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Walter Russell: Jesus und kosmisches Bewusstsein

Goldenes Licht durchflutet einen stillen Gewölberaum mit steinernen Rundbögen

Walter Russells Blick auf Mystik und Gottesnähe

Walter Russell verstand unter kosmischem Bewusstsein die unmittelbare Erfahrung der Einheit mit Gott. In Jesus sah er das überragende Beispiel dieser Gottesnähe. Sein Werk verbindet Kunst, religiöse Erfahrung und eine eigene Vorstellung vom Universum. Die folgenden Gedanken erschließen diese mystische Sicht; sie sind keine naturwissenschaftliche Erklärung des Bewusstseins.

„Jesus war das überragende Beispiel für alle Mystiker aller Zeiten“. 
Walter Russell (1871 – 1963)

Russells Vorstellung vom Schöpfer bildet den Ausgangspunkt seiner Lehre:

 „Gott der Schöpfer ist alles, was IST; alles, was EXISTIERT. Gottes schöpferisches Universum aus Materie in Bewegung scheint zu existieren. Für unsere Sinne verschwindet es immer wieder, um stets wieder neu zu erscheinen. Gott der Schöpfer ist das Eine Wesen, die Eine Person, der Eine Geist, der Eine Denker, das Eine Selbst, das Eine Leben, die Eine Seele, die Eine Kraft, die Eine Wirklichkeit…“

Walter Russell: Künstler, Philosoph und Mystiker

Der US-amerikanische Maler, Bildhauer, architektonische Gestalter, Philosoph und Mystiker Walter Russell wurde 1871 in Boston geboren und starb am 19. Mai 1963, seinem 92. Geburtstag, in Waynesboro, Virginia. Schon als Kind musste er die Schule verlassen und Geld verdienen. Später besuchte er eine Kunstschule und arbeitete als Illustrator und Porträtmaler. Das Ungewöhnliche an Walter Russell ist die Vielseitigkeit seines umfangreichen Schaffens.

Er war an Bauprojekten in New York beteiligt, schuf unter anderem eine Skulptur von Franklin Delano Roosevelt und hielt über Jahre Vorträge für Mitarbeiter von IBM. Die Chronik der von Walter und Lao Russell gegründeten Stiftung dokumentiert diese Stationen. Als Bild für seine Vielseitigkeit wurde er mit Leonardo da Vinci verglichen. Genial, wie Walter Russell seine Erfahrung einer kosmischen Ordnung in Worte und künstlerische Formen kleiden konnte.

Entscheidend prägte ihn ein Erlebnis von 1921, das er als Erleuchtung beschrieb. Im Anschluss entwickelte er eine eigene Kosmogonie, eine Lehre vom Aufbau des Universums. Seine Deutungen von Materie, Licht und chemischen Elementen gehören zu diesem Weltbild. Sie sind von experimentell bestätigten Erkenntnissen der Physik und Chemie zu unterscheiden.

Das unsterbliche Selbst in Russells Weltbild

Russell sah hinter dem Wandel der sichtbaren Formen ein bleibendes Selbst. Diese Überzeugung kommt in den folgenden Worten zum Ausdruck:

Walter Russell: Buchcover von The Universal One„Alles in der Natur ist sinnvoll, und nichts in der Natur erfüllt seinen Sinn in einem einzigen Lebenszyklus. Die größten Schwierigkeiten des Menschen zu verstehen, was nach dem Verschwinden im Tod passiert, gehen auf den Mangel an Verständnis für seine unwiderrufliche Unsterblichkeit zurück. Sein sichtbarer Körper wäre sinnlos, wenn er nicht erfüllt wäre von seinem unsichtbaren, unsterblichen Selbst, seiner Seele oder Person. Sein Selbst wandelt sich niemals, es erscheint und verschwindet nicht, aber seine Individualität ändert sich ständig. In dem Maße, wie jeder Mensch allmählich das Licht seines Selbst in sich kennenlernt, ändert sich seine Individualität durch die ständige Erhebung hin zu größerer Bewusstheit seines innewohnenden Allwissens. Wenn die Menschheit sich ihrer Göttlichkeit ganz bewusst geworden ist, findet das Spiel des Menschen auf diesem Planeten ein Ende, sein Zweck ist erfüllt, und der individuelle Mensch wird aufhören zu sein. Der Mensch verliert seinen Lebensausdruck in der Materie, um ewiges Leben im Licht zu finden. Den Tod gibt es nicht.“

Die Aussage, dass es den Tod nicht gebe, bezeichnet hier eine mystische Überzeugung über das Selbst. Das körperliche Sterben wird dadurch nicht aufgehoben. Eine verwandte, eigenständige Perspektive auf Geist und Vergänglichkeit entwickelt der Beitrag Unsterblicher Geist – Der Heimweg zur inneren Ur-Quelle.

Jesus als Mystiker und die Erfahrung kosmischen Bewusstseins

1950 stellte Walter Russell zusammen mit seiner zweiten Frau Lao den „Fernstudienkurs Kosmisches Bewusstsein“ zusammen, der die Möglichkeit bieten sollte, die universalen Gesetzmäßigkeiten so zu begreifen, dass sie im eigenen Leben und Handeln anwendbar werden.

Wie Walter Russell den Mystiker und die besondere Stellung Jesu verstand, zeigt der folgende Auszug:

„Der Mystiker hat durch eine vollständige Trennung von Bewusstsein und Wahrnehmung kosmisches Bewusstsein erlangt. Er ist sich dann seines Körpers fast gar nicht mehr bewusst, seine Aufmerksamkeit ist vollständig auf das Licht Gottes in seinem Innersten gerichtet. Allwissenheit erfüllt ihn in jenem zeitlosen blendenden Lichtblitz, der für eine vollständige Loslösung charakteristisch ist. Dieses Erlebnis wird in der Erleuchtung des Heiligen Paulus beschrieben. Jeder zeitlose Blitz intensiver Inspiration in einem Menschen ist eine teilweise Erleuchtung, denn Inspiration ist die Art und Weise, wie neues Wissen vom Kosmos zum Menschen gelangt. Jesus war das überragende Beispiel für alle Mystiker aller Zeiten. Er war der Einzige in der gesamten Geschichte, der die vollständige Einheit mit Gott im kosmischen Bewusstsein gekannt hat“.

Die Passage wird auf der deutschsprachigen Russell-Seite unter „Mystiker“ mit dem Verweis auf Geheimnis des Lichtes, S. 25 f., wiedergegeben. Russells Aussage über Jesu einzigartige Gotteserfahrung ist seine religiöse Deutung. Sie lässt sich nicht als historische Rangordnung aller Mystiker beweisen. Zur weiterführenden Frage, wie spirituelle Erfahrung und Denken zusammenhängen, passt der Beitrag Erleuchtung erfahren – was jenseits des Verstandes wirklich geschieht.

Das Universale Eine als Quelle alles Seienden

Goldenes Licht durchflutet einen stillen Gewölberaum mit steinernen Rundbögen
Illustration: KI unterstützt erstellt

Kernpunkt seiner Lehren ist das Prinzip des Universalen Einen als Quelle alles Seienden, aus dem nach Russell unsere Welt der Dualität hervorgeht. Beide Pole dieser Dualität – hell und dunkel, komprimiert und expandiert, heiß und kalt, negativ und positiv, aufgeladen und entladen – haben in seiner Vorstellung ihren gemeinsamen Ursprung im Universalen Einen, das beide umfasst. Daher bedingen sie sich nach Russell gegenseitig und halten sich im Gleichgewicht.

Russell unterschied dabei zwischen der Welt der Bewegung, die unsere Sinne erfassen, und dem ruhenden Ursprung allen Seins. Diese Unterscheidung trägt seine mystische Gedankenführung. Eine weitere Betrachtung der Verbindung von innerer Erfahrung und Seinsgrund findet sich in meinem Beitrag Das Universum ein kosmisches Bewusstseinsfeld.

Für ihn gilt das einfache Prinzip der Goldenen Regel. Er übertrug es auf Wirtschaft, Politik, Kunst und zwischenmenschliche Beziehungen und suchte darin zugleich einen Schlüssel für seine Deutung der Natur. So verbindet sich die Vorstellung universaler Einheit mit der Frage, wie Menschen miteinander leben und handeln.

Walter und Lao Russell: Ein Werk, das weitergetragen wird

Nach seinem Tod führte seine Frau Lao Russell (1904–1988) die von beiden begründete University of Science and Philosophy weiter. Die Institution besteht bis heute. Sie macht das gemeinsame Werk durch Publikationen, Fernstudium und das Russell Museum in Waynesboro zugänglich. Im deutschsprachigen Raum erschließen Übersetzungen sein Denken weiteren Lesern.

Seine Hoffnung auf eine Bewusstwerdung der Menschheit verdichtete Walter Russell in den folgenden Gedanken:

„Kosmisches Bewusstsein ist das letztendliche Ziel der gesamten Menschheit. Alle werden es kennenlernen, bevor die lange Reise des Menschen endet, aber in dem neuen Zeitalter gibt es viele, die teilweise oder sogar ganz dafür bereit sind. Die ständige, unmittelbare Nähe zu Gott geht einher mit einer so starken Wahrnehmung unserer Einheit mit Ihm, dass die Transformation zum vollen Gewahrsein der Einheit jederzeit leicht stattfinden kann.“

16.10.2026
Roland R. Ropers
www.KARDIOSOPHIE-NETWORK.com


Über den Autor Roland R. Ropers

Roland-Ropers

Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist, autorisierter Kontemplationslehrer, weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit.
Es ist ein uraltes Geheimnis, dass die stille Einkehr in der Natur zum tiefgreifenden Heil-Sein führt.
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Buch Tipp:

cover kardiosophie Roland RopersKardiosophie
Weg-Weiser zur kosmischen Ur-Quelle

von Roland R. Ropers und
Andrea Fessmann, Dorothea J. May, Dr. med. Christiane May-Ropers, Helga Simon-Wagenbach, Prof. Dr. phil. Irmela Neu

Die intellektuelle Kopflastigkeit, die über Jahrhunderte mit dem Begriff des französischen Philosophen René Descartes (1596 – 1650) „Cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) verbunden war, erfordert für den Menschen der Zukunft eine neue Ausrichtung auf die Kraft und Weisheit des Herzens, die mit dem von Roland R. Ropers in die Welt gebrachten Wort „KARDIOSOPHIE“ verbunden ist. Bereits Antoine de Saint-Exupéry beglückte uns mit seiner Erkenntnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Der Autor und seine Mitautorinnen beleuchten aus ihrem individuellen Erfahrungsreichtum die Vielfalt von Wissen und Weisheit aus dem Großraum des Herzens.