Reshad Feilds persönlicher Zugang zum Sufismus
Reshad Feild war ein englischer Musiker, Autor und spiritueller Lehrer. In seiner Vermittlung sufisch geprägter Spiritualität standen Liebe, Atem, Selbsterkenntnis und Hingabe im Mittelpunkt. Roland Ropers würdigt diesen persönlichen Lehrweg, der nicht mit der gesamten Vielfalt islamischer Mystik gleichgesetzt werden sollte.
Die Frage dieses Porträts lautet: Wie begegnet ein Mensch einer spirituellen Tradition, ohne sie zum Besitz oder zum neuen Selbstbild zu machen? Feilds Lebensweg und seine eigenen Aussagen bieten dafür einen Zugang. Eine ergänzende Annäherung an islamische Mystik bietet der Beitrag Sufis – Spiritualität und Essenz.
Von der Musik zur spirituellen Suche
Reshad Feild wurde 1934 als Richard Timothy Feild geboren. Er war zunächst unter anderem als Musiker tätig und gehörte als Tim Feild zu den Gründungsmitgliedern von The Springfields. Später wurde er durch seine Bücher und seine Lehrtätigkeit bekannt. Er starb am 31. Mai 2016 in Devon. Diese biografische Linie beschreibt die Autorenbiografie des Chalice Verlags, der ihm und seinem Werk verbunden ist.
Der Wechsel von der Musik zur spirituellen Lehrtätigkeit ist Teil dieses Lebenswegs. Seine inneren Motive erschließen sich vor allem aus Feilds eigenen Erzählungen; sie sollten nicht allein aus äußeren Lebensdaten abgeleitet werden.
Eine Suche jenseits der vertrauten Lebensform
Feilds Weg berührt eine Frage, die auch andere Suchende beschäftigt: Was verändert sich, wenn Menschen sich einer Tradition außerhalb ihrer bisherigen Lebenswelt zuwenden? Eine neue Zugehörigkeit beantwortet diese Frage noch nicht. Sie muss sich in der eigenen Beschäftigung und im Umgang mit anderen bewähren.

Feilds Vermittlung ist aus seinen Begegnungen mit bestimmten Lehrern und Gemeinschaften zu verstehen. Sie bildet einen eigenen Zugang innerhalb der westlichen Rezeption des Sufismus; sie steht nicht stellvertretend für sämtliche islamisch-mystischen Traditionen.
Eine vertiefende Perspektive zur verantwortlichen Spiritualität bietet der Beitrag Authentische Spiritualität und Religion.
Pir Vilayat Inayat Khan und die erste Initiation
Eine wichtige Wende in Feilds Leben war die Begegnung mit Pir Vilayat Inayat Khan, dem Sohn von Hazrat Inayat Khan und Leiter des Internationalen Sufi-Ordens. Pir Vilayat gab ihm den Namen Reshad.
Roland Ropers berichtet von persönlichen Begegnungen mit Pir Vilayat, zuletzt im Juni 2004 in Suresnes bei Paris.
Pir Vilayats Vermittlung sprach auch Menschen verschiedener religiöser Herkunft an. Diese Offenheit war für viele westliche Suchende wichtig. Dabei bleibt dieser Zugang von anderen historischen und gegenwärtigen Formen des Sufismus zu unterscheiden.
Bülent Rauf, Beshara und die Einheit des Seins
Bülent Rauf wurde für Feild zu einem wichtigen Lehrer. Die Geschichtsdarstellung des Beshara Trust berichtet, dass 1971 ein Zentrum auf Swyre Farm in Gloucestershire entstand, das zunächst von Feild geleitet wurde. Rauf prägte die dortige Beschäftigung mit der Einheit des Seins und den Werken Ibn Arabis.
Beshara bezeichnet sich als Schule innerer Bildung. Die eigene historische Darstellung ist eine wichtige Quelle für ihre Anfänge, zugleich eine Selbstdarstellung der Gemeinschaft. Sie sollte nicht mit einer unabhängigen Bewertung ihrer Lehre verwechselt werden.
Die Frage nach dem eigenen Selbstverständnis vertieft der Beitrag Spiritualität und Selbsterkenntnis.
Liebe als Wirklichkeit in Feilds Lehre
In Feilds spiritueller Perspektive reicht Liebe über persönliche Zuneigung hinaus. Sie wird als verwandelnde Wirklichkeit verstanden. In seinem Gespräch mit Howard Jay Rubin verbindet er diese Vorstellung mit dem Dienen im gewöhnlichen Leben. Er spricht dabei auch über eigene Fehler und die Schwierigkeit, spirituelle Verantwortung mit persönlichen Verpflichtungen zu vereinbaren. Liebe erscheint hier als Anspruch an das Handeln, nicht als Beleg eigener Vollkommenheit.
Das ist eine religiös-philosophische Deutung. Feilds Aussagen über Energie und Verwandlung begründen keine naturwissenschaftliche Erklärung der Welt.
Bewusstes Atmen in Feilds Lehre
Reshad Feild beschäftigte sich in seiner Lehre mit dem Atem. Seine eigene Perspektive erschließt das Interview mit Howard Jay Rubin von 1983, das der Chalice Verlag in deutscher Übersetzung veröffentlicht hat. Feild hebt darin die Aufmerksamkeit für den Atem und seinen Rhythmus hervor. Für ihn gehört diese Aufmerksamkeit zu einem bewussten spirituellen Leben.
Feild beschreibt den Atem aus seiner spirituellen Lehrperspektive. Daraus folgt kein medizinischer Wirksamkeitsnachweis. Sein Verständnis des bewussten Atmens ist kein Ersatz für eine notwendige medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.
Die Begegnung mit der Derwisch-Tradition
Feilds biografische Selbstdarstellung verbindet seinen Weg auch mit der Mevlevi-Tradition. Die Biografie der ihm verbundenen Chalice-Schule nennt diesen Bezug. Hier begegnet die spirituelle Suche einer konkreten religiösen Überlieferung und ihren Formen.
Eine äußere Bewegung lässt sich dabei nicht ohne Weiteres vom Sinn ihrer Praxis lösen. Ein Ritual ist mehr als ein eindrucksvolles Bild. Welche Bedeutung ihm zukommt, erschließt sich aus dem Zusammenhang, der Überlieferung und dem Verständnis der Beteiligten.
Daraus folgt kein Anlass, eine Dreh- oder Atemtechnik aus einem Porträt abzuleiten. Dieser Beitrag beschreibt Feilds geistigen Weg; er bietet keine praktische Anleitung und kein Versprechen einer bestimmten Wirkung.
Spirituelle Zugehörigkeit und die Grenzen eines Etiketts
Im bereits genannten Interview von 1983 blickt Feild selbstkritisch auf seine frühere Lehrerrolle zurück. Er schildert, dass ihn das Gefühl spiritueller Besonderheit angezogen habe, und erklärt seine spätere Zurückhaltung gegenüber der Bezeichnung als Sufi. Seine Kritik gilt der Selbstinszenierung durch einen religiösen Namen, während er die innere Bedeutung des Sufismus ausdrücklich achtet.
Damit erhält die Frage nach äußerer Form und innerer Arbeit einen konkreten biografischen Bezug. Die Selbstauskunft zeigt Feilds spätere Sicht auf seinen Weg; sie ersetzt keine unabhängige Bewertung seiner Lehrtätigkeit.
Menschen des Weges statt Besitzer der Wahrheit
Eine Haltung dieses Lehrwegs lässt sich so zusammenfassen: Wir bleiben Menschen auf dem Weg. Die Formulierung bezeichnet eine Haltung, keinen Anspruch, bereits im Besitz der Wahrheit zu sein.
Einen anderen, wissenschaftlich-poetischen Zugang zur islamischen Mystik zeigt das Porträt Annemarie Schimmel: Sufismus und persönliche Begegnungen.
Erstveröffentlichung: 07.08.2026
Aktualisiert: 16.10.2026
Roland R. Ropers
Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher, Buchautor und Publizist
Über den Autor Roland R. Ropers
Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist, autorisierter Kontemplationslehrer, weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit.
Es ist ein uraltes Geheimnis, dass die stille Einkehr in der Natur zum tiefgreifenden Heil-Sein führt.
>>> zum Autorenprofil
Buch Tipp:

Weg-Weiser zur kosmischen Ur-Quelle
von Roland R. Ropers und
Andrea Fessmann, Dorothea J. May, Dr. med. Christiane May-Ropers, Helga Simon-Wagenbach, Prof. Dr. phil. Irmela Neu
Die intellektuelle Kopflastigkeit, die über Jahrhunderte mit dem Begriff des französischen Philosophen René Descartes (1596 – 1650) „Cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) verbunden war, erfordert für den Menschen der Zukunft eine neue Ausrichtung auf die Kraft und Weisheit des Herzens, die mit dem von Roland R. Ropers in die Welt gebrachten Wortes „KARDIOSOPHIE“ verbunden ist. Bereits Antoine de Saint-Exupéry beglückte uns mit seiner Erkenntnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Der Autor und seine Co-Autorinnen beleuchten aus ihrem individuellen Erfahrungsreichtum die Vielfalt von Wissen und Weisheit aus dem Großraum des Herzens.




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