What’s your Story? Erzähl mir deine (hochsensible) Geschichte, und ich zeichne sie auf!

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What's your Story?-mauer-loch-pflanze-kamphausenWhat’s your Story?
Erzähl mir deine (hochsensible) Geschichte, und ich zeichne sie auf!

von Sabrina Görlitz

„Solange wir jung sind, liegen die Worte rings um uns verstreut. Werden sie durch Erfahrung zusammengesetzt, dann auch wir, Satz für Satz, bis unsere Geschichte Gestalt annimmt.“ Louise Erdrich, Autorin

Mein halbes Leben lang war ich eine Schriftstellerin, die nicht schreibt. Zwar wusste ich, dass ich schreiben konnte, aber ich war überzeugt, dass all die Dinge, über die ich schreiben wollte, sowieso nicht den Weg hinaus in die Welt finden würden. Nur für mich zu schreiben empfand ich als sinnlos.

Eine Geschichte, die nicht geteilt wird, die ist nichts wert – da war ich hart zu mir und auch zu meinen Geschichten. Und so trug ich sie mit mir herum, Jahre, Jahrzehnte, ungeschrieben und unerzählt. Diese Schwere, die mich lange Zeit umgab, ich glaube das war dieser unsichtbare Sack mit all den ungesagten Wörtern auf meinem Rücken.

2015 veröffentlichte die Forscherin Elaine Aron den Film „Sensitive – The Untold Story.“ Es war das gleiche Jahr, in dem ich zum ersten Mal auf den Begriff der Hochsensibilität stieß. Ausgerechnet auf einem Schreibworkshop, als ich tatsächlich kurz davor war, eine meiner Geschichten aus dem Sack zu lassen. Viel ist passiert in den fünf Jahren, die seitdem vergangen sind. Einen Roman habe ich immer noch nicht geschrieben. Aber ich habe inzwischen viele kleine und große Stories zum Thema Hochsensibilität veröffentlicht – die größte, „Grenzgängerin mit Sinn für Wunder“, ist 2018 im Fach.Buch Hochsensibilität erschienen. Es war die Geschichte meines Lebens.

Die hochsensible Erzählperspektive

ist der spannende Teil der Geschichte.
Es ist schon ver-rückt. Heute weiß ich, dass es meine Hochsensibilität war, die meinen Gedanken lange Zeit den Weg hinaus in die Welt versperrt hatte. Ich hatte mich nicht getraut, dachte, dass die Dinge, mit denen ich mich befasste, für die meisten nicht interessant wären.

Heute ist ausgerechnet diese Hochsensibilität der Grund, warum mir die Menschen zuhören. Das ist vordergründig sicherlich dem Hype geschuldet, der in den vergangenen Jahren darum entstanden ist. Dabei hat es hochsensible Menschen schon immer gegeben.

Früher waren es die Schamanen, die Weisen oder die Regenmacher. Heute scheint ihre Aufgabe nicht mehr so klar definiert, was dazu geführt hat, dass flächen- und magazindeckend immer nur über Hochsensibilität geschrieben wird, anstatt die Hochsensibilität selbst sprechen zu lassen.

Es gibt eine Überversorgung mit Publikationen,

die sich damit befassen, was Hochsensibilität ist, aber vergleichsweise wenig Hochsensible, die ihren Blick auf die Welt mit der Welt teilen. Dabei ist die hochsensible Erzählperspektive der Teil der Geschichte, wo es noch einmal richtig spannend wird. Awareness und Aufklärung sind wichtig, aber sie sie bilden eben nur den ersten Part dieser „Untold Story“.

Nicht The End, sondern The End of the Beginning wird als Schriftzug am Ende von Arons Film eingeblendet, und sie schließt ihre Dokumentation mit folgenden Worten: „Unsere Welt macht große Veränderungen durch, manche sind beängstigend und schwer zu verstehen. Wir brauchen diese sensiblen Köpfe, damit sie unsere Welt studieren und erkunden, wie sie jetzt ist. Wir brauchen Sie wirklich. Ihr wisst nun, dass ihr nicht allein seid. Daher ermutige euch: Speak up!
Ihre Worte könnten 2020 aktueller und dringlicher nicht sein.

Hochsensibilität allein ist nicht die Geschichte

In dem Moment, in dem mir damals klar wurde, dass da draußen noch ganz viele andere vermeintliche „Aliens“ rumlaufen, denen es so ergeht wir mir, habe ich angefangen meine Erfahrungen aufzuschreiben und sie zu teilen. Als ich die ersten Rückmeldungen bekam und Menschen mir schrieben, wie sehr sie sich in meinen Texten wiederfinden, habe ich mich sofort viel weniger allein gefühlt.

All das wunderbare Feedback ermutigt mich weiterhin, schreibend meine hochsensiblen Schlaglichter auf die verschiedenen Aspekte des Lebens und des Sterbens zu werfen. Hochsensibilität als bloßes Wort erwähne ich dabei kaum, und doch geht es die ganze Zeit eigentlich um nichts anderes. Für mich ist sie vor allem eine von vielen möglichen Arten, die Welt wahrzunehmen.

Vielleicht so, wie die spektrale Verteilung der Farbe und das Verhalten des Lichts davon abhängen, durch welches Material ich es leite, zum Beispiel durch einen Kristall oder eine Feder. In jedem Fall ist der Blick durch die hochsensible Brille unfassbar bunt. All das, was anstrengend ist an ihr, das ist der Preis, den ich zahlen muss, damit ich die Welt auf diese ganz besondere Art wahrnehmen darf. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Deswegen muss ich über all das Anstrengende nicht schweigen, aber ich muss es auch nicht zum Kern meiner Geschichte machen. Hochsensibilität allein ist nicht die Geschichte.

Reden kann Gold sein

Hochsensible Menschen nehmen nicht nur mehr und tiefer wahr als andere, sie nehmen vor allem auch all das, was sie wahrnehmen, und verbinden es mit anderen Informationen, die sie im Laufe ihres Lebens gesammelt haben. Und weil sie eben schon immer mehr wahrgenommen haben, kommen sie auf diese Weise auf neue einzigartige Ideen und Sichtweisen auf die Welt. Diese Ideen sind es wert, mit der Welt geteilt zu werden. Wir befinden uns in einer Zeit, in der es fast schon fahrlässig ist, es nicht zu tun. Warum?

Ich würde gern ein kurzes Plädoyer für Sprache halten: Ich finde, dass bei aller Wertschätzung für Stille, Meditation und Kontemplation der Wert der artikulierten Sprache nicht vergessen werden darf. Ich halte es für unverzichtbar, aus all diesen non-verbalen Räumen auch wieder herauszutreten und die gewonnenen Erkenntnisse in Sprache zu übersetzen.

Das Rätsel des Bewusstseins wurde von den Wissenschaftlern dieser Welt zwar noch nicht abschließend geknackt, aber ich halte Thesen dazu, dass das menschliche Bewusstsein überhaupt erst durch die Entwicklung und Weiterentwicklung der Sprache entstanden ist, für absolut nachvollziehbar.

Wer neben seiner Muttersprache noch eine andere Sprache lernt oder erlernt hat, der hat erfahren, wie neue Wörter, Metaphern oder ungewöhnliche Übersetzungen auch einen Einfluss darauf haben können, wie man die Dinge des Lebens wahrnimmt oder wie man über sie denkt. Sprache ist daher mehr als ein naheliegendes Mittel, um seine Erfahrungen zu teilen, sondern auch in der Lage, Bewusstsein zu schaffen und darüber hinaus eine Bewusstseinsentwicklung anzustoßen. „Am Anfang war das Wort“, heißt es schon in der Bibel. Manchmal kann reden Gold sein.

Geschichten sind mehr als das, was uns passiert

Natürlich hat auch Sprache ihre Grenzen. Aber hochsensible Menschen sind Grenzgänger, und viele von ihnen verfügen über einen natürlichen Zugriff auf ihren „Felt Sense“, jenes spürbare innere Wissen, der zum roten Faden in einer Story werden kann.

Dieser Felt Sense exploriert an jenen Grenzen der Sprache. Nicht immer findet er sofort die richtigen Worte. Und das macht herzzentriertes Storytelling, wie ich es nenne, so wichtig. Wenn jemand anderes etwas formuliert, was auch ich in meinem Herzen fühle, aber was ich (noch) nicht in Worte fassen konnte – das kann ein Gefühl tiefster Verbindung auslösen.

Auf diese Weise kann ich im wahrsten Sinne lernen, was ich fühle – wie ein Kind, das lernt, seine Gefühle auszudrücken, wenn man ihm die Sprache dafür gibt. Jedes Mal, wenn ich mich in der Geschichte eines anderen wiederfinden kann, dann sind die Grenzen der Sprache wieder ein Stück versetzt worden.

Dabei geht es nicht darum, ob mir das gleiche passiert ist, sondern ob ich in der menschlichen Erfahrung, die dahinter steht, einen Aspekt in meinem eigenen Leben besser verstehen kann. Geschichten sind nicht nur das, was uns passiert, es kommt vielmehr darauf an, wie wir das Erlebte interpretieren und in welchen universellen Kontext wir es stellen, wenn wir unsere Geschichten erzählen.

Ich werde in diesem Leben vielleicht keinen epischen Roman mehr schreiben, aber ich werde meine Erfahrungen aus dem „echten“ Leben weiterhin teilen. Meine Stimme ist jedoch nur eine von vielen Stimmen, die versuchen, die großen Fragen des Lebens und des Sterbens zu beantworten, oder die sich trauen, diese überhaupt erst einmal zu stellen!

Das Staunen und das Wundern, das Ringen um eine Sprache, die der hochsensiblen Wahrnehmung gerecht wird – es ist an der Zeit, dass all die Dialoge, die hochsensible Menschen schon längst in ihren Köpfen und Herzen führen, sich für die Welt öffnen dürfen. In dem wir uns erzählend unseren Weg durch unsere Menschlichkeit bahnen, können wir andere an ihre erinnern – oder uns einfach nur ein bisschen weniger allein fühlen.

Erzähle uns deine Geschichte!

Genau wie ein gelungener persönlicher Essay die individuelle Erfahrung in eine universelle Erfahrung übersetzt, haben meine Co-Autoren und ich im Fach.Buch das Persönlichkeitsmerkmal Hochsensibilität jenseits von einer Stärken-Schwächen-Analyse in einen übergreifenden gesellschaftlichen Zusammenhang gesetzt.

Welche Bedeutung hat Hochsensibilität für unsere Gesellschaft? Dieser Frage sind wir gemeinsam nachgegangen. Ein Ergebnis war: Hochsensible Menschen haben die Fähigkeit auf einer Metaebene auf die Geschehnisse zu blicken. Fühlend, fragend, forschend. Jetzt ist es an der Zeit, dass so viele Menschen wie möglich auch endlich erfahren, was sie von dort aus alles sehen können!

Mit What’s your Story?

möchte ich den universellen Ansatz unseres Buches wieder zurück in das Persönliche übersetzen und andere Menschen dabei unterstützen, ihre Story, ihren hochsensiblen Blick auf die Welt mit der Welt zu teilen. Ich weiß nur zu gut: Schreiben ist eine einsame und zeitaufwendige Aufgabe.

Ich möchte daher eine Art “Story Hebamme” sein für all die, die ihre Geschichte lieber einem lauschenden und aufmerksamen Gegenüber erzählen, der mit ihnen gemeinsam die ungesagten Wörter aus ihren Herzen fischt.

In diesem Sinne möchte ich dich einladen:

Erzähl mir deine (hochsensible) Geschichte, und ich zeichne sie auf! Dabei kann es sich um eine neue Idee handeln, eine philosophische Beobachtung, einen Lösungsansatz für ein scheinbar unlösbares Problem oder um eine tatsächliche Geschichte, die du erlebt hast. Was auch immer du teilen möchtest – die Zeit ist reif für den zweiten Teil der unerzählten Geschichte(n) über Hochsensibilität.


 What’s your StoryBanner-Kamphausen-Goerlitz
Hochsensibilität neu erzählt.

Hier gibt Autorin und Story Coach Sabrina Görlitz hochsensiblen Menschen die Möglichkeit, ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen und endlich gehört zu werden.

Hier geht’s zum Blog What’s your Story?«


11.07.2020
Sabrina Görlitz
Freiberufliche Autorin, Story-Coach und Palliativbegleiterin 
blog.aurum-cordis.de

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