Evolution ist mehr als Konkurrenz
Viele Menschen haben gelernt, Evolution als Kampf zu verstehen. Der Stärkere setzt sich durch. Der Schwächere bleibt zurück. Leben erscheint als Wettbewerb um Raum, Nahrung, Macht und Überleben. Diese Sicht prägt nicht nur Biologieunterricht, sondern auch Wirtschaft, Politik, Erziehung, Selbstbild und gesellschaftliche Sprache.
Doch das Leben erzählt eine umfassendere Geschichte.
Kein Mensch existiert allein. Kein Körper lebt ohne Billionen von Zellen. Keine Erde bleibt fruchtbar ohne Mikroorganismen, Pilze, Pflanzen, Tiere, Wasser, Licht und Austausch. Selbst dort, wo Konkurrenz wirkt, ist Leben auf Beziehung angewiesen. Kooperation ist kein romantischer Zusatz zur Evolution. Sie ist eine ihrer tragenden Kräfte.
Auf den Punkt gebracht: Evolution bedeutet nicht nur Kampf ums Überleben. Leben entwickelt sich auch durch Kooperation, Symbiose, gegenseitige Abhängigkeit und gemeinschaftliche Anpassung. Für den Menschen ergibt sich daraus eine spirituelle Frage: Wollen wir weiter nach dem Bild des isolierten Einzelkämpfers leben – oder erkennen wir uns als Teil eines größeren lebendigen Zusammenhangs?
Diese Frage berührt nicht nur Naturwissenschaft. Sie berührt Bewusstsein, Verantwortung und die Art, wie wir mit uns selbst, miteinander und mit der Erde umgehen. Eine passende Vertiefung bietet der Beitrag Bewusstsein und Eigenverantwortung.
Warum „Vergiss Darwin“ zu kurz greift
Der ursprüngliche Impuls dieses Beitrags war provokant: „Vergiss Darwin.“ Als Überschrift hat das Kraft. Als Erkenntnis reicht es nicht.
Charles Darwin hat mit seiner Evolutionstheorie einen grundlegenden Beitrag zum Verständnis des Lebens geleistet. Natürliche Selektion, Anpassung, Variation und Überleben unter bestimmten Umweltbedingungen gehören bis heute zum Fundament biologischen Denkens.
Problematisch ist nicht Darwin selbst.
Problematisch ist eine verkürzte Lesart, die aus Evolution nur noch Konkurrenz macht.
Wenn „survival of the fittest“ so verstanden wird, als sei das Leben ein dauernder Krieg aller gegen alle, entsteht ein falsches Menschenbild. Dann wird Härte zur Natur, Egoismus zur Vernunft, Rücksichtslosigkeit zur Stärke und Mitgefühl zur Schwäche erklärt.
Genau hier braucht es Korrektur.
Nicht gegen Darwin, sondern gegen eine verengte Deutung von Darwin.
Evolution ist nicht weniger faszinierend, wenn wir Kooperation ernst nehmen. Sie wird tiefer.
Kooperation ist kein Gegenbild zur Natur
Kooperation wird oft moralisch verstanden: Menschen sollen freundlicher sein, sich besser vertragen, weniger gegeneinander leben. Das ist richtig, aber zu oberflächlich.
Kooperation ist nicht nur eine ethische Forderung.
Sie ist ein biologisches Prinzip.
Zellen kooperieren im Körper. Mikroorganismen leben in komplexen Gemeinschaften. Pilze verbinden sich mit Pflanzenwurzeln. Bestäuber und Blüten stehen in Beziehung. Korallen leben mit Algen. Mitochondrien, die Kraftwerke unserer Zellen, gehen auf frühere symbiotische Beziehungen zurück.
Das Leben ist nicht aus isolierten Einheiten zusammengesetzt, die zufällig nebeneinander existieren.
Es ist ein Geflecht von Beziehungen.
Diese Einsicht verändert den Blick auf die Natur. Sie zeigt: Verbindung ist keine Schwäche. Verbindung ist schöpferisch.
Der menschliche Körper als Gemeinschaft

Milliarden und Abermilliarden von Zellen arbeiten zusammen. Sie kommunizieren, reagieren, spezialisieren sich, erneuern sich, sterben ab, werden ersetzt und dienen dem Ganzen. Keine einzelne Zelle versteht den Menschen als Ganzes. Und doch trägt jede gesunde Zelle auf ihre Weise zum Leben des Ganzen bei.
Dieses Bild ist mächtig, wenn man es nicht überzieht.
Zellen sind keine kleinen Menschen mit politischen Programmen. Aber der Körper zeigt, dass Leben nur funktioniert, wenn Teile auf ein Ganzes bezogen sind.
Wenn Zellen nur noch für sich selbst wachsen, ohne Rücksicht auf den Organismus, entsteht Krankheit.
Auch darin liegt eine spirituelle Lektion.
Eine Gesellschaft, in der jeder Teil nur noch sich selbst maximiert, verliert das Bewusstsein für das Ganze.
Vom Einzelkämpfer zum lebendigen Organismus
Der Mensch hat sich lange als Einzelwesen verstanden. Ich denke. Ich will. Ich entscheide. Ich besitze. Ich kämpfe. Ich gewinne. Ich verliere.
Dieses Ich ist wichtig. Ohne Individualität gibt es keine Verantwortung. Ohne Selbstbewusstsein gibt es keine Freiheit. Doch ein Ich, das seine Verbundenheit vergisst, wird gefährlich.
Es verwechselt Autonomie mit Abtrennung.
Es verwechselt Erfolg mit Dominanz.
Es verwechselt Freiheit mit Rücksichtslosigkeit.
Die spirituelle Reifung beginnt dort, wo der Mensch erkennt: Ich bin mehr als ein isoliertes Zentrum von Interessen. Ich lebe durch andere. Ich empfange von anderen. Ich wirke auf andere. Ich bin Teil eines größeren Organismus des Lebens.
Das gilt körperlich, seelisch, sozial, ökologisch und spirituell.
Symbiose: Die stille Revolution des Lebens
Symbiose bedeutet Zusammenleben verschiedener Organismen in enger Beziehung. Dieses Zusammenleben kann unterschiedlich aussehen: wechselseitig nützlich, einseitig nützlich oder auch spannungsreich. Doch gerade die großen Beispiele der Lebensgeschichte zeigen, dass Kooperation evolutionäre Sprünge ermöglichen kann.
Mitochondrien und Chloroplasten gelten als klassische Beispiele. Sie waren vermutlich einst eigenständige Organismen, die in eine neue Beziehung eintraten und später zu unverzichtbaren Bestandteilen komplexer Zellen wurden.
Was heute selbstverständlich erscheint, war einst Beziehung.
Unsere Zellen tragen Spuren früherer Zusammenarbeit in sich.
Auch das menschliche Mikrobiom erinnert daran, dass der Körper keine abgeschlossene Festung ist. Er lebt in Beziehung mit unzähligen Mikroorganismen. Viele von ihnen unterstützen Verdauung, Immunsystem, Stoffwechsel und innere Balance.
Der Mensch ist nicht rein.
Er ist verbunden.
Nicht Abgrenzung allein erhält Leben, sondern intelligente Beziehung.
Epigenetik: Umwelt, Erfahrung und Verantwortung
Bruce Lipton hat viele Menschen auf die Bedeutung von Zellen, Umwelt und Wahrnehmung aufmerksam gemacht. Dieser Impuls ist wertvoll. Doch er muss sorgfältig eingeordnet werden.
Epigenetik bedeutet nicht, dass Gene bedeutungslos sind. Sie bedeutet auch nicht, dass der Mensch seine biologische Realität beliebig durch Gedanken steuert. Seriös verstanden beschreibt Epigenetik, wie Umwelt, Verhalten und innere Bedingungen beeinflussen können, wie Gene gelesen, aktiviert oder gehemmt werden.
Das ist keine magische Formel.
Aber es ist eine wichtige Korrektur.
Der Mensch ist nicht einfach Opfer seiner Gene. Zugleich ist er nicht allmächtiger Erschaffer jeder körperlichen Tatsache. Zwischen diesen beiden Extremen liegt ein verantwortlicher Raum.
Ernährung, Stress, Beziehung, Schlaf, Bewegung, Umweltgifte, Fürsorge, Belastung und Lebensstil können biologische Prozesse beeinflussen. Nicht absolut, nicht mechanisch, aber real.
Spirituell gelesen heißt das: Leben ist Beziehung bis in die Zelle hinein.
Eine passende Vertiefung zur Verbindung von Verantwortung und Bewusstsein bietet der Beitrag Resilienz spirituell: Warum innere Stärke allein nicht reicht.
Die Grenze falscher Wissenschaftsromantik
Gerade in spirituellen Kreisen besteht eine Gefahr: Wissenschaftliche Begriffe werden aufgenommen, aber nicht immer sauber verwendet. Quantenphysik, Epigenetik, Frequenz, Feld oder Energie klingen tief. Doch wenn sie ungenau eingesetzt werden, verlieren sie ihre Kraft.
Spiritualität braucht keine falsche Wissenschaft, um bedeutsam zu sein.
Sie darf staunen.
Sie darf deuten.
Sie darf Zusammenhänge sehen.
Aber sie sollte nicht behaupten, was sie nicht belegen kann.
Der Satz „Evolution ist Kooperation“ ist stark genug, wenn er nicht übertrieben wird. Noch stärker wird er, wenn er ehrlich bleibt: Leben kennt Konkurrenz, Auslese, Anpassung, Konflikt und Sterben. Doch es kennt ebenso Symbiose, Fürsorge, gegenseitige Abhängigkeit, Kommunikation und schöpferische Verbindung.
Genau diese Spannung macht die Wirklichkeit reif.
Was Kooperation nicht bedeutet
Kooperation ist kein naiver Harmoniebegriff. Sie bedeutet nicht, dass es in der Natur keinen Konflikt gibt. Sie bedeutet nicht, dass Menschen keine Grenzen brauchen. Sie bedeutet nicht, dass Gemeinschaft jedes individuelle Bedürfnis verschlucken darf.
Kooperation ist anspruchsvoller.
Sie fragt, wie Unterschiedliches so zusammenwirken kann, dass Leben möglich bleibt.
Ein gesunder Organismus braucht Differenzierung. Herz, Lunge, Leber, Nervenzellen, Haut und Blut erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Keine Zelle muss alles sein. Keine Funktion ersetzt das Ganze. Gesundheit entsteht nicht durch Gleichmacherei, sondern durch geordnete Vielfalt.
Auch menschliche Gemeinschaft braucht diese reife Form von Kooperation.
Nicht alle müssen gleich denken.
Nicht alle müssen dasselbe fühlen.
Nicht alle müssen dieselbe Aufgabe haben.
Doch alle müssen erkennen, dass das Ganze leidet, wenn die Teile gegeneinander zerstörerisch werden.
Die Biosphäre als Beziehungsraum
Die ökologische Krise ist nicht nur ein Umweltproblem. Sie ist eine Wahrnehmungskrise.
Solange der Mensch die Erde als Lager, Rohstoffquelle, Markt oder Kulisse betrachtet, wird er sie verbrauchen. Erst wenn er begreift, dass er selbst Teil der Biosphäre ist, ändert sich sein Blick.
Die Meere sind nicht draußen.
Die Wälder sind nicht draußen.
Die Atmosphäre ist nicht draußen.
Der Boden ist nicht draußen.
Was wir vergiften, vergiftet am Ende uns selbst. Was wir zerstören, zerstört den Lebensraum, aus dem wir hervorgegangen sind.
Kooperation als Prinzip des Lebens führt daher unmittelbar zur ökologischen Verantwortung.
Natur ist nicht nur Ressource.
Sie ist Beziehung.
Eine passende Vertiefung bietet der Beitrag Schöpfung und Klimaschutz.
Warum eine Kultur der Konkurrenz erschöpft
Wenn Konkurrenz zum einzigen Leitbild wird, verändert sie den Menschen. Er beginnt, sich ständig zu vergleichen. Er fragt nicht mehr, was dem Leben dient, sondern wie er besser abschneidet. Leistung ersetzt Sinn. Sichtbarkeit ersetzt Tiefe. Wachstum ersetzt Maß.
Eine solche Kultur erzeugt Erschöpfung.
Sie macht Beziehungen strategisch.
Sie verwandelt Bildung in Verwertbarkeit.
Sie macht Arbeit zum Dauerrennen.
Sie bewertet Menschen nach Nutzen, Tempo und Durchsetzungskraft.
Doch der Mensch ist kein isoliertes Erfolgsprojekt.
Er ist ein Beziehungswesen.
Er braucht Anerkennung, Sinn, Zugehörigkeit, Vertrauen, Berührung, Natur, Stille und das Gefühl, gebraucht zu werden, ohne dauernd bewertet zu werden.
Evolution und Kooperation erinnern daran: Überleben allein ist nicht genug. Leben will gelingen.
Bewusstsein als nächster Evolutionsschritt
Roland R. Ropers spricht in seiner Vorlage von einem evolutionären Sprung. Dieser Gedanke ist wichtig, wenn er nicht biologisch missverstanden wird.
Gemeint ist nicht, dass der Mensch morgen eine neue Art wird. Gemeint ist ein Bewusstseinsschritt.
Die Menschheit steht vor der Frage, ob sie sich weiterhin als Ansammlung getrennter Interessen versteht – oder als lebendiger Organismus, dessen Teile voneinander abhängen.
Dieser Schritt ist nicht automatisch.
Er verlangt Einsicht.
Er verlangt Demut.
Er verlangt neue Bilder.
Er verlangt auch eine andere Sprache.
Wer nur von Kampf spricht, wird Kampf organisieren.
Wer nur von Markt spricht, wird Leben verwerten.
Wer von Beziehung, Maß, Würde und Kooperation spricht, öffnet einen anderen inneren Raum.
Zur gesellschaftlichen Dimension dieser Frage passt der Beitrag Spirituelle Verantwortung und Demokratie.
Die Menschheit als Superorganismus?
Das Bild der Menschheit als Superorganismus ist kraftvoll. Es kann helfen, die wechselseitige Abhängigkeit von Menschen, Kulturen, Staaten und Ökosystemen zu verstehen.
Doch auch dieses Bild braucht Maß.
Menschen sind keine Zellen ohne eigenen Willen. Eine Gesellschaft darf individuelle Freiheit nicht im Namen des Ganzen auslöschen. Geschichte zeigt, wie gefährlich Kollektivbilder werden können, wenn sie den Einzelnen entwerten.
Darum muss das Bild reif gelesen werden.
Die Menschheit als Organismus bedeutet nicht: Der Einzelne zählt nicht.
Es bedeutet: Der Einzelne lebt nie ohne das Ganze.
Würde und Verbundenheit gehören zusammen.
Freiheit und Verantwortung gehören zusammen.
Individualität und Kooperation gehören zusammen.
Was Zellen uns lehren können
Wenn der Körper gesund ist, arbeiten seine Teile nicht chaotisch gegeneinander. Sie kommunizieren. Sie begrenzen sich. Sie übernehmen Aufgaben. Sie sterben manchmal, damit das Ganze weiterleben kann. Sie erneuern sich. Sie reagieren auf Signale.
Daraus lässt sich keine einfache politische Ordnung ableiten. Aber es lässt sich eine Haltung lernen.
Leben braucht Kommunikation.
Leben braucht Grenzen.
Leben braucht Austausch.
Leben braucht Vielfalt.
Leben braucht Rücksicht auf das Ganze.
Wenn diese Prinzipien fehlen, entsteht Krankheit – im Körper, in Beziehungen, in Gesellschaften, in Ökosystemen.
Kooperation ist daher nicht moralische Verzierung. Sie ist eine Form von Intelligenz.
Spiritualität ohne Weltflucht
Ein spiritueller Blick auf Evolution darf nicht in Weltflucht führen. Es reicht nicht, von höheren Schwingungen, Lichtheimat oder kosmischem Bewusstsein zu sprechen, wenn der Alltag unverändert bleibt.
Die Frage ist konkreter:
Wie spreche ich?
Wie konsumiere ich?
Wie arbeite ich?
Wie gehe ich mit Konflikt um?
Wie erkenne ich die Würde anderer Menschen?
Wie behandle ich Tiere, Pflanzen, Wasser, Erde?
Wie viel Konkurrenz halte ich für normal, obwohl sie mich und andere zerstört?
Spiritualität wird glaubwürdig, wenn sie die Beziehung zum Leben verändert.
Eine passende Vertiefung bietet der Beitrag Was ist Leben? Bedeutung und Spiritualität.
Bruce Lipton als Impuls, nicht als letzte Autorität
Bruce Lipton hat vielen Menschen einen Zugang zur Verbindung von Biologie, Wahrnehmung und Bewusstsein eröffnet. Das verdient Anerkennung. Seine Bücher und Vorträge haben Fragen gestellt, die für viele Leserinnen und Leser wichtig wurden: Sind wir mehr als unsere Gene? Wie prägt Umwelt unser Leben? Welche Rolle spielen Wahrnehmung, Überzeugungen und innere Haltung?
Doch ein reifer Beitrag darf Lipton nicht unkritisch als alleinige Autorität setzen.
Seine Gedanken können ein Impuls sein.
Die tragende Grundlage muss breiter sein: moderne Evolutionsbiologie, Symbioseforschung, Epigenetik, Mikrobiomforschung, Ökologie und eine spirituelle Deutung, die ihre Grenzen kennt.
Dann entsteht kein Gegensatz zwischen Wissenschaft und Spiritualität.
Es entsteht ein Gespräch.
Kooperation als spirituelle Reife
Kooperation ist nicht nur Zusammenarbeit. Sie ist eine Form von Reife.
Ein unreifes Bewusstsein fragt: Was nützt mir?
Ein reiferes Bewusstsein fragt: Was dient dem Leben?
Ein unreifes Bewusstsein sieht den anderen zuerst als Gegner.
Ein reiferes Bewusstsein erkennt ihn als Mitwesen.
Ein unreifes Bewusstsein will gewinnen.
Ein reiferes Bewusstsein will beitragen.
Das bedeutet nicht, dass Konflikte verschwinden. Aber sie werden anders geführt. Nicht jeder Gegensatz muss zum Vernichtungskampf werden. Nicht jede Differenz ist Bedrohung. Nicht jeder Erfolg des anderen nimmt mir etwas weg.
Kooperation beginnt dort, wo der Mensch nicht mehr aus Mangel, Angst und Abtrennung handelt.
Sie wächst aus Verbundenheit.
Die Raupe und der Schmetterling
Roland R. Ropers verwendet am Ende seiner Vorlage das Bild der Raupe und des Schmetterlings. Dieses Bild bleibt stark, wenn es nicht kitschig wird.
Die Raupe frisst, wächst, sammelt, nimmt auf. Der Schmetterling steht für Verwandlung, Leichtigkeit, neue Form und eine andere Weise des Daseins.
Auch die Menschheit steht vor einer solchen inneren Aufgabe.
Sie kann nicht unbegrenzt weiter fressen, wachsen, verbrauchen und konkurrieren.
Sie muss sich verwandeln.
Nicht in ein perfektes Wesen.
Nicht in eine konfliktfreie Welt.
Aber in eine reifere Form des Zusammenlebens.
Eine Form, in der Freiheit nicht gegen Verbundenheit ausgespielt wird.
Eine Form, in der Fortschritt nicht länger Zerstörung bedeutet.
Eine Form, in der Bewusstsein lernt, dem Leben zu dienen.
Was Leser konkret mitnehmen können
Der Gedanke von Evolution und Kooperation bleibt nicht abstrakt. Er kann den Alltag verändern.
- Wer Kooperation versteht, sieht sich nicht mehr nur als Einzelkämpfer.
- Wer Symbiose ernst nimmt, erkennt die Erde als lebendigen Beziehungsraum.
- Wer Epigenetik nüchtern versteht, übernimmt Verantwortung, ohne sich selbst zu überfordern.
- Wer Konkurrenz begrenzt, schafft Raum für Würde und Vertrauen.
- Wer den Körper als Gemeinschaft begreift, behandelt sich selbst achtsamer.
- Wer Gesellschaft als Beziehung versteht, fragt nicht nur nach Erfolg, sondern nach Beitrag.
- Wer spirituell reift, erkennt: Verbundenheit ist keine Idee. Sie ist Wirklichkeit.
Das ist die eigentliche Einladung dieses Beitrags.
Nicht Darwin zu vergessen.
Sondern den Menschen daran zu erinnern, dass Leben mehr ist als Kampf.
Fazit: Leben gelingt durch Beziehung
Evolution und Kooperation gehören zusammen. Leben ist nicht nur Wettbewerb, Auslese und Durchsetzung. Es ist auch Symbiose, Austausch, gegenseitige Abhängigkeit und gemeinsames Werden.
Darwin muss dafür nicht verworfen werden.
Aber eine Kultur, die aus Darwin nur Konkurrenz ableitet, muss erwachsen werden.
Der menschliche Körper, die Biosphäre, das Mikrobiom, die Geschichte komplexer Zellen und die ökologische Krise unserer Zeit erzählen dieselbe tiefe Wahrheit: Leben existiert nicht isoliert.
Es entsteht in Beziehung.
Es bleibt durch Beziehung.
Es heilt durch Beziehung.
Die spirituelle Frage lautet daher nicht, ob der Mensch stärker werden kann als andere.
Die Frage lautet, ob er reif genug wird, sich als Teil des Ganzen zu erkennen.
Vielleicht ist genau das der nächste notwendige Bewusstseinsschritt:
nicht mehr gegeneinander zu leben, als wären wir getrennt,
sondern miteinander zu handeln, weil wir längst verbunden sind.
Häufige Fragen zu Evolution und Kooperation
Bedeutet Evolution nur Kampf ums Überleben?
Nein. Evolution umfasst Konkurrenz, Anpassung und Selektion, aber auch Kooperation, Symbiose und gegenseitige Abhängigkeit. Viele Entwicklungen des Lebens sind ohne Zusammenarbeit nicht zu verstehen.
Widerspricht Kooperation der Evolutionstheorie?
Nein. Kooperation widerspricht der Evolutionstheorie nicht. Sie erweitert den Blick auf evolutionäre Prozesse und zeigt, dass gemeinschaftliche Strategien unter bestimmten Bedingungen sehr erfolgreich sein können.
Was bedeutet Symbiose?
Symbiose bezeichnet das enge Zusammenleben verschiedener Organismen. In vielen Fällen profitieren beide Seiten. Beispiele sind bestimmte Pflanzen-Pilz-Beziehungen, Korallen und Algen oder die evolutionäre Entstehung von Mitochondrien.
Was ist Epigenetik?
Epigenetik beschreibt Veränderungen der Genaktivität, ohne dass sich die DNA-Sequenz selbst verändert. Umwelt, Verhalten und Erfahrungen können beeinflussen, wie Gene gelesen oder reguliert werden.
Welche Rolle spielt Bruce Lipton?
Bruce Lipton hat viele Menschen auf die Bedeutung von Zellen, Umwelt und Wahrnehmung aufmerksam gemacht. Seine Gedanken können inspirieren, sollten aber wissenschaftlich sorgfältig eingeordnet werden.
Was bedeutet Kooperation spirituell?
Spirituell verstanden zeigt Kooperation, dass Leben Beziehung ist. Der Mensch ist kein isoliertes Einzelwesen, sondern Teil eines größeren Zusammenhangs. Daraus entstehen Verantwortung, Mitgefühl und Bewusstsein für das Ganze.
Weiterführende Beiträge auf Spirit Online
- Bewusstsein und Eigenverantwortung
- Resilienz spirituell: Warum innere Stärke allein nicht reicht
- Schöpfung und Klimaschutz
- Spirituelle Verantwortung und Demokratie
- Was ist Leben? Bedeutung und Spiritualität
- Pflanzenkommunikation und Bewusstsein
- Kosmisches Bewusstsein leben
Quellen und weiterführende Hinweise
- The Quarterly Review of Biology: The Evolution of Cooperation
- PubMed: The role of competition in mutualism and ecology
- CDC: Epigenetics, Health, and Disease
- National Human Genome Research Institute: Epigenetics
- Nature Education: The origin of mitochondria and chloroplasts
- University of California Berkeley: Endosymbiosis – Lynn Margulis
- NCBI Bookshelf: Human Microbiome FAQ
- Nature: Microbiota in health and diseases
- Bruce H. Lipton / Steve Bhaerman: Spontane Evolution: Wege zum neuen Menschen
- Roland R. Ropers: persönliche Notizen und spirituelle Reflexionen zu Evolution, Kooperation und Bewusstsein
Artikel aktualisiert
07.06.2026
Roland R. Ropers
Über Roland R. Ropers
Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist, autorisierter Kontemplationslehrer, weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit.
Es ist ein uraltes Geheimnis, dass die stille Einkehr in der Natur zum tiefgreifenden Heil-Sein führt.
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„Es ist erstaunlich, dass die Wissenschaft auf dem falschen Wege erkennt, dass sie gar nicht auf dem richtigen Weg ist.“(Hans-Peter Duerr)
Es stellt sich die Frage: Was ist Evolution und wo endet sie?
Gibt es in Bezug auf die Evolution den Kreislauf vom Anfang bis zum Ende.
Es gibt ihn.
Vom Nichts ins Nichts, aus der Eins in die Eins.
In Wahrheit gibt es nur die Eins. Da die Eins aber nicht teilbar ist, kann sie sich nicht selbst bespiegeln. Gott bespiegelt sich ueber die Zwei und betrachtet das Schauspiel. Gott ruht.
Die Physiker wissen, dass es Materie im Grunde gar nicht gibt.
Der Mensch ist ein Geistwesen, das periodisch in die Welt der Erscheinungen eintritt um hier zu evoluieren. Nur hier kann er evoluieren, da diese Welt polar ist.
Die eigentliche Heimat des Geistwesens ist seine selbsterschaffene spirituelle Welt, in die er eintritt, wenn er aus der Welt der Erscheinungen austritt, also wenn der physische Tod eintritt.
Erst dann erkennt er sein wahres Selbst, die Qualitaet seiner Seele, denn jetzt umgeben ihn alle Energien, die er selbst erschaffen hat, die Guten, wie die Boesen in vollem Bewusstsein.
Die Qualitaet der Seele misst sich an der Distanz zur Eins, bzw. an den antagonischen Seelenanteilen zur Eins.
Die Eins ist unscheinbar, aber omnipaesent.
“Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewußt.” (Goethe, Faust).
Die Seele will ihre Qualitaet verbessern, das kann sie aber nur in der Relativitaet der Wirklichkeit. Hierfuer schmiedet sie einen Plan, wo, wann und bei welchen Eltern sie wiedergeboren werden will. Natuerlich kann das nicht vollkommen willkuerlich geschehen, vielmehr haengt das Meisste von bereits erschaffenen Resonanzen ab. So kann der Vater beispielsweise in einem anderen Leben ein persoenlicher Feind gewesen sein. Zwangslaeufig muss man seinen Resonanzen begegnen, um sie in der Realitaet zu aendern. Je intensiver die Disharmonien, desto laenger und intensiver muessen sich die Seelen begegnen. Das Ergebnis ist offen, weitere Disharmonisierung, Harmonisierung, oder Aufloesung des Karmas.
Was passiert bei der Reinkarnation?
Bei der Geburt ist sich die Seele noch ihrer gesamten Geschichte bewusst. “Erkenne Dich selbst”. (Delphi)
Ab dem ersten Lebenstag jedoch nimmt die inkarnierte Seele nur noch mit seinen 5 Sinnen eine Umwelt wahr, die seine Identitaet bestimmen wird.
Ab dem ersten Lebenstag fuehlt sie sich getrennt und versucht mit allen Mitteln diese Trennung zu ueberwinden.
Sie fuehlt sich getrennt von der Eins.
Da man aber die Eins in der Polaritaet nicht erkennen kann, versucht der Mensch mit allen ihm zur Verfuegung stehenden Mitteln, -und diese sind zwangslaeufig polar- die Getrenntheit zu ueberwinden. Das geht vom Imperialismus bis zur koerperlichen Liebe und faengt an mit einer naturbedingten Koestlichkeit, der inkonditionalen Mutterliebe.(nicht immer)
“Welch Schauspiel! aber ach! ein Schauspiel nur!” (Goethe, Faust)
Somit ist jede Identitaet nur eine Scheinidentitaet, jede Relativierung nur eine Relativierung ohne Wahrheitsgehalt.
Trotzdem ist all das noetig, denn die Evolution laeuft ueber den Antagonismus ab. Den Antagonismus zur Eins.
Hat das Individuum allen Antagonismus durchlebt, erkannt und in seiner Seele entfernt, ist sie wieder eins mit der Eins und somit muss sie nicht mehr inkarnieren um zu evoluieren.
Der Kommentar von Peter Scheicher ist sehr interessant und regt zum Nachdenken an. In meinem Buch: “Zukunft: MYSTIK” habe ich sehr deutlich den Unterschied von Körper, Seele und Geist” dargelegt. Auf dem spirituellen Erkenntnisweg geht es nicht um “Reinkarnation” (Wiederverkörperung”, sondern um ewige geistige Wiedergeburt (permanent spiritual rebirth). Wir müssen die sehr klare Unterscheidung ins Auge fassen, um die große Lebenswirklichkeit jenseits der Dualität und Polarität von Geburt & Tod zu erfahren, un zwar in jedem Augenblick.
Dank fuer das Lob Herr Ropers.