Gesund werden und bleiben durch Fasten?

eine Frau sitzt am Baum und trinkt Tee

Gesund werden und bleiben durch Fasten?

2014 war ich seit 3 Jahren Heilpraktikerin und las in Studien, wie hoch der gesundheitliche Nutzen von Heilfasten ist. – Ich war so begeistert davon, dass ich sofort eine Fastenleiter-Ausbildung machen und Menschen beim Fasten unterstützen wollte.

Gesagt – getan, ich fand eine Ausbildung und meldete mich an: „…wenn man die Ausbildung zur Fastenleiterin beginnt, sollte man selbst schon über Fastenerfahrung verfügen…“ – las ich da. Dazu hatte ich allerdings gar keine Lust!

Ich sollte selbst Fastenerfahrung haben, um eine Fastenleiterausbildung zu beginnen.

Durch die Motivation meines Mannes – der mit fastete – konnte ich mich aber dann doch zu meiner ersten Fastenerfahrung nach Buchinger durchringen. – Und es wurde wirklich ein gutes Fastenerlebnis. Seitdem fasteten wir zunächst zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, für mindestens 5 Tage. Aktuell faste ich einmal jährlich im Frühjahr, dafür aber etwas länger. Seit 2015 begleite ich auch mit viel Freude regelmäßig Fastengruppen und einzelne Fastende.

Warum denken viele Menschen im Frühjahr ans Fasten?

Gesund werden und bleiben durch Fasten eine Frau sitzt am Baum und trinkt TeeViele Menschen wünschen sich nach der Weihnachtszeit mit dem guten Essen wieder etwas mehr Leichtigkeit. Der Sommer und die Badesaison und damit die gewünschte Strandfigur rücken ins Bewusstsein. Auch die guten Vorsätze zum Jahreswechsel beinhalten oft, sich gesünder und bewusster zu ernähren. Dafür bietet das Fasten einen guten Startpunkt. Man steigt einmal vollständig aus den Ernährungsgewohnheiten aus, erlebt dabei, wie der Körper von der Auszeit profitiert und hat dann die Möglichkeit, den Ernährungsalltag mit frischen Impulsen neu zu gestalten.

Das Frühjahr eignet sich besonders für so eine Kur, weil die Natur uns erstens die Erneuerung vormacht und uns außerdem viel schenkt, das uns unterstützen kann, wie z.B. den Spargel, das Birkenwasser, die Brennnessel oder den Löwenzahn, die im Frühjahr zu ernten sind.

Sicherlich liegen die religiösen Fastenzeiten nicht ohne Grund traditionell in dieser Zeit des Jahres – übrigens ein weiterer Beweggrund: Fasten erleichtert die innere Einkehr.   

Hat das Fasten neben dem Abnehmen und möglichen stärkenden Erfahrungen auch etwas mit meiner Gesundheit zu tun?

Lange Zeit war Fasten ein bekanntes Hausmittel. Bei Krankheit wurde nur der sogenannte „Excelsior“ (Gemüsewasser) getrunken. Kranke Kinder fasten ganz von selbst – wenn man sie lässt. Die Aussage „Aber man muss doch etwas essen!“ ist heute tief in uns verankert, kommt aber aus dem medizinischen Materialismus, der erst im 19. Jahrhundert durch die Zellularpathologie von Virchow und Liebig entstand. So musste 1880 der amerikanische Arzt Dr. Tanner in einem Selbstversuch erst medienwirksam wieder beweisen, dass ein 40-tägiges Fasten möglich ist.[1]

Viele noch heute bekannte Ärzte aus dem Altertum wie Hippokrates, Paracelsus oder Hildegard von Bingen verordneten mit Erfolg Fastenkuren als Therapie. Der Mönch und Philosoph Roger Bacon beschrieb im 13. Jahrhundert das methodische Fasten sogar schon als vorbeugende Maßnahme! Anfang des 20. Jahrhunderts begründete der Arzt Otto Buchinger das Heilfasten in Deutschland. Er beschäftige sich nach einer einschneidenden persönlichen Erfahrung — dass nichts, außer eine Fastenkur von 19 Tagen seinen Gelenkrheumatismus zu heilen in der Lage gewesen war — intensiv mit dem therapeutischen Fasten. Er gründete zwei Fastenkliniken, die heute in Bad Pyrmont und am Bodensee in der vierten Generation weitergeführt werden.[2] Dr. Hellmut Lützner, in dessen Familie traditionell gefastet wurde und der lange als Fastenarzt in Dresden, Berlin und in Buchingers Klinik tätig war, entwickelte die Methode des präventiven Fastens für Gesunde. Diese wurde über eine Fernsehsendung und später durch sein Buch „Wie neugeboren durch Fasten“ bekannt, das über 2 Mio. mal verkauft wurde.[3] 

Was im Stoffwechsel während der Fastenzeit passiert, kann gesundheitsfördernde Wirkung haben.

Äpfel mit Herzen
© Dr. Judith Katharina Gutberlet

Unser Körper ist von Natur aus fähig zu fasten. Er kann eine Zeit lang ohne Nahrung von außen auskommen, indem er gespeicherte Nahrungsenergie nutzt. Menschen haben schon immer gefastet, weil es stets Perioden gab, in denen nicht genug Essen zur Verfügung stand. Somit ist unser Körper darauf vorbereitet, auch längere Zeit ohne Nahrungsaufnahme zu leben.

Beim Fasten kommt es in den ersten zwei Tagen zu einer Stoffwechselumstellung. Ab dem dritten Tag nutzt der Körper anstelle von Zucker, der normalerweise als Energieträger herangezogen wird, 95 Prozent Fett und nur 5 Prozent Eiweiß zur Energiegewinnung. Dabei werden wertvolle Strukturen geschont, während Reste von Immunreaktionen, geschädigte körpereigene Proteine, Gefäßablagerungen o. ä. abgebaut werden. So können Heilungsprozesse entstehen – deshalb wurde das Fasten von Erwin Hof (Heildiätetiker und Fastenleiter, 1881-1928) als „Operation ohne Messer bezeichnet. Zur Vorbeugung folgender Erkrankungen kann Heilfasten präventiv hilfreich sein: Übergewicht, erhöhte Blutfett-, Cholesterin- und Harnsäurewerte, Stress, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck und Rauchen. Therapeutisch wird es unter medizinischer Anleitung in spezialisierten Fastenkliniken bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rheuma und dem metabolischen Syndrom, das mit veränderten Blutfettwerten, Bluthochdruck, abdomineller Fettleibigkeit (Übergewicht) und einer entstehenden Insulinresistenz (Zuckerstoffwechselstörung) einhergeht angewandt.[4]

Neben diesen direkt mit Krankheiten assoziierten Effekten kann das Fasten weitere körperliche, geistige und seelische Wirkungen haben:

Mittlerweile ist von der Bäckerhefe bis zu Primaten belegt, dass Fasten eine altersbremsende Wirkung hat.[5] Menschen werden durch das Fasten sensibler und spüren wieder stärker, welche Lebensmittel und Verhaltensweisen ihnen gut tun und was eher schadet. So kann freiwilliges Fasten zu innerem Wachstum führen, stimmungsharmonisierend wirken und das Selbstvertrauen stärken.[6]

Therapeutisches und präventives Fasten

Die Fastenkur nach Dr. Buchinger ist eine niederkalorische Trinkkur mit Gemüsebrühe, Säften, Wasser und Tees. Sie wird zur Behandlung verschiedener Krankheiten, v. a. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Rheuma in Kliniken unter der Aufsicht von Ärzten durchgeführt. Die bearbeitete Methode unterscheidet sich im Wesentlichen durch die Anzahl der Fastentage, die hier beim ersten Fasten auf fünf begrenzt wird. Diese Fastenkur hat Dr. Lützner für Gesunde entwickelt, die selbständig etwas für Körper, Geist und Seele tun wollen. Dafür eignet sich das Frühjahr ganz besonders. 

Wer sollte nicht fasten? – was ist zu beachten?

Schwangere, Stillende und Kinder dürfen nicht fasten, ebenso wie Menschen, die unter Essstörungen leiden oder litten, da es zu einem Rückfall kommen kann. Weiterhin sollten Patienten mit einer instabilen Herz-Kreislaufsituation oder bei Leber- oder Nierenfunktionsstörung nicht fasten und Menschen mit einer früheren Krebserkrankung (frühestens nach einer rückfallfreien Zeit von fünf Jahren) sowie nach zehrenden Erkrankungen. Wenn Sie lange Zeit starke Medikamente nehmen mussten, sollten Sie nur unter ärztlicher Aufsicht fasten.

Da Fasten den Stoffwechsel beeinflusst, muss die Dosierung einiger Medikamente verändert werden. Am besten sprechen Sie vor einer Fastenkur mit Ihrem Arzt darüber und suchen sich eine kompetente Fastenbegleitung. 

Der positive Nebeneffekt? Die Kilos purzeln.

Der Winterspeck ist nach so einer Fastenkur verbraucht.

Mein Körper freut sich im Frühjahr mittlerweile schon auf die Fastenkur, das merke ich richtig. Ich freue mich dann auch und nutze die Zeit zur Selbstfürsorge, mit selbstgepresstem Orangensaft, Ingwerwasser und so viel Zeit in der Natur, wie es mir möglich ist. – Dann starte ich bewusst mit frischer Energie, Elan und inspiriert in mein erneuertes, leichtes, selbstbestimmtes Leben. Heute ist für mich regelmäßiges Fasten nicht mehr aus meinem Leben weg zu denken.

30.03.2026
Dr. rer. physiol. Judith Gutberlet


Dr. rer. physiol. Judith GutberletDr. rer. physiol. Judith Gutberlet

Dr. Judith Gutberlet studierte Humanbiologie in Marburg mit anschließender Promotion im Fach Zellbiologie in Würzburg. Sie ist Heilpraktikerin, Fastenleiterin, Kursleiterin Stressbewältigung/-management und Yogalehrerin und absolvierte Fortbildungen in klassischer Homöopathie und zu bedarfsgerechter pflanzlicher Ernährung. Sie ist in eigener Praxis, als Autorin und Dozentin in Fulda tätig. Seit April 2018 veröffentlicht sie Texte und Rezepte unter modern-bunt-gesund.de. Informationen über geplante Veranstaltungen und die Praxis finden Sie unter wissen-und-heilen.net


Literatur
[1] Otto Buchinger. „Das Heilfasten“, Hippokrates Verlag, 21. Auflage 1987
[2] Otto Buchinger. „Das Heilfasten“, Hippokrates Verlag, 21. Auflage 1987
[3] Hellmut Lützner, „Wie neugeboren durch Fasten“, Gräfe und Unzer, 4. Auflage 2015
[4] Francoise Wilhelmi de Toledo. „Buchinger Heilfasten, Ein Erlebnis für Körper und Geist“, Trias, 2003
[5] Valter Longo et al. Intermittent and periodic fasting, longevity and disease, Nat Aging. 2021 Jan; 1(1): 47–59.
[6] Francoise Wilhelmi de Toledo. „Buchinger Heilfasten, Ein Erlebnis für Körper und Geist“, Trias, 2003

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