Wahrheit

herz sand tracks in the sand

herz sand tracks in the sandAuf dem Markt der Wahrheit

Wenn ich in die äußere Welt schaue, mit all ihren Angeboten, Vorschlägen, Lösungen und vor allem Wahrheiten – frage ich mich, was denn von all dem im Herzen der Quelle schwingt.

Was von all dem ist harmonisch und klar?

Ich schaue mich um, ohne wirklich irgendwo stehen zu bleiben. Es ist wie über einen Marktplatz gehen, an vielen Ständen vorbei – jede Menge Bewegung, großes Geschrei.

„Hierher, hierher, hier ist der Weisheit aller Schluss“, oder „hierher, kauft die Wahrheit, die euch für immer befreit“, oder „hier bekommt ihr die endgültige Gewissheit, wie die Welt läuft, nie wieder Täuschungen“.

Dies und mehr höre ich, während ich an den Marktständen vorbei gehe. Manche sind besonders laut und bunt, theatralisch und emotional tun sie ihre Wahrheit kund.

Interessanterweise stehen da viele Menschen davor, es ist, als ernährten sie sich davon.

Ihre Münder stehen staunend offen, ihre Augen sind geweitet. Fast hypnotisch saugen sie die Worte auf. Worte, die sie zugleich ängstigen, als auch Lösungen und Sicherheiten anbieten.

Doch nur im Tausch, umsonst gibt es da nichts.

Und schon sehe ich, wie die ersten Beruhigung bekommen, und etwas von sich, das sie meinen nicht zu brauchen, da lassen. Fröhlich ziehen sie weiter über den Marktplatz, nichtsahnend, auf was sie sich da eingelassen haben.

Als ich noch versuche, das Gesehene einzuordnen, höre ich von gegenüber schon Rufe: „Glaubt ihnen nicht, lasst euch nicht täuschen, schaut der Wahrheit auf den Grund!“.
Und: „Nur hier findet ihr Antworten!“.

Einige, die an dem erst genannten Marktstand stehen, schwenken hinüber und sind interessiert. Denn so ganz geheuer war ihnen das Angebotene nicht. Sie haben bemerkt, wie verändert die Leute dort wirkten.
Dieser Stand nun, der der Aufklärung und Wahrheiten, bietet ein interessantes Bild. Er ist übervoll mit seinem Angebot, viele Helfer flitzen da herum und ständig kommt neue Ware, das heißt neue Wahrheiten und Aufklärungen hinzu. Viele Stimmen verkünden das, und von den Zuschauern hört der eine dieses, der andere jenes.

Je nachdem, wohin er sein Ohr hält, und wie der Wind steht.

Fast kommt es mir so vor, als ob der erst genannte und der zweit genannte Marktstand irgendwie miteinander verbandelt sind:

wie alte, miteinander unglückliche und sich bekämpfende Gefährten.

Vereinfacht gesagt, der erste Stand schreit eine Bedrohung und eine Lösung heraus und der zweite ruft sofort: „Es ist alles ganz anders, so hört doch, Leute!“.

Und so geht es hin und her und auch viele Menschen gehen hin und her. Manche entscheiden sich für eine Seite, manche bleiben einfach bei einer Seite hängen, weil ihnen schwindelig geworden ist. Das heißt, sie setzen sich notgedrungen hin.

Ich kann mich für keinen Marktstand entschließen, das Laute und Grelle zieht mich einfach nicht an. Und doch nehme ich die verschiedenen Strömungen wahr, die quasi in der Luft liegen und um die Stellung der Hauptströmung auf dem Marktplatz kämpfen.

In mir spüre ich ein starkes Sehnen nach Stille.

Ohne zu wissen, wo sie ist, setze ich einfach einen Schritt nach dem anderen, ganz sachte, und in mich hinein lauschend. Schritt für Schritt, und irgendwann bin ich am Rande des Marktplatzes.

Ich fühle ein innerliches zögern, ein kurzes angstvolles zusammenziehen in mir, doch ich habe das erste Bein schon angehoben.

In diesem kurzen Moment durchströmt mich ein herrlicher Blütenduft, der mein Herz erfreut, und schon setze ich das erste Bein auf und ziehe das zweite hinterher.

Ich habe den Marktplatz verlassen.

All das Geschrei und Gewimmel liegt hinter mir.

Weiter und weiter gehe ich, und erblicke um mich herum eine Landschaft, die ihresgleichen noch sucht.
Meine Atmung wird tiefer, und mit jedem Ausatmen dehnt sich mein Herz aus, als ob es, wenn es größer und weiter wird, die wunderbare Umgebung berühren kann, ja sogar mit ihr verschmelzen. In dieser stillen Freude erblicke ich vor mir eine Art Garten. Er wirkt irgendwie angelegt, und doch wild und frei.

Als ich dort ankomme, sehe ich blühenden Flieder und Lavendel, Rosen, Feigen, Kräuter und vieles mehr. In der Mitte dieses Gartens ist ein kunstvoll verzierter Brunnen, so einer, der rundherum Sitzmöglichkeiten bietet.

Eine Pause wird mir gut tun, ich setze mich und lausche dem Klang des plätschernden Wassers, der etwas eigenartig klingt. Sehr fein, melodiös, fast wie ein Stück auf dem besten Klavier der Welt, ach, des Kosmos!
Ich lausche und frage mich, ob sich so wohl die Stille anhört.

Der Marktplatz mit all seinem drum und dran kommt mir Welten entfernt vor. Ich kann mich kaum noch an ihn erinnern. Ich schaue in die Richtung, aus der ich gekommen bin.

Mein Weg ist sichtbar, Spuren im Sand.

Jetzt erst dämmert es mir. Sah ich nicht bereits hier und da eine Spur im Sand, die der Wind noch nicht weggefegt hatte, denen ich folgte?

In diesem Moment bemerke ich vereinzelt Menschen, die diesen Weg gehen, den auch ich gegangen bin.
Irgendwie fühle ich mich nicht einsam, wie ich da an dem Brunnen sitze. Ungestört ja, aber nicht einsam.

Ich schaue nach links und nach rechts, und tatsächlich, da sitzen sie:
die Menschen, die vor mir diesen Weg der Stille gegangen sind, die ihre Spuren im Sand hinterlassen haben.

Und da vorn, da kommen sie,
die Menschen,
die unseren Spuren im Sand folgen.

Vielleicht bin ich ja einigen aufgefallen, auf dem Marktplatz, als ich einen anderen Weg wählte. Möglicherweise habe ich sie im Vorübergehen angesteckt, einen Funken des Sehnens entfacht. Vielleicht lag einfach etwas in der Luft, das sie innehalten ließ.

Aufhorchen, auf die Stille horchen,
mehr von ihr hören wollen.
Sich auf den Weg machen.

Text aus dem Buch: „Das blaue Buch der Weisheit – Inspirationen aus der Himmelsfeder“Cover-Buch-Blume-Melanie-Ackermann
von Melanie Ackermann
“Das blaue Buch der Weisheit – Inspirationen aus der Himmelsfeder – erzählt mal ernst und mal heiter von den Wegen und Flüssen des Lebens, die alle ein Ziel haben: die Befreiung der ureigenen Quelle, für ein authentisches Sein in Leichtigkeit und Freude. So, wie es in jedem von uns angelegt ist. Es ist eine sanfte, doch machtvolle Revolution aus dem Herzen.”

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13.08.2022
Melanie Ackermann
www.melanieackermann.de


Melanie-Ackermann-Portrait-2021Melanie Ackermann

… meine Krone streckt sich in den Himmel, mein Herz öffnet sich – und erzählt.
Mein Schreiben ist etwas, …

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