Wie wird das neue Zeitalter aussehen?

Bede Griffiths copyright-roland ropers

Die derzeitige Weltordnung bricht zusammen

 (Mönch und Mystiker Bede Griffiths, 1906 – 1993Wie wird das neue Zeitalter aussehen?

Das Jahrhunderte lang betriebene Lebensprinzip von Zerstörung und Wiederaufbau, von Krieg und Frieden muss dringend auf eine höhere Stufe von göttlichem Bewusstsein gebracht werden, sonst bleibt unser Leben ein Kriegsschauplatz, ein Lebenskampf. Und dies verstößt geradezu frevelhaft gegen das Prinzip göttlicher Ordnung und Liebe. Keiner sollte von sich behaupten: „in GOD we trust“, wie auf der US-amerikanischen 1-Dollar-Banknote zu lesen,  solange Macht und Übermacht die bestimmenden Faktoren seines Handelns sind. Gott erhört keine Gebete von Menschen mit Machtansprüchen, die sich im Besitz ausschließlicher Wahrheit wähnen.

Der Benediktinermönch Bede Griffiths, Bede Griffiths copyright roland ropers

der vielfach als „Mozart unter den Mystikern“ bezeichnet wird, war ein visionärer Prophet und Weiser. 25 Jahre lang leitete er bis zu seinem Tod am 13. Mai 1993 im süd-indischen Dorf Tannirpalli den Sat-Chit-Ananda Ashram, ein Begegnungszentrum der Weltreligionen. Bede Griffiths war mein spiritueller Meister, der mich autorisiert hatte, sein Vermächtnis in die Welt zu tragen.

Genau vor 30 Jahren, am 29. September 1992, führte Bede Griffiths vor 800 Menschen in München zusammen mit dem jetzt 80-jährigen englischen Biologen Rupert Sheldrake (Entdecker der morphogenetischen Felder) einen visionären Dialog.

Foto: Copyright Roland Ropers

Aus den zahlreichen Publikationen von Bede Griffiths möchte ich aus aktuellem Anlass Wichtiges herausgreifen

und auf die Neuausgabe unseres gemeinsamen Buches aufmerksam machen: „EINE Welt – EINE Menschheit – EINE Religion“ – Wie wird das neue Zeitalter aussehen

Cover Bede Griffiths copyright roland ropers

  • Wie wird das neue Zeitalter aussehen? Was können wir feststellen im Lichte unseres heutigen Wissens vom Universum und aus der östlichen Mystik sowie der spirituellen Erfahrung? Wie können wir uns auf eine Zukunft freuen angesichts des Wissens darüber, was die Wissenschaft im Guten wie im Bösen geleistet hat, und was sollen wir mit der Vergangenheit anfangen, ihrer Kunst und Philosophie, ihrer Religion und ihrer mystischen Erfahrung? 
  • Zunächst wird die menschliche Gesellschaft auf eine neue Beziehung zur Welt der Natur gestellt. Wir müssen das Gespür für das kosmische Ganze entfalten und einen Weg finden, die Welt um uns als lebendiges Wesen zu achten, das uns erhält und ernährt, und für das wir Verantwortung tragen. Zur Zeit ist die ganze Entwicklung der Wirtschaft und Politik charakterisiert und verdorben durch die Ausbeutung der Natur auf jeder Ebene.
  • Das heutige Technologie-System hat sich auf der Grundlage mechanistischer Wissenschaft aufgebaut und beutet die Welt der Natur rücksichtslos und unterschiedslos aus. Dies führte zu der schrecklichen Situation, in der wir uns heute befinden: materielle Annehmlichkeiten für eine Minderheit, aber verheerende Konsequenzen weltweiter Ungerechtigkeit und Zerstörung.
  • Ich sehe keine Zukunft für die gigantischen Großstädte der heutigen Zeit: London, New York, Tokio, Bombaya.. Millionenstädte lassen kein menschenwürdiges Leben mehr zu und sind auf ein ökonomisches System angewiesen, das am Ende zusammenbrechen muss. 
  • Das Bildungswesen in einer neuen Gesellschaft böte eine Grundausbildung, wie sie z.B. der Vorstellung von Mahatma Gandhi entspricht: eine integrierte Erziehung von Körper, Seele und Geist, die in jedem Menschen eine gesunde, organische Beziehung zur Welt fördert und persönliche Talente entfalten hilft. Rudolf Steiners Gedanken folgend würde sich eine solche Erziehung vielleicht zunächst an die Gefühlskräfte des Menschen richten. Steiner lehrte, dass das Kind in den ersten 7 Lebensjahren vor allem auf der Gefühlsebene wachsen müsse, und dass die Erziehung diese emotionale Entfaltung unterstützen sollte. Im zweiten Lebensjahrsiebt dominiert das Wachsen der Vorstellungskräfte, und die Erziehung und Ausbildung konzentriert sich auf Musik, Kunst, Tanz und Poesie. Erst im dritten Jahrsiebt, ab dem 15. Lebensjahr, sollte das rationale, logische Denken geübt und ernsthaft entfaltet werden. Das Ergebnis dieser Grundsätze ist eine umfassende Bildung des ganzen Menschen – emotional, imaginativ und rational –, bei der jeder Bereich angemessen entwickelt, gefestigt und stabilisiert wird. Dies steht in unübersehbarem Gegensatz zu unserem herkömmlichen Bildungssystem, das sich darauf konzentriert, ab dem 6. Lebensjahr das rationale, logische Denken zu unterstützen, wobei die anderen Aspekte der menschlichen Persönlichkeit oft zu kurz kommen.
  • Alle großen religiösen Überlieferungen und Traditionen basieren auf der zeitlosen Philosophie (philosophia perennis) und entwickelten sich in unterschiedlichen Situationen und unter verschiedenartigen Umständen; sie alle verkörpern auf jeweils eigene Weise die uralte Weisheit und die Ganzheit des Lebens. Alle diese verschiedenen Traditionen wird man als miteinander verbunden und aufeinander angewiesen betrachten; jede von ihnen vermittelt einen bestimmten und einzigartigen Einblick in die höchste Wahrheit und Wirklichkeit. Natürlich wuchsen sie tatsächlich unabhängig voneinander und über viele Jahrhunderte hinweg weitgehend ohne Kontakt untereinander heran. Wenn sie miteinander in Berührung kamen, gab es oft Riva-lität, Ablehnung und Konflikt, und infolge dessen haben wir heute die verheerenden Spaltungen der Religionen. Aber wir lernen, und wir werden auch weiter lernen, dass alle diese unterschiedlichen religiösen Traditionen – von der primitivsten bis hin zur fortschrittlichsten – miteinander verbunden und voneinander abhängig sind, und dass jede ihre eigene, einzigartige Sicht hat. Besonders für die semitischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam – ist es wichtig, ihre typischen Absolutheitsansprüche aufzugeben. Dadurch können sie die Freiheit gewinnen, das Wirken Gottes in allen Menschen und vom Anbeginn der Geschichte zu erkennen. Das ist für die semitischen, die monotheistischen Religionen ein besonders schwieriges Problem. Alle drei Religionen neigen zu einem extremen Exklusivismus und haben damit soviel Konflikt in die Welt gebracht.
  • Die christliche Kirche begann als eine jüdische Sekte und erkannte erst im Laufe der Zeit ihre Berufung zur universellen Religion. Sie entwickelte ihre Strukturen ab dem zweiten Jahrhundert gänzlich im Kontext der griechisch-römischen Kultur – mit einer nicht zu über-sehenden Erweiterung im Osten Syriens, in Ägypten und Äthiopien. Die Lehre der Kirche gründet sich weiterhin im Wesentlichen auf eine israelitische Basis, die griechischer Geist in die Begrifflichkeit grie-chischer Philosophie kleidete, während die Organisation der Kirche nach wie vor hauptsächlich römische Struktur ist, die sich auf Grund-lagen der ursprünglichen jüdischen Gemeinschaft stützt.
  • Alle Strukturen, die wir übernommen haben, sind westlicher Natur, was auf tragische Weise zu einer Spaltung der Kirche geführt hat. Im Neuen Testament – und dies ist die Botschaft Christi – sind weder das Papsttum, noch das Bischofs-, noch das Priesteramt zu finden. Genau genommen, ist im Neuen Testament nur von einer einzigen Priesterschaft die Rede: vom Wirken Christi und des Volkes, das Petrus als das königliche Priestertum (1 Petrus 2,9) bezeichnete.
  • Wir müssen uns offenbar an das Neue Testament selbst wenden, um die Ämter in der Kirche neu zu ordnen. So ließen sich die Ämter anderer Kirchen, die keine Bischöfe kennen, mit der Kirche als ganzer möglicherweise versöhnen. Wir sollten uns auch im Klaren darüber sein, dass Frauen im Neuen Testament eine bedeutende Rolle im Dienst der Kirche spielen, und jeder Versuch, die Strukturen des kirchlichen Dienstes neu zu ordnen, müsste eine Gleichberechtigung der Frau in kirchlichen Ämtern einschließen.
  • In so mancher Hinsicht scheinen wir auf eine Zeit zuzugehen, die jener im römischen Reich des 5. Jahrhunderts nicht unähnlich ist, als dessen ganze Struktur zusammenzubrechen begann.
  • Wir können uns das Hervortreten einer neuen Weltkultur vorstellen, während das derzeitige materialistische und mechanistische System unter der anhaltenden Krise ökonomischer, sozialer und politischer Konflikte zusammenbricht. Zu den Charakteristika dieser neuen Kultur gehörten auch ihre femininen Aspekte. 3 Jahrtausende lang wurde die Welt von patriarchalischen Kulturen beherrscht, welche die uralten Matriarchate früherer Zeiten verdrängt hatten. Wir haben jetzt die Grenzen dieser maskulinen Kultur und ihrer aggressiven, konkurrierenden, rationalen und analytischen Denkungsart erreicht. Wir bewegen uns auf ein Zeitalter zu, in dem das feminine Prinzip geachtet wird, das Yin im Gegensatz zum Yang. Das Weibliche wird früher oder später beginnen, seinen rechtmäßigen Platz einzunehmen – und seine Charakteristika: Intuition, Einfühlungsvermögen, Kooperation und ganzheitliche Sicht einzubringen. Dies wird zwangsläufig nicht nur die Ordnung von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik beeinflussen, sondern auch die Spiritualität und die Religion.
  • Die christliche Religion hat ein rein maskulines Gottesbild aufgebaut. Wir sprechen von Gott immer als dem Vater, von seiner Inkarnation als dem Sohn. Selbst der Heilige Geist, der im Griechischen Neutrum, aber im Lateinischen bereits Maskulinum ist, trägt in unserem Sprach-gebrauch einen männlichen Artikel. Im Alten Testament jedoch ist der Geist (ruach) weiblich, und in der syrischen Tradition wurde dieses gleiche Wort für den Heiligen Geist verwendet. Im 2. und 3. Jahrhundert ist dies noch festzustellen, aber länger scheint es nicht überlebt zu haben. Der maskuline Charakter Gottes hat seitdem die Oberhand behalten.
  • Es ist möglich, dass der Übergang von einer mechanistischen zu einer organischen Gesellschaft allmählich eintreten wird. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass es zu einer allgemeinen Katastrophe kommt, wenn die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen der heutigen Zivilisationen zusammenbrechen. Wir dürfen nicht vergessen -, dass die Konflikte der heutigen Welt nicht nur auf menschlichem Versagen und Fehlkalkulation beruhen. Es ist zu einer Umkehrung der menschlichen Werte gekommen, zu einem geistigen Zusammenbruch.
  • Wenn ein Atomkrieg stattfindet, wird das nicht geschehen, weil es jemand wünschte, sondern weil die Menschen von Mächten des Unbewussten getrieben werden, über die sie keine Gewalt haben.
  • Wenn die Wahrheit der Transzendenz abgelehnt wird, bleiben wir nicht mehr neutral. Wir liefern uns den feindlichen Mächten der subtilen Welt aus, die im Unbewussten wirken und Vernichtung über die Menschheit bringen. Der einzige Weg der Rettung liegt in der Wiederentdeckung der zeitlosen Philosophie, die traditionelle Weisheit, die in allen alten Religionen und besonders in den großen Weltreligionen zu finden ist. Diese Religionen sind jedoch verknöchert und versteinert und bedürfen der Erneuerung, nicht nur in sich, sondern auch in ihrer Beziehung zueinander, so dass eine kosmische, universelle Religion hervorkommen kann, in der die Grundwerte der christlichen Religion in lebendiger Verbundenheit mit den anderen religiösen Traditionen der Welt bewahrt werden. 

Das ist eine Aufgabe für die kommenden Jahrhunderte, da die derzeitige Weltordnung zusammenbricht und eine neue Weltordnung aufsteigt aus der Asche der Alten.

Fotos: Copyright Roland Ropers

29.09.2022
Roland R. Ropers
Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher, Buchautor und Publizist

www.KARDIOSOPHIE-NETWORK.de


Über Roland R. Ropers

Wie wird das neue Zeitalter aussehen Ropers Portrait 2021

Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist, autorisierter Kontemplationslehrer, weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit.
Es ist ein uraltes Geheimnis, dass die stille Einkehr in der Natur zum tiefgreifenden Heil-Sein führt.

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Alle Beiträge des Autors auf Spirit Online

Buch Tipp:

cover kardiosophie Roland RopersKardiosophie
Weg-Weiser zur kosmischen Ur-Quelle

von Roland R. Ropers und
Andrea Fessmann, Dorothea J. May, Dr. med. Christiane May-Ropers, Helga Simon-Wagenbach, Prof. Dr. phil. Irmela Neu

Die intellektuelle Kopflastigkeit, die über Jahrhunderte mit dem Begriff des französischen Philosophen René Descartes (1596 – 1650) „Cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) verbunden war, erfordert für den Menschen der Zukunft eine neue Ausrichtung auf die Kraft und Weisheit des Herzens, die mit dem von Roland R. Ropers in die Welt gebrachten Wortes „KARDIOSOPHIE“ verbunden ist. Bereits Antoine de Saint-Exupéry beglückte uns mit seiner Erkenntnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Der Autor und die sechs Co-Autorinnen beleuchten aus ihrem individuellen Erfahrungsreichtum die Vielfalt von Wissen und Weisheit aus dem Großraum des Herzens.

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