Glyphosat und Artensterben: Glyphosat ist mehr als ein Herbizid – es ist ein Symptom
Dieser Beitrag ordnet Glyphosat nicht als isoliertes Pflanzenschutzmittel ein, sondern als Symbol eines Agrarsystems, das biologische Vielfalt, Bodenleben und ökologische Resilienz gefährdet. Er verbindet wissenschaftliche Einordnung, Krebsdebatte, Biodiversitätsverlust, industrielle Landwirtschaft und eine spirituell-ethische Perspektive auf unsere Verantwortung gegenüber der Natur.
Glyphosat ist in der EU bis 2033 zugelassen, bleibt aber umstritten. Während Behörden wie EFSA und ECHA keine EU-Einstufung als krebserregend sehen, stufte die IARC Glyphosat 2015 als wahrscheinlich krebserregend ein. Besonders schwer wiegt die ökologische Kritik: Glyphosat reduziert Wildpflanzen und schwächt damit Lebensräume für Insekten, Vögel und Agrarökosysteme.
Kurz erklärt: Glyphosat ist ein Breitbandherbizid, das unerwünschte Pflanzen auf Ackerflächen beseitigt. Die Krebsfrage wird international unterschiedlich bewertet. Ökologisch besonders relevant ist jedoch, dass Glyphosat Wildpflanzen reduziert und damit Lebensräume und Nahrung für Insekten, Feldvögel und andere Arten schwächt. Darum ist Glyphosat nicht nur ein Stoff, sondern ein Symbol für ein Agrarsystem, das Vielfalt oft als Störung behandelt.
Redaktionelle Einordnung: Dieser Beitrag ist ein gesellschafts- und umweltethischer Kommentar von Uwe Taschow. Er ersetzt keine toxikologische, agrarwissenschaftliche oder medizinische Fachbewertung. Die Krebsfrage wird nicht als abschließend bewiesen dargestellt, sondern als Teil einer kontroversen Debatte eingeordnet. Der Schwerpunkt liegt auf der Frage, welches Agrarsystem wir fördern – und welche Verantwortung wir gegenüber Boden, Artenvielfalt und Leben tragen.
Die eigentliche Glyphosat-Frage ist größer als Krebs
Glyphosat ist seit Jahren ein Reizwort. Für die einen ist es ein effizientes Werkzeug moderner Landwirtschaft. Für die anderen ist es ein Symbol für chemische Kontrolle, Artensterben und eine Agrarindustrie, die den lebendigen Acker zur Produktionsfläche reduziert. Genau darin liegt der Kern der Debatte: Glyphosat ist nicht nur ein Wirkstoff. Glyphosat ist ein Zeichen.
Die öffentliche Diskussion verengt sich häufig auf eine Frage: Ist Glyphosat krebserregend oder nicht? Diese Frage ist wichtig. Sie darf nicht klein geredet werden. Doch sie reicht nicht aus. Selbst wenn Behörden unter bestimmten Annahmen zu dem Ergebnis kommen, dass ein Einsatz innerhalb regulatorischer Grenzen zulässig ist, bleibt die größere Frage bestehen: Welche Art von Landwirtschaft entsteht, wenn Wildpflanzen, Insekten, Bodenleben und ökologische Vielfalt systematisch als Störfaktoren behandelt werden?
Die eigentliche Glyphosat-Lüge besteht deshalb nicht nur in möglichen Verharmlosungen gesundheitlicher Risiken. Sie besteht tiefer: in der Behauptung, man könne ein lebendiges Ökosystem dauerhaft chemisch vereinfachen, ohne dass das Ganze Schaden nimmt.
Genau hier beginnt die spirituelle Dimension dieses Themas. Wer Natur nur als Fläche betrachtet, verliert das Gefühl für Leben. Wer Boden nur als Produktionsmedium versteht, vergisst, dass Erde ein lebendiges Geflecht aus Organismen, Rhythmen, Beziehungen und Intelligenz ist.
Diese Perspektive gehört in den größeren Zusammenhang von Naturspiritualität und Ökologie: Die ökologische Krise ist nicht nur eine technische Krise, sondern auch eine Krise der Beziehung zwischen Mensch und Erde.
Glyphosat und Krebs: eine Debatte mit unterschiedlichen Bewertungen
Wer über Glyphosat schreibt, muss die Krebsdebatte sauber darstellen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung IARC stufte Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ ein. Diese Einstufung war ein Wendepunkt in der öffentlichen Debatte und hat weltweit Kritik, Klagen und politische Auseinandersetzungen ausgelöst.
Gleichzeitig kamen europäische Bewertungsbehörden wie EFSA und ECHA im Rahmen ihrer regulatorischen Bewertung zu anderen Ergebnissen. Die EFSA erklärte 2023, bei ihrer Risikobewertung seien keine kritischen Problembereiche identifiziert worden, wies aber auch auf Datenlücken und offene Fragen hin. Die EU-Kommission verlängerte die Genehmigung für Glyphosat bis zum 15. Dezember 2033, verbunden mit Bedingungen und Einschränkungen.
Diese unterschiedlichen Bewertungen sollten nicht platt gegeneinander ausgespielt werden. Sie zeigen vielmehr, wie unterschiedlich wissenschaftliche Bewertungsansätze sein können: Die IARC bewertet das Gefahrenpotenzial eines Stoffes, regulatorische Behörden bewerten Risiken unter angenommenen Anwendungsbedingungen. Für Bürgerinnen und Bürger wirkt das widersprüchlich. Für Lobbygruppen ist es bequem. Für eine verantwortliche Gesellschaft ist es ein Warnsignal.
Uwes Position ist hier klar: Wenn bei einem so breit eingesetzten Stoff erhebliche wissenschaftliche und gesellschaftliche Zweifel bestehen, sollte nicht die Industrie den Vertrauensvorschuss bekommen, sondern das Vorsorgeprinzip.
Warum die Biodiversitätsfrage noch schwerer wiegt
Die Krebsfrage ist umstritten. Die ökologische Frage ist noch grundsätzlicher. Glyphosat ist ein Breitbandherbizid. Es tötet Pflanzen, die auf Ackerflächen als unerwünscht gelten. Genau darin liegt sein Zweck – und genau darin liegt das ökologische Problem.
Wildpflanzen auf und an Ackerflächen sind nicht einfach „Unkraut“. Sie sind Nahrung, Schutzraum, Brutplatz, Struktur und Verbindung. Wenn sie verschwinden, verschwinden nicht nur einzelne Pflanzen. Es verschwinden Insekten. Wenn Insekten verschwinden, verlieren Vögel und andere Tiere Nahrung. Wenn Lebensräume ausgeräumt werden, wird das gesamte Agrarökosystem ärmer.
Artensterben entsteht selten durch einen einzigen Faktor. Es entsteht durch ein Bündel aus Flächenverbrauch, Pestiziden, Monokulturen, Überdüngung, Klimastress, Lichtverschmutzung und Verlust von Lebensräumen. Glyphosat ist Teil dieses Bündels. Es steht für eine Logik, die Vielfalt nicht als Voraussetzung von Fruchtbarkeit erkennt, sondern als Störung im Produktionsprozess behandelt.
Das ist der entscheidende Punkt: Ein Acker ist kein totes Medium. Ein Acker ist Beziehung. Boden, Pilze, Mikroorganismen, Pflanzen, Insekten, Vögel, Wasser, Klima und menschliche Arbeit bilden ein lebendiges Feld. Wenn wir dieses Feld chemisch verarmen lassen, verlieren wir mehr als Beikräuter. Wir verlieren ökologische Resilienz.
Spirituelle Ökologie: Warum Glyphosat eine Bewusstseinsfrage ist

Glyphosat ist deshalb mehr als ein agrarischer Wirkstoff. Es steht für eine Haltung, die das Wilde, Kleine und Unberechenbare aus dem System entfernen will. Doch genau dort beginnt das Leben: in Vielfalt, Wechselwirkung, Überschuss und Beziehung.
Spirituelle Ökologie ist keine romantische Flucht aus der Wirklichkeit. Sie ist eine radikale Erinnerung daran, dass Leben nicht linear funktioniert. Ein gesunder Boden ist kein chemisch bereinigtes Substrat. Ein lebendiger Acker ist kein Ort totaler Kontrolle. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft ist kein Kampf gegen Natur, sondern Zusammenarbeit mit ihr.
In diesem Sinn ist Glyphosat ein Spiegel unseres Bewusstseins. Es zeigt, ob wir Natur als Problem behandeln, das beseitigt werden muss – oder als lebendige Intelligenz, mit der wir lernen müssen, wieder in Beziehung zu treten.
Eine verwandte Perspektive eröffnet der Beitrag Wüstenplanet Erde? Spirituelle Sicht auf Desertifikation. Auch dort geht es um die Frage, wie sehr die äußere Verödung unserer Landschaften mit einer inneren Verödung unseres Naturbewusstseins zusammenhängt.
Bodenleben: die übersehene Grundlage unserer Nahrung
Boden ist nicht Dreck. Boden ist Leben. Ein gesunder Boden enthält Bakterien, Pilze, Würmer, Kleinstlebewesen, Humus, Luft, Wasser und organische Substanz. Er speichert Kohlenstoff, reguliert Wasser, ernährt Pflanzen und schützt vor Erosion. Wer Boden zerstört, zerstört die Grundlage der Ernährung.
Eine Landwirtschaft, die zu stark auf chemische Eingriffe, schwere Maschinen, Monokulturen und kurzfristige Ertragslogik setzt, schwächt langfristig genau jene Lebensprozesse, von denen sie abhängig ist. Glyphosat ist in diesem Zusammenhang nicht allein der Täter, sondern ein Symptom: Es steht für das Bedürfnis, Komplexität zu kontrollieren, statt mit ihr zu arbeiten.
Spirituell betrachtet ist das ein tiefes Missverständnis. Die Erde ist kein Objekt. Sie ist ein lebendiges Gegenüber. Sie nährt uns, bevor wir sie verstehen. Sie trägt uns, bevor wir sie berechnen. Sie gibt uns Nahrung, obwohl wir oft vergessen, ihr etwas zurückzugeben.
Der Beitrag 95 Thesen zur Reformation unserer Ernährung vertieft diese Perspektive auf Nahrung, Boden, Wasser, Pflanzen, Tiere und Verantwortung.
Industrielle Landwirtschaft: Effizienz ohne Ehrfurcht
Glyphosat ist nicht zufällig so erfolgreich geworden. Es passt perfekt in eine Landwirtschaft, die auf Effizienz, Standardisierung, große Flächen, geringe Vielfalt und planbare Abläufe ausgerichtet ist. Diese Landwirtschaft will kontrollieren: Pflanzen, Böden, Wasser, Schädlinge, Ertrag, Marktpreise.
Kontrolle ist nicht grundsätzlich falsch. Landwirtschaft braucht Wissen, Technik und Planung. Aber wenn Kontrolle zur Leitidee wird, verdrängt sie Beziehung. Dann wird der Boden Substrat, die Pflanze Ware, das Tier Produktionseinheit, der Mensch Konsument und der Landwirt zum Verwalter eines Systems, das ihn selbst unter Druck setzt.
Eine solche Landwirtschaft wirkt äußerlich rational. Innerlich ist sie oft entseelt. Sie trennt das Lebendige in Funktionen. Sie fragt: Was bringt Ertrag? Was stört? Was muss weg? Genau daraus entsteht eine Kultur, in der Glyphosat nicht als Ausnahme erscheint, sondern als logische Konsequenz.
Spirituelle Ökologie stellt eine andere Frage: Was dient dem Leben? Was erhält Fruchtbarkeit? Was stärkt Beziehung? Was lässt Vielfalt wachsen? Was schützt die Schwachen im System – die Insekten, die Bodenorganismen, die Wildpflanzen, die kleinen Betriebe, die kommenden Generationen?
Die Sprache verrät das Denken: Unkraut, Schädling, Nutzfläche
Unsere Sprache ist nie neutral. Wir sprechen von Unkraut, Schädlingen, Nutzfläche, Pflanzenschutz, Ertragsoptimierung und chemischer Kontrolle. Diese Wörter formen Bewusstsein. Sie entscheiden, was als wertvoll gilt und was als störend.
Ein Wildkraut kann Nahrung für Insekten sein. Ein Ackerrand kann Lebensraum sein. Eine Brache kann Regeneration bedeuten. Ein Bodenorganismus kann unsichtbar und dennoch unverzichtbar sein. Doch in einem rein ökonomischen Blick erscheint nur das als wertvoll, was direkt Ertrag bringt.
Hier liegt die spirituelle Krankheit des Systems: Wir haben verlernt, das Nutzlose als heilig zu achten. Wir erkennen nicht mehr, dass Leben immer Überschuss, Vielfalt, Wildheit und Unverfügbarkeit braucht. Eine Landschaft, die nur noch effizient ist, wird arm. Und eine Gesellschaft, die nur noch effizient denkt, verliert ihre Seele.
Zur gesellschaftlichen Wertefrage passt der Beitrag Spiritualität und Politik – Neue Werte für Gesellschaft. Denn Landwirtschaft ist nie nur Technik. Sie ist Ausdruck unserer Werteordnung.
Die Lobbyfrage: Wer definiert, was als sicher gilt?
Die Debatte um Glyphosat ist auch eine Machtfrage. Hersteller, Agrarkonzerne, Behörden, Landwirtschaftsverbände, Umweltorganisationen, Wissenschaftler und Verbraucher kämpfen nicht nur um Fakten, sondern auch um Deutungshoheit.
Die Industrie argumentiert mit Zulassungen, Grenzwerten und sachgemäßer Anwendung. Kritiker verweisen auf Langzeitwirkungen, Mischbelastungen, Interessenkonflikte, Biodiversitätsverlust und das Vorsorgeprinzip. Beide Seiten sprechen von Wissenschaft. Doch Wissenschaft steht nie im luftleeren Raum. Sie wird finanziert, bewertet, interpretiert und politisch übersetzt.
Deshalb braucht eine demokratische Gesellschaft mehr als Zulassungsverfahren. Sie braucht Transparenz. Sie braucht unabhängige Forschung. Sie braucht kritischen Journalismus. Und sie braucht den Mut, nicht jede technologische Lösung schon deshalb für gut zu halten, weil sie ökonomisch funktioniert.
Uwes Haltung ist hier eindeutig: Wenn ein Stoff Milliardenmärkte bewegt, darf die Öffentlichkeit nicht naiv sein. Wo wirtschaftliche Interessen groß sind, muss demokratische Kontrolle größer sein.
Warum das Vorsorgeprinzip spirituell ist
Das Vorsorgeprinzip ist nicht nur ein politisches Instrument. Es ist auch eine spirituelle Haltung. Es sagt: Wenn wir nicht sicher wissen, welche Folgen unser Handeln hat, handeln wir nicht rücksichtslos. Wir achten das Leben, auch wenn es sich nicht vollständig berechnen lässt.
Spirituell betrachtet ist Vorsorge Ausdruck von Demut. Sie anerkennt, dass der Mensch nicht alles überblickt. Er versteht nicht jedes Bodenmikrobiom, nicht jede Nahrungskette, nicht jede Langzeitwirkung, nicht jede Wechselwirkung zwischen Stoffen, Organismen und Ökosystemen.
Genau deshalb ist Demut ökologisch notwendig. Eine Kultur, die glaubt, sie könne jedes Risiko technisch managen, verliert den Respekt vor der Komplexität des Lebens. Glyphosat erinnert uns daran, wie gefährlich diese Haltung ist.
Der Beitrag Verantwortung vor dem eigenen Herzen passt hier als ethische Vertiefung: Verantwortung beginnt dort, wo wir nicht nur fragen, was erlaubt ist, sondern was wir vor unserem Gewissen vertreten können.
Alternativen: Landwirtschaft als Beziehungsarbeit
Die Frage lautet nicht: Glyphosat oder Chaos. Diese Alternative ist zu schlicht. Es gibt mechanische Verfahren, Fruchtfolgen, Mischkulturen, Untersaaten, Mulchsysteme, ökologische Landwirtschaft, integrierten Pflanzenschutz, Agroforst, regenerative Landwirtschaft und neue technische Verfahren. Keine Methode ist perfekt. Aber sie zeigen: Landwirtschaft muss nicht auf chemische Vereinfachung reduziert werden.
Der ökologische Landbau verzichtet auf chemisch-synthetische Herbizide wie Glyphosat. Der integrierte Pflanzenschutz versucht, chemische Mittel nur dann einzusetzen, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen. Regenerative Ansätze gehen noch weiter: Sie fragen, wie Bodenfruchtbarkeit, Humusaufbau, Wasserhaltefähigkeit und Biodiversität aktiv gestärkt werden können.
Die Zukunft der Landwirtschaft liegt nicht in einem einzigen Ersatzmittel. Sie liegt in einem anderen Denken. Nicht: Wie vernichten wir alles, was stört? Sondern: Wie gestalten wir Systeme, die stabiler, vielfältiger und widerstandsfähiger werden?
Genau hier wird Landwirtschaft zur spirituellen Praxis. Nicht im romantischen Sinn, sondern ganz konkret: säen, pflegen, schützen, warten, beobachten, lernen, danken. Wer mit Erde arbeitet, arbeitet mit Leben.
Glyphosat als Spiegel unseres Bewusstseins
Glyphosat zeigt uns, wie wir über Welt denken. Glauben wir, Natur sei ein Gegner, den wir kontrollieren müssen? Oder erkennen wir sie als lebendiges Gefüge, in dem auch das Kleine, Wilde und Unbequeme seinen Platz hat?
Diese Frage reicht weit über Landwirtschaft hinaus. Sie betrifft unser Menschenbild, unsere Wirtschaft, unsere Ernährung, unsere Spiritualität. Eine Gesellschaft, die alles Störende beseitigen will, verliert irgendwann die Fähigkeit, mit Vielfalt zu leben. Das gilt auf dem Acker genauso wie in der Politik, in der Kultur und in der Seele.
Vielleicht ist das die tiefere Botschaft dieser Debatte: Wir müssen lernen, wieder mit dem Leben zu kooperieren. Nicht alles, was wild wächst, ist falsch. Nicht alles, was kontrollierbar ist, ist gut. Nicht alles, was zugelassen ist, ist weise.
Der übergeordnete gesellschaftliche Rahmen findet sich auf der Themenseite Spiritualität und Gesellschaft. Denn Glyphosat ist nicht nur ein Umweltthema, sondern auch eine Frage gesellschaftlicher Haltung.
Was Verbraucherinnen und Verbraucher tun können
Niemand verändert ein Agrarsystem allein. Aber niemand ist wirkungslos. Verbraucherinnen und Verbraucher können durch ihre Entscheidungen Signale setzen: beim Einkauf, beim Umgang mit Lebensmitteln, bei politischer Beteiligung, bei Unterstützung ökologischer Landwirtschaft und bei der Frage, welche Werte sie mit ihrem Geld stärken.
Bewusste Ernährung ist kein moralischer Perfektionismus. Sie ist Beziehung. Wer fragt, woher Nahrung kommt, wie sie erzeugt wurde und welchen Preis andere dafür zahlen, beginnt anders zu konsumieren.
Der Beitrag Nachhaltig reisen ist mehr als der CO2-Fußabdruck zeigt diesen Gedanken in einem anderen Lebensbereich: Verantwortung beginnt dort, wo wir Folgen mitdenken – nicht erst dort, wo sie bequem sind.
Fazit: Die Erde braucht keine chemische Kontrolle, sondern neue Ehrfurcht
Glyphosat ist nicht das ganze Problem. Aber Glyphosat macht das Problem sichtbar. Es steht für ein Agrarsystem, das biologische Vielfalt, Bodenleben und ökologische Resilienz gefährdet, weil es das Lebendige zu oft als Störung behandelt.
Die Krebsdebatte bleibt wichtig. Sie muss sauber, kritisch und unabhängig geführt werden. Aber der tiefere Punkt reicht weiter: Selbst wenn ein Stoff regulatorisch zugelassen ist, bleibt die ethische Frage, ob ein System zukunftsfähig ist, das Vielfalt vernichtet, um Produktion zu vereinfachen.
Spirituell betrachtet ist die Erde kein Rohstofflager. Sie ist ein lebendiges Gegenüber. Sie ist Boden unter unseren Füßen, Nahrung auf unserem Tisch, Atem in unseren Lungen, Wasser in unseren Zellen. Wer sie vergiftet, vergiftet nicht nur Landschaften. Er beschädigt die Beziehung, aus der Leben entsteht.
Die Zukunft der Landwirtschaft braucht mehr als neue Mittel. Sie braucht neues Bewusstsein. Mehr Demut. Mehr Vielfalt. Mehr regionale Resilienz. Mehr Schutz für Böden, Insekten und Wildpflanzen. Und eine Politik, die nicht fragt, wie lange ein problematisches System noch zulässig ist, sondern wie schnell wir den Weg in eine lebensdienliche Landwirtschaft schaffen.
Glyphosat zwingt uns zu einer Entscheidung: Wollen wir weiter kontrollieren – oder wieder lernen, mit dem Leben zusammenzuarbeiten?
Mini-FAQ zu Glyphosat, Artensterben und Landwirtschaft
Ist Glyphosat in der EU verboten?
Nein. Glyphosat ist in der Europäischen Union derzeit bis zum 15. Dezember 2033 als Wirkstoff genehmigt. Pflanzenschutzmittel mit Glyphosat müssen jedoch auf nationaler Ebene zugelassen werden und unterliegen Bedingungen und Einschränkungen.
Ist Glyphosat krebserregend?
Die Bewertung ist umstritten. Die IARC stufte Glyphosat 2015 als wahrscheinlich krebserregend ein. Europäische Behörden wie EFSA und ECHA kamen in ihrer regulatorischen Bewertung zu anderen Ergebnissen. Genau diese unterschiedlichen Bewertungsansätze sind Teil der Debatte.
Warum ist Glyphosat für die Artenvielfalt problematisch?
Glyphosat beseitigt Wildpflanzen auf Ackerflächen. Dadurch verlieren Insekten, Vögel und andere Tiere wichtige Nahrungs- und Lebensgrundlagen. Das Problem liegt nicht nur in direkter Giftwirkung, sondern im Verlust ökologischer Strukturen.
Ist Glyphosat das Hauptproblem der Landwirtschaft?
Glyphosat ist nicht das einzige Problem. Es ist Teil eines größeren Systems aus Monokulturen, Pestizideinsatz, Flächendruck, Bodenbelastung und ökonomischer Ertragslogik. Genau deshalb sollte Glyphosat als Symptom eines Agrarsystems verstanden werden.
Welche Alternativen gibt es?
Alternativen reichen von Fruchtfolgen, mechanischer Unkrautregulierung, Untersaaten und Mischkulturen bis zu ökologischem Landbau, integriertem Pflanzenschutz, Agroforst und regenerativer Landwirtschaft. Entscheidend ist ein Systemwechsel hin zu mehr Vielfalt und Bodenfruchtbarkeit.
Was ist der spirituelle Kontext?
Spirituell betrachtet zeigt die Glyphosat-Debatte, wie der Mensch zur Natur steht. Behandeln wir Erde als bloßes Produktionsmittel – oder erkennen wir sie als lebendiges Gegenüber, das Respekt, Demut und Verantwortung verdient?
Weiterführende Beiträge auf Spirit Online
Diese Beiträge vertiefen Umweltbewusstsein, neue Werte, ökologische Verantwortung und spirituelle Perspektiven auf Natur und Gesellschaft:
- Naturspiritualität und Ökologie
- Wüstenplanet Erde? Spirituelle Sicht auf Desertifikation
- 95 Thesen zur Reformation unserer Ernährung
- Spiritualität und Politik – Neue Werte für Gesellschaft
- Verantwortung vor dem eigenen Herzen
- Spiritualität und Gesellschaft
- Irrtümer des Denkens: Wege zu neuen Weltbildern
Quellen und redaktionelle Einordnung
- Europäische Kommission: Status von Glyphosat in der EU
- EFSA: Glyphosate – no critical areas of concern; data gaps identified
- EFSA: Glyphosate topic page
- IARC: Glyphosate classification, 2015
- Umweltbundesamt: Glyphosat und biologische Vielfalt
- Umweltbundesamt: Kein „Weiter so“ bei Glyphosat
- Umweltbundesamt: Pflanzenschutzmittel schaden der Biodiversität
Über den Autor
Uwe Taschow ist Mitherausgeber, spiritueller Redakteur und Journalist bei Spirit Online. Seine Beiträge verbinden gesellschaftliche Analyse, spirituelle Verantwortung und kritische Einordnung. Er schreibt über Bewusstsein, Werte, Demokratie, Umwelt und die Frage, wie Spiritualität im öffentlichen Raum zu Klarheit, Verantwortung und Orientierung beitragen kann.
Artikel aktualisiert
21.04.2026
Uwe Taschow
Alle Beiträge des Autors auf Spirit OnlineÜber den Autor
Uwe Taschow ist Journalist, Autor und kritischer Beobachter gesellschaftlicher Entwicklungen. Als Mitherausgeber des Online-Magazins für Bewusstsein, Spiritualität und gesellschaftliche Verantwortung Spirit Online steht er für einen Journalismus mit Haltung – jenseits von Phrasen, Komfortzonen und spirituellen Wohlfühlblasen.
Sein Anliegen ist es, nicht nur zu berichten, sondern zum Denken anzuregen. Seine Texte verbinden spirituelle Tiefe mit analytischer Klarheit und gesellschaftlicher Einordnung. Dabei geht es ihm nicht um einfache Antworten, sondern um Orientierung in komplexen Zeiten.
Uwe Taschow versteht Schreiben als bewussten Akt der Klärung und Veränderung. Seine Essays und Kommentare greifen Themen auf, die oft ausgeblendet werden, hinterfragen scheinbare Gewissheiten und öffnen Räume für neue Perspektiven.
Er ist überzeugt: Worte können Bewusstsein verändern – und damit auch Wirklichkeit. Oder, wie er es selbst formuliert:
„Unser Leben ist das Produkt unserer Gedanken.“
👉 Autor: Uwe Taschow – Profil ansehen

