Bewusst-Sein Selbsthilfe - Übungen

Kommunikation und Partnerschaft ~ Teil 2

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Zu Teil 1

Der Monolog

Diese Methode ist schon einmal etwas anders bei den Zusätzen zum Spürbewusstsein beschrieben worden. Hier noch einmal mehr für die Partnerschaft.

Und eine ganz einfache Methode, bei der ihr noch gar nicht empathisch auf den anderen eingehen müsst, die aber trotzdem die Kommunikation und auch die Selbsterforschung jedes einzelnen sehr stark verbessert, ist der Monolog. Ihr sitzt wieder voreinander, jeder ist einmal  für 10 Minuten Klient und einmal Begleiter. Die Übung dauert also 20 Minuten.

Der Klient spricht einfach von dem, was ihn Moment bewegt. Das Thema könnte insofern heißen: „Was bewegt mich im Moment, was ist meine Wahrheit und wo bin ich mit meinem inneren Prozess“. Er spricht einfach drauf los, so wie es ihm kommt, hat aber mehr davon, wenn er auch immer wieder in seinen Atem und seinen Körper spürt, und sich Fühlpausen erlaubt.

Der Begleiter – anders als beim Begleiten beim Tappen – soll nur vollkommen entspannt und präsent dasitzen und Blickkontakt halten. Er soll nicht nicken, nicht den Kopf schütteln, nicht „Ja,Ja“ sagen, nicht lächeln und überhaupt nicht sozial reagieren. Und innerlich soll er ganz in seiner Präsenz sein, immer wieder den Körper und den Atem spüren und alle Gedanken und Bewertungen, die hochkommen mögen, nur am Rande wahrnehmen und keine Energie geben. Der Begleiter ist also wie in Meditation.

Für den Begleiter ist es nach den anfänglichen Schwierigkeiten häufig eine ganz wichtige Erfahrung, im Kontakt überhaupt nicht zu reagieren und präsent zu bleiben. Es fällt oft sehr viel Anstrengung und Spannung  ab. Man darf einfach nur sein, und muß nichts tun.

Und für den Klienten ist es so, daß auch nach anfänglicher Schwierigkeit – denn man ist das ja nicht gewohnt, daß jemand nur da ist und nicht reagiert – daß es ganz erstaunlich ist, was sich da alles in ihm zeigt und was alles deutlich wird, wenn er so nur seinem inneren Fluß folgt.

Wenn Paare das z.B. abends beim Zusammenkommen zur Synchronisation machen, dann ist der ganze Abend hinterher von einer sehr schönen bewussten Stimmung durchzogen. Beide Beobachter, Bewusstheiten oder Selbste haben mehr Kontakt miteinander.

Die tantrische Beckenschaukel

Dies ist eine sehr schöne Übung, um den Energiefluß zwischen Partnern deutlicher zu machen und in einen größeren Fluß zu kommen. Es ist die Beckenschaukel, die du schon von den CD’s her kennst, jetzt aber im Stehen. Und beide Partner zeichnen mit ihren Händen den erotischen Energiefluß nach. Die Frauen auf eine andere Weise als die Männer. Die Übung ist in einem Buch schwer zu erklären, deswegen gibt es extra ein Video auf der web-site mit dem Titel „tantrische Beckenschaukel“. Dabei wird auch noch kurz das joining und das bonding gezeigt. Beim Bonding liegt man eng aneinander und atmet nur zusammen, bis beide Energien sich vermischen und man in die Einheit kommt. Ähnlich wie das joining, aber ohne Blickkontakt und mehr Körperkontakt.

wachsstumsorientierte Partnerschaft

Partner, die mit der empathischen Kommunikation, mit joining,  dem Monolog, dem bonding, der tantrischen Beckenschaukel, dem Beziehungsprozess und z.B. auch mit dem Tappen arbeiten, gehen eine Beziehung ein, die unter dem Stern des seelischen Wachstums steht. Da ist es nicht das Hauptziel, dass beide sich glücklich machen und ihre Bedürfnisse erfüllen, sondern sie stehen eher unter dem Motto: „Ich will Liebe lernen mit dir“. D.h. man ist sich bewusst, dass keiner voll liebesfähig ist und wir alle nur auf dem Weg dahin ist. D.h. auch, man ist sich seiner Wunden, seiner Verletzungen, seiner Löcher und seiner Charakterstruktur bewusst.

Und man begrüßt aufkommende Konflikte, weil man weiß, daß dadurch der eigene Charakter konfrontiert und durchgearbeitet wird. Man vertraut dabei auch einer Höheren Macht, daß sie einem immer das schickt, was gerade richtig für einen ist. Und anstatt den Partner verkrampft verändern zu wollen, weil er uns nicht das gibt, was wir wollen, gehen wir nach Innen, machen unseren Prozeß und lösen unsere Wunden und Löcher im Inneren auf.

So kommen wir immer mehr heraus aus dem Bild von zwei Bettlern, die sich gegenseitig in die Taschen fassen und vom anderen etwas haben zu wollen und kommen immer mehr zu dem Bild von zwei Königen, die immer mehr von Licht, Liebe, Glück und Freude überfließen und das miteinander teilen.

Und das ist natürlich ein Prozess, der durch die empathische Kommunikation und die Arbeit mit Tapp-Prozessen angestoßen und begleitet wird.

Das Partnergespräch mit Tappen

In den meisten Partnertherapien wird Paaren geraten, regelmäßige Sitzungen miteinander durchzuführen, in denen in aller Ruhe, mit strukturierten Redezeiten und verständnisvoller Kommunikation über Konflikte und Schwieriges gesprochen werden kann. Die bekannteste dieser Methoden ist wohl das Zwiegespräch von Michael Lukas Moeller.

Im Souling® haben wir entdeckt, dass Partnergespräche noch besser klappen, wenn das bilaterale Tappen dazugenommen wird. Da tappt dann jeder Partner, nachdem er sich ausgedrückt hat, einen Durchgang und geht damit noch einmal stark nach innen und löst seine Spannungen selbst. Danach ist dann der andere Partner dran, der genauso vorgeht. Dadurch verringern sich defensive Verhaltensweisen und Verteidigungshaltungen kolossal und mit jedem Durchgang geschieht eine energetische Öffnung, gerade auch, wenn der andere tappt und man nur zuschaut.

Das geht also so, daß Partner A für ca. 5 Minuten erzählt und alle schwierigen Gefühle ausdrückt, während B nur zuhört oder auch empathisch aktiv zuhört. Dann tappt A einen Durchgang auf alles, was er jetzt ausgedrückt hat, erzählt dann noch kurz, was bei ihm passiert ist – und dann ist B dran und geht genauso vor. Dann wechseln die Partner so häufig, wie sie Zeit haben. Meist ist nach 50 Minuten doch eine gute Klärung geschehen – häufig auch früher. Das schöne an dieser Methode ist, daß man richtig erleben kann, wie beide Partner nicht nur im Sprechen, sondern in ihrer ganzen Körperenergie immer offener werden und eine richtige Herzöffnung und Seelenbegegnung geschehen kann.

Voraussetzung ist dabei, dass beide Partner bereit sind, auf Anschuldigungen und Kritik zu verzichten und sich wirklich den inneren Gefühlen zuwenden wollen, wie Frustration und Ärger. Und zweitens, dass beiden bewusst ist, dass hinter den negativen Gefühlen immer Bedürfnisse sind, die nicht befriedigt worden sind. Und wenn diese bewusst und deutlich werden, dann lassen sich meist alles Konflikte leicht lösen. Das Tappen hilft also, durch die Schicht der Frustration, Enttäuschung und Ärger hindurchzustoßen zu der Schicht der Bedürfnisse, Wünsche und Sehnsüchte.

Und auch in diese können wir noch weiter hineintappen,  um das zu lösen, was aus ungeheilten Kindheitswunden herrührt. Damit lassen wir dann den Wunsch los, dass der Partner diese Bedürfnisse befriedigen soll, lösen den emotionalen Druck unter diesen Bedürfnissen und erleben Heilung in uns selbst. Dann bleiben ganz realistische und gereinigte Bedürfnisse übrig, die wir dann als eine Bitte äußern können.

Viele Menschen bemühen sich, z.b. mit der gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg, gut und angemessen zu kommunizieren. Sie wissen, dass Kritik und Forderung die Kommunikation behindert und das empathisches Verstehen und Hineinverssetzen in den anderen und das forderungsfreie Ausdrücken der eigenen Bedürfnisse die Kommunikation aufblühen  lässt. Aber oft klappt es trotz Bemühens nicht so richtig, weil viele unbewusste Widerstände, die mehr über das nonverbale fühlbar werden, den guten Vorsatz torpedieren. Beim Partnergespräch mit Tappen passiert es aber ganz von selbst und ganz natürlich, dass jeder mit seinen Gefühlen und Wünschen nach innen geht, der andere dadurch sehr viel besser zuhören und sich reinversetzen kann und dass die Empathie ganz von selbst und ganz mühelos die Kommunikation durchdringt.

Beispiel: Katharina und Torre

  • Katharina sagt zu Beginn, daß es ihr darum geht, daß sie Torre öfters nicht versteht und sie wünscht sich mehr Nähe und Harmonie.
  • Torre sagt, dass er einen Ärger fühlt. Er gibt sich in der Kommunikation Mühe, denkt, dass er sich klar ausdrückt, aber dann hat er das Gefühl, dass es bei Katharina nicht ankommt. Er fühlt sich verraten. Er fühlt das im solar plexus, fühlt sich eher wie ein Kind und die Ladung ist bei 6.
  • Er macht einen Tapp-Durchgang und hinterher fühlt er Traurigkeit und Ärger zu gleichen Teilen.
  • Bei Katharina sind durch Torres Prozeß folgende Gefühle hochgekommen: sie fühlt sich ungerecht behandelt, hat das Gefühl, falsch zu sein, merkt das als Enge im Hals und hat eine Ladung von 6.
  • Sie tappt damit, fühlt dabei noch mal eine Enge in der Brust, fühlt hinterher auch eine Mischung von Traurigkeit und Ärger und die Ladung ist bei 5.
  • Bei Torre sind durch Katharinas Prozeß folgende Gefühle hochgekommen: Er fühlt sehr stark mit einer Ladung von 10 Traurigkeit, Wut und einen Schmerz im Herzen.
  • Er tappt darauf und es kommen Gefühle, wie ungeschützt er sich bei seiner Mutter gefühlt hat. Er war dort mit seinen eigenen Bedürfnissen ganz untergegangen, weil sich immer alles um die Mutter drehte. Danach sagt der große Torre zum kleinen Torre: „ich helfe dir, deine Bedürfnisse kräftiger zu formulieren“. Dann schaut er Katharina an und sagt zu ihr: „Ich wünsche mir, daß meine Zartheit gesehen wird“.
  • Katharina fühlt sich darauf erleichtert und antwortet: „Ich freue mich, deine Zartheit zu sehen und ich wünsche mir auch, daß du sie mehr ausdrückst“.
  • Dann überlegt sie, daß sie ja auch mehr nachfragen könnte und merkt, daß sie ihre Angst daran hindert, die sie jedesmal bekommt, wenn Torre ärgerlich reagiert. Sie tappt mit dem Resourcensatz: „Die Quelle durchströmt mich mit Mut und Sicherheit, auch wenn Torre ärgerlich ist.
  • Sie spürt dabei, wie ihre Angst mit ihrem übergriffigen und auch häufig cholerischen Vater zu tun hat und die Angst löst sich. Sie kann in der Vorstellung gut im Erwachsenen bleiben, wenn sie sich den ärgerlichen Torre vorstellt.
  • Torre freut sich über den Prozeß und sagt zu Katharina: „Ich freue mich, wenn du mutiger wirst“.
  • Dann sucht er nach einem Bild für seinen ärgerlichen und manchmal auch cholerischen Teil und findet das Bild eine „Grizzlies“.
  • Er nimmt ihn an die Hand und macht einen Tapp-Durchgang. Er merkt dabei, wie gut er jetzt auch mit dem zarten Teil verbunden ist und spürt die gute Energie des Grizzlies als Stärke im Bauch.
  • Dann macht er einen weiteren Tapp-Durchgang, bei dem er an der einen Hand den Grizzlie und an der anderen Hand das verletzte Kind hat. Der Grizzly sagt dabei zum verletzten Kind: „ich unterstütze dich und gebe dir Kraft“. Und das Kind fühlt sich umsorgt. Zum Schluß fühlt Torre eine große Kraft im ganzen Körper, der Schmerz im Herzen ist weg und er ist sehr gerührt.
  • Katharina sagt, daß sie jetzt auch einen Tapp-Durchgang machen will, bei dem sie ihr ängstliches Kind an der einen Hand und einen starken Teil an der anderen Hand hat. Als Bild kommt ihr dafür eine Amazone mit einem Speer. Sie ist dabei mehr in Tuchfühlung mit der Amazone. Das ängstliche Kind fühlt noch mal mehr Traurigkeit, fühlt sich aber eingebettet in das kraftvolle Feld der Amazone. Dann fühlt Katharina auch besonders das Pferd der Amazone und fühlt dessen Kraft. Sie fühlt sich sehr gut hinterher.

Der Beziehungsprozess auf CD

Und dann gibt es noch den Beziehungsprozess auf CD. Dabei sitzt ihr als Paar voreinander und werdet genau durch den Prozess geführt. Es gibt immer eine kurze Anweisung und dann 2 x 2 Min. Musik, bei der sich jeder ausdrücken kann. Ich will hier aber gar nicht zu viel darüber schreiben, damit es auch eine Überraschung wird, wenn ihr ihn durchführt. Wenn ihr beide die Atem-und-Stimmöffnung kennt, dann könnt ihr was mit den verschiedenen Beckenschaukeln vor jeder Ausdrucksphase anfangen. Wenn ihr die Atem-und-Stimmöffnung noch nicht gemacht habt, dann macht ihr einfach 5 tiefe Atemzüge statt der bestimmten Beckenschaukeln.

Es gibt den Beziehungsprozess als Langform, die ihr auf jeden Fall einmal durchführen solltet. Ihr werde da doch zu Pespektiven geführt, auf die ihr sonst nicht kommen würdet. Danach kann man auch die Kurzform anwenden, die unstrukturierter ist und die ihr mehr als Routineübung nehmen könnt.

(c) Martin Raffael Siems

 

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