gelegen ist, um zu hören, zu fühlen, zu spüren, was gerade so da ist.

Dieses Thema der Verbundenheit zeigt sich bei Unternehmerinnen, die auch Partnerin und Mutter sind, oft noch deutlicher? Wie gehst du im Alltag damit um?

Teresa Bieler-Stütz: Manchmal überfordert mich diese Komplexität und Konnektivität extrem. Da bin ich dann schon oft sehr müde, weil ich gar nicht mehr weiß, ob ich nur ein Rädchen im Hamsterrad bin. Diese Vielzahl an allem ist wirklich einschüchternd im Rahmen der unternehmerischen Selbständigkeit, weil es nicht mehr beherrschbar ist. Dann gehe ich mit den Kindern oft in den Wald. Das hilft mir persönlich sehr wieder zur Ruhe zu kommen und meinen 2 Söhnen auch. Als Partnerin ist das noch mal schwieriger, weil die Konnektivität viel Stress bringt, der uns kaum Platz für Ruhe lässt. Wir versuchen uns als Paar dafür Zeit zu nehmen. Auch das braucht Planung und Konsequenz, gelingt uns oft. Während  der Pandemie war es sehr, sehr schwierig und hat viel Kraft gekostet, dass man diese Zeit für sich nicht hat.

Ehrlicherweise tendieren Mamas auch dazu, in sich selbst nicht verbunden zu sein, weil die Kinder und der Partner vorgehen, weil auch beruflich einiges ansteht. Das Private Ich lasse auch ich im Rahmen meiner unternehmerischen Selbständigkeit oft viel zu kurz kommen. Das ist mein großes Ziel das zu ändern. Diese Nicht-Achtsamkeit mit mir selbst, ist im Moment auch meine größte Schwachstelle.

Du bist auch Mutter von zwei Jungen und lebst seit Jahren in einer festen Partnerschaft. Wie hat deine Entscheidung zur Selbständigkeit dein Familienleben beeinflusst? Wie geht man als Frau mit dem immer wieder aufkommenden schlechten Gewissen gegenüber der Familie um, wenn das Geschäft drängt?

Teresa Bieler-Stütz: Das schlechte Gewissen ist immer da, wobei es viel besser ist, seit ich nicht mehr angestellt bin, sondern in meiner unternehmerischen Selbständigkeit lebe. Auch im Angestelltenverhältnis ist immer irgendetwas, das wichtig ist und fertig sein soll, am besten gestern. Das Geschäft drängt oft. Das sind die Vor- und Nachteile der Selbständigkeit. Ich habe jedoch im Gegenzug dazu sehr viele Freiheiten im Sinne der Zeiteinteilung und Entscheidungsmöglichkeiten, die ich vorher nicht hatte, und die ich für meine Familie besser gestalten kann. Ich fühle mich jetzt viel wohler dabei, wenn ich mir ganz bewusst und absichtlich Zeit für Beruf und Familie nehme.

Mein Partner unterstützt mich sehr. Dieses gegenseitige Vertrauen füreinander hat unsere Partnerschaft stärker gemacht, vor allem, weil ich das Gefühl habe, dass meine Familie stolz auf mich ist, dass ich meinen Weg gehe und meine Werte bestmöglich zu leben versuche, in allen Bereichen, privat und beruflich.

Wenn du drei Tipps für Frauen hast, die einen ähnlichen Weg wie du in ihre Selbständigkeit gehen wollen, lauten diese?

Teresa Bieler-Stütz:

  • Nimm dir Zeit für dich zu entscheiden und vorzubereiten, was du in deiner unternehmerischen Selbständigkeit anbieten willst. Gönne dir dabei professionelle Unterstützung, es zahlt sich aus. Fremde stellen andere Fragen und können aufs Wesentliche reduzieren – idealerweise soll das WARUM und das WAS in 30-60 Sekunden einfach und prägnant erklärbar, sein können.
  • Frage dich ehrlich, was kann im schlimmsten Fall passieren und was kann im Besten Fall passieren, wenn du dich in deine unternehmerische Selbständigkeit gehst?
  • Hole dir beim Gestalten Feedback von Freunden und potenziellen Zielgruppen, um herauszufinden, was kommt gut an, ohne es persönlich zu nehmen, wenn es geht, sondern als Qualitätsverbesserung zu sehen. Lass dabei die außen vor, die sagen, dass es eine schlechte Idee ist. Es muss sich für dich gut und richtig anfühlen. Es ist deine unternehmerische Selbständigkeit.

 

Über Teresa Bieler-Stütz

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Teresa Bieler-Stütz, Fotografie ©Vanessa-Bruckner

Geschäftsführerin und Unternehmensberaterin für verantwortungsvolle Organisationskultur und Vertriebsprozesse, externe Lektorin an der FH Burgenland
www.tbsc.at

Sie ist verheiratet, hat 2 Söhne und lebt in Niederösterreich und im Burgenland.

Teresa Bieler-Stütz ist Betriebswirtin (Wirtschaftsuniversität Wien), Juristin (Juridicum Wien), hat einen postgraduate Master in Human Ressources Management der Rotterdam School of Management. Sie hat sehr viele Zusatzausbildungen zu Corporate Social Responsibilty, Gemeinwohlökonomie, B Leader zu Benefits Corporations, Leadership Trainings, und vieles mehr.

Teresa Bieler-Stütz kommt aus leitenden Positionen in Konzernen (staatliche Institutionen, Telekommunikation, Life-Science) im Personalbereich und auch Rechtsabteilungen mit Compliance, Ethik und Datenschutzthematiken. Zuletzt war sie für das Nachhaltigkeitsprogramm eines großen Familienunternehmens tätig für Österreich und Osteuropa.

Seit 2020 ist sie ausschließlich als selbständige Unternehmensberaterin tätig, die sich auf People & Culture spezialisiert hat, basierend auf nachhaltiger Entwicklung (unter anderem in der Unterstützung des Nachhaltigkeits-Reportings und dessen Weiterentwicklung, sowie die Übersetzung der Sustainable Development Goals der UN für das Unternehmen) der Organisation des Unternehmensgeschäfts. Warum wird Nachhaltigkeit als Thema notwendig? Weil es gilt, die eigenen loyalen Mitarbeitenden zu halten, sie zukunftsgerichtet einzusetzen und zu entwickeln, aber auch neue Talente anzieht, wenn verantwortungsvolles Handeln – als Balance von Wirtschaftlichkeit, gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung – ehrlich und authentisch im Unternehmen verankert ist. Dafür steht TBS Consulting, dies mit dem Unternehmen wahr werden zu lassen.

Weiterführende Literatur und Impulse
»»» Gemeinwohlökonomie – Wirtschaft NEU im Einklang mit Menschen und Planet


25.11.2021
Außerordentl. Honorarprofessorin Dr.habil. Dr. Andrea Riemer, Ph.D.
Zur Autorin finden Sie alles Wissenswerte unter: www.andrea-riemer.de

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andrea-riemer-september-2021Über Andrea Riemer:

nach einer einzigartigen, 25 Jahren umfassenden internationalen Karriere als Wissenschaftlerin und Beraterin für Sicherheitspolitik und Strategie (Doktorat in BWL, Ph.D. und Habilitation in Militärwissenschaften; außerordentl. Honorarprofessorin), hat sich Andrea Riemer ab 2012 als eine der erfahrensten Buchautorinnen und Vortragenden zu existentiellen Fragen des Lebens in der poetischen Philosophie etabliert.
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