Gesellschaft

Unbewusstsein und Bewusstsein – zwei kommunizierende Gefäße in der Bewusstseinsrevolution?

verkehrt-herum-ghostsUnbewusstsein und Bewusstsein – zwei kommunizierende Gefäße in der Bewusstseinsrevolution?

In diesem Generalumbruch liest man viel zu allgemeinen Energien, zur Zeitqualität, zum Aktionsfeld, zum Informationsfeld.
Das Bewusste hat plötzlich Hochkonjunktur. Spirituelle verstecken sich nicht mehr. Der Coachingmarkt boomt. Energiearbeit ist mehr denn je en vogue. Man könnte annehmen – die Bewusstseinsrevolution ist ja schon voll im Gang.
Warum schreibe ich überhaupt dazu?

Nun – ich will die Vorgänge einordnen und in die Perspektiven rücken. Ich orte einen spirituellen Mischmasch, der nach Einordnung verlangt. Spiritualität und Bewusstsein sind zwei Komponenten, die viel Unterscheidungsvermögen verlangen.
Wir leben ja nicht im Vakuum, sondern auf unterschiedlichen Frequenzen mit unterschiedlichen Dichten.
Es gibt auch so etwas wie energetische Echokammern und Infomationsblasen.

Aufklärung, Klarstellungen, Anleitungen, Impulse … immer jedoch mit der dezidierten Aufforderung der inneren Überprüfung. Was für mich stimmig ist, muss für Sie noch lange nicht stimmig sein. Unterscheidungsvermögen …

 Überprüfen Sie, was Sie lesen. Fragen Sie sich innerlich – ist das für mich jetzt stimmig? Dann haben Sie eine sehr gute Chance, nicht in der spirituellen Echokammer zu verbleiben.

Eine kurze begriffliche Klarstellung mit Praxisbezug … denn Leben will ja gelebt werden

Es gibt eine Reihe von Begrifflichkeiten, die es lohnt, anzusehen und klarzulegen. Ich tue dies im Sinne der allgemeinen Verständlichkeit, ohne zu sehr in wissenschaftliche Kategorien abzugleiten.
Doch es ist unabdingbar, zu wissen, worüber wir sprechen, denn die Begriffe sind vielschichtig, viel verwendet und sehr unterschiedlich definiert. Mir geht es um Arbeitsbegriffe und ausdrücklich nicht um einen wissenschaftlichen Wettstreit.

Bewusstsein bedeutet hier eine Form von Gewahrsein und bezieht sich auf die Wahrnehmung über die fünf bekannten Sinne. Es ist untrennbar mit Achtsamkeit verbunden.

Das kollektive Unbewusste hat seinen gedanklichen Ausgang in den Arbeiten von C.G. Jung. Mittlerweile gilt es als Begriff, der weit über den Jung’schen Zugang hinaus Verwendung findet.
Im Rahmen der von mir angesprochenen Bewusstseinsrevolution spielt das kollektive Unbewusste eine wesentliche Rolle.

Es ist die unbewusste psychische ‚Grundstruktur‘ des Menschen, die im Wesentlichen durch Mythen, Märchen, Geschichte, Erzählungen und Religion geprägt ist.
Es ist laut Jung etwas Empirisches, das die Analyse ergänzt. Untrennbar sind die Archetypen mit dem kollektiven Unbewussten verbunden. Es sind Verhaltensmotive und Symbole, die sich z.B. in kulturellen Erzählungen, in Vorstellungen und in Ritualen zeigen.
Man findet sie auch wiederum in Märchen, Mythen, Träumen, in der Kunst, in der Sprache. Man kann das kollektive Unbewusste als eine Art übergeordnetes Erzählprinzip sehen.
Manche nehmen auch das historische Gedächtnis hinzu (Jung tut dies nicht) und andere gehen soweit, es auch als morphisches Feld zu sehen, als eine Art kollektive Erinnerung.
Wenn man den Begriff ganz weit fasst, dann könnte man auch von der Akashachronik, vom Großen Informationsfeld sprechen. Ich will damit zeigen, wie vielschichtig das Konzept ist und wie weit es interpretierbar ist.
So verwende ich den Begriff als Synonym für das von uns zwar oft nicht erkannte, doch immerwährend daseiende Informationsfeld, das uns umgibt und uns zutiefst prägt.

Unterbewusstes und Unbewusstes: diese beiden Begriffe werden oft austauschbar verwendet. Man kann es als den vom Bewusstsein abgespaltenen Teil, den getrennten Teil ansehen. Mir geht es um einen Arbeitsbegriff und nicht um eine tiefenpsychologische Deutung im Sinne von Freud oder um eine analytisch-psychologische Deutung im Sinne von Jung.
Ich verwende beide Begriffe als Synonym für das Abgetrennt-Verdrängte in uns.

Diese drei Großbegriffe spielen massiv in die Bewusstseinsrevolution, in unser Alltagsleben und in unsere Art, wie wir agieren und re-agieren. Hier können wir transformieren und uns nachjustieren. Hier liegen die Wurzeln, um unser Leben einfacher, stimmiger, zeitgemäßer zu gestalten. Hier liegt die Basis für Wandel.

Zum Bewusstsein habe ich mich bereits in anderen Beiträgen geäußert. Hier will ich mich auf das Abgetrennt-Verdrängte konzentrieren und ihm den erforderlich Raum und damit auch Bedeutung zu geben.

 Im gelebten Leben geht es darum, Bewusstes UND Unbewusstes zu erkennen und zu integrieren. Dann ist Ganzheit, Einheit, Einssein möglich.

Das Abgetrennt-Verdrängte als großes Sammelbecken – wofür?

Ein Großteil des wahren Selbst läuft sprichwörtlich am Menschen vorbei und wird durch das Unterbewusstsein wie in einem Siphon aufgesogen und in ein imaginäres Sammelbecken abgegeben. Was geschieht dort?
Vieles und nichts zugleich. Oft verbleibt es im Dunklen. Das haben Abgründe so an sich – und doch sind sie da.

Sie stoßen uns ab – sie faszinieren uns gleichzeitig. In der Astrologie ist vieles davon mit dem Prinzip von Pluto und damit von Skorpion verbunden. Es ist die Tiefe, die zieht, die magisch anzieht, die hineinzieht. Es ist auch dieser Sog, der erst Tiefe ermöglicht. Halb zog sie ihn, halb sank er hin …

Gleichzeitig bereitet uns das Unbekannte sehr oft eine große, unspezifische Angst. Es ist der Schatten, ohne den das viel gepriesene Licht gar nicht sichtbar wäre.

 Es ist die Polarität, die sich in beidem zeigt und die für Bewusstseinsrevolution ganz wesentlich ist. Das Eine kann ohne das Andere nicht. Ying-Yang … Tag-Nacht … heiß-kalt … Mann-Frau …

Dieser Abfluss in den inneren Hades (natürlich auch mit Pluto in Resonanz) hinterlässt in einem das Gefühl der Trennung vom Ganzen, von einer latenten und manifesten Angst, dass die/der Einzelne in ihren/seinen Fähigkeiten zu tiefst beschränkt ist, Wünsche zu erfüllen, und einen festsitzenden Glauben, dass dafür hart gearbeitet werden muss, um Ziele zu erreichen und Lebensglück zu verdienen.

Es ist etwas Dunkles, Unbekanntes da, doch oft kann man es mit dem Verstand nicht identifizieren und man wiederholt Lebenssituationen – solange bis es zu dumm und/oder zu schmerzhaft wird und man sich auf die Suche begibt.

 Leidensdruck ist oft der unmittelbare Auslöser für Erkenntnis, die untrennbar mit Bewusstsein und Achtsamkeit verbunden ist.

Die Wurzel liegt tatsächlich ganz Beginn unseres Seins. Es geht wieder um die Grunddisposition, die wir uns am Beginn mitgenommen haben – meistens unbewusst. Diese Grunddisposition umfasst schlicht Liebe und Angst, Einheit und Trennung. Keines davon ist besser. Keines davon ist schlechter. Beide ‚sind‘.

Daher darf man/frau sich immer wieder fragen: in welchem Fluss bin ich gerade unterwegs? Diese einfache Frage hilft ungemein.

Nach wie vor wird dieser Grunddisposition viel zu wenig Beachtung geschenkt. Das ist mittlerweile ein kollektives Muster vor allem in der westlichen Welt. Dazu ist viel gedacht und geschrieben worden. An Erkenntnis mangelt es nicht. Doch sie alleine reicht nicht aus.
Erkennen durch Lesen, durch Videos ansehen, durch Vorträge, durch Gespräche, durch Austausch, durch Seminare, Retreats, Reisen in Ashrams etc. pp. sind wichtige Schritte. Doch sie sind eben nicht genug für wahre Veränderung.
Es geht ganz schlicht ums konkrete Tun. Konkret und Tun sind die beiden ‚Zauberbegriffe‘ – bewusst und achtsam ins Handeln kommt. Dabei ist es gar nicht einfach, sich aus dem Kollektiv und dem Unbewussten zu erheben und sogar auszusteigen und umzusteigen in eine neue Betrachtungsweise des Lebens.

Der kollektive Überbau – wahrscheinlich eines der großen Hindernisse für wahrhaften Wandel

Gesellschaft und Wissenschaft versuchen nach wie vor mit einer Persistenz zu beweisen, dass es eine einzige Realität gibt.
Es ist jene, die man mit den bekannten fünf physischen Sinnen wahrnehmen kann. Wenn man auf diesem Wahrnehmungs- und Bewusstseinslevel verbleibt, dann gerinnt der Geist in die Materie und das Bewusstsein ist auf das Ego beschränkt.

Was für eine Einschränkung! Was für eine Verkürzung – vor allem wenn nachgewiesenermaßen damit nur maximal fünf Prozent dessen wahrgenommen wird, was es tatsächlich gibt.
Nicht kennen heißt nicht, dass es etwas nicht gibt. Es ist nur außerhalb des individuellen Wahrnehmungsfilters. Schlagen Sie z.B. zum Magellan-Effekt nach. Der erklärt dies sehr schön. Nehmen Sie an, dass wir größtenteils im Magellan-Effekt leben.

Dies ist übrigens die mittlerweile traditionelle westliche, nach wie vor stark auf das Außen und die Leistung hin orientierte Sichtweise von Bewusstsein und von Leben. Es ist eine Möglichkeit, Leben zu sehen. Es gibt jedoch eine Reihe von weiteren Möglichkeiten, die deutlich erquicklicher und befriedigender sind.

Alleine das Kennen der unterschiedlichen Kategorien von Unbewusstem hilft in der Wahrnehmung. Doch die Kenntnis alleine reicht nicht aus. Es geht auch nicht darum, das Unbewusste in seinen Spielformen und Dimensionen zu bekämpfen oder zu füllen.

 Es ist wesentlich einfacher, das Bewusstsein zu erweitern (z.B. mit Waldspaziergängen, mit Meditationen aller Art, mit Lebensvereinfachung, mit gezielter Atmung, mit Aushalten von Stille und Leere). Dann gleichen sich die unbewussten Kategorien automatisch an.

Die Erweiterung von Bewusstsein

Das Geheimnis, so es so etwas gibt, liegt in der Erweiterung von Bewusstsein. Damit kann man eine Innen-Außen-Balance erzielen. Es geht also ausdrücklich NICHT darum, nun ganz stark in den Seins-Pol zu gehen und ausschließlich dort zu verbleiben. Nur mehr Om-singend durch die Gegend zu wandeln, sich völlig von seinem Umfeld abzukapseln, in Medien- und Materiekarenz zu gehen. Dies ist nicht sinnstiftend und auch gar nicht gefragt.

Es geht darum, diesen Seins-Pol zu erkennen, zu erkunden und mit dem Tun-Pol in eine Harmonie zu bringen. Das ist kein Einmalschritt, sondern ein spiralartiger Prozess, der Stück für Stück in der Entwicklung nach oben bringt.
Vielleicht ist das der oft zitierte Aufstieg. Doch es geht hier nicht um esoterische Konzepte. Es geht darum, zu zeigen, wie einfach man das Bewusstsein erweitern kann.

Für diese Erweiterung von Bewusstsein braucht es keine Drogen welcher Art auch immer, sondern im ersten Schritt eine bewusste Entscheidung, die sich auf die innere Offenheit dafür bezieht. Es ist ein Ja zu einer inneren Öffnung und zu einem inneren Zulassen von Neuen, von Anderen.

Die/der Einzelne kann sich nur an das Selbst (wieder-) erinnern, wenn er/sie das Bewusstsein in eine weitere Wahrnehmungsebene ausdehnt und die Zeit hinzunimmt.
Die Wahrnehmung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wird fließender, da sich die Gesetze von Zeit und Raum verändern.
Die Trennung wird unwichtiger, weil das Hier und Jetzt, die Zeit zwischen zwei Atemzügen an Bedeutung gewinnt. Immerhin sind das etwa 3 Sekunden. Klingt nach nicht viel – doch mehr ‚hat‘ man nicht, wenn man vom Jetzt spricht.

Kinder bis zum etwa sechsten Lebensjahr kennen übrigens gar keinen anderen Zustand. Sie tun sich schwer mit dem Warten auf etwas, das kommen mag, wie auf ihren Geburtstag oder auf Weihnachten. Zeitgefühl ist oft nicht Teil ihrer Wahrnehmungswelt. Sie leben nicht zeitlos, sondern eben in diesen drei Sekunden (schon wieder Zeitangaben) – mit denen sich Erwachsene oft unglaublich schwer tun, weil sie kontrollieren, planen und schon vor der Zeit wissen wollen, was ist – also schon dort sein wollen, bevor sie abfuhren (oft ohne zu wissen, wohin die Reise gehen soll!). So versäumen sie das einzig Reale – den Jetzt-Moment.

Sie fühlen sich abhängig von dem, was war und was kommen mag – wer hat schon die große Gewissheit?
Irgendwann stellt sich eine Ohnmacht ein und mündet im Opferdasein. Es sind die berühmten Umstände. Opfersein – herzlich willkommen. Es lebt sich doch so angenehm in dieser vertrauten Soße … auch eine Form der Komfortzone.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie gerne Menschen am Bekannten leiden. Man mag meinen, das sei Fantasie. Doch die Beobachtung zeigt eine bemerkenswert hohe Leidensschwelle und Frustrationstoleranz, bis Menschen gemeinhin ‚in die Pötte kommen‘.
Sie sind PerfektionistInnen im Hineinfallen in die Löcher auf ihrem Weg und sie sind fantastisch im Herausklettern. Irgendwann haben sie sogar ihre perfekte Falltechnik entwickelt, haben nicht mal mehr innere blaue Flecken und sind großartig im Herausklettern aus dem Loch. Wie wäre es mit der Wahl und dem Gehen eines neuen Weges? …
So ganz ohne ins Loch fallen und wieder herausklettern? … Als Anregung …

Löst man sich von der rein materiellen Vorstellung im Bewusstsein, so dehnt man sich innerlich in der Wahrnehmung aus und entwickelt eine erweiterte Form von Achtsamkeit für das, was AUCH ist.
Ich betone an dieser Stelle nochmals: Es geht ausdrücklich NICHT um die Verdammung von Materie in welcher Form auch immer. Es geht darum, AUCH die innere Seite, die spirituelle Seite zuzulassen, ihr Raum zu schenken. So wird Ausgleich möglich.
So werden Abhängigkeiten geringer.
Eine innere Heilung kann sich Schritt für Schritt einstellen – langsam, still und leise.
Was früher ach so unabdingbar war, weh tat und vor dem man unbändige Angst hatte – es ist weg. Nein – nicht weg, denn bekanntermaßen geht in diesem Universum nichts verloren. Es ist alles vorhanden, nichts kommt hinzu und – nichts kommt weg. Doch – die Einstellung zu Erfahrungen hat sich gewandelt. Frieden konnte eintreten. Ausgleich kann sich einstellen. Harmonie übernimmt das Ruder.

Mehr und mehr stellt man fest, dass man selbst die eigene Realität durch die Art von Wahrnehmung und die Weite des eigenen Bewusstseins erschafft. Die Selbstsabotage wird geringer und man kommt den eigenen Zielen deutlich näher. Das Außen wird in seiner Bedeutung auf jene Stufe gebracht, die ihm zusteht.

Das vielzitierte, sich ewig aufblusternde Ego kann sich erholen und dort helfen, wo es gebraucht wird – als unbedingter Wille zu Sein. Auch nicht ganz unwichtig.

 Bewusstseinserweiterung ist ein wesentlicher Bestandteil der Bewusstseinsrevolution. Dazu braucht es keine Mittel von Außen, sondern einen klaren Fokus auf das Innen und eine Kenntnis dessen, was auch möglich ist. 

Der nächste Beitrag im Rahmen dieser kleinen Serie zur Bewusstseinsrevolution befasst das Thema:
Die Bewusstseinsrevolution umgesetzt – Weitere konkrete Anregungen für den Alltag“.

25.08.2018
Andrea Riemer


Zum Abschluss ein tröstlicher Gedanke – als Mutmacher am Weg.

„Sie wusste, das Leben war immer auf ihrer Seite, manches Mal anders als sie es sich wünschte, doch es war immer da. Das Leben liebte Marie und es war geduldig mit ihr. Und doch forderte es sie immer wieder auf, Altes fühlbar und sichtbar abzuschließen. Dann erst war Platz für Neues.“
Andrea Riemer

cover-Botschaften-andrea-riemerText aus ihrem neuen Buch:
Andrea Riemer, Botschaften vom Leben, dielus edition, Leipzig 2018 (mehr dazu samt Leseprobe unter
www.andrea-riemer.de/das-neue-buch). 

Zur Autorin: www.andrea-riemer.de

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