Zurück in die Zukunft: von der Aktualität jahrtausendealter Weisheit

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alte Weisheit-wachsfigur-confuciusZurück in die Zukunft: von der Aktualität jahrtausendealter Weisheit

Was können uns die Lehren der „alten Weisen“ Konfuzius, Laotse und Mengzi heute noch sagen?

Konfuzius, Laotse und Mengzi waren nicht die einzigen, Philosophen, die vor rund 2500 Jahren in dem zerrissenen Reich lebten, das sich später zu China zusammensetzen sollte. Damals war es noch in viele kleine Fürstentümer unterteilt, unter deren Willkür und Kampflust die Menschen zu leiden hatten, während der Hof seine Sitten bis ins Extrem überfeinerte.

Aber sie sind die mit Abstand bekanntesten, und auch heute treffen ihre klaren, geschliffenen Worte oft noch präzis den Kern einer Sache. Deshalb werden sie nach zwei Dutzend Jahrhunderten immer noch gern zitiert, wenn auch meist ohne genauere Kenntnis von der Lehren, denen diese Weisheiten entstammen.

Aktuell erlebt der Konfuzianismus ein Revival in China –

wobei die Lehre von einer Religion kaum zu unterscheiden ist. Der weise Lehrer, der einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Großmacht hatte, wird wie ein Gott verehrt. Was Konfuzius zu sagen hatte, war von der Kulturrevolution als rückschrittlich geschmäht worden. Die aktuelle Rückbesinnung zeigt aber, dass in den uralten Lehren viel Weisheit stecken, von der wir gerade heute viel lernen können.

Zeitlich gesehen führt Laotse, von dem wenig bekannt ist, die drei Großen an. Er gilt als Urheber des Werkes „Daodejing“, einer der Grundlagen des Daoismus. Der Legende nach entstand es, als er dem korrupten Hof seines Herrschers entfliehen wollte, doch an der Grenze genötigt wurde, als Wegezoll seine Weisheit niederzuschreiben.

Heute glaubt man, dass das Werk eine Kompilation verschiedener Autoren darstellt. Es gibt eine Legende über diese Leitfigur des Daoismus, der als Quelle spiritueller Energie Meditation, Wallfahrten und Studien nennt und sich an vielen Stellen mit Lehren wie dem Buddhismus und dem Konfuzianismus vermischt.

Eines Tages trafen die drei spirituellen Lehrer Buddha, Konfuzius und Laotse zusammen und kosteten Essig.

Konfuzius fand ihn sauer – wie die Welt, die voll degenerierter Menschen ist. Der Buddha fand ihn bitter – wie auch die Welt voller Leiden ist. Doch Laotse nannte den Essig süß. Laotses Lehre liegt der Glaube an das Gute im Menschen zugrunde und an eine unterliegende Harmonie der Welt, das Dao. Dieses grundlegende Prinzip des Seins bezeichnet auch den „rechten Weg“, den Pfad zur Einklang mit Natur und natürlicher Tugend. Und der, so Laotse, ist dem Ziel vorzuziehen:

Wer Ziele hat, hüte sich sie zu erreichen, denn der Weg ist das Ziel.

Der Daoismus nennt einfache Regeln.

Eine davon ist „Wu wei“: nicht eingreifen, den Dingen ihren Lauf lassen. Das Leben ist im Fluss, der sich aus mühelosem Tun und einer Akzeptanz der Dinge, wie sie sind, zusammensetzt. Jedes Wesen verwirklicht von sich aus seinen eigenen Weg, es darf nichts erzwungen werden.

Ebenso wichtig ist es, der Stille mehr Raum zu geben, denn das Universum eröffnet sich dem ruhigen Geist. Auch die Natur beeilt sich nicht, die Dinge kommen alle zu ihrer eigenen, richtigen Zeit. Wir müssen Offenheit ins uns haben, die Dinge aufzunehmen und wahrzunehmen, denn sonst versäumen wir viel. Zudem sollte unser Bestreben darauf gerichtet sein, mit unserem inneren Selbst in Verbindung zu kommen: mit der Person, die wir in unserem Herzen sind, nicht der, die unser Ego sein will.

„Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte. Wenn ich loslasse, was ich habe, bekomme ich was ich brauche.“

Die Natur hilft uns dabei, denn sie spiegelt Qualitäten, denen wir nacheifern können.

Ein Mensch, der den Weg des Dao geht, ist kein „Superstar“, denn „wer leuchten will, wird nicht erleuchtet.“ Doch er ist jemand, der gut und gütig auf anderen Menschen wirkt und niemandem schadet. Dem, der sucht, ist er ein Vorbild; dem, der nicht sucht, ist er nicht im Wege. Die Ethik Laotses betont die Wichtigkeit der Natur und des Natürlichen als Vorbild.

Sein jüngerer Zeitgenosse Konfuzius dagegen setzt auf die Kultur. Wissen war ihm wichtiger als Kreativität, weshalb ihm Bildung – und damit die Verantwortung des Einzelnen – sehr wichtig ist:

„Lernen ist wie rudern gegen den Strom – wer aufhört, treibt zurück.“

Seine goldene Regel lautet:

„Was du selbst nicht wünschest, tu nicht an andern.“

– eine Maxime, der wir im kategorischen Imperativ zwei Jahrtausende später wieder begegnen. Konfuzius hat seine Lehren in seiner Zeit als Justizminister mit Erfolg umsetzen können, bevor er, enttäuscht von seinem allzu leicht verführbaren Herrscher, dem Hof den Rücken wandte und mit seinen Schülern auf Wanderschaft ging.

Seine Biographie wurde erst lang nach seinem Ableben aufgeschrieben; das wichtigste Buch, die Analekten, sind eine Sammlung seiner Gespräche. Dem Zeremoniell kommt in seiner Lehre die höchste Bedeutung zu. Rituale sind notwendig, um die Intentionen zu fokussieren und das soziale Leben harmonisch zu strukturieren; sie schaffen Sinn für die Gemeinschaft und Anteilnahme am Leben. Zumal sind sie ohnehin Bestandteil der täglichen Praxis und nicht willkürlich festgesetzt, sondern über die Zeit gewachsen.

Die gesellschaftliche Ordnung ist zentrales Thema seiner Lehre.

Sie umfasst die Verehrung der Eltern und auch der Ahnen, denn das moralische Leben, das zur Harmonie führt, beginnt in der Familie. Konfuzius glaubte an die Bedeutung von Hierarchie in zwischenmenschlichen Beziehungen, weshalb auch Gehorsamkeit gegenüber hochstehenden Personen eine große Rolle in seiner Lehre spielt.

Wenn der Wind, die Autorität, weht, muss das Gras sich beugen – nicht aus Unterwürfigkeit, sondern aus Demut und Respekt. Umgekehrt ist es wiederum Pflicht des Herrschers, für seine Untertanen zu sorgen.

Auch Konfuzius sah den Menschen als von Natur aus gut an; alles Böse entspringt mangelnder Einsicht und kann deshalb durch Bildung vorgebeugt werden.

Ein Mensch muss, um wirklich sein Menschsein zu verwirklichen, die fünf klassischen Tugenden kultivieren:

  • Gerechtigkeit,
  • Güte,
  • Menschlichkeit,
  • Weisheit
  • und ethisches Verhalten.

Diese finden ihren Ausdruck in den drei Pflichten Loyalität, Respekt vor den Älteren und Wahrung der Riten. Konfuzius’ Ideal ist der „edle Mensch“: erhaben durch Verdienst, nicht Herkunft, der aktiv nach der Wahrheit und sittlichem Leben strebt, statt Eigennutz zu verfolgen:

„Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.“

Ein solcher Mensch ist mit dem Himmel im Einklang, verkörpert Gleichmut und Gleichgewicht.

Als bedeutendster Nachfolger des Konfuzius gilt Mengzi,

der bei uns weniger bekannt sein mag, im Reich der Mitte aber als „zweiter Weiser“ angesehen wird. Wie sein Vorgänger zieht er von Hof zu Hof, um mit seinen Lehren bei den Herrschenden etwas zu bewirken. Das ist nötig, da nach seiner Ansicht ein schlechter Untertan vom Volk abgesetzt werden kann.

Die Basis seiner Lehre: Alle Mensch tragen als Anlagen Keime des Guten in sich, die es gilt, durch die richtige Pflege wachsen und gedeihen zu lassen: „Der Trieb zum Guten ist dem Menschen eingepflanzt von Natur wie dem Wasser der Trieb, bergab zu fließen.

Es gibt keinen Menschen ohne diesen natürlichen Trieb zum Guten, wie es kein Wasser gibt, das nicht abwärts flösse.“ Aus der Anlage für Mitleid kann die Tugend der Menschlichkeit wachsen, aus Scham Gerechtigkeit und Pflichterfüllung, aus Ehrerbietung gute Sitte und aus der Urteilsfähigkeit schließlich Weisheit.

Er benutzt ein Gedankenexperiment, um das Gute im Menschen zu beweisen:

Jeder, der ein Kind auf einen Brunnen zulaufen sieht, wird reflexhaft aus Mitgefühl handeln und das Kind retten, spontan und ohne Berechnung. Menschen werden nur dann schlecht, wenn äußere Umstände die Keime des Guten verderben – oder aber, wenn sie ihre Tugenden nicht pflegen. Eine ethische Erziehung ist unabdingbar, aber nicht schwierig – und wird reiche Früchte tragen.

„Wenn der Wind der Erneuerung weht, dann bauen die einen Menschen Mauern und die anderen Windmühlen,“

sagt Konfuzius. Sich auf die Lehren der alten Weisen aus Fernost zu besinnen, entspricht dem Bau einer Windmühle, die durch konkrete Werte solide im Boden verankert ist, egal, wie stark der Sturm wird. Wir können uns auf das Mitgefühl besinnen und den gegenseitigen Respekt, der heutzutage im Umgang miteinander immer mehr abhanden zu kommen scheint.

Wir können mit der Bildung ernst machen – unserer eigenen und der staatlichen.

Menschen eine zweite Chance geben, weil wir an das Gute in ihnen glauben. Unser Leben mit Ritualen neu strukturieren und gute Gewohnheiten festigen (dazu bald mehr in VISIONEN). Der eigenen Stille Raum geben, Dingen die Zeit lassen, die sie nun einmal brauchen, und alle Bemühungen, die Welt zu kontrollieren, aus der Hand geben.

Vor allen Dingen können wir uns darauf besinnen, dass es unsere Verantwortung ist, unser Menschsein zu verwirklichen und ein „edler“ Mensch zu werden.

ZITATE

„Alle Dunkelheit der Welt kann das Licht einer einzigen Kerze nicht auslöschen.“

„Wenn das, was Du sagen möchtest, nicht schöner ist als die Stille, dann schweige.“ Konfuzius

„Alles ist in uns selbst vorhanden, wenn wir in uns gehen, und sind wahrhaftig: das ist die höchste Freude.“ Mengzi

„Biegsamkeit und Nachgiebigkeit sind die Verwalter des Lebens, Härte und Stärke sind die Soldaten des Todes.“

“Also der Erwachte: Weil er nicht scheinen will, leuchtet er. Weil er von sich absieht, wird er beachtet. Weil er nichts für sich will, hat er Erfolg. Weil er nichts aus sich macht, hat er Macht. Weil er nicht widersteht, widersteht ihm nichts.“

“Alle Dinge haben Zeiten des Vorangehens und Zeiten des Folgens, Zeiten des Flammens und Zeiten des Erkaltens, Zeiten der Kraft und Zeiten der Schwäche, Zeiten des Gewinnens und Zeiten des Verlierens. Deshalb meidet der Weise Übertreibungen, Maßlosigkeit und Überheblichkeit”. Laotse

06.07.2020
Martina Pahr
Autorin, Bloggerin und PR – Expertin

cover-martina-pahr-sorge-fuer-dichBuchtipp:

Martina Pahr: „Sorg für dich selbst, sonst sorgt sich keiner! Wie du dir selbst höchste Priorität im Leben einräumst.“
mvg Verlag
Softcover, 208 Seiten
ISBN: 978-3-7474-0069-2

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