Was der natürliche Jahreslauf über Leben, Natur und Bewusstsein verrät
Autor: Dr. Alexander Crocoll – Großmeister des AMORC für die deutschsprachigen Länder
Der natürliche Jahreslauf beschreibt die zyklischen Prozesse von Natur, Kosmos und menschlichem Bewusstsein und zeigt die Verbindung zwischen äußeren Jahreszeiten und innerer Entwicklung.
Der natürliche Jahreslauf umfasst Frühling, Sommer, Herbst und Winter und spiegelt die wiederkehrenden Zyklen von Wachstum, Reife, Rückzug und Neubeginn – sowohl in der Natur als auch im Menschen.
Der natürliche Jahreslauf
Wohin wir im gesamten Weltraum oder in der Natur auch blicken, überall finden wir Ordnung. In der griechischen Mythologie gilt die gesamte Schöpfung als geordnetes Ganzes, steht doch das aus dem Altgriechischen stammende Wort Kosmos (κόσμος) selbst für die Ordnung, für Weisheit und Plan.
Was sehen wir, wenn wir den Himmel betrachten? Tagsüber sehen wir die Sonne und manchmal den Mond, nachts meistens den Mond in seinen verschiedenen Phasen und abertausende von Sternen. Es geht uns dabei nicht viel anders als unseren Vorfahren in Sumer, Babylonien, Ägypten oder Griechenland. Die Beobachtung des Himmels leistete wertvolle Hilfe für die Bestimmung von Saat- und Ernte-Zeiten, aber auch religiöse Feste und Feiertage sind mit dem natürlichen Jahreslauf eng verbunden.
Vor allem die Umlaufzeiten der beiden „großen Lichter“ Sonne und Mond erlangten zentrale Bedeutung für unsere Zeiteinteilung. So wurden Tag, Woche, Monat und Jahr vom Himmel abgelesen; geringe Ungenauigkeiten wurden zunächst vernachlässigt, führten aber in der Folge wiederholt zu Kalenderreformen. So wurde unser heutiger Jahreswechsel erst im 2. vorchristlichen Jahrhundert von den Römern eingeführt und hat uns in der Folge dem natürlichen Jahreslauf entfremdet. Im natürlichen Jahreslauf sind die Jahreszeiten noch eng mit dem Geschehen in der Natur und dem Himmel verbunden.
Das Erhabenste, das höchste Wissen und Erkennen der Menschheit, das nach wie vor über allem menschlichen Tun steht, ist das Leben selbst; und kein Tempel, keine Tontafel oder Papyrus konnte heilig genug für eine Darstellung sein. Allein der Himmel erscheint geeignet, das Phänomen Leben aufzunehmen, denn ohne Leben gäbe es keine irdische Schöpfung, keine sichtbaren Daseinsformen. Leben erscheint als Urgrund der irdischen Schöpfung.
Lesen im Buch der Natur

Auch die vier Jahreszeiten haben eine Verbindung zum Himmel und können von ihm abgelesen werden. So wollen wir in diesem Blogbeitrag dem natürlichen Jahresverlauf folgen und einen anderen Blick aufzeigen auf das, was im Alltag oftmals an uns vorbeigeht, so dass wir häufig gar nicht mehr wahrnehmen, was sich dort im „Außen“ eigentlich vollzieht. Das Gefangensein in der äußeren Welt mit seinen konkreten Erfordernissen verstellt uns häufig den Blick für die Dinge, die dahinter liegen, und somit für unsere eigene Verbundenheit mit diesem nur scheinbar äußerlichen Geschehen.
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Den jeweiligen Beginn der vier Jahreszeiten markiert die Sonne als „Symbol“ allen Lebens in ihrem Lauf jährlich an vier eindeutig bestimmbaren Stationen: dem längsten Tag, dem kürzesten Tag und den beiden Tagundnachtgleichen. Der Tierkreis erscheint unter diesem Gesichtspunkt als eine weitere Verfeinerung der vier grundlegenden Stationen im Jahreslauf. Die vier Sternbilder, in denen unsere Vorfahren im Stierzeitalter die Sonne zu Beginn der Jahreszeiten erblickten, sind Stier=Frühling, Löwe=Sommer, Skorpion=Herbst und Wassermann=Winter. Die Symbolik dieser Zeichen wurde im Verlauf der Jahrtausende immer umfassender. Man sprach von ihnen als Träger der Horizonte, Hüter der Weltachsen, Wächter der vier Winde, von den vier Cherubim als den Trägern des göttlichen Throns und schließlich auch von den Symbolfiguren für die vier Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft, die als die Grundbausteine der gesamten Schöpfung gelten und die ihrem Entstehen nicht nur zeitlich vorausgehen. In unserem christlichen Kulturkreis am bekanntesten erscheinen vielleicht die Symbole der vier Evangelisten: Lukas und der Stier, Markus und der Löwe, Matthäus und der Engel und Johannes und der Adler, der als sublimierter Skorpion gilt.
Wie im Himmel, so auch auf Erden
Begeben wir uns also auf eine Reise durch den natürlichen Jahreslauf mit seinen vier grundlegenden Stationen, die Einblick in die fundamentale Dynamik des Lebens geben und in der Tradition der Rosenkreuzer als die vier Feste im Lauf eines Jahres begangen werden. Diese ermöglichen es uns, eigene Erfahrungen zu machen, sich auf das Geschehen einzulassen, und so kann der natürliche Lauf eines Jahres zu sprechen beginnen und uns die Geschichte des Lebens erzählen. Denn wie bereits erwähnt finden wir in diesem äußeren Geschehen die Gesetzmäßigkeiten des Lebens widergespiegelt. So erleben wir einerseits Kontinuität, aber eben auch das große Thema der Periodizität, d.h. des zyklischen Geschehens in der Natur und im Bewusstsein des Menschen.
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Bereits in den alten Kulturen wurde die Sonne als das göttliche Prinzip verehrt, das den Samen des Lebens spendet, der von Mutter Natur aufgenommen wird, die diesen in sich trägt, nährt und wärmt und schließlich als physisches Leben gebiert. Ebenso entscheidend wie die Natur als Nährmutter allen physischen Lebens erscheint der lebensbedingende Einfluss der Sonne auf die Erde und alle Kreaturen. Am augenscheinlichsten lässt sich dies bei der Pflanze beobachten, als dem grundlegenden für Wachstum stehenden Prinzip. Denn „starb“ die Sonne, so „starb“ die Pflanze. Erwachte die Sonne aus dem „Tode“ des Winters, gebar sich auch die Pflanze neu und stieg aus dem unteren Dunkelreich der Erde in das obere Lichtreich, mit ihrer sommerlichen Entfaltung der Lebensherrlichkeit.
07.05.2026
Dr. Alexander Crocoll
Großmeister des AMORC für die deutschsprachigen Länder
Bild und Text (c) AMORC
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Vita des Autors:
Dr. rer. nat. Alexander Crocoll, geb. 1966. Während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit Publikation von Arbeiten zur Genetik molekularer Embryologie.
Er beschäftigt sich seit frühester Jugend mit spirituellen Fragen, ist seit drei Jahrzehnten AMORC-Mitglied, Großmeister und 1. Vorstand von AMORC e.V.

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