Mensch Sein und Spiritualität

Wenn aus Hoffnung die Chance des Lebens wird

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Chance des Lebens – Leben in Demut und Dankbarkeit – Die Chance als Geschenk begreifen, deren Saat die Hoffnung ist
Wenn wir achtsam sind und uns entsprechend entwickelt haben, kommt für uns im Leben irgendwann einmal der Punkt, da wir sehen und erkennen dürfen, wo wir was wann und wie falsch gemacht haben. Ja, genau: falsch gemacht haben.

Jeder Mensch macht Fehler, niemand ist davor gefeit.

Doch leider sind wir nicht alle dazu bereit oder in der Lage, unsere Fehler zu sehen und aus ihnen zu lernen. Dabei sind es doch so gute Lehrer! Und manchmal, wenn wir bereuen und aus unseren Fehlern Hoffnungen werden, dann können diese zur ungeahnten, überwältigenden Chance heranwachsen. Und wir selbst wachsen mit, gelangen zu neuen Erkenntnissen, erlangen Weisheit und erhalten so ungeahnte Möglichkeiten und Fähigkeiten, die wir uns mit unserer Reue, mit unserer Demut und mit Veränderungen in unserem Handeln und Denken erarbeiten.

Für mich persönlich hat dieses Thema eine so hohe Priorität bekommen, dass ich dies als Thema für diesen Artikel nehmen musste, da auch ich Fehler gemacht habe, die sehr schmerzhaft und wohl weit über den üblichen, „normalen“ Fehlern stehen, da diese nicht nur sehr verletzend, sondern auch rücksichtslos und egoistisch waren.

Umso mehr ist es ein Wunder, dass aus meinen jahrelangen inneren Qualen, des ehrlichen und tiefen Bereuens und der Demut, die ich heute empfinde, die größte Chance meines Lebens wurde. Es wurde die Chance, sein zu dürfen, was ich schon viele Jahre hätte sein müssen, nämlich ein fürsorglicher und guter Vater für meine Tochter Anja (Name von der Redaktion geändert), die auch mein erstgeborenes Kind ist. Es wurde die Chance, nicht nur formell für meine Tochter zu existieren, sondern als Vater lieben zu dürfen und vielleicht sogar einmal als solcher von ihr geliebt zu werden.

Ausreden gab es dafür viele

Meine Tochter wurde vor etwas mehr als 22 Jahren geboren. Die Schwangerschaft und die Geburt waren und sind für mich bis heute Erlebnisse, die ich ohnehin niemals vergessen konnte und wollte. Ich habe Anja von der ersten Sekunde ihres Lebens an so sehr geliebt, wie ich noch nie zuvor geliebt hatte. Und doch kamen damals sehr komplizierte und schwere Zeiten auf mich zu, denen ich mich nicht stellen wollte.

Stattdessen lief ich davor weg, hatte mich den Problemen nicht gestellt. Und egal wie schwer und belastend diese Probleme waren, sie reichen nicht aus, um mein schwaches Verhalten dieser Zeit zu rechtfertigen und zu begründen. Ich hatte damals nach Gründen und Ausreden gesucht, die mein Verhalten richtig erscheinen lassen sollten. Ich bin seit meiner Geburt hochsensibel und hochempathisch, was als eine der vielen Ausreden herhalten musste.

Ich hatte mich vor fremden Menschen mit einer fiktiven, doch enorm dicken und stabilen Mauer geschützt und für die Menschen, die mir am Herzen lagen und liegen, war die Mauer etwas dünner. Doch sie war da. Es gab nur ganz wenige Menschen, die überhaupt die Chance hatten, ein kleines Stückchen hinter meine Mauer zu sehen. Und es war damals sogar nur die Mutter meiner Tochter Anja, die es überhaupt wagen durfte, ein paar Schritte hinter diese Mauer zu gehen.

Nie zuvor war ich zu einem Menschen so offen wie zur Mutter von Anja.

Doch dadurch wurde ich auch verletzlicher. Noch verletzlicher als ich ohnehin schon war. Und so machte ich es noch schlimmer, indem ich damit begann, Verletzungen mit noch schwereren Verletzungen zu vergelten. Das war nicht nur zerstörerisch, sondern es war unfair. Ich hätte sagen können, sogar müssen, dass mich bestimmte Dinge verletzen, anstatt brachial und gewollt auf die Gefühle anderer Menschen los zu gehen.

So geschah es, dass die Situation durch mein Verhalten so kompliziert wurde, dass ich mich nicht mehr traute, in die Augen der Mutter meiner Tochter zu sehen und ich zog mich zurück, anstatt zu versuchen, die Probleme und die festgefahrene Situation aufzulösen. Vielleicht hätte ich dazu keine Chance gehabt, doch wie kann ich das wissen? Ich hatte es ja nicht einmal beharrlich genug versucht. Denn die Versuche, die ich unternahm, waren zaghaft und sehr vorsichtig, so dass diese ohne Erfolg bleiben mussten.

Der Schmerz war sofort da

Als ich dann zum letzten Mal im November 2001 die Heimreise vom Besuch bei meiner Tochter antrat, wusste ich noch nicht, dass es so kommen würde. Doch schon wenige Wochen danach ließ ich mich von der Komplexität, die es zwischen Anjas Mutter und mir gab, überrennen. Und es fühlte sich nur einen einzigen Tag gut an, mit der Sache nicht mehr konfrontiert zu sein. Bereits am nächsten Morgen empfand ich stechende, „schreiende“ Schmerzen, wie ich das noch nie erleben musste.

In diesem Moment hätte ich spätestens handeln müssen! Denn hätte ich gehandelt, wäre es vielleicht nicht dazu gekommen, dass mich meine geliebte Tochter, die damals auch sehr an mir hing, für eine sehr lange Zeit verlieren musste. Auch wenn ich ein paar Jahre später einen Versuch unternahm, den Kontakt wieder zu beleben, so war die Situation noch komplizierter geworden und es war noch weniger möglich als zuvor.

Ich konnte nur noch hoffen!

Es klingt schon paradox, dass ich in einer Phase, in der ich noch etwas hätte ändern können, nichts Effektives unternommen habe, um die Situation zum Guten zu wenden. Stattdessen habe ich gelitten, nicht nur seelisch. Und das Wissen, dass mich meine Tochter vermissen und nach mir fragen würde, machte den Schmerz unermesslich und unbeschreiblich groß!

Rückwirkend betrachtet ist es ein kleines Wunder, dass ich diese Zeit bis auf eine Ausnahme überstanden habe, ohne dabei lebensmüde gewesen zu sein. Doch diese eine Ausnahme gab es. Es war in einer Nacht, in der ich wieder einmal realisierte, dass ich meine Tochter verloren hatte. Ein paar Monate nachdem ich sie zum letzten mal sah. Da vergas ich mich so sehr, dass ich es nur knapp überlebte und über zwei Monate im Krankenhaus verbringen musste.

Das war für mich der Moment, der mich erkennen ließ, dass ich nicht aufgeben darf, zumal ich selbst doch der Grund für mein Elend und den Schmerz meiner Tochter war und mir sehr klar wurde, dass ich es für mich wie auch für alle Menschen, denen etwas an mir liegt, nur schlimmer machen würde, wenn ich nicht damit beginnen könne, zu hoffen. Ich wusste in diesem Moment, dass ich die Hoffnung in mein Leben lassen musste, bevor ich mich selbst gänzlich verlieren würde und meine von mir so sehr geliebte Anja keine Möglichkeit mehr hätte, mich, ihren Vater, wieder zurück zu bekommen.

Reue und Hoffnung gaben mir Mut und Zuversicht

Von diesem Moment an begann ich mich mit Dingen zu beschäftigen, die mich im Leben voranbringen sollten. Ich wollte Menschen helfen und mich selbst so weit bringen, helfen und gleichzeitig meinen Lebensunterhalt damit bestreiten zu können. Ich wollte mich so sehr stabilisieren, dass ich irgendwann einmal zurecht darauf hoffen dürfte, meine Tochter wieder zurück zu gewinnen. Anfangs hatte ich mich darin so verbissen, dass ich in ein anderes Extrem stolperte.

Doch immerhin half ich Menschen, nur mich selbst hatte ich dabei völlig vergessen und mich so sehr aufgeopfert, dass ich nahezu an den Nullpunkt kam, der mich beinahe gänzlich zerfressen und ausgezehrt hätte.

Und als ich so kraft- und energielos war, dass jeder weitere Schritt in Richtung Selbstzerstörung ging,

gelang es mir doch noch, die Notbremse zu ziehen und ich besann mich auf mein Vorhaben, mich aufzubauen um einst vielleicht doch noch eine Chance bei meiner Tochter zu bekommen.

Ich dachte jeden Tag an sie, jeden Abend vor dem Schlafengehen. Ich hatte sie immer in meinem Herzen und in meinen Gedanken. Und so unwahrscheinlich es auch schien, dass sich das jemals ändern könnte, so hatte ich doch Hoffnung. Erst jetzt ist mir bewusst, wie sehr mir dabei das Bereuen geholfen hat.

Denn durch diese tief empfundene Reue wuchs meine Hoffnung. Sie wuchs, weil ich intuitiv wusste, dass sie nur wachsen konnte, da ich ehrlich bereue. Denn das gab mir, so mein Gefühl, irgendwo das Recht, hoffen zu dürfen. Ich redete mir oft ein, dass meine Tochter irgendwann einmal vor meiner Türe stehen würde. Es war mir dabei egal, ob sie mich in die Arme schließen oder mich anschreien würde, so lange auch nur das kleinste bisschen Hoffnung bestand, sie je wieder zu sehen.

Und das Wunder geschah

Vor einiger Zeit rief mich meine Schwester an um mir zu sagen, dass sich meine Tochter bei ihr gemeldet hatte. Sie wollte meine Kontaktdaten um sich bei mir zu melden. Ich konnte das nicht glauben und gab ihr sofort die Bitte mit auf den Weg, Anja zu sagen, wie sie mich erreichen könne. Und dann geschah das Wunder: Meine Tochter meldete sich bei mir.

Zuerst hatte ich Angst davor, da ich wusste, dass es nur diese eine Chance geben kann. Eine einzige Chance. Und Dingen auszuweichen würde diese Chance zerstören und meine ganze Hoffnung mit einem Mal vernichten. Ich wusste, dass es nun an der Zeit ist, meine Stärken zu zeigen und mich nicht von meinen Ängsten leiten zu lassen. Und ich erkannte schnell, dass ich keine Angst mehr davor habe. Ich sah nur noch diese wunderbare Chance.

Ich bin mir sicher, dass meine Tochter gespürt hat, dass ich sie nie wieder im Stich lasse, denn sie war nie vorwurfsvoll oder gar unfair zu mir, obwohl sie dieses Recht durchaus haben würde. Ich empfinde pure Dankbarkeit in einer so gewaltigen Form, dass mir keine Worte dafür in den Sinn kommen, die das beschreiben könnten. Sie gab mir von Anfang an die Chance, wieder ein Teil ihres Lebens zu werden. Meine ganze Hoffnung, das jahrelange Bereuen, machten es möglich, dass ich heute die unglaubliche Chance habe, endlich der Vater für meine Tochter sein zu dürfen, der ich schon immer so gerne gewesen wäre.

Sei dankbar für Deine Reue, die Hoffnung und für jede Chance, die Du im Leben bekommst

Auf meinem Weg habe ich lernen dürfen, dass es eine Erfüllung ist, die Dinge, die es zu bereuen gilt, ungehemmt zu bereuen. Wenn wir aufrichtig bereuen und es gestatten, wird die Hoffnung in uns auferstehen. Und wenn wir es von Herzen möchten, kann aus dieser Reue und dieser Hoffnung eine echte Chance für unser Leben werden.

27.05.2019
In Liebe,
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