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Martin Luther King: Glaube, Gewaltfreiheit und Bürgerrechte

Illustration eines Redners vor einer Menschenmenge unter freiem Himmel

Wie christlicher Glaube den gewaltfreien Widerstand prägte

Martin Luther King verband seinen christlichen Glauben mit dem gewaltfreien Einsatz für Bürgerrechte. Sein Traum von einer gerechten Gesellschaft richtete sich gegen Rassentrennung, Armut und Krieg. In seinen Worten begegnen sich geistige Überzeugung und die Bereitschaft, für andere Menschen Verantwortung zu übernehmen.

„Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.“
Martin Luther King
(1929 – 1968)

Diese berühmte Rede hielt Martin Luther King am 28. August 1963 auf dem Höhepunkt seiner Popularität.

Rund 250.000 Menschen, die in Washington D.C. für Arbeit und Freiheit demonstrierten, lauschten seinen Worten. Wichtige gesetzliche Fortschritte folgten: Der Civil Rights Act von 1964 verbot Rassentrennung in öffentlich zugänglichen Einrichtungen wie Hotels und Restaurants sowie Diskriminierung im Arbeitsleben. Am 10. Dezember 1964 erhielt King in Oslo den Friedensnobelpreis. Der Voting Rights Act von 1965 richtete sich gegen diskriminierende Wahlhindernisse, die Schwarzen Amerikanern die Ausübung ihres bestehenden Wahlrechts verwehrten. Diese Gesetze waren entscheidende Schritte; tatsächliche Gleichberechtigung war damit noch nicht erreicht.

„Ich besitze die Kühnheit, daran zu glauben, dass alle Menschen drei Mahlzeiten täglich für ihren Körper haben können, Bildung und Kultur für ihren Geist, und Würde, Gleichheit und Freiheit für ihre Seele.“

Martin Luther King kam am 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia, zur Welt.

Auch wenn Martin Luther King als eines der wenigen schwarzen Mittelstandskinder aufwuchs, kannte er Rassismus von Kindesbeinen an. Durch das Gesetz der Segregation waren Schwarz und Weiß strikt getrennt. King durfte weder die gleiche Toilette benutzen noch vom gleichen Wasserspender trinken wie die Weißen. Für seine Mutter, die Lehrerin Alberta Christine Williams King, war es unmöglich, in Schulen für Weiße zu unterrichten. Sein Vater, Martin Luther King Senior, als Baptistenprediger unter Schwarzen eine Respektsperson, wurde „Boy“ gerufen.

Christliche Grundsätze und Bürgerrechte spielten nicht nur für den Pfarrer, sondern auch für seinen Sohn Martin eine wichtige Rolle. Der Junge war intelligent. Schule und Studium meisterte er mit Bravour. 1948 schloss er sein Soziologiestudium ab, 1951 das der Theologie. Neben siegreichen Teilnahmen an Redner-Wettbewerben stellte er bereits seit dem 17. Lebensjahr als Hilfsprediger des Vaters sein außergewöhnliches Sprachtalent unter Beweis.

Seine Art zu reden überzeugte nicht zuletzt auch Coretta Scott, ihn zu heiraten, denn ursprünglich wollte sie nicht die Frau eines Pfarrers werden. Gemeinsam zogen sie 1954 nach Montgomery. Dort übernahm Martin Luther King seine erste eigene Gemeinde, die „Dexter Avenue Baptist Church“.

Montgomery war eine typische Stadt in den Südstaaten.

Martin Luther King überwindet gewaltfrei US Rassentrennung
KI unterstützt erstellt

Die Schwarze Bevölkerung Montgomerys war durch Rassentrennung und Diskriminierung erheblich benachteiligt. Am 1. Dezember 1955 weigerte sich Rosa Parks, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen, und wurde verhaftet. Ihr Protest wurde zum Auslöser des „Montgomery Bus Boycott“. King hatte sein Vollzeitpfarramt an der Dexter Avenue Baptist Church bereits im September 1954 begonnen.

Die Schwarzen weigerten sich, aus Protest gegen die Rassentrennung, mit dem Bus zu fahren. Martin Luther King wurde zum Anführer des Boykotts gewählt. Für den erst 26-Jährigen eine gewaltige und, wie sich schnell herausstellte, gefährliche Aufgabe. Weiße Rassisten bedrohten ihn und seine Familie massiv.

„Ich wollte den Kampf aufgeben. Ohne den Kaffee anzurühren, saß ich am Küchentisch und grübelte darüber nach, wie ich von der Bildfläche verschwinden könnte, ohne als Feigling zu erscheinen. In diesem Zustand äußerster Mutlosigkeit legte ich Gott meine Not hin… In diesem Augenblick erlebte ich die Gegenwart Gottes wie nie zuvor. Mir war, als hörte ich eine innere Stimme, die mir Mut zusprach: ‘Stehe auf für die Gerechtigkeit! Stehe auf für die Wahrheit! Und Gott wird immer an deiner Seite sein!’ Ich war bereit, allem ins Auge zu sehen.“

So erinnerte sich Martin Luther King später an die Zeit.

Sein gewaltfreier Weg war ein Lernprozess unter ständiger Bedrohung. 1956 nahm King noch einen Leibwächter an, wie die Darstellung über seinen Berater Glenn Smiley dokumentiert. Die Entscheidung für Gewaltfreiheit nahm dem Kampf seine Gefährlichkeit nicht.

Der Busboykott dauerte rund 13 Monate

Der Busboykott von Montgomery begann am 5. Dezember 1955 und endete am 20. Dezember 1956. Große Teile der Schwarzen Bevölkerung trugen ihn mit. Der Oberste Gerichtshof bestätigte die Entscheidung, dass die vorgeschriebene Rassentrennung in den Bussen verfassungswidrig war. Erst danach, 1957, entstand die Southern Christian Leadership Conference (SCLC) unter Kings Führung. Er entwickelte sich zum charismatischen Anführer der Bürgerrechtsbewegung.

Beständig reiste er durchs Land, um Protestaktionen zu organisieren oder an ihnen teilzunehmen. King glaubte zutiefst an Gerechtigkeit und an die Macht der Moral. So wurden direkte gewaltfreie Aktionen wie Märsche, Sitzblockaden und Gebetskreise seine Waffen im Kampf gegen Rassismus.

„Ich bin der Gewalt müde, die ich zu oft gesehen habe. Ich habe diesen Hass auf den Gesichtern zu vieler Sheriffs im Süden gesehen… Ich werde mich nicht auf ihre Ebene herab begeben. Wir haben eine Kraft, die man nicht in Molotowcocktails finden kann.“

Bereits während des Studiums setzte sich Martin Luther King mit Mahatma Gandhi auseinander. Für die praktische Anwendung gewaltfreier Methoden wurden erfahrene Berater wichtig. Zu ihnen gehörte Bayard Rustin, der 1948 sieben Wochen in Indien verbracht hatte, um Gandhis Philosophie der Gewaltfreiheit zu studieren.

King sah, dass die neuen Gesetze allein die sozialen und wirtschaftlichen Benachteiligungen der Schwarzen Bevölkerung nicht beseitigten. Die meisten Schwarzen waren deutlich ärmer als die Weißen. Gelder für Förderprogramme wurden durch den Vietnamkrieg verschlungen. King erkannte, dass Rassismus, Armut und Krieg untrennbar miteinander verbunden waren und dass Ungerechtigkeit kein nationales, sondern ein internationales Problem war.

Er entschloss sich, für alle Unterdrückten, egal welcher Hautfarbe, zu kämpfen:

„Jahrelang mühte ich mich ab mit dem Gedanken, die bestehenden Institutionen der Gesellschaft zu reformieren… Jetzt bin ich ganz anderer Meinung, ich denke, eine Revolution der Werte ist notwendig… Ein Gebäude, das Bettler hervorbringt, muss neu gebaut werden…Man beginnt die Frage zu stellen: Wer besitzt das Öl?… Wer besitzt das Eisenerz?“

Sein Protest gegen den Vietnamkrieg und die Kampagne gegen die Armut sorgten auch in den eigenen Reihen für Kritik. Ehemalige Mitstreiter befürchteten, dass Spendengelder ausbleiben würden. In Amerika formierte sich eine gewaltbereite schwarze Bewegung, die den Bürgerrechtler und seine Methoden verhöhnte.

Am 4. April 1968 hielt sich Martin Luther King in Memphis, Tennessee, auf, um an der Seite schwarzer Müllarbeiter für besseren Lohn zu kämpfen. Auf dem Balkon des Lorraine Motels traf ihn ein einzelner Schuss. Im St. Joseph’s Hospital wurde um 19.05 Uhr sein Tod festgestellt. Er war 39 Jahre alt. Den Ablauf dokumentiert das Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute der Stanford University.

Banner Martin Luther King

„Wir haben ein staatliches Haus geerbt, ein großes ‚Welthaus’, in dem wir zusammen leben müssen – Schwarze und Weiße, Menschen aus dem Osten und aus dem Westen, Heiden und Juden, Katholiken und Protestanten, Moslems und Hindus. Eine Familie, die in ihren Ideen, ihrer Kultur und ihren Interessen übermäßig verschieden ist und die – weil wir nie mehr ohne einander leben können – irgendwie lernen muss, in dieser großen Welt miteinander zu leben.“

Für Martin Luther King war im Frühjahr 1968 ein Retreat im Kloster Gethsemani in Kentucky bei dem Trappistenmönch Thomas Merton (1915–1968) geplant. Eine persönliche Begegnung kam nicht zustande. Das dokumentiert die anhand damaliger Korrespondenz rekonstruierte Darstellung im Merton Annual. Acht Monate nach King starb auch Merton: am 10. Dezember 1968 bei einer Mönchskonferenz nahe Bangkok durch einen Unfall.

Die 2024 bei DVA auf Deutsch erschienene Biografie „Martin Luther King. Ein Leben“ von Jonathan Eig ist faszinierend.

biografie martin luther king

Ein großartiges Zeitdokument. Auch Jahrzehnte nach Martin Luther Kings Tod sollten auch wir in dieser krisenhaften Zeit nicht aufhören zu sagen:

„I have a dream“ – „Ich habe einen Traum”

17.10.2024
Roland R. Ropers
Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher, Buchautor und Publizist

https://kardiosophie.network


Über den Autor Roland R. Ropers

Ehrfurcht vor dem Leben Roland Ropers

Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist, autorisierter Kontemplationslehrer, weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit.
Es ist ein uraltes Geheimnis, dass die stille Einkehr in der Natur zum tiefgreifenden Heil-Sein führt.

>>> zum Autorenprofil

Alle Beiträge des Autors auf Spirit Online

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von Roland R. Ropers und
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