Wie entsteht Faschismus und Diktatur? Politische Entwicklungen im Vergleich

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Wie entstehen Faschismus und Diktaturen? Politische Entwicklungen im Vergleich

Faschismus und Diktaturen entwickeln sich nicht plötzlich. Sie sind das Ergebnis schleichender Prozesse, bei denen demokratische Prinzipien nach und nach untergraben und durch autoritäre Strukturen ersetzt werden. Immer wieder kehren bestimmte Muster zurück: Feindbilder werden geschaffen, Medien kontrolliert, Gewalt wird normalisiert, demokratische Institutionen geschwächt, die Justiz politisiert und ein übersteigerter Personenkult gefördert. Häufig werden auch Religion und Spiritualität instrumentalisiert, um die eigene Macht zu legitimieren. Autoritäre Führer stellen sich als göttlich gesandte Retter dar oder berufen sich auf religiöse Werte, um ihre Herrschaft zu rechtfertigen und Opposition als ungläubig oder moralisch verwerflich abzustempeln. Die Geschichte zeigt, dass solche Entwicklungen oft in Krisenzeiten geschehen, wenn wirtschaftliche, politische oder gesellschaftliche Unsicherheiten radikale Kräfte stärken.

Ein anschauliches Beispiel für einen faschistischen Staat ist Italien unter Benito Mussolini. Dennoch gab es markante Unterschiede zum Nationalsozialismus, der rund ein Jahrzehnt später in Deutschland die Macht übernahm. Während der italienische Faschismus vorrangig auf Nationalismus, staatliche Kontrolle und eine autoritäre Führungsstruktur setzte, fehlte ihm der systematische völkische Rassismus und Antisemitismus, der im Nationalsozialismus eine zentrale Rolle spielte und zur systematischen Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen führte. Der Nationalsozialismus erhob die rassistische Ideologie zur tragenden Säule seiner Herrschaft und verfolgte ein aggressives Expansionsprogramm, während Mussolinis Regime stärker auf die Konsolidierung der nationalen Macht fokussiert war.

Daher ist es problematisch, den Begriff „Faschismus“ – wie es insbesondere Kommunisten taten – pauschal für alle rechtsgerichteten Diktaturen der Zwischenkriegszeit zu verwenden, da dies die spezifische, rassistisch motivierte Politik des Nationalsozialismus verharmlosen würde. Dennoch lassen sich viele Elemente des italienischen Faschismus in heutigen autoritären Bewegungen wiedererkennen. Besonders auffällig sind Parallelen zu politischen Entwicklungen in den USA unter Donald Trump, der in seiner zweiten Amtszeit demokratische Institutionen weiter untergräbt. Die Mechanismen, die den Aufstieg faschistischer Strukturen begünstigen, sind nicht auf eine bestimmte Zeit oder einen bestimmten Ort beschränkt – sie entstehen immer dann, wenn demokratische Kontrollmechanismen geschwächt oder bewusst unterlaufen werden.

Merkmale faschistischer und autoritärer Systeme

1. Feindbilder: Wer ist der Schuldige?

Faschistische Systeme arbeiten gezielt mit Feindbildern. Mussolini nutzte diese Strategie, um innere und äußere Gegner zu definieren und die Bevölkerung hinter sich zu versammeln. Politische Gegner wurden als Verräter dargestellt, während äußere Feinde das Bild einer permanent bedrohten Nation verstärkten.

Auch in den USA lässt sich dieses Muster erkennen. Trump und seine Anhänger bezeichnen politische Gegner als „Verräter“ und delegitimieren kritische Medien als „Fake News“. Migranten, die UNO oder China werden als Bedrohung dargestellt, um Angst und Zusammenhalt innerhalb der eigenen Anhängerschaft zu schaffen. Das gezielte Schüren von Ressentiments gegen bestimmte Gruppen fördert eine Spaltung der Gesellschaft, was autoritären Führern zugutekommt.

2. Indoktrinierung und Medienkontrolle

Die Kontrolle der öffentlichen Meinung ist für autoritäre Systeme essenziell. Mussolini setzte massiv auf Propaganda, um das faschistische Ideal zu verbreiten und Andersdenkende auszuschalten. Er nutzte staatliche Medien, um seine Botschaften zu verstärken und alternative Sichtweisen zu unterdrücken.

Trump verfolgt einen ähnlichen Kurs, indem er konservative Medienplattformen nutzt und eigene Kanäle wie Truth Social schafft. Kritische Journalist:innen und Wissenschaftler:innen werden diskreditiert, um die Glaubwürdigkeit unabhängiger Medien zu untergraben. Dadurch wird die Bevölkerung stärker polarisiert und in parallele Informationswelten aufgespalten, in denen Fakten nicht mehr objektiv überprüft werden.

3. Gewalt als Mittel der Politik

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Gewaltbereitschaft ist ein weiteres Merkmal faschistischer Systeme. Mussolinis Schwarzhemden griffen politische Gegner an und schüchterten die Bevölkerung ein. Wer sich dem Regime widersetzte, wurde verfolgt oder aus dem öffentlichen Leben entfernt.

In den USA ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. Rechtsextreme Gruppen wie die Proud Boys und Oath Keepers haben ihre Aktivitäten verstärkt, besonders seit dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021. Gewalt wird zunehmend als legitimes Mittel politischer Auseinandersetzung betrachtet. Politische Prozesse werden von Einschüchterung und Drohungen begleitet, was die demokratische Entscheidungsfindung stark beeinflusst.

4. Schwächung demokratischer Institutionen

Mussolini entmachtete das Parlament und schuf eine Einparteienherrschaft. Kritische Stimmen wurden systematisch ausgeschaltet, während Wahlmanipulationen an der Tagesordnung waren.

Trump verfolgt ebenfalls Strategien, um demokratische Institutionen zu schwächen. Wahlergebnisse werden systematisch infrage gestellt, Wahlgesetze in Bundesstaaten geändert und loyale Gefolgsleute an entscheidende Stellen gesetzt. Der Versuch, Wahlsysteme zu manipulieren, ist eine direkte Bedrohung für demokratische Prinzipien.

5. Beeinflussung der Justiz

Ein weiteres Muster faschistischer Systeme ist die Politisierung der Justiz. Mussolini nutzte Gerichte, um seine Gegner auszuschalten, während Gesetze so geändert wurden, dass sie nur noch dem Regime dienten.

In den USA besetzte Trump in seiner Amtszeit zahlreiche Richterposten mit konservativen Kandidaten, um langfristig politischen Einfluss zu sichern. Entscheidungen zugunsten Trumps oder seiner Verbündeten sind häufig das Ergebnis dieser gezielten Einflussnahme. Gleichzeitig laufen Prozesse gegen ihn ins Leere oder werden verzögert, während politische Gegner mit rechtlichen Schikanen rechnen müssen.

6. Personenkult: Der Führer als Retter

Faschistische Bewegungen kreisen oft um eine zentrale Führerfigur, die als unfehlbar dargestellt wird. Mussolini stilisierte sich als „Duce“, der Italien zu neuer Größe führen würde.

Trump hat einen ähnlichen Personenkult um sich aufgebaut. Seine Anhänger sehen ihn als letzten Verteidiger der „wahren“ amerikanischen Werte. Öffentliche Veranstaltungen und Kundgebungen erinnern an autoritäre Inszenierungen, bei denen Trump als Heilsbringer dargestellt wird. Kritik an ihm wird nicht als sachliche Auseinandersetzung betrachtet, sondern als Angriff auf die Nation selbst.

7. Wirtschaftliche Kontrolle und Korruption

Faschistische Regime setzen auf eine enge Verbindung zwischen Staat und Wirtschaft. Mussolini etablierte ein korporatistisches System, in dem Unternehmen mit der Regierung kooperieren mussten.

Unter Trump profitieren wirtschaftliche Akteure, die sich loyal verhalten, von Steuererleichterungen und Regierungsaufträgen. Gleichzeitig werden Kritiker wirtschaftlich benachteiligt oder gezielt unter Druck gesetzt. Korruption breitet sich aus, da Macht zunehmend zur persönlichen Bereicherung genutzt wird.

8. Militarisierung und Kriegsbereitschaft

Mussolini führte Italien in eine aggressive Außenpolitik, die letztlich zum Zweiten Weltkrieg beitrug. Militarisierung wurde genutzt, um nationalistische Ideale zu untermauern.

Trump setzt verstärkt auf eine aggressive Außenpolitik. Konflikte mit China, Iran und Russland eskalieren zunehmend. Gleichzeitig wird die Bewaffnung der Zivilbevölkerung gefördert, was eine Militarisierung im Inland begünstigt. Die Vermischung von Polizei und privaten Sicherheitsgruppen erinnert an autoritäre Tendenzen vergangener Zeiten.

Fazit: Eine Demokratie in Gefahr?

Die Parallelen zwischen Mussolinis Faschismus und den Entwicklungen in den USA unter Trump sind offensichtlich. Demokratische Systeme sind nicht automatisch stabil – sie müssen aktiv verteidigt werden. Die systematische Spaltung der Gesellschaft, die gezielte Schwächung von Institutionen und der Einsatz von Gewalt als politisches Mittel zeigen, wie fragil Demokratie sein kann.

Trump nutzt viele der Strategien, die historisch zur Etablierung faschistischer Regime führten. Seine zweite Amtszeit zeigt, wie weit dieser Prozess bereits fortgeschritten ist. Doch Geschichte ist nicht vorherbestimmt – demokratische Gesellschaften haben die Möglichkeit, autoritären Entwicklungen entgegenzutreten, indem sie sich für Transparenz, unabhängige Medien und einen starken Rechtsstaat einsetzen.

Letztendlich liegt es an den Bürgerinnen und Bürgern, ob eine Demokratie überlebt oder ob sie langsam in eine autoritäre Struktur übergeht. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es darauf ankommt, frühzeitig zu handeln und demokratische Prinzipien konsequent zu verteidigen.

21.02.2024
Uwe Taschow

Alle Beiträge des Autors auf Spirit Online

Uwe Taschow Krisen und Menschen Uwe Taschow

Als Autor denke ich über das Leben nach. Eigene Geschichten sagen mir wer ich bin, aber auch wer ich sein kann. Ich ringe dem Leben Erkenntnisse ab um zu gestalten, Wahrheiten zu erkennen für die es sich lohnt zu schreiben.
Das ist einer der Gründe warum ich als Mitherausgeber des online Magazins Spirit Online arbeite.

“Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.”
Albert Einstein

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