Achtsamkeit Das Neueste Gesellschaft

Uni, Stress und Achtsamkeit

Bibliothek-Studie-Mann-libraryUni, Stress und Achtsamkeit

Das Studentenleben ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Nichts mehr mit Bummeln und Faul Sein. Nichts mehr mit dem ewigen Studenten. Studierende und – ganz allgemein – in Ausbildung befindliche junge Menschen – sind mittlerweile einem beachtlichen und vielfältigen Leistungsdruck ausgesetzt. Die Universität, die Fachhochschule, die Ausbildungsstätte – Stress allover. Stress im negativen Sinn als überbordender Druck ist für viele jüngere Menschen alltäglicher Begleiter geworden. Da hilft das ganze Chillen nicht. Selbst in jungen Jahren ist man vor Erschöpfungszuständen, vor dem vielzitierten Burnout nicht gefeit. Uni, Stress und Achtsamkeit klingt da wie ein Oxymoron, also etwas, das sich grundlegend widerspricht. Als jemand, der 25 Jahre im universitären Umfeld als Lehrerin aktiv war, kann ich diese Entwicklung sehr gut einschätzen. Sie betrifft nicht nur die Studierenden, sondern auch das Personal, wo ein beträchtlicher Teil im Präkariat, also an der Einkommensgrenze zur Armut, tätig ist und damit auch einem hohen Stresslevel ausgesetzt ist. Ich will – aus eigener Erfahrung und aus meinen zahlreichen Beratungsgesprächen – die Lage darstellen und Möglichkeiten aufzeigen, wie man aus der Stressfalle in der Ausbildungsphase und in der Berufseinsteigerphase herausbleiben kann. Holen Sie sich ein paar Anregungen für gezielte Achtsamkeit und ein angenehmeres, geglücktes Leben.

Die aktuelle Lage im Ausbildungsbereich: Zu viel vom Alten, zu wenig vom Neuen

Bildung als Wissensvermittlung und Ausbildung als anzuwendende Wissensvermittlung sind seit Jahrzehnten ein heißes Thema in der gesellschaftlichen Debatte. Stress ist an Unis, Fachhochschulen und anderen Ausbildungseinrichtungen täglicher, quasi schon natürlicher Begleiter in dieser heißen Diskussion.

Die vergangenen 15 Jahre waren – auch im Zuge des Bologna-Systems, das für eine höhere Vergleichbarkeit von Programmen und Abschlüssen auf europäischer Ebene von Bildungsprogrammen sorgen sollte, von einer starken Verschulung der höheren Ausbildung und Bildung charakterisiert. Die bisherige strukturelle und inhaltliche Freiheit wurde zugunsten einer leichteren Vergleichbarkeit aufgegeben. Als jemand, der mehrere höhere Studienprogramme selbst abgeschlossen und auch mitkonzipiert und initiiert hat, kann ich dies mit Fug und Recht behaupten. Die Wahlfreiheit wurde deutlich eingeschränkt, ebenso die Eigenverantwortung der Studierenden. Gleichzeitig stieg durch das Punktesystem der Leistungsdruck in nicht mehr nachvollziehbare Höhen. Es geht mehr und mehr um das Sammeln von sog. Credit Points (ECTS-Points genannt, also Leistungspunkte nach dem European Credit Transfer System) als im Inhalte, um Diskussion, um Austausch. Ist uns Bildung abhandengekommen? Haben wir den Zug der Zeit mehrfach verpasst?

In vielerlei Hinsicht ist das Studium zu einer höheren Verschulung verkommen, wobei gleichzeitig die Lehrinhalte aufgrund der komplexen Akkreditierungsbestimmungen deutlich hinter dem herhinken, was die Realität fordert. Der Unterschied zwischen vermitteltem Wissen und gebrauchtem Wissen könnte heute nicht größer sein. Dies ist auch durch die extrem verkürzte Halbwertszeit von Informationen, von Daten, von Wissen begründet und erklärbar.

Provokant kann man damit das gesamte Bildungs- und Ausbildungssystem auf Realitätstauglichkeit hinterfragen. Dieser Realitätscheck umfasst Inhalte, Strukturen und auch das gesamte Umfeld, in dem Bildung und Ausbildung gelebt werden. Damit ist auch der damit verbundene Stress verbunden – warum Stress?

Für Berufseinsteiger gilt übrigens sehr Ähnliches. Der Wunsch der Wirtschaft: 25 Jahre maximal, 20 Jahre Berufserfahrung, in Mindestzeit studiert, wenigstens unter den Top 10 des Jahresganges, 3 Fremdsprachen in Wort und Schrift, IT-Kenntnisse im vollen Umfang, die Bereitschaft zur dauerhaften Verfügbarkeit … ja – ich weiß, ich übertreibe heillos. Doch ich will ja sensibilisieren und manche Unsinnigkeit aufzeigen, einfach achtsam machen, für das, was so verbreitet wird.

Diesem großen, dem System innenwohnenden Widerspruch konnte das Bildungssystem – gleich auf welcher Ebene – noch nicht entgegentreten. Wenn man weiß, wie träge dieses Großsystem ist, dann besteht auch kaum Hoffnung, dass sich dies in absehbarer Zeit ändert. Auch für Berufseinsteiger sehe ich wenig Licht am Ende des Tunnels, weil das System erst gegen die Wand gefahren werden muss, um tatsächlich in die Gänge zu kommen.

So muss man die provokant anmutenden Fragen stellen – und sie auch gefallen lassen:

  • Werden junge Menschen völlig an der Realität vorbeigehend ausgebildet?
  • Wird ihr Potenzial einer vorausschauenden Realitätsgestaltung damit von Grund auf vernichtet?
  • Treibt das System junge Menschen in eine unbrauchbare Leistungsrichtung?
  • Vernichtet das System aus sich selbst heraus jegliche Innovation und gesunde Neuerung?
  • Werden junge Menschen in jeder Weise krankgebildet?
  • Werden Berufseinsteiger brutal ausgebeutet und ausgenützt – und wenn sie nicht mehr funktionieren, weggeworfen?
  • Wie hält es mit Humankapital (alleine der Begriff ist beachtenswert)?
  • Könnte eine gelebte und vermittelte Achtsamkeit eine erste Abhilfe in die richtige Richtung erschaffen?

Anspruch und Wirklichkeit – das Delta wächst und wächst

Als nach wie vor sehr aufmerksame Beobachterin der schulischen und universitären Szene behaupte ich, dass völlig an der sich zeigenden neuen Realität vorbei gebildet und ausgebildet wird. Oft habe ich den Eindruck, dass es kaum mehr inhaltliche Berührungspunkte zwischen den diversen Programmen und Möglichkeiten und dem, was sich als neue Realität zeigt, gibt. Die Vorreiterfunktion von Bildung und Ausbildung ist verloren gegangen – am Weg des sich laufenden Verbesserns.

Das verwundert natürlich nicht, denn die Voraussetzungen, unter den die meisten Programme ins Leben gerufen wurden, sind von alter Qualität.

Gleichzeitig stecken viele junge Menschen in einer polarisierten Lage.

Einerseits werden junge Menschen oft von Kindesbeinen an in einen Leistungsdruck gesteckt, der beängstigend ist. Andererseits gibt es die Rasenmäher-Eltern, die alles irgendwie Herausfordernde vom jungen Menschen fernhalten. Beides verhindert, Kindsein im Sinne von spielerisch-neugierig-forschend zu erfahren, was die Welt, was Leben ist und sein kann, fällt sehr oft ‚hinten runter‘. Wenn ich oft 12 jährige junge Menschen anhöre, dann kann ich nichts Kindliches mehr erkennen. Der Zwang, sich zu entscheiden, in welche Richtung ihr Leben laufen kann, ist aus meiner Sicht völlig unpassend. Helikopter-Eltern/Rasenmäher-Eltern, die sich in alles und jedes des Kindes einmischen und überbeschützend agieren, tun das ihre dazu, dass Kindsein weit davon entfernt ist, was es zyklisch und inhaltlich sein kann. Gehen wir in den Altersgruppen weiter, dann beobachte ich 20 jährige, die von einer Veranstaltung zur nächsten rasen, weil sie meinen, sie müssten netzwerken, gesehen werden und immer in Action sein. Ausprobieren, wahrhaftig studieren, für sich und für die eigene Persönlichkeitsentwicklung etwas Konkretes tun – das kommt zu kurz. Es ist nicht auf dem Radarschirm. Es bringt ökonomisch nichts, ist nicht effizient genug und überhaupt – was soll denn das – wo bleibt die messbare Leistung?!

Gleichzeitig gibt es die Chiller, die perspektivlos sind, die Dinge herankommen lassen und sich vom Leben überraschen lassen. Warum schon mit Arbeit beginnen? Warum studieren? Warum eine Ausbildung machen? Sie bringt nichts aus der Ruhe. Sie haben sich ihr eigenes Paralleluniversum geschaffen. Es wird sich schon irgendwie ausgehen. Irgendwer wird schon die Erweckung der Dornröschen vornehmen. Irgendwer, irgendwann, irgendwie, irgendwo.

Sie meinen, ich übertreibe schamlos? Leider nein. Ich mag ein wenig überzeichnen, um Ihre Aufmerksamkeit zu erregen, denn ich schreibe hier über jene Menschen, die unser aller Zukunft sind und unsere Gesellschaften maßgeblich tragen und gestalten.

Es sind zwei polare Haltungen, die ich umschreibe. Sie sind nichts Besonderes. Ja, natürlich mag es Mischungen aus beiden Polen geben. Doch – wie sollen junge Menschen ihren Weg finden können, wenn ihnen kaum jemand der Erwachsenen Orientierung geben kann, weil sie selbst zu einem beträchtlichen Teil halt- und orientierungslos sind?

Übertribbeln sich Berufseinsteiger mit ihren Ambitionen, dabei sein zu wollen, dazugehören zu wollen? Wird die Beschäftigung zur Ersatzdrogen und zum Ersatz für soziale Netze? Ich meine damit ausdrücklich nicht die sozialen Medien, sondern lebendige Beziehungen. Ist Überforderung die neue Krankheit – parallel zur Langeweile? Laufen Berufseinsteiger Trugbildern nach, die eine alte Energiequalität aufweisen und nichts mit der neuen Energiequalität, in die sie schon eingestiegen sind, zu tun hat? …

So entstehen ganz unterschiedliche Zeitlinien, die für jene, die sie eben bespielen, zutiefst real sind. Doch sind sie der neuen Zeit entsprechend? Welche Rolle spielt hier Achtsamkeit?

Wie bringen wir da Achtsamkeit hinein?

Ich finde es bemerkenswert, dass erste Bildungseinrichtungen für die höhere Bildung Impulse zum Thema Achtsamkeit anbieten. So zum Beispiel das Hasso Plattner Institut in Potsdam, das eine Vorlesungsreihe dazu offeriert. Doch wenn es um die nachhaltige Begleitung von Studierenden zum Thema Achtsamkeit angeht, das fällt das in die Kategorie der Freiwilligkeit und von ‚nice to have‘. Ein regelmäßiges Angebot gibt es selten bis gar nicht. Höchstens auf Eigeninitiative. Nun stimme ich zu, dass nicht alles fremdinitiiert sein muss. Doch wir wissen, dass gerade am Beginn von neuen Inhalten es einen größeren Schub braucht. Wird Achtsamkeit am Beginn zur Chefsache erklärt, dann ist die Chance, dass sich die Mitarbeiter, die Studierenden etc. pp. damit auch auseinandersetzen, höher. Der Rest ist dann oft dem Mundfunk zu verdanken, vor allem dann, wenn nachvollziehbare positive Effekte vorweisbar sind. Es geht übrigens auch nicht darum, zu bekehren. Es geht schon gar nicht darum, alle auf die neue Schiene zu ziehen. Es geht bei Achtsamkeit vorerst ums Aufmerksamkeit machen, dass es auch noch anderes gibt als das, was bestens bequem und bekannt ist. Es geht um die kritische Masse, die ein System wendet. Achtsamkeit kann sich nur ohne den bekannten Leistungsdruck einstellen.

Es geht jedoch nicht nur darum, schlaue Programme anzubieten, sondern zu überzeugen, dass daraus ein Selbstläufer wird, der einem am Weg hilft und zu einem besseren Leben mit einer natürlichen Dynamik aus Spannung und Entspannung wird.

Wer achtsam ist, lernt leicht, schreibt leichter Klausuren, findet leichter sein Programm, das zu ihm passt, hat mehr Freude beim Lernen. Wenn ich nach Prüfungs- und Gesprächsvorbereitungen frage, denn gibt es einen überproportional hohen Anteil an jungen Menschen mit diffusen Ängsten. Pillen einwerfen, Energy Drinks reinhauen … wenn gar nix geht, dann ab zum Therapeuten.

Da ist eine kleine Achtsamkeitsübung schneller, kostengünstiger, körperschonender – und vor allem, man muss nicht einmal aufstehen und dazu den Ort wechseln. Eine einfache Atemübung braucht die bloße Entscheidung dazu, diese hier und jetzt zu tun. Nicht mehr, nicht weniger.

Die Kette lässt sich natürlich fortsetzen. Jeder, der über einige Zeit Achtsamkeitsübungen wie Atemübungen, Fokussierungsübungen, kleine Meditationen gemacht hat, stellt eine generelle Erleichterung im Leben fest – schlicht – weil man vieles leichter nimmt und weniger dramatisiert. Das Unterscheidungsvermögen entwickelt sich natürlich. Die Dramatik wird weniger. Man braucht sie nicht mehr, um gut leben zu können. Der Eigenwert beginnt sich zu entwickelt und stärkt sich. … Mehrere Gedanken wert? …

Bemerkenswert ist, dass Unternehmen oft deutlich progressiver in diesem Bereich sind als Bildungseinrichtungen. Im Rahmen der Gesundheitsvorsorgen bieten große Unternehmen, in Kooperation mit den Krankenkassen und Versicherungen, eine Reihe von Programmen und Veranstaltungen an, die sensibilisieren und anleiten, sich dem großen Thema Bewusstsein&Achtsamkeit verstärkt zu widmen. Ich halte dies für einen sehr wichtigen, äußerst begrüßenswerten Zugang. Das ist der Schub, den es braucht, dass Bewegung hineinkommt. Bewegung ist übrigens Leben.

Doch ich gehe weiter in meiner Betrachtung, weil ich einen panoramahaften Blick geben will.

Was braucht es nun, um Achtsamkeit noch mehr zum gelebten Durchbruch zu verhelfen?

  • Es braucht Mindset-Schulungen, d.h. man muss in breiter Fläche klar machen, was Achtsamkeit ist, was sie kann, was sie nicht kann und warum es zielführend ist, sich damit auseinander zu setzen. Es ist begrüßenswert, dass Krankenkassen und Versicherungen bereits einsteigen und das Angebot unterstützen. Unternehmen sind hier deutlich weiter. Im Bildungsbereich fehlt das Bewusstsein mit ganz wenigen Ausnahmen – noch.
  • Ansprüche revidieren – an sich und an die anderen. Wir müssen (!) uns heraus aus der Über-Anspruchsgesellschaft bewegen. Die Zeit des salbungsvoll verkündeten Könnens ist längst vorbei. Müssen steht hier für eine klare und deutliche Ansage, wo es weitergeht. Herumzudeuteln können wir uns nicht mehr leisten. Weg aus dem Höher-Schneller-Weiter zu einem Bewusster und Achtsamer. Nein – es geht nicht um die Slow-Bewegung. Ja – es geht um die bewusste und achtsame Mischung durch ein Erkennen, was hier und jetzt angezeigt ist. Wenn eine Prüfung ansteht, dann ist Lernen angesagt. Auch das kann man bewusst und achtsam tun. Doch man kann es auch übertreiben. Es gibt auch den Anspruch des ‚gut genug‘. Das würde mancher Seele deutlich besser tun als so manche Auszeichnung im Abschluss, die oft wie eine Droge wirkt. Die Revision der Ansprüche gilt für alle. Druck ist durchaus hilfreich. Überdruck, die gängigste Form von Druck heute, hingegen ist kontraproduktiv. Junge Menschen, die Tabletten benötigen und beim Therapeuten ein- und ausgehen, betrachte ich als massives Alarmzeichen, dass es gehörig falsch im Bildungs- und Ausbildungsbereich – und auch in unserer Gesellschaft läuft. Einfach zum Nachfühlen …
  • Überdenken der Ökonomisierung: Es wird zwar immer wieder viel von einer Vermenschlichung der Gesellschaft gesprochen und auch weise und klug geschrieben, doch ich stelle fest, dass die Hyperökonomisierung unserer modernen Gesellschaften gerade nochmal einen – hoffentlich letzten – Schub erfährt. Es nimmt sich so wahr, als würde diese Hyperökonomisierung ums Überleben kämpfen. Dabei läuft sie sich gerade tot. Jene, die sie betreiben, ebenfalls. Sie merken es nur nicht. Selten habe ich derart viele Burnouts, Erschöpfungszustände, Herzinfarkte, Ausstiege, Umstiege, völlige ver-rückte Verhaltensweisen, die einem an der geistigen Reife und menschlichen Kompetenz ernsthaft zweifeln lassen, erlebt wie besonders in den vergangenen ca. 30 Monaten. Warum wohl …? Oft braucht es dann auch keine Achtsamkeitsübungen mehr. Schade.
  • Denken in neuen Bahnen – auf neuen Zeitlinien. Radikale Lösungen sind nur dann erforderlich, wenn das Alte so überhaupt nicht Platz machen will. In den vergangenen Monaten hatte ich oft den Gedanken, dass es sich wie ein Gordischer Knoten anfühlt – meine Beobachtungen am Ausbildungs- und Bildungssektor. Neues tut sich unglaublich schwer, Platz zu erhalten. Das Alte kämpft mit Zähnen und Klauen ums blanke Überleben. Es braucht schon viel Zähheit, viel Disziplin und viel Glauben, sich da durchzubeißen. Doch – es gibt sie bereits die neuen Bahnen und neuen Zeitlinien. Sie sind wie kleine Pflänzchen. Ich vernehme dies in meinen Beratungen, wo auch jüngere Menschen sich Hilfe holen und oft sehr erleichtert sind, wenn man ihnen andere Bilder anbietet als jene, die sie zu kennen meinen.
  • Räume für Achtsamkeit gezielt anbieten, halte ich für wesentlich. Ja, es braucht immer wieder ein Zugpferd, das motiviert, denn Meditation am Morgen ist oft hart, vor allem wenn es draußen noch dunkel ist und der Abend davor lang war. Doch der Lohn für Konsequenz, für das Bereitstellen dieser Räume für Achtsamkeit (jenseits von esoterischem Gedudel, Räucherstäbchen und salbungsvollen Versprechungen, die sich in Räucherstäbchenrauch binnen kürzester Zeit auflösen), der hat etwas. Wenn junge Menschen in diesen Raum vor Prüfungen gehen, um sich zu sammeln; wenn sie den Raum besuchen, um während ihres Tagen Atem zu schöpfen und innezuhalten (statt sich den nächsten Energy Drink reinzuschütten) … das sind die ersten kleinen, so wichtigen Schritte. Man muss ihnen die Möglichkeit dazu geben. Und es gibt viel mehr Möglichkeiten als hier beispielhaft angeführt.
  • Zur Achtsamkeit motivieren – im Job, zu Hause, aus sich selbst heraus in Eigenverantwortung – das ist mein Wunsch. Achtsamkeit kommt aus einem heraus. Ja – der Anstoß kann von außen kommen, doch die längerfristige Übung, die kommt aus einem selbst. Das braucht Disziplin und Hingabe. Das sind zwei Eigenschaften, die nicht sehr vielen jungen Menschen eigen sind. Doch man kann sie lernen.

Konkrete Achtsamkeitsübungen

Um aus den Anregungen Konkretes werden zu lassen, finden Sie für drei klassische Situationen kurze Achtsamkeitsübungen, die zum Nachmachen empfohlen sind. Selbstverständlich sind alle Übungen von mir vorab über einen längeren Zeitraum getestet. Zudem wenden Sie Klienten von mir an.

Vor einer schriftlichen Prüfung

Anspannung ist ein wichtiger Faktor, weil er die Aufmerksamkeit erhöht. Aufmerksamkeit im Sinne von Fokus auf etwas ist ein wesentlicher Gelingfaktor, auch bei Prüfungen. Schriftliche Prüfungen haben folgende Eigenschaften. Entweder geben sie wenige Möglichkeiten vor – was ist dann, wenn unter den vorgegebenen Möglichkeiten keine dabei ist, der ich qua meines Wissens zustimmen kann? Oder sie laden dazu ein, die eigene Meinung strukturiert und nachvollziehbar darzulegen. Auch das kann unangenehm sein, weil möglicherweise versteht man die Frage nicht, hat keine eigene Meinung außer die angelernte Haltung und weiß nicht so Recht, wie man damit umgeht. Alles findet unter Zeitdruck statt. Auch wenn Diplomprüfungen 4 Stunden dauern mögen, man muss es lernen, sich die Zeit, die Geisteskraft, die Konzentration und die körperliche Kraft einzuteilen. Es ist also ziemlich gleichgültig, ob sie in einem schriftlichen Schnelltest sitzen oder in einer Langzeitprüfung. Der Unterschied ist ungefähr so wie ein 100-Metersprint und ein Marathonlauf. Für beides müssen Sie entsprechend vorbereitet sein. Einmal geht es darum, auf den Punkt seine Energien abzurufen. Einmal geht es darum, die Energien sich so einzuteilen, um sie ggf. nochmals am Schluss steigern zu können.

In beiden Fällen helfen in der Vorbereitung Visualisierungsübungen, die einer kleinen Meditation gleichkommen. Sich das Ergebnis der Prüfung, wie man es will, vorab vorzustellen, sich gefühlsmäßig in das Ergebnis hineinzubegeben. Das sind Übungen, die österreichische Schispringer bereits in den 1970er Jahren, als viele heute Studierenden noch gar nicht geboren waren, sehr erfolgreich anwendeten. Es gibt Menschen, die dabei besonders grundbegabt sind. Doch man kann Visualisierung auch wie ein Instrument erlernen. Meistens kombiniert man sie mit einer Fokussierung, d.h. man lernt, alle störenden Faktoren bewusst auszublenden, bis das Ergebnis übrig bleibt. Dieses innere Bild lernt man, im besten Sinn des Wortes, zu halten. Würzt man es mit den passenden Gefühlen, dann ist eine sehr gute Voraussetzung dafür gegeben, dass man erfolgreich ist.

Wenn man die Gedanken auch noch beherrscht – wiederum eine Übung – dann ist man, gemeinsam mit einer soliden Vorbereitung, schon gut ausgestattet. Seinen Geist zu beruhigen und die Gedanken wie Fußgänger auf einem großen Platz vorbeziehen zu lassen, ist eine einfache, doch wohltuede Übung.

Es geht nicht um Gedankenstille, sondern um das Vorbeiziehen von Gedanken lassen. Sie können sich auf vorstellen, am Bahnsteig zu stehen und die vorbeifahrenden Züge zu beobachten. Sie steigen ja auch nicht in jeden ein. Genauso ist es bei Gedanken. Einfach mal ausprobieren. Nutzen Sie die Kraft der Stille als Vorbereitung.

Vor einem Prüfungsgespräch

Ein persönliches Prüfungsgespräch ist eine andere Situation als eine schriftliche Prüfung. Man ist in der Wahrnehmung und der Energieschwingung einander direkt ausgesetzt. Wird in einer Kommission geprüft, was z.B. bei Abschlussprüfungen oft der Fall ist, dann ergibt sich ein sehr variables und vielfältiges Energiefeld, das der Prüfling nur sehr begrenzt beeinflussen kann. Was er jedoch beeinflussen kann, ist seine innere Verfasstheit. Hier gilt mehr denn je das Resonanzgesetz: wie im Inneren, so im Äußeren. Es gibt unzählige Studien, die belegen, dass man Nervosität, falsche Überzeugtheit, Bluffereien etc. fühlt und auf einer unsichtbaren Ebene wahrnimmt.

Ich konnte sehr rasch feststellen, ob ein Student vor mir sitzt, der schlicht nervös ist und sein Wissen im Moment nur teilweise abrufen kann oder ob hinter der Fassade gähnende Leere herrscht. Das resoniert eben. Doch in der Vorbereitung lässt sich mit Erdungsübungen, mit kurzen Fokussierungsübungen, mit Atemübungen schon sehr viel so innerlich einstellen, dass eine Grundruhe gegeben ist, mit der man vor der Kommission sitzt. Wenn man sich ein kleines Ritual, das aus einem paar tiefen Atemzügen und dem bewussten Aufstellen der Füße am Boden mit den Händen auf den Oberschenkeln besteht, zurechtlegt und dann auch tatsächlich macht, dann ist viel gewonnen. Eine saubere und solide fachliche Vorbereitung ist selbstverständlich.

Denn: Achtsamkeit ersetzt die fachliche Vorbereitung nicht, sondern sie unterstützt dabei, ein schönes Ergebnis für sich zu erreichen.

Während des Tages

Um Achtsamkeit zu üben, empfehle ich kleine, unscheinbare Übungen. Ich gebe Ihnen einige erprobte Anregungen. Seien Sie neugierig, probieren Sie aus, was Ihnen gut tut und wozu Sie auch bereit sind, diese Übungen regelmäßig anzuwenden. Das gemeinsam ist die Erfolgsgarantie – im Leben, vor, während und nach Prüfungen.

Das können im Alltag ein paar bewusste Atemzüge sein. 3 bewusste tiefe Atemzüge ersetzen nachweislich einen kleinen Espresso. Wenn Sie also Kaffee trinken, tun Sie auch das bewusst und mit Genuss.

Es kann auch ein kurzer Spaziergang um den Block sein, bei dem man sich jedes Mal vorab etwas heraussucht, das man wahrnimmt – ohne zu bewerten. Lernen Sie das Schauen wieder. Dann sind Sie achtsam. Dann ruht Ihr Geist für einige Momente. Ihr Verstand wird entlastet – und Sie können beim nächsten Lernschritt rascher aufnehmen.

Das kann ein sehr bewusste Zubereiten des Essens sein, ein Riechen, ein Schmecken, ein Fühlen – schlicht ein bewusstes sinnliches Wahrnehmen. Besonders nach Konzentrationsphasen ist ein bewusster Wechsel erforderlich, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen und auch geerdet zu sein. Gehen Sie bewusst aus Ihren intellektuellen Höhenflügen wieder in Ihre Alltagsrealität und geben Sie auch Grundsätzlichem wie gutem Essen entsprechenden Raum. Es gibt übrigens kaum etwas, das mehr erdet als achtsames Kochen und Speisen.

Natürlich kann man auch Körperübungen wie einzelne, einfache Yogaübungen machen. Anleitungen dazu finden Sie am Internet. Machen Sie wenige davon, doch die dann regelmäßig.

Sie können auch sog. Handmudras machen. Das ist eine Form von Fingeryoga, über die im Körper Energiebahnen angeregt werden oder beruhigt werden. Auch dazu finden Sie unzählige Anleitungen am Internet.

Die Erfolgsgarantie all dessen liegt in der regelmäßigen, achtsamen, bewussten Anwendung. Die Regelmäßigkeit führt zu Disziplin und Hingabe. Dies sind zwei Eigenschaften, die sich über Achtsamkeitsübungen sehr gut pflegen lassen – und sie sind im täglichen Leben äußerst hilfreich.

In diesem Sinne – fröhliches Üben und viel Erfolg!

Lust auf mehr?

Andrea Riemer bietet regelmäßig 30-minütige Webinare zum Thema Achtsamkeit und Bewusstsein an.
Mehr dazu unter https://www.spirityme.de
Auch in ihren Onlineberatungen spielen Achtsamkeitsübungen eine wesentliche Rolle.
Termine unter https://www.spirityme.de 

05.04.2019
Dr. Andrea Riemer
www.andrea-riemer.de


Es gibt zu Energie, Dimensionen und Bewusstsein bzw. Bewusstseinsrevolution und den immer noch sich zeigenden Aufstiegssymptomen folgende Beiträge von Andrea Riemer
(alle aus dem Jahr 2018):

Mit einer Bewusstseinsrevolution ins ‚Neue Normal‘? Einstieg wenn ja – wo bitte und wie? – finden Sie >>> HIER 
Erkenne Dich selbst  – finden Sie >>> HIER 
Wo leben wir eigentlich – GPS für die neue Zeit – finden Sie >>> HIER  
Bewusstseinsrevolution für den Alltag – finden Sie >>> HIER
Unbewusstsein und Bewusstsein – finden Sie >>> HIER 
Aufstiegssymptome- eingebildet oder real? – finden Sie >>> HIER 
Auf ins Leben – mit der Bewusstseinsrevolution – finden Sie >>> HIER 


cover-Botschaften-andrea-riemerBesonderer Tipp:

Das aktuelle Buch von Andrea Riemer:
„Botschaften vom Leben“
Marie, das Leben, die Liebe und der Tod
– mehr mit Leseprobe unter www.andrea-riemer.de

Alle Beiträge der Autorin auf Spirit Online

1 Kommentar

  • Ich freue mich über diesen Artikel bei Spirit Online zu diesem so wichtigen Thema. Ich war 24 Jahre lang Professorin an der Hochschule Hannover und auch heute, in Ruhestand, bewegt mich das Thema dieses Artikels nach wie vor sehr.
    Denn leider hat Andrea Riemer hat recht, wenn sie beschreibt, dass und wie belastender Stress zum täglichen Begleiter der Studierenden geworden ist. Und, dass (insbesondere seit der Bologna–Reform) dieser Stress auch das Personal und die Lehrenden betrifft. Das verschärft die Situation der Studierenden noch.
    Tatsächlich ist das Studium zu einer „höheren Verschulung“ geworden und ein sich Ausprobieren der Studierenden, um die eigene Neigungen und Talente erforschen, um die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln und auszubilden, das hat an unseren Hochschulen leider viel zu wenig Raum.
    Provokanten Fragen, die ich hier stellen würde, sind: Dient es wirklich unseren System, unserer Wirtschaft, unseren Wohlstand, unserer Gesellschaft, wenn in Schulen und in Hochschulen vorrangig genormte Standard-Lösungen und genormtes Standard-Wissen vermittelt werden? Wäre es nicht menschlicher, förderungswürdiger, sinnvoller, ethisch korrekter, junge Menschen so auszubilden, dass sie „ihren“ Platz in dieser Gesellschaft einnehmen können. In der Form, dass sie ihre persönliche Gabe, ihre persönlichen Stärken und Neigungen mit Begeisterung und Innovationsgeist in die Welt bringen? Und, was müsste sich dazu verändern in unseren Hochschulen und in der Lehre?
    Auch für mich steht fest, die jungen Menschen brauchen „Mindset-Schulung“ (wie Andrea Riemer es im Artikel nennt). Und ja, dabei sind Coaching-Techniken, wie sie schon seit Jahrzehnten bei Hochleistungssportlern üblich sind, gut geeignet. Der Artikel weist berechtigt darauf hin, dass ein gestresster Student oder Prüfling seine innerer Verfassung beeinflussen und verändern kann (sofern er oder sie gelernt hat, wie). Ich persönlich bin der Meinung, in der heutigen Zeit MÜSSEN Studierende lernen, ihren inneren Lern-Zustand zu reflektieren und zu harmonisieren.
    Genau zu diesem Zweck habe ich den Studenten-Selbsthilfe-Ratgeber „Studieren kann man lernen: Mit weniger Mühe zu mehr Erfolg“ (Springer Verlag, 5. Aufl. 2018) geschrieben, der schon sehr vielen Studierenden neuen Mut gegeben hat.

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