Mensch Sein und Spiritualität

Überdosis Liebe – ist das überhaupt möglich?

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(c) Andrea Riemer

Überdosis Liebe – ist das überhaupt möglich?

Wann waren Sie das letzte Mal so richtig verliebt?
So mit allem Drum und Dran, Sternchen, Schmetterlinge etc. pp. …
Wann haben Sie sich das letzte Mal mit Liebe beschäftigt, sich von ihr fluten und einnehmen lassen? … und dann, irgendwann, flaut es ab, wird Routine. Sie kennen das sicherlich – oder gehören Sie zu den Glücklichen, die es gemeistert haben, die Liebe zu wandeln?

Herzlichen Glückwunsch.
Die verschiedenen Formen von Liebe in ihrer gesamten Vielfalt, die will Ihnen näherbringen. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, denn Worte sind dafür unzureichend. Unsere Sprache gibt es nicht her. Doch – ich will es versuchen und der Frage nachgehen, ob es eine Überdosis an Liebe geben kann und wie man der Liebe in ihrer Vielfalt begegnen. … Denn eine Nicht-Begegnung ist nicht möglich.
Warum – fragen Sie sich. Die Antworten finden Sie in den folgenden Gedanken.

Die Liebe – ein Irrgarten mit allem Drum und Dran?

Wer will das nicht, so richtig verliebt sein, in unserer Sehnsuchtsgesellschaft, voll von Idealen, von Träumen, von Wünschen, von Achs und Ochs?! Wer kennt das Gefühl nicht, ohne die/den anderen nicht mehr sein zu können. Die gesamte Aufmerksamkeit gilt der Einen/dem Einen. Der Blick aufs Smartphone, in die sozialen Medien … wir haben ja heute alle Möglichkeiten, zu sehen, was die/der andere so treibt, auch wenn sie/er nicht mit uns physisch zusammen ist. … Und rums, sind wir schon im Irrgarten der Liebe gelandet.

Wer will nicht die Liebe fühlen, in jeder Zelle des Seins, sich geborgen fühlen, aufgehoben fühlen, Freude spüren, dazugehören, sich angenommen fühlen wie sie/er ist, unverstellt sich ausdrücken können und sich einnehmen lassen?! Das gilt nicht nur für Liebespartnerschaften, sondern auch für Eltern-Kind-Beziehungen, für Freundschaften und auch für berufliche Beziehungen.

Es sind zwei scheinbar gegensätzliche Wahrnehmungen von Liebe. Ver-liebt sein als Hormonrausch. Liebe als Daseinszustand, der einfach ist – ohne auch nur das Geringste zu tun. Dazwischen gibt es so viele Spielformen von Liebe. Wir merken sie erst, wenn sie abwesend ist.

Dann nehmen wir beispielhaft etwa folgendes wahr … wenn Kinder das Haus verlassen und sich ihr eigenes Leben aufbauen. Plötzlich bricht ein geliebtes, gewohntes Gefüge, das einem bei allen Schwierigkeiten inneren Halt gab und wo man Liebe leben konnte, scheinbar auseinander. Das Haus oder die Wohnung ist leer. Die Eltern sind auf sich zurückgeworfen.

Was tun mit der neuen Freiheit? Was tun mit dem gleichzeitigen Schmerz, der sich oft einstellt? Oft erfolgt dann nach vielen Jahren Abwesenheit die Begegnung mit sich selbst. Der erste Schrecken ist groß. Die Leere tut weh. Auch hier – Liebe zeigt sich in ihrer Bedeutung durch Abwesenheit.

Ein weiteres Beispiel, das die Vielschichtigkeit von Liebe dokumentiert, ist eine endende Partnerschaft. Wenn ein Partner stirbt, dann fühlt man in dem Verlust auch sehr oft eine unendliche Liebe. Diese Liebe ist oft so tief, dass es unmöglich wird, einem anderen Menschen den Platz frei zu geben. Er bleibt über den Tod hinaus besetzt. … Und wieder ist es die Abwesenheit, die uns die Bedeutung von Liebe zeigt.
Trennungen in Partnerschaften haben einen ähnlichen Verlusteffekt. Auch hier erfangen sich manche jahrelang nicht von der Trennung und der scheinbar schmerzhaften, verloren gegangenen Liebe.

Ich nenne hier ganz bewusst die Beispiele, um die Vielfalt von Liebe an sich und von überbordender Liebe begreiflich zu machen.

  • Die Liebe ist wohl eines jener Phänomene mit einer bemerkenswerten Vielfalt. Sie beginnt bereits am Beginn des Lebens und oft erkennen wir sie erst, wenn sie abwesend ist.

Liebe – wie lässt sich das Undefinierbare fassbar machen?

Liebe gehört seit Menschengedenken zum Dauerbrenner unseres Seins. Kaum ein Gedicht, ein Lied, ein Gespräch kommt ohne Liebe aus. Das Thema ist also für viele ein echter Dauerläufer im eigenen Sein geworden. Sie laufen ihr nach, versuchen sie einzufangen – doch – ist das tatsächlich Liebe? Dann gibt es natürlich auch die Flüchter, die Ängstlichen in Sachen Liebe. Runner&Chaser, also DavonläuferIn und JägerIn … das sind zwei sehr interessante und vor allem häufig vorkommenden Verhaltensweisen, wenn’s um die liebe Liebe geht.

Kann man, wenn man die kleinen, für viele vertrauten Beispiele verinnerlicht, tatsächlich von Liebe sprechen? Oder sind dies ganz andere Gefühle, die wir mit Liebe verwechseln? Lassen wir uns etwas vorgaukeln, ohne die geringste Ahnung zu haben, was diese Urkraft unseres Seins überhaupt sein kann? Wollen wir Verbindlichkeit, wo gar keine Verbindlichkeit möglich ist? Löst sich Liebe im Sicherheitsbestreben aus sich selbst heraus gleich wieder auf? Ist es gerade dieses Geheimnis, das Liebe in ihrem tiefsten, innersten Wesenskern ausmacht?

Es ist kein Fragenkarussell um des Fragens willen. Doch ich will etwas thematisieren, das in uns ist, das wir wegdrücken, nicht als solches erkennen. Gleichzeitig streben wir sie mit Übersehnsucht an, obwohl man sie nicht anstreben kann. Es geht mir nicht um etwas Abstraktes, um etwas Theoretisches, Angelesenes. Niemand bringt Sie der Liebe näher als die Liebe selbst.

Kann es von Liebe zu viel geben? Es kommt darauf an, was Sie unter Liebe empfinden. Halten Sie inne, fühlen Sie nach … und lesen Sie erst dann weiter, wenn Sie das Grundgefühl in Ihnen verspüren.
Was ich meine, ist, dass offene, ehrliche, tiefe Liebe, die aus der eigenen Quelle kommt, unmaskiert und wahrhaftig ist, im eigentlichen, im tiefsten Sinn nie zu viel sein kann. Was jedoch zu viel sein kann, sind Zerrformen von Gefühlen, über die das Etikett ‚Liebe‘ geklebt werden. So ist sie. So hat sie zu sein. Erfülle die Norm. Der Rest kann gehen.

Doch halt … um dem Kern von Liebe in der ursprünglichsten Entsprechung näher zu kommen, will ich einen Blick auf Zerrformen davon tun. Mir geht es nicht um Bewertung und Verurteilung. Ich will sichtbar machen, unterscheiden und Impulse geben, wie man Liebe entzerren kann und damit in eine Harmonie bringen kann. Ich will mit meinen Gedanken zeigen – es kann nie ein zu viel an wahrhaftiger, ehrlicher, tiefer Liebe geben.

  • Liebe im tiefsten Wesen erkennt man, wenn man einen Blick auf Grundmotivationen im Leben und auf die Zerrformen von Liebe macht.

Am Anfang war … die Grundtrennung im Sein und die Grundmotivation im Leben

Kaum eine/r kennt die Grundtrennung im Sein, dieses Kollektivphänomen. Ja – über die Trennung von Quelle wird viel gesprochen und geschrieben. Doch was ist das? Wie kommt man raus aus der Nummer? Und welche Folgen hat das für Liebe? Man muss (!) heute, wenn man Liebe tatsächlich und stetig ins Leben lassen will, sogar noch weiter zurückgehen, nämlich an den kollektiven Beginn unseres Seins. Bereits hier erfolgen die vielzitierte Trennung und die Samenlegung von Ohnmacht, Kleinheit und Angst.

Wie soll da Liebe je ihren Platz finden? Sie kann bestenfalls eine Außenseiterrolle spielen und nur ab und zu durchblitzen. Meistens dann, wenn wir es gar nicht erwarten. Wenn nicht die Trennung am kollektiven Beginn beim Individuum aufgehoben ist, sprich die Grundliebe wiederhergestellt ist, so ist es so, als ob Sie einen Wasserschlauch nicht am Hahn anschließen und trotzdem erwarten, dass Wasser fließt. Sie warten auf etwas, das nicht möglich ist. Ich weiß, das ist ein etwas grobes Beispiel, doch ich will damit etwas ganz Grundsätzliches verdeutlichen.

Kaum eine/r fragt sich nach der oft vorhandenen zweiten Trennung, der Grundmotivation, mit der sie/er ihr/sein Leben betrat. Wie auch? Sie wurde ja unbewusst angenommen, angezogen wie ein Lebenskleid. Trotz vieler Rückführungen und anderer Techniken, mit denen man das Unterbewusste und Unbewusste seines Seins ergründen kann, die Grundmotivation bleibt vielen verschlossen. Sie wird auch von Spirituellen immer wieder schlicht weggeschoben. Gerade hier liegt jedoch vieles an Blockaden begraben.

Sie können manifestieren, aufstellen, hypnotisieren, rückführen – und was sonst noch so alles im esoterischen Angebot vorhanden ist – wenn Sie die Grundtrennung nicht aufheben und die Grundmotivation Ihres Seins nicht ergründen und gegebenenfalls wandeln – mehr als ein kurzfristiger Erfolg ist nicht drinnen. Die Wurzel ist verseucht und krank. Wie soll da ein Baum gesund längerfristig wachsen? Keine Frage, werden Sie sagen.

Ich sage – warum soll es beim Menschen anders sein – als Teil der Natur und des Kosmos?!
Machen Sie sich also auf den Weg ganz weit zurück. Das klingt umständlich, ist es jedoch nicht. Es ist eine Entscheidung, die nur Sie treffen können. Niemand nimmt ihnen diese Entscheidung ab.

  • Der Blick auf die Grundtrennung und die Grundmotivation ist entscheidend, wie sich das eigene Leben entfaltet und welchen Zugang man zu Liebe hat. Liebe ist – neben der Angst – eine dieser beiden Grundmotivationen.

Nun mögen Sie sagen – ja und – ist doch bekannt. Ich will etwas tiefer gehen und vor allem praktisch sein – kein Gesäusel, keine Visionen. Blanke Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit – etwas anderes verträgt die Liebe nicht.

Liebe zeigt sich als Offenheit, Freude, Neugierde, als liebevoller Zugang zum Leben an sich, als Geborgenheit, als innere Sicherheit, als Zärtlichkeit, als Großzügigkeit, als Vertrauen in das Gute und Schöne, als Mut die eigenen Einzigartigkeit zu leben, als Mitgefühl, als Hilfsbereitschaft, als Zugestehen der Einzigartigkeit des anderen, als Zuspruch, als Trost, als Fürsorge etc. Sie lesen alleine bei diesen eher wahllos hingeworfenen Begriffen die Vielfalt des Ausdrucks von Liebe. Sie kann sich jedoch nur entfalten, wenn die kollektiven und die individuellen Wurzeln gesund sind. Da muss die/der Einzelne ran an den Speck und sauber machen.

Die andere Seite – Angst – zeigt sich in einer kindlich verbliebenen Bedürftigkeit, in einer Kontrollsucht, im Opferdasein, im überzogenen Sicherheitsstreben, im Verbleiben im limbischen System der Grundbedürfnisse, im Einschränken des anderen, in Neid, Eifersucht, Mangel aller Art, Dauerkampfstimmung, sich immer wieder runtergemacht fühlen etc. … Sie wissen, was ich meine.

Aus der von uns gewählten Grundmotivation, die sich übrigens jederzeit verändern lässt, ergibt sich unser Selbstwert. Danach folgen das Selbstvertrauen als Selbstwirksamkeit und das Selbstbewusstsein (hier kann man dazu beispielsweise nachlesen, wie die drei zusammenhängen und was man zu deren Aufbau und Erweiterung tun kann: >>> Selbstermächtigung praktisch – hinein ins eigene Licht )

Ich habe diese Gedanken als Grundlage genommen, weil sich daraus erkennen und ableiten lässt, wie sehr wir uns mit sogenannter Liebe in Abhängigkeiten begeben und sie verzerren. Wir versuchen eventuell vorhandene Defizite über das Außen auszugleichen. Das kann kurzfristig klappen. Langfristig klappt es jedoch nie.

  • Wer die fehlende kollektive und individuelle Liebe zu sich selbst über das Außen sucht, kann mittlerweile nur mehr sehr kurzfristig das Loch füllen, doch niemals langfristig. Es ist wie bei Süchtigen. Die Dosis wird immer höher, das Loch wird immer größer.

Eltern und ihre Kind – wie loslassen?

Eltern-Kind-Beziehungen sind etwas Besonderes. Sehr konkret, oft gespannt, oft überflutet von gegenseitigem Unverständnis – und doch – irgendwie unkaputtbar. Ich erinnere mich, als der jüngere meiner beiden Söhne auszog. Beim Älteren ging das alles ruhig vor sich. Es war klar, dass er sich nach dem Abitur sein erstes eigenes Nest baute. Der Jüngere hingegen ging mit Donnerhall, von jetzt auf gleich. Ich war geschockt, hatte ich ihn doch mehrheitlich alleine aufgezogen.

Unser Verhältnis war kompliziert, wie es oft bei einer tiefen Liebe ist. Wir hatten viel gemeinsam gemeistert. Als er mich mit seinem Entschluss – von Wunsch war keine Rede – konfrontierte, dass er per sofort bei seinem Vater leben wollte, war ich geschockt, verletzt und traurig. Was hatte ich jetzt schon wieder falsch gemacht? Warum ein derart brachiales fait á compli? Vor allem verstand ich die sog. Tatsachen nicht. Diese Fragen beschäftigten mich mehrere Tage und schenkten mir einige schlaflose Nächte.

Erfreulicherweise war ich bereits damals in einer sehr hilfreichen spirituellen Gruppe Mitglied. Hier konnte alles besprochen werden. Nichts war zu banal. Nichts zu war zu kompliziert. Die Gründerin der Gruppe stellte mir eine Frage, nachdem ich ihr meine Lage kurz schilderte: „Kannst Du Dich an die Presswehen bei seiner Geburt erinnern? Wolltest Du sie festhalten?“

In diesem Moment war klar, dass mir mit dem Donnerhall-Weggang nichts Besseres geschehen konnte. Kurz und schmerzlos. Wie froh war ich bei der Geburt, als das Kind da war und die großen Schmerzen vorbei waren? Wie konnte ich also einen 14-jährigen jungen Menschen festhalten?
So viel Mutter konnte ich gar nicht sein. Ab diesem Moment der Erkenntnis konnte ich mit der Situation viel besser umgehen. Wann immer mich danach ein leiser Schmerz über seinen unvermuteten Weggang packte, stellte ich mir innerlich die Frage „willst du die Presswehe festhalten?“ – und binnen Augenblicken war der Schmerz gegangen.

Als Frau hat man es mit einer Geburtserfahrung etwas ‚leichter‘ als der Mann. Der Geburtsschmerz ist als Erinnerung, loszulassen, in der Frau fast archaisch eingebrannt. Man kann ihn zeitweise wegschieben, doch in der Tiefe verbleibt er. Sich daran zu erinnern, war für mich sehr tröstlich und sehr hilfreich, auch meinen jüngeren Sohn seinen Weg finden und gehen zu lassen. Ich bin für ihn da, doch dränge ich mich nicht in sein Leben. Das hat für sehr viel Entspannung gesorgt – auch wenn unsere Weg doch sehr, sehr unterschiedlich sein. Wer kann den schon erkennen, welches der Weg des anderen ist? Das ist dann doch eine ziemliche Anmaßung und hat mit der vielzitierten Liebe so gar nichts zu tun.

Wie ist das bei einem Vater? Ich schreibe als Frau und kann daher nur mutmaßen. Der Mann – er darf sich endlich als Mann kennenlernen und sein Mannsein leben. Dieses Element des eigenen Seins geht vielen in der Vaterschaft verloren, weil der Versorger- und Schutzaspekt im Vordergrund steht. Natürlich ist dies auch eine Form von Liebe. Doch die Selbstliebe und die Liebe zu eigenen Mannsein, die tritt stark in den Hintergrund.

Spät, aber doch, nicht immer angenehm, oft verwirrend und doch erfüllend … so beobachte ich es bei Vätern, die nicht in der Rolle hängen bleiben, sondern ihr Mannsein entdecken. Dafür muss man übrigens nicht die Mutter der Kinder verlassen. Das kann dann der Fall sein, wenn die Frau in ihrer Mutterrolle hängen bleibt und nicht ihre Fraurolle annehmen kann und/oder will.

Das ist mitunter recht anstrengend am Beginn. Dann zeigt sich das Ungleichgewicht in der Ausfüllung von Rollen mittlerweile überdeutlich und der Mann bricht um seines Mannseins willen aus. Es muss jedoch nicht der Fall sein, wenn die Frau bereit ist, ihr Frausein endlich zu entdecken und auch zu leben. Wenn beide ihren wahren Kern wiederentdecken und gemeinsam leben, kann daraus eine sehr erfüllende und vor allem wahrhafte Frau-Mann-Beziehung gedeihen.

  • Kinder gehen zu lassen, ist einer der ganz großen Herausforderungen im Leben. Gleichzeitig öffnen sich für die Frau und den Mann neue Möglichkeiten der Wiederentdeckung.

Das Kind und die Eltern – Hotel Mama-Papa

Auch Kinder haben es nicht immer leicht mit den Eltern. Es ist halt doch irgendwie bequem zu Hause. Da denkt man schon nach über die Anstrengungen des Erwachsenenlebens. Sie werden nicht erwachsen, bleiben die Peter Pans und die Prinzessinnen – frei von Verantwortung für das eigene Sein. Es ist die Umkehrung des archaischen Prinzips Die Eltern schenken dem Kind das Leben. Es gibt nichts zurückzugeben außer die kindliche Liebe – und die wandelt sich mit der Zeit in Respekt und Seinlassen.

Das ‚Hotel Mama‘ ist ein beredtes Beispiel für das Hängenbleiben. Der junge Mensch hat keine Motivation erwachsen zu werden. Es ist halt so schön kuschelig im Dauerwelpenschutzprogramm. Bei etwa 30 Jahren ist man, aus dem natürlichen Zyklus eines Menschenlebens heraus, diesem Welpenschutzprogramm entwachsen – auch wenn kaum einer diesen Zyklus mehr kennt.

Diese Form der ‚un-erwachsenen‘ Liebe ist von Anhänglichkeit und Bequemlichkeit geprägt. Sie behindert die Ausweitung und die Entfaltung. Das ist gelegentlich umständlich, schmerzt und Umwege gibt es auch. Der Wurf aus dem Nest kann daher auch ein Ausdruck von Liebe sein, weil er in die Eigenständigkeit hineinwirft.
Dort ist ab 30 plus ja auch der Platz im Leben. Dann kann auch die echte Liebe kommen, zu sich selbst und – vielleicht zu einer Partnerin/einem Partner. Kann sein, muss nicht sein.

  • Leben fordert zur Entfaltung und zur Ausweitung auf. Beides braucht Eigenständigkeit – fern dem Elternhaus. Das kann anfänglich unbequem sein, doch letztlich ist es erfüllend, weil die Eigenliebe endlich Raum erhält.

Halb zog sie ihn, halb sank er hin – Liebe zwischen Partnern mit Suchtpotenzial

Nun ist man endlich erwachsen geworden, zumindest am Papier, und ist bereit für eine Partnerschaft. Schon dräut die nächste Herausforderung am Horizont des Lebens herauf. Die große Liebe … Verliebtsein, dieser hormonelle Ausnahmezustand (klingt unromantisch, doch dient der Erklärung) ist so getimt, dass wir eigentlich nicht abhängig davon werden, weil er relativ bald abklingt und die Hormone sich auf ‚normal eingroven‘. Dann wird es jedoch so richtig spannend und es zeigt sich, ob tatsächlich Liebe vorhanden ist und sich in ihrer Vielfalt zeigen darf oder aber ob der Hormonrausch zu Schmerzen aller Art führt.  

Wenn jedoch alte Prägungen, die oft aus der Kindheit stammen und ungelöst sind, auftauchen (und die tauchen immer dann auf, wenn man sie nicht braucht – scheinbar!), dann kann dieser Umschaltprozess nicht ausreichend oder gar nicht stattfinden. Liebe wird dann zur Sucht, zur Suche nach etwas, zum Stillen von oft gar nicht als solche erkannten Bedürfnisse. Chaos de Luxe ist angesagt. Manche sind perfekte DauerläuferInnen in der Liebessuchtschleife.

Das hat jedoch nichts mit Partnerschaft auf Augenhöhe zu tun und ist in der Neuen Zeit nicht mehr haltbar. Ich schreibe dies so klar, weil gerade jetzt partnerschaftlich sich zeigende Defizite, die oft in Süchte müden, nun überdeutlich zutage treten.

  • Die Abhängigkeiten in Liebesbeziehungen zu erkennen ist wesentlich für den Selbstwert, das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen. Gerade hier und jetzt am Weg in die Neue Zeit – nicht immer angenehm, doch letztlich dem Wesen von Liebe eine große Chance auf Entfaltung gebend.

Ist dann eine Überdosis an ehrlicher, tiefer, wahrhaftiger Liebe möglich?
Mit Sicherheit nicht.

Zum Abschluss und als Impuls, sich dem Thema weiter zu widmen.

„Wahre Liebe ist ein Seinszustand, der alle Hindernisse überwindet. Sie beginnt in uns selbst. Dann erst kann sie sich in der Beziehung zu anderen entfalten. Sie braucht Freiheit und bedeutet zugleich Verpflichtung. Und – Liebe kennt weder Anfang noch Ende.“

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25.11.2018
Andrea Riemer
 www.andrea-riemer.de/

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