Das Neueste Selbsthilfe - Übungen

Wenn das Leben mal wieder dazwischenfunkt

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Wenn es nur so einfach wäre, unser Leben zu verändern!
So einfach wie es beispielsweise die Ratgeber in Lifestyle-Magazinen darstellen.
Oder wie uns Motivationstrainer versichern.
Blöderweise läuft das nie so. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung versichern, dass keine geplante Veränderung in meinem Leben (sei es nun „Persönlichkeitsarbeit“ oder andere) so vonstatten ging wie ich mir das vorgestellt hatte. Und auch das Endergebnis ist oft genug ganz weit weg von dem, was ich gerne hätte. Die Wirklichkeit ist immer anders.

Wenn wir der Wirklichkeit unseren Willen aufzwingen wollen

Der Unterschied zwischen unseren Idealvorstellungen und der Wirklichkeit ist manchmal groß. So groß, dass es uns überrascht — oder vielleicht komplett aus der Bahn wirft, wenn wir darauf bestehen, dass alles genau so abläuft wie wir es wollen.

Vielleicht kennen Sie das: Sie nehmen sich vor, wieder mehr auf sich selbst zu achten. Früher aufzustehen. Endlich mal am Morgen zehn, fünfzehn Minuten zu meditieren. Kurze Zeit ganz für sich zu haben. So fängt der Tag gut an.

Sie stellen sich also den Wecker eine halbe Stunde früher. Sie wachen auf. Aber anstatt so wie in Ihrer Vorstellung frisch und ausgeschlafen zu sein, sind Sie müde wie ein Stein, weil Sie nicht richtig schlafen konnten.
Sie quälen sich aus dem wunderbar warmen Bett und beginnen zu meditieren. Dabei merken Sie, wie Sie schon in der ersten Minute immer wieder einnicken. Ihre Konzentration ist gewissermaßen nicht vorhanden, alles verschwimmt. Sie versuchen, das Ruder herumzureißen, sich jetzt aber endlich ordentlich zu konzentrieren („kann doch nicht so schwer sein“), aber es klappt einfach nicht.

Anstatt Vorwürfe: Lieben Sie sich auch wegen Ihrer Schwächen

Sie haben an diesem Punkt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie sind enttäuscht von sich selbst und Ihrer offensichtlichen Unfähigkeit, am Morgen zu meditieren. Oder Sie entschließen sich dazu, sich selbst zu lieben, genauer: sich selbst GENAU DAFÜR zu lieben, dass Sie so müde sind. Ist das nicht interessant? Lassen Sie es zu. Lieben Sie sich genau so, wie Sie gerade sind. Wenn Sie sich eingestehen (und sich selbst zugestehen), daß die Wirklichkeit immer anders ist als wir das gerne haben möchten, dann öffnet sich eine neue Dimension für uns: faszinierend und überraschend.

Die alten Daoisten sagten oft „ich weiß nicht(s)“, und das erlaubte es ihnen, mit staunenden Augen und einem Lachen durch die Welt zu gehen.

Ein anderes Beispiel: Sie haben beschlossen, was für Ihre Fitness zu tun und von nun an jeden Tag zehn Minuten lang ein Trainingsprogramm zu absolvieren.
Das macht in der Woche immerhin 70 Minuten Fitness — so leicht kann die Veränderung sein! Zumindest denken Sie sich das so. Und dann fangen Sie an, erster Tag des Trainings. Die Übungen sahen alle so leicht aus, aber jetzt, wo Sie sie selbst machen, sind sie richtig anstrengend. Sie quälen sich durch, immerhin haben Sie sich ja vorgenommen, fit zu werden.
Am nächsten Tag wachen Sie mit einem Muskelkater auf, dessen Intensität jenseits der Richter-Skala liegt. Sie haben eigentlich keine Energiereserven mehr, aber hey, es ist erst Tag Zwei, und schließlich haben Sie sich vorgenommen, jeden Tag zu trainieren. Diese zehn Minuten sind die pure Qual. Sie machen keinen Spaß. Den dritten Tag lassen Sie ausfallen, mit der Entschuldigung, dass Sie heute keine Zeit zum Training finden. Das gleiche Bild an Tag Vier. Und so weiter.

Das passiert oft, wenn wir versuchen, der Wirklichkeit unseren Willen aufzuzwingen. Am Ende siegt immer die Wirklichkeit.

Sie hätten natürlich auch ganz anders reagieren können: beispielsweise, indem Sie sich eingestehen, dass Ihre Pläne zu optimistisch und hoch gegriffen waren. Sie hätten den Trainingsplan Ihrem Fitnesszustand anpassen können.
Was hilft es, hochtrabende Pläne für zehn Minuten Training am Tag zu schmieden, wenn Sie eigentlich nur in der Lage sind, fünf Minuten durchzustehen? Warum also nicht nur fünf Minuten machen? Irgendwann merken Sie, dass Sie jeden Tag sechs Minuten schaffen. Dann irgendwann sieben. Und so weiter.

Noch eine alte chinesische Weisheit:

Der Baum, der sich dem Wind entgegenstellt, bricht.

Wenn wir unbedingt meditieren wollen, auch wenn wir zu müde, zu krank oder zu unkonzentriert sind, verlieren wir das Spiel. Wir stellen uns dem Wind entgegen, dem Strom des Lebens, aber er ist stärker.

Wenn wir unbedingt ein Fitnessprogramm durchziehen wollen, das zu schwer für uns ist, verlieren wir das Spiel. Wir stellen uns gegen unseren eigenen Körper, aber er ist stärker.

Was hilft?

Unser Leben wird immer dann richtig unangenehm für uns, je mehr Vorstellungen wir davon haben, wie es ablaufen soll. Der Vergleich zwischen dem, was ist, und dem, was wir wollen, macht uns unglücklich, ruhelos und anfällig gegen allerlei Krankheiten. Veränderungen im Leben sind zuerst einfach nur das: Veränderungen. Das Leben ist. Alles, was wir nach diesem Satz dranhängen, ist unser Problem und unsere Verantwortung.

Anstatt uns gegen das Leben zu stellen, machen wir doch einfach folgendes:

  • Nehmen wir es an, so wie es ist.
  • Seien wir neugierig: Oh, das ist ja interessant!
  • Das Leben ist eine kosmische Verschwörung mit dem Ziel, daß es uns gut geht.
  • Es ist immer Platz für Dankbarkeit, für die kleinsten Dinge.
  • Wenn etwas Unerwartetes in unser Leben kommt, dann passen wir uns an.
  • Wer gegen den Strom des Lebens schwimmt, hat bald keine Kraft mehr.
  • „Ich weiß nichts“

Diese einfachen Schritte werden Ihnen helfen, mit größerer Gelassenheit und freudig durchs Leben zu gehen.

11.04.2018
Norbert Matausch

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1 Kommentar

  • Vielen Dank für den tollen Artikel! So sehe ich es auch: annehmen wie wir sind / wie die Situation ist. Alles andere kostet nur unnötig Energie und bringt rein gar nichts. Was nicht bedeutet, sich gehen zu lassen, oder alles zu „schlucken“ – sondern ganz bewusst und mit dem Herzen dabei sein. Und meistens hat alles (oft rückwirkend betrachtet) seinen Sinn.

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