Flüchtlinge. Es gibt Zeiten, in denen man aufgefordert ist, die Komfortzone zu verlassen, in der man sich wie in großen Ferien allein auf sich besinnen konnte und froh war, etwas hinter sich gebracht zu haben. – Mir geht es so bei der Betrachtung meines komfortablen Lebens, dass ich mich in den letzten Jahren ganz auf mich und mein engeres Umfeld konzentrieren durfte, allein vor meiner eigenen Tür zu kehren brauchte, und Streitigkeiten, die da draußen tobten, nicht an mich herankamen. Sie gingen mich nichts an. Schließlich hatte ich in siebzig Lebensjahren begriffen, dass die Wirklichkeit unendlich viele Wahrheiten kennt und auf geheimnisvolle Weise aus Zwietracht Eintracht entsteht, wenn die Widersprüche aus These und Antithese im ewigen Wandel sich zu einer Synthese fanden. Diese Synthese war dann die Einsicht, dass es faule Kompromisse waren, die man um des vordergründigen, lieben Friedens gemacht hatte, statt sein Kreuz auf sich zu nehmen und ggf. für seine subjektive Wahrheit zu sterben. –
So konfrontiere ich mich – und vielleicht auch dich – damit, ob ich für die Werte der so genannten „freien Welt“ zu sterben bereit bin. Ich frage mich, ob ich wirklich bereit bin, diesen den Willen des Volkes vertretenden Politikern zu folgen, die analytisch klar nachweisen, dass das Land, in dem ich wohne, Not leidende Flüchtlinge abweisen muss, weil wir das „nicht verkraften“ könnten.