Himmel & Erde

Warum wir dringend unseren Totenkult überdenken sollten

Wenn wir sterben, sind wir gar nicht weg – warum wir dringend unseren Totenkult überdenken sollten

Auch wenn es jetzt ein bisschen pathetisch klingt, aber mir wird immer wieder das Herz furchtbar schwer, wenn ich sehe, wie viel Kummer und Schmerz und Leid der Tod einer geliebten Person für die Angehörigen mit sich bringt.

Und damit meine ich jetzt nicht, dass der geliebte Mensch vermisst wird – das ist ja vollkommen klar und verständlich.

Was ich meine, ist die blanke Angst und die schiere Verzweiflung um das Wohlergehen der Verstorbenen.

Und auch das ist einerseits verständlich – andererseits ist es genau DAS, was mir so weh tut.

Weil ich weiß, wie unnötig das ist.

Und weil ich weiß, dass die Trauernden sich dadurch im Grunde nur selbst das Leben schwer machen.

Natürlich unbewusst.

Und sie können auch gar nichts dafür. So viel steht fest.

Die Kirche und ihr Heilsmonopol

Die Wurzel diesen lebenserschwerenden Übels – und das sage ich jetzt nicht aus Boshaftigkeit oder weil ich gegen die katholische Kirche wettern will – liegt bei der Kirche, die im 14. Jahrhundert angefangen hat, ihre Vormachtstellung durch das Heilsmonopol auszuweiten und zu sichern.

Vorher war man tatsächlich relativ flexibel und entspannt, und auch das Bild von Hölle und Fegefeuer war zwar bekannt, aber es wurde noch nicht in der Form instrumentalisiert.

Sobald man jedoch herausfand, wie wirkungsvoll und effektiv die Angst um das Seelenheil eingesetzt werden konnte, um zu lenken und zu führen und ja, natürlich auch Geld zu verdienen, gab’s kein Halten mehr.

Dass dieses Werkzeug letzthin exzessiv missbraucht wurde, belegt nicht nur Martin Luther mit seinem Aufbegehren gegen den Ablasshandel. Auch das Umsichgreifen der Hexenprozesse im 17. Jahrhundert ist ein stichhaltiger Beweis.

Und natürlich sprechen wir da nicht mehr von Millionen, die ihr Leben lassen mussten.

ABER wir sprechen doch von 5 und 8 jährigen Kindern, die bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sind, nachdem die eigenen Eltern sie denunziert hatten..

SO WEIT hatte dieser Wahn die Menschen gebracht.

Da ist es kein Wunder, dass diese Angst, nach dem Tod in die Hölle zu kommen, weil man irgendwas nicht so gemacht hatte, wie der christliche Glaube es ANGEBLICH vorschrieb, noch verdammt tief sitzt.

Sowas brennt sich durch die Jahrhunderte in unser kollektives Gedächtnis ein.

Die Sache ist nur die: Die immer noch so weit verbreitete Jenseitsvorstellung, die missbraucht wurde (und immer noch wird), um die Menschen gefügig zu halten, hat mit der Realität nicht das Geringste zu tun.

Und wir halten dennoch daran fest.

Das bricht mir das Herz.

Der gängige Totenkult vs. Realität

In der gängigen Vorstellung vom Jenseits ist der Tote tot und dadurch gaaanz weit weg.

Das Jenseits ist ein ferner, ferner Ort, und man darf sich glücklich schätzen, wenn man dorthin gelangt, wo „die Guten“ sind.

Bei Gott und so.

Im Himmel.

Wenn man weniger korrekt und kirchenkonform gelebt hat, tja dann kann es eben auch passieren, dass man in der Hölle landet.

Diesem finsteren, schrecklichen Ort an dem man für alle Ewigkeit leiden muss – so manche Kirchenmalerei ist da wirklich eindrucksvoll und sehr ausführlich (damit auch die Analphabeten verstehen, was ihnen blüht).

Das ist natürlich totaler Unsinn.

Wir alle sind aus der unendlichen, bedingungslosen Liebe heraus entstanden.

Wir alle werden in jedem Moment bedingungslos geliebt.

Das ändert sich nicht, wenn wir sterben. Im Gegenteil.

Wir alle werden mit offenen Armen empfangen – in reiner und vollkommener Liebe.

Das ist für uns Erdenbürger schwer vorstellbar.

Bedingungslose Liebe.

Damit das ein bisschen greifbarer wird, führe ich gerne den Namen eines weltberühmten Diktators an, der in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen hat, in Deutschland wirklich Schindluder zu treiben.

Auch er wurde auf der anderen Seite herzlich willkommen geheißen.

Ganz schön krass, oder?

Der nächste Punkt ist dann noch der, dass ich selbst gerne von der „anderen Seite“ spreche, ja.

Was ich dabei aber nicht erwähne (vermutlich, weil es für mich total klar ist), ist dass die „andere Seite“ kein Ort ist, der sehr weit weg ist und aus dem es kein Entkommen gibt.

Und es ist auch nicht so, dass man, wenn man mal hier „zu Besuch“ ist, nicht wieder zurück kann.

Wir sind ja hier nicht in „Charly – alle Hunde kommen in den Himmel“.

Für die geistige Welt, also auch die Verstorbenen, sind die Grenzen keine Grenzen.

Sie können kommen und gehen, wann und wohin und so oft sie wollen.

Klar gibt es manche Seelen, die erst dann das erste Mal auf die andere Seite gehen, wenn sie hier wirklich alles geklärt haben.

(Ja, es gibt auch Seelen, die traumatisiert sind und die dann hier feststecken. Die brauchen dann einfach ihre Zeit um zu realisieren, was passiert ist. Und manchmal erleben wir sie dann als Spuk. Aber sie bilden eher die Ausnahme, weshalb ich sie hier nicht näher thematisieren möchte).

Diese Momente, in denen die Seelen dann aufbrechen und rübergehen, gehören zu den wirklich atemberaubendsten Augenblicken in meiner medialen Arbeit.

Und wegen ihnen liebe ich so sehr, was ich tue.

Aber auch, wenn sie einmal auf die andere Seite gewechselt sind, lassen sie uns als ihre Hinterbliebenen nicht allein oder im Stich oder so.

Sie sind immer für uns da, wenn wir sie brauchen.

Sie hören uns und stehen uns auch gern mit Rat und Tat zur Seite.

Sie sind nicht weit weg.

Sie sind nicht in Gefahr.

Und in der Regel geht es ihnen sehr gut.

Sie lieben uns nach wie vor – und sie haben den riesigen Vorteil, dass Zeit nur für uns hier linear verläuft. Für sie dauert es also gar nicht lange, bis wir uns alle wiedersehen.

Ich wünsche mir so sehr, dass das Wissen um „das echte Jenseits“ sich mehr und mehr in den Köpfen der Menschen festsetzt.

Damit wir alle gemeinsam das Trauma des kirchlichen Todesbullshits überwinden.

Hinsichtlich der Trauerarbeit würde das uns alle einen riesigen Schritt nach vorne bringen.

27.02.2018
Jasmin Volck

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4 Kommentar(e)

  • Hallo Jasmin,
    ich verstehe dich sehr gut. Auch ich denke oft bei Trauernden ‚deine Trauer könnte so viel leichter sein’… Und dennoch geht eben jeder seinen ganz eigenen individuellen Weg bis er/sie seine wahre Natur erkannt hat. Doch wir können darauf vertrauen, dass der Kontakt mit Verstorbenen seine Kreise zieht und somit auch das Energiefeld der Kollektivgedanken eine stete Veränderung erfährt.
    Herzliche Grüße, Ute Freyaldenhoven

    • Liebe Ute,

      mit einem ganz eindeutigen JEIN kann ich dir da wirklich nur bedingt zustimmen.

      Klar, jeder muss schlussendlich irgendwie selbst „drauf kommen“ und Erkenntnis ist immer was, das im inneren passiert. „Passive Erkenntnis“ (also wenn wir solche Infos weitergeben) hilft in solchen Fällen eher wenig.

      ABER: WIR müssen den Stein ins rollen bringen. Denkanstöße geben. Mal beherzt an die fremde Schulter oder die eigene Stirn tippen, damit das Umdenken auch stattfinden kann.

      Denn mal ganz ehrlich: Wenn all diejenigen, die unglaubliche Erfahrungen und unfassbare Erkenntnisse erlangen durften, immer mit ihrem Wissen hinter den Berg gehalten hätten – in der Hoffnung, dass alle anderen ja irgendwann von selbst drauf kommen – tja, ich behaupte mal einfach, dann sähe es heute doch recht düster aus.

      Mein Motto geht eher in Richtung „Mach es – und zwar jetzt“. Ich will etwas bewegen. Ich will die Menschen bewegen. Und ich habe ein klares Ziel: Meine Tochter soll es leichter haben mit ihrer Gabe.

      Ganz einfach.

      Wenn wir alle immer nur die Hände in den Schoß legen, ist damit niemandem geholfen. Und es ist ja auch gar nicht notwendig. Wir dürfen für uns und unsere Interessen einstehen und unser Wissen teilen.

      Und die unabwendbaren Prozesse beschleunigen.

      So war es immer. Und so wird es immer sein.

      Liebe Grüße,

      Jasmin

  • Liebe Jasmin,
    herzlichen Danke für diesen wunderbaren Artikel-du sprichst mir aus dem Herzen. Mit zunehmendem Alter habe ich mich mehr und mehr von dieser „Sterbekultur“ verabschiedet, da auch ich sehr katholisch und voller Ängste (was das Sterben bzw den Tod angeht) erzogen wurde…unfassbar was einem da als heranwachsender Mensch alles indoktriniert wird.
    Alles Liebe für Dich.
    Herzlichst Elke

    • Liebe Elke,

      UNFASSBAR – genau DAS denke ich mir da auch manchmal. Ich freue mich sehr, dass ich mit dir offenbar konform gehe.

      Und es freut mich sehr für dich, dass du selbst aus diesen überholten und total veralteten Strukturen ausgebrochen bist.

      Ich wünsche dir ebenfalls alles Liebe – vielleicht liest man sich ja hier mal wieder.

      Fühl dich herzlich umarmt,

      Jasmin

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