Warum der spirituelle Weg nicht auf dem Gipfel endet
Entspiritualisierung bedeutet hier nicht, Spiritualität abzulegen. Sie beginnt dort, wo du aufhörst, dich über deine spirituellen Erfahrungen zu definieren – und wieder voll ins normale, pralle Leben zurückkehrst. Nicht weniger bewusst, sondern menschlicher. Nicht mehr auf dem Gipfel, sondern mittendrin.
Endlich einfach nur wieder Mensch SEIN!
Irgendwann hast du viele, viele spirituelle Erfahrungen gemacht, Kurse besucht, Bücher gelesen, Erkenntnisse gesammelt und vielleicht gefunden, was du gesucht hast. Oder auch nicht. Egal. Irgendwann wirst du müde davon. Du willst nicht mehr suchen, nicht mehr ankommen, nicht mehr noch bewusster, noch heiler oder noch erleuchteter werden. Du willst einfach wieder ein ganz normaler Mensch SEIN.
Alles ist anders und doch bleibt es genauso. Beides ist wahr. Holz schleppen und Wasser holen geschehen weiterhin – oder, in der heutigen Zeit, in den Supermarkt gehen und die Heizung aufdrehen. Der Müll muss raus, Rechnungen wollen bezahlt werden und manchmal regnet es genau dann, wenn du beschlossen hast, dass das Universum heute gefälligst mit dir kooperieren soll.
Vielleicht geht dir irgendwann auch alles auf den Sack und du willst einfach nur noch Mensch SEIN. Vielleicht, weil du völlig desillusioniert und deidentifiziert bist. Vielleicht auch völlig verleuchtet und hellwach. Oder du hast einfach keinen Bock mehr zu suchen.
Du kommst wieder runter vom Berg. Du kehrst aus deiner imaginären Höhle im Himalaja zurück ins pure Leben. Und hey – genau hier fängt das wahre spirituelle Leben erst an.
Wie lebendige Spiritualität im Alltag aussehen kann, habe ich bereits an anderer Stelle beschrieben. Hier geht es um den nächsten Schritt: um den Moment, in dem du selbst das Etikett „spirituell“ nicht mehr brauchst.
Wenn Spiritualität zur nächsten Selbstoptimierung wird

Es gibt einen Punkt, an dem die spirituelle Suche genauso anstrengend werden kann wie jede andere Selbstoptimierung. Nur dass du dir diesmal keinen perfekten Körper, keine perfekte Karriere und kein perfektes Leben erschaffen willst, sondern das perfekte Bewusstsein.
Noch ein Kurs. Noch eine Einweihung. Noch eine Methode. Noch eine Erkenntnis. Noch ein bisschen mehr Heilung. Und immer noch bist du angeblich nicht fertig, nicht angekommen, nicht weit genug.
Das spirituelle Ego ist dabei ziemlich erfinderisch. Es kann sich mit Wissen und Erfahrungen schmücken. Es kann aber auch besonders demütig, still und anspruchslos wirken, während es sich heimlich für bewusster hält als der Rest der Menschheit.
Manchmal wird sogar die Beobachterrolle zu einem neuen Versteck. Du siehst alles, durchschaust alles, bewertest angeblich nichts mehr – aber du bist auch nicht mehr richtig dabei. Du beobachtest dein Leben, anstatt es zu leben.
Wenn spirituelle Vorstellungen dazu benutzt werden, unangenehme Gefühle, Konflikte oder Verantwortung zu umgehen, sprechen wir von Spiritual Bypassing und spiritueller Realitätsflucht. Das bedeutet nicht, dass Beobachtung, Meditation oder Rückzug falsch wären. Sie können wichtige Etappen sein. Du solltest nur nicht auf einer Etappe dein Haus bauen und dann behaupten, der Weg sei zu Ende.
Entspiritualisierung bedeutet deshalb nicht, alle Erkenntnisse wegzuwerfen. Sie bedeutet, sie nicht länger wie Orden an der Brust zu tragen. Erkenntnis braucht irgendwann Beine, Hände und eine Stimme. Und manchmal auch Dreck unter den Fingernägeln.
Was Menschsein nach der spirituellen Suche bedeutet
Mensch SEIN ist schon grundsätzlich spirituell. Das muss gar nicht ständig ausgewiesen werden. Im Laufe deiner Entwicklung wirst du wahrscheinlich Menschen begegnen, die nie einem spirituellen Pfad gefolgt sind und nie etwas mit Spiritualität am Hut hatten. Und dennoch erkennst du, wie klar, integer, mitfühlend und wach sie leben.
Sie meditieren vielleicht nicht, sprechen nicht über Schwingungen und wissen nicht, welches Chakra gerade angeblich blockiert ist. Aber sie sind sich selbst treu, übernehmen Verantwortung, behandeln andere Menschen anständig und lassen das Leben so sein, wie es gerade ist.
Vielleicht sind sie damit spiritueller als mancher Mensch, der seit zwanzig Jahren über Erwachen redet.
Einfach Mensch SEIN – darum geht es. Sein lassen. Mensch sein bedeutet, dich als Mensch sein zu lassen und auch andere Menschen sein zu lassen. Natürlich gibt es weiterhin Vorlieben und Abneigungen. Aber du isst halt nur noch, was dir schmeckt, ohne daraus gleich eine kosmische Wahrheit zu machen.
Du wirst EIN-fach. Du erfährst, erlebst, spürst und BIST das Menschsein selbst.
Und irgendwann stellt sich vielleicht auch die Frage: Welches Selbst willst du eigentlich lieben? Das wirkliche, widersprüchliche und manchmal ziemlich anstrengende Menschsein – oder eine spirituell aufgebesserte Idealfigur, die du niemals dauerhaft sein kannst?
Mensch SEIN ohne Diskussion
Kein Widerstand dagegen, dass Widerstand erfahren wird.
Kein „So muss es sein“. Du kannst Pläne machen und schauen, was das Leben tatsächlich liefert. Oder du lässt die Pläne gleich ganz sein.
Das Leben gibt dir Auskunft über dich selbst. Nicht irgendwann, nicht nach dem nächsten Seminar, sondern jetzt.
Der Körper ist dein Erfahrungsinstrument. Seine Empfindungen können dir zeigen, wie es dir gerade geht. Er ist kein Orakel, aber er meldet sich häufig lange bevor der Verstand bereit ist, etwas zuzugeben.
Die Lektionen des Lebens kommen weiterhin. Sie werden gelernt oder eben nicht. Und wenn nicht, begegnen sie dir vielleicht noch einmal – in einer anderen Gestalt, mit einem anderen Namen und demselben verdammten Thema.
Du kannst dich selbst erfahren, indem du wahrnimmst, was ist. Auch unbewusste Muster und innere Programme werden nicht dadurch sichtbar, dass du gegen sie kämpfst. Sie werden sichtbar, wenn du aufhörst wegzuschauen.
Der Entspiritualisierungsprozess hebt die Trennung auf
Mit dem Herunterkommen vom Berg wird das Leben leichter, freier und einfacher. Aber nicht langweiliger. Du erfährst dich selbst sogar unmittelbarer, weil nicht mehr jede Erfahrung durch ein spirituelles Konzept erklärt werden muss.
Der Entspiritualisierungsprozess macht dich nicht weniger spirituell. Er hebt die Trennung zwischen „spirituell“ und „unspirituell“ auf.
Du brauchst nicht mehr zu behaupten, dass alles heilig ist. Du wäschst einfach das Geschirr. Du musst nicht mehr über das Hier und Jetzt reden. Du bist hier. Du musst dich nicht ständig als Beobachter erleben. Du darfst handeln, lieben, scheitern, streiten, lachen, trauern, entscheiden und wieder neu anfangen.
Beobachten ist wichtig. Es schafft Abstand zu den eigenen Konditionierungen. Aber irgendwann wird auch der schönste Beobachtungsposten zu einem Aussichtsturm, auf dem du dem eigenen Leben nur noch beim Vorbeiziehen zuschaust.
Innere Arbeit ersetzt keinen Mut. Bewusstsein will nicht nur erkannt, sondern gelebt werden.
Redaktionelle Einordnung: Der folgende Buchauszug beschreibt die persönliche spirituelle Perspektive der Autorin. Er ist keine allgemeingültige psychologische Erklärung. Bei Traumata oder tiefen seelischen Verletzungen kann fachliche Begleitung wichtig sein. Der Originalwortlaut des Buchauszugs wurde nicht verändert.
Mensch SEIN – das Leben lebt sich weiter …
“Am Ende geht es darum, wieder voll ins pralle Leben zu springen und nicht irgendwo auf dem Gipfel zu sitzen und nur noch Beobachter zu sein. Die Menschwerdung Gottes ist angesagt! Das ist pures Mensch SEIN. Wir sind schlichtweg hier um dieses Leben zu erfahren, zu erleben. So ist es schlau, nach der ganzen Dekonditionierung, dem Durchschauen der Muster und Programme, der Deindentifkation usw. wieder von Berg runterzukommen und wirklich zu leben.
Es ist NICHT Sinn des Lebens, dass du dein Leben lang nun passiv im Beobachter oder Zeugen verweilst und zuguckst was geschieht, das ist nicht leben, das ist zugucken. Du kannst auch wieder richtig aktiv werden, diesmal mit einem ganz anderen Bewusstsein.
Also zum Verständnis:
Es ist absolut wichtig erstmal zum Beobachter zu werden, um überhaupt zu kapieren, was abgeht 😉
Du bemerkst die ganzen Programme und du wirst dann auch erkennen, dass du ihnen hilflos ausgeliefert bist.Du erkennst, dass all die Selbstverschlimmbesserungstaktiken nichts nutzen, denn du bist so wie du bist und die Programme (Muster, Konditionierungen, Glaubenssatze) sind so stark, dass du sie nicht dauerhaft unterdrücken, wegwünschen oder mit positiven Denken übertünchen kannst.
Das ist ein Schock. Und das ist zugleich Befreiung, denn du brauchst deine Energie dafür nicht mehr verwenden, die Welle wird niemals das Meer steuern können.
Du gibst auf. Du bist einfach nur noch hier, mit allem was mit dir zusammen auftaucht.
Du akzeptierst es, du bist nicht mehr im Widerstand. Es ist so wie es ist. Ja da kommen Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit und Traurigkeit vorbei und sie wollen nur eins, von dir vollkommen in den Arm genommen werden, gefühlt werden, sie wollen da sein dürfen.
Dein Leben ist begrenzt durch all die Programme, das erkennst du jetzt, dann taucht so etwas wie Neutralität auf und die ist gut.
Du bemerkst, dass du gar nichts weißt. Und dann öffnet sich etwas und jaa….da ist ein kleiner Impuls, ein kleines Wollen, dass du zuvor nicht verspüren konntest, weil du mit dem Kampf gegen deine Programme beschäftigt warst. Und dieser Impuls kommt nicht aus dem Verstand, es hat nichts mit den Programmen zu tun, es ist ein rein kreativer, aktiver Impuls des Bewusstseins selbst, dass sich regt und sich endlich bemerkbar machen kann, weil es jetzt Raum bekommt. Das was da will, ist das Leben selbst, das sich in Erfahrung bringen will. Es will sich spüren, sich erleben.
Du erkennst, dass du es warst, die all die Programme hat weiterlaufen lassen, einfach aus Angst, aus Bequemlichkeit hast du dich dem hingeben. Nun entdeckst du, dass du nicht die Programme bist, dass du viel mehr bist und dass du sie nicht mehr ausführen musst, weil sie sich selbst ausführen und du währenddessen diesen kreativen Impuls verspürst und ihm folgst.
Dann bist du plötzlich aktiv dabei und kein passiver Beobachter mehr deines Lebens. Du erkennst, was sich da erfahren will, du siehst die Welt nicht mehr durch die Programme, sondern erkennst das Glück in einem Regentropfen. Du verstehst, dass du dich zuvor gar nicht selbst entdecken konntest, weil du eins mit diesen Programmen warst und jetzt kannst du dich endlich selbst entdecken, Nahe zu dir selbst erfahren, dir endlich selbst nah kommen. Du wächst über die Programme hinaus, weil das Leben sich jetzt endlich selbst wahrnimmt und spürt und du nimmst die Einladung an. “
Der vorangegangene Abschnitt ist ein sprachlich unveränderter Auszug aus dem Buch „Das Leuchten des Selbst II“.
… das Leben lebt sich weiter …
Und wie wär’s?
Willst du auch einfach nur mal wieder Mensch SEIN?
22.07.2026
Von Herz zu Herz
Deine Heike Pranama Wagner
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Heike Pranama Wagner

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Heike Pranama Wagner ist hellfühlig, hochsensibel, Spiegel, Trigger, Autorin, Begleiterin im Erwachensprozess, leidenschaftliche Tangotänzerin & ein ganz normaler Mensch.

