Bewusst-Sein

Rückverbindung zum wahren Selbst

Azalee Rückverbindung zum wahren Selbst

Es ist immer wieder von Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung und so weiter die Rede. Also von alledem, was mit unserem Selbst unmittelbar zusammenhängt.

Inwiefern nehmen wir denn diese Worte so hin, ohne sie näher zu betrachten ? Ich finde alle Worte mit „Selbst“ werden häufig nicht genug unter die Lupe genommen und somit einfach immer wieder eher gedankenlos benutzt bis hin zur Zweckentfremdung.

Vor allem ist mir wiederholt aufgefallen, dass Selbstbewusstsein häufig mit Selbstwert vermischt wird, es sind allerdings unterschiedliche Werte.

Selbstwert bedeutet ja wörtlich, „was bin ich mir wert“ ? Fühle ich mich wirklich wertvoll genug ?, Erkenne ich meinen persönlichen Wert ? Während Selbstbewusstsein eine Antwort auf die Frage gibt: Inwiefern bin ich mir meiner Selbst bewusst ? Oder vielleicht noch konkreter: Wieviel Bewusstsein habe ich über mein Selbst ?

Irreführend finde ich die Ausdrucksweise: „Diese Person hat ein selbstbewusstes Auftreten“. Meistens handelt es sich bei dieser Aussage um jemanden, der eher extrovertiert ist, der gut auf andere Menschen zugehen kann, der ein sicheres Auftreten hat. Aber ist er deswegen wirklich bewusst über sein Selbst ? Nicht unbedingt, denn Sicherheit basiert nicht zwingend auf Bewusstsein.

Wir unterschätzen die Wirkung und die Macht der Worte jeden Tag in diversen Konstellationen. Und hier beginnt das Dilemma: Deshalb nehmen wir eigene Realitäten und die von anderen verzerrt wahr. Gleichzeitig schließt sich hier ein Kreis. Ein selbstbewusster Mensch ist sich seiner sowohl der Realität anderer bewusst, er nimmt bewusst beobachtend und nicht verzerrt wahr. Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch sich seine eigene Realität durch den Filter seiner Erfahrungen erschafft, deshalb gibt es diverse Realitäten, und niemals eine einzige, festgelegte Realität.

Es gibt allerdings universelle Wahrheiten, die auf ihren Gesetzmäßigkeiten basieren, wie die Gesetze, die unpersönlich wirken. Wir alle unterliegen den Gesetzen von Ursache und Wirkung, der Resonanz, der Anziehung, der Polarität. Dieses sind Wahrheiten, keine Realitäten. Allerdings können Worte manchmal fließend sein und in unterschiedlichen Kontexten etwas anderes bedeuten. So z.B. „Realitätsverlust“. Dies bedeutet, dass ein Mensch sich soweit in eigene Illusionswelten zurückgezogen hat, dass er vom allgemeinen Weltgeschehen und vom alltäglichen gesellschaftlichen Erleben abgeschnitten ist.

Und genau das ist der zentrale Punkt meines Themas: Je stärker ein Mensch verletzt wurde, bzw. dies sehr schmerzhaft und leidvoll für ihn war, desto stärker koppelt er sich von seinem Umfeld ab, begeht „Realitätsflucht“. Da wir alle mehr oder weniger starke Verletzungen erfahren haben im Laufe unseres Lebens ist unser inneres Kind entsprechend weit von unserer natürlichen Quelle entfernt. Wir sehen also die Welt durch den Filter unserer erlebten Verletzungen. Unser Ego fühlt sich mit jeder Verletzung mehr bedroht und erschafft Schmerzvermeidungsstrategien. Unser ursprünglich kreatives inneres Kind, welches am engsten mit unserer Seele verbunden ist und welches gefühlsmäßig am nächsten dran ist an unserem höheren Selbst und seine Botschaften im ursprünglichen Zustand ungefiltert wahr nehmen kann, entfernt sich mit jeder verletzenden Erfahrung weiter von dieser Quelle, es schließt sich einem angsterfüllten und kämpfenden Ego an, wird eins mit ihm. Der Zugang zur Quelle wird durch entstandene Schmerzmuster weiter versperrt. Ein verletztes Ego sieht alles aus der Sicht eines sich im Krieg befindenden Kämpfers. Es hat einen Krieg angefangen mit der Welt, mit den Menschen von denen es verletzt wurde und auch mit sich selbst.

1_Magnolie_Paris_Alena Seine Verteidigungsarsenale sind gleichzusetzen mit unseren Urinstinkten Flucht oder Kampf. Es gibt nur diese beiden, und deshalb flüchtet ein Verletzter entweder vor der Realität oder er kämpft gegen sie. In den meisten Fällen driftet ein entsprechendes Ego in eine Illusion und verbindet Flucht und Kampf miteinander. Das Ergebnis sind unsere Schmerzmuster = negative Gedanken- und Gefühlsmuster, die zu verfestigten Überzeugungen (Glaubenssätzen) werden. Und in diesen Welten sieht alles entweder zu schwarz oder zu weiß aus, Schmerzmuster verfehlen die Mitte. Im Ergebnis sehen wir unsere eigene Projektion, wenn wir mit einem anderen Menschen kommunizieren. Diese werden zur Projektionsfläche unserer Wünsche und Befürchtungen, eben das, was unsere Schmerzmuster uns zeigen. Ein verletztes inneres Kind, welches sich von der Angst des Egos einnehmen ließ, ist zu einem „Störsender“ innerhalb unserer Gesamtpersönlichkeit geworden. Die Botschaften unserer Seele, die wir durch unser höheres Selbst empfangen, kommen nicht mehr richtig an, sondern sie gelangen verzerrt in unsere Wahrnehmung.

Das Endergebnis ist denn das, wie wir die Welt sehen. Je gravierender ein inneres Kind, also die Direktverbindung zum kreativen Selbst, gestört, verletzt, abgespalten wurde, umso verzerrter ist die Wahrnehmung unserer Realität. Wenn wir mit vielen Störquellen in unserer Umgebung aufwachsen, übernehmen wir diese Verzerrung und erkennen sie als unsere Realität an. Es verknüpfen sich also empfangene verzerrte Botschaften mit dem Filter unserer Verletzungen, der uns unsere Welt durch eine dunkle Brille sehen lässt. Da dieses ganze Geflecht sich unserer Bewusstheit entzieht, sind wir von unserem unverfälschten und natürlichen Selbst entfernt. Wir sind also von unserer größten inneren Kraftquelle abgeschnitten. Eine Rückverbindung zu uns selbst, zu unserer Kraft der Selbstbestimmung, kann nur durch Bewusstheit über diese Zusammenhänge geschehen. Wir haben zum Glück die großartige Möglichkeit, in jedem Moment eine Entscheidung zu treffen, dass wir aus der schmerzvollen Kontrolle unseres Egos aussteigen möchten und einen Weg beschreiten möchten, der uns zurückführt zu unserer natürlichen Kraftquelle ins uns selbst. Wenn wir erkennen, dass wir Schmerzmuster nicht behalten brauchen, sondern durch Erkennen sie wieder loslassen können, sind wir frei für eine Neuorientierung. Wir können auf Entdeckungsreise gehen, welcher spezielle Weg zur Bewusstheit für uns der Passende ist, was uns am meisten inspiriert. Ein Grundgerüst jedoch haben wohl alle Wege gemeinsam – sehen wir hier eine kurze Zusammenfassung, welche Schritte wichtig sind.

Schritte zur Rückverbindung zum natürlichen Selbst

1) Versöhnen und Frieden finden.

Als ersten Schritt ist es wichtig, eine Vergebung und Aussöhnung mit unserem inneren Kind und gleichermaßen allen Persönlichkeitsanteilen zu erlangen. Bedenken wir, dass in dem Maße, in dem wir verletzt wurden, das innere Kind sich hat vom Ego einnehmen lassen und ihm ohne Eigenleben gefolgt ist. Verletzung bedeutet immer Trennung vom höheren Selbst und ein Leben jenseits von höheren Wahrheiten. Wenn wir dies akzeptieren als das, was es ist, ohne zu kämpfen und ohne uns selbst oder auch Menschen und Situationen zu verurteilen, findet eine Vergebung statt. Sie ist der erste Schritt zur Rückverbindung mit unserem wahren und unverfälschtem Selbst, sie führt uns zur Quelle von Zufriedenheit und innerer Balance zurück, zur wahrhaften Selbstverwirklichung, sie öffnet uns alle Türen zu einem erfüllten Leben mit uns selbst und der gesamten Welt. Durch allumfassende Vergebung mit allem Existierendem löst sich Wut und Groll, die ein Anhaften des Egos in der Vergangenheit beinhalteten, auf und wir sind hier frei geworden.

2) Die Lektion erkennen und mit Dankbarkeit annehmen.

Wenn wir uns ausgesöhnt haben und somit verinnerlicht, dass niemand „böse“ oder „schuldhaft“ gedacht, gefühlt, gehandelt hat, sondern alles den universellen Gesetzen von Ursache und Wirkung, Polarität und Anziehung unterliegt und dass wir dadurch gereift sind, indem wir unser Bewusstsein erweitert haben, und somit erkannten, dass wir nur durch ein Hindurchgehen durch Ego-Schmerz zum Licht der Bewusstheit über die universelle Ganzheit erlangen konnten, sind wir den wichtigsten Schritt schon gegangen. Eine Lektion ist ein Geschenk. Danken wir also dem Universum für das Lerngeschenk und nehmen es an, weil es uns ein wertvoller Wegbegleiter war. Dankbarkeit ist eine besondere Gesetzmäßigkeit zur Erleichterung des eigenen Lebens im Einklang, sie ist eine direkte Folge der Versöhnung, denn sind wir in Frieden, können wir die Dankbarkeit mit allen Sinnen erfahren und unsere ganze Persönlichkeit davon durchströmen lassen. Dankbarkeit schließt Verständnis, Selbstliebe und universelle Liebe mit ein, setzt kraftvolle Signale. Durch diese Erkenntnis kommen wir zur vollkommenen Akzeptanz von unserer gesamten Mentalität, unserer gesamten Palette von Eigenarten. Und weil alles eins ist, können wir folglich auch jede andere, noch so schwierige Mentalität (Gesamtpersönlichkeit in allen Aspekten und menschlichen Eigenarten) liebevoll annehmen. Wir verstehen einander ohne Erwartungen/Forderungen des Egos. Verstehen wir uns selbst, verstehen wir die ganze Welt. Wir fließen im Strom des Lebens mit, alle Widerstände gegenüber vermeintlichen Widrigkeiten lösen sich auf.

1_Blumen_Wasser_Florida 3) Ich brauche nicht mehr gegen Unangenehmes kämpfen, weil ich das Ego gelockert habe, welches mir sagt „dies will ich nicht, weil es schmerzt“.

Habe ich die beiden obigen Schritte in mein Sein integriert, kann ich den Kampf gegen meine Gefühle, die ich oft „anders haben möchte“ loslassen. Das Ego hat sich von seiner Übermacht aus verletzten und neurotisch gewordenen Anteilen zu einem gesunden Ego zurück entwickelt, welches mir Ich-Stärke und Selbstbewusstsein vermittelt, um bei mir zu bleiben und wichtige Grenzen innerhalb des zwischenmenschlichen Miteinander zu erkennen. Ich bin aus sicherem Herzen und gelungener Rückverbindung zu meiner Seele durch mein höheres Selbst nun in der Lage, zuvor als unangenehm empfundene Gefühle zu akzeptieren als das was sie sind: Wesentliche Hinweise auf meinem Weg. Sie „stören“ mich nicht mehr, weil ich sie durch eine neu erlangte Beobachterposition nicht mehr zu fürchten brauche und auch nicht mehr glaube, dass sie „irgendwie falsch“ sind.

Ich habe zuvor meine Mentalität verstanden und angenommen und kann nun auch meine gesamte Gefühlspalette nutzen als Quelle von Inspiration. Ich bin bereit meine eigene Wahrheit zu sehen und anzunehmen, bin somit für die ganze Wahrheit offen – in jedem Moment. Ich bin frei, weil ich nicht mehr kämpfe, nicht mit und schon gar nicht gegen mein Ego – denn es hat seinen angemessenen Platz in mir gefunden und ich in ihm und deshalb gleichermaßen im gesamten Dasein mit allem, was mich umgibt. Ich bin zu meiner Quelle zurückgekehrt, die mich in jedem Moment mit neuer Kraft erfüllt. Und was ich am wichtigsten finde: Wenn wir uns aus den Fesseln eines verletzten Egos befreit haben, können wir von Mensch zu Mensch, von Seele zu Seele kommunizieren, und nicht mehr aus der Perspektive von zwei fordernden und kämpfenden Egos, die sich im Krieg befinden, wiederholte Schatten werfen und so das Licht des Bewusstseins ständig neu verdunkeln.

(c) Karin Aveon

Den Artikel kommentieren