Der Ruf der Geister – Eine schamanische Einweihung

schamanismus symbol

Leseprobe aus dem Buch
Der Ruf der Geister – Eine schamanische Einweihung

Die Einladung

Es interessiert mich nicht, wie du dein Geld verdienst.
Ich will wissen, wonach du dich sehnst und ob du es wagst, davon zu träumen, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.
Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du es riskierst, dich für die Liebe lächerlich zu machen, für
deine Träume, für das Abenteuer, lebendig zu sein.
Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen. Ich will wissen, ob du den Kern deines eigenen Leids berührt hast, ob du durch die Enttäuschungen des Lebens geöffnet worden bist oder zusammengezogen und verschlossen aus Angst vor weiterem Schmerz.
Ich will wissen, ob du im Schmerz stehen kannst, in meinem oder deinem eigenen, ohne etwas zu tun, um ihn zu verstecken, ihn zu verkleinern oder in Ordnung zu bringen.
Ich will wissen, ob du mit Freude sein kannst, mit meiner oder deiner eigenen; ob du mit Wildheit tanzen und dich bis in die Spitzen deiner Finger und Zehen von Ekstase erfüllen lassen kannst, ohne dazu zu ermahnen, vorsichtig und realistisch zu sein, oder an die Beschränkungen des Menschseins zu erinnern.
Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du mir erzählst, wahr ist.
Ich will wissen, ob du einen anderen enttäuschen kannst, um dir selbst treu zu bleiben; ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.
Ich will wissen, ob du treu sein kannst und darum vertrauenswürdig.
Ich will wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du dein Leben aus der Gegenwart des Großen Geheimnisses entspringen lassen kannst.

1. Schamanismus und westliche Kultur

Die traditionellen schamanischen Wege des Wissens und der Kraft sind seit meinem 17. Lebensjahr mein Lebensinhalt. Seit 1998 bin ich als schamanische Naturheiltherapeutin selbstständig tätig und lebe meinen Heiligen Traum und meinen Dienst an den spirituellen Welten und den Menschen ohne Kompromisse. Dieser Weg ist alles andere als romantisch und mit sehr vielen Entbehrungen und Einschränkungen, vor allem im privaten Bereich, verbunden.
Leider wird in unserer Kultur dieser Weg, wie ich ihn gehe und lebe, von den meisten immer noch als Humbug oder Scharlatanerie abgetan. Es gibt sogar Bestrebungen der österreichischen Ärztekammer, schamanische und komplementärmedizinische Behandlungen verbieten zu lassen. Die Hexenverfolgung ist also noch lange nicht Geschichte.

Natürlich sollte es den Menschen vorbehalten sein, zu denken und zu glauben, was sie möchten, was für sie stimmig ist. Zumindest ist dies ein gewährleistetes Recht im österreichischen Verfassungsgesetz. Dieses Recht findest du in allen EU- Ländern. Die Realität hingegen zeigt, dass sehr eng begrenzte Vorstellungen darüber herrschen, was sein darf und was nicht. Unsere Gesellschaft, unsere Kultur, unsere Religionen erlauben nur bestimmte Wahrnehmungen, Verfassungsrecht hin oder her.

Für mich war es auf der spirituellen, religiösen Ebene immer schon rätselhaft, wie das Christentum oder der Islam Spirits, Geisterwelten, Göttinnen und Götter als etwas Böses und Frevelhaftes ablehnen und gleichzeitig Engel und Heilige anbeten können. Warum lösen wir uns nicht einfach von unseren Glaubenssätzen, was spirituelle oder medizinische Wahrheit zu sein hat und was Lüge ist? Betrachten wir doch alles, was in unser Leben einwirkt, als Ressource, die uns zur Verfügung steht, um sie in die Heilung und Selbstheilungskräfte von Seele und Körper einfließen zu lassen, und zwar miteinander und nicht gegeneinander.

Das mag für die einen das Gebet sein, für die anderen eine schamanische Reise, für wieder andere Atemtechnik oder Energiearbeit oder eine der vielen alternativen Optionen, die uns in diesem Jahrhundert zur Verfügung stehen. Eine uralte Kulturtechnik anzuprangern und sie als »Humbug« zu diffamieren, nur weil sie seit der christlichen Missionierung bekämpft wird oder man sie nicht kennt, zeugt von enormer Unwissenheit und Angst. Es gibt einfach so viel mehr zwischen und hinter dem, was wir kennen und gelernt haben, und meines Erachtens tun wir gut daran, unser Bewusstsein dafür zu öffnen.

Wahrlich wäre damit allen geholfen. Aber es werden wohl noch einige Jahrzehnte ins Land ziehen, bis Rechthaberei, Neid, Profitgier und Rentabilität nicht mehr im Vordergrund stehen. Es ist höchste Zeit, dass die heiligen und medizinischen Kriege aufhören und wir ein verantwortungsvolles Miteinander leben, in Respekt und Wertschätzung.
Natürlich gibt es Menschen, die glauben, nach dem Besuch von ein paar Seminaren schon selbst Schamanin zu sein. Natürlich sind viele der Ausschreibungen im Internet abenteuerlich und entbehren jeder soliden Grundlage. Das darf jedoch niemals ein Grund sein, den Schamanismus verallgemeinernd zu verurteilen.

Es gibt zahlreiche Schamaninnen und Schamanen, die durch eine jahrelange intensive Ausbildung gegangen sind und deren Arbeit profund und seriös ist. In Mittel- und Südamerika gibt es viele Krankenhäuser und Ärzte, die erfolgreich Hand in Hand mit ihnen zusammenarbeiten.

Don Juan Moreno Perez, der mich sechzehn Jahre lang intensiv in der traditionellen Form unterrichtete, brachte mich auch mit Schamaninnen und Schamanen anderer Kulturkreise in Verbindung, um meine Erfahrungen zu vertiefen. Nach meiner Lehrzeit habe ich mich all die Jahre hindurch ständig meiner persönlichen und spirituellen Weiterentwicklung – immer im Feld des traditionellen Schamanismus – gewidmet. Wenn ich darüber spreche, was Schamanismus ist und bedeutet, so sind dies meine persönlichen Erfahrungen.

Was ist Schamanismus?

Der Begriff Schamanismus bezeichnet beim Volk der Tungusen in Ostsibirien wissende Menschen. Der Begriff wurde vermutlich Ende des 17. Jahrhunderts von Reisenden geprägt, die aus Sibirien nach Europa zurückgekommen sind. Er hat sich in der Zwischenzeit über die ganze Welt verbreitet. In Nord-, Mittel- und Südamerika werden die Bezeichnungen »Schamanin« oder »Schamane« jedoch nach wie vor nicht gern gehört, und manche indigenen Völker lehnen den Begriff völlig ab. Auch die Bezeichnungen »Medizinfrau« oder »Medizinmann« werden nicht gern verwendet. Jedes indigene Volk hat seine eigene Bezeichnung für das, was eine Schamanin ausmacht. Sie sind Heilerinnen, Priesterinnen, Kräuterkundige, Magierinnen, Sozialarbeiterinnen, Psychologinnen und vieles mehr. Sie verstehen sich als spirituelle Heilende und Lehrende.

Es gibt verschiedene Formen schamanischer Traditionen. In der einfachen Erscheinungsweise des Schamanismus wird viel mit Angst gearbeitet. Das Böse und Schlechte im Außen wird durch schwarze Magie und Verhexungen bekämpft.
Im bewussten und höher entwickelten Schamanismus hingegen bringt die Natur selbst nichts Schlechtes oder Negatives hervor. Wir Menschen sind leuchtende Wesen, und die vermeintlichen Dämonen sind die Schattenaspekte unserer Seele, die gesehen werden möchten, umarmt und transformiert in positive Kräfte.
Im Schamanismus indigener Kulturen weicht die Weltsicht in den lokalen Überlieferungen und Erzählungen oft voneinander ab. Bei näherer Betrachtung entdeckt man jedoch einen gemeinsamen Kern, der alle Traditionen miteinander verbindet und ihre Basis bildet. Und diese Basis, verbunden mit meinen eigenen Erfahrungen, möchte ich mit euch teilen.

Schamanismus ist wohl die älteste bekannte ganzheitliche Heilkunde. Die schamanische Heilkunst entstand aus der Erfahrung, dass jede Krankheit ein Spiegel für eine Disharmonie zwischen den Menschen, der Natur und dem Kosmos ist. Der Schamanismus nutzt den Erfahrungsschatz vieler Generationen, um die Heilkräfte der Elemente, der Natur und des Kosmos wahrzunehmen, zu verstehen und anzuwenden. Im schamanischen Weltbild ist alles belebt und beseelt.

In der schamanischen Arbeit wird grundsätzlich mit dem Spirit und der Seele dieser Kräfte gearbeitet. Mit Spirits sind jene unsichtbaren Schöpferintelligenzen gemeint, die jeder Pflanze, jedem Tier, den Steinen, den Elementen, den kosmischen Welten, ja auch den Atomen innewohnen. Schamaninnen wissen um diesen Geist in allen Dingen. Sie wissen, dass alles miteinander verbunden ist, sich gegenseitig unterstützt und auch Wechselwirkungen hat.

Die Schamanin ist eine Wanderin zwischen den Welten. Die Spirits sind ihre Verbündeten und Helferinnen. Die Schamanin kann mit ihrer Hilfe in andere Wirklichkeiten reisen, von dort Botschaften erhalten und heilende Kräfte der spirituellen Ebenen in die körperliche/materielle Welt transportieren.

Für Schamaninnen ist der Raum zwischen Menschen oder Dingen und auch der leere Raum kein durchsichtiges Nichts, kein Vakuum. Dieser Raum ist belebt von Energie. Und hinter jeder Energie steht eine Wesenheit, eine Seele, auch wenn wir sie nicht mit unseren Augen sehen können. Wir wissen ja, dass physische Materie nicht fest ist, sondern sich aus Atomen zusammensetzt, die ihrerseits auch nicht aus fester Masse bestehen, sondern aus Elektronen, die um den Atomkern kreisen. Besonders spannend ist, dass jedes Atom 99,9 Prozent Hohlraum – also Leere – hat. Das ist messbar. Doch was in dieser Leere ist und wie diese wirkt, das haben wir noch nicht herausgefunden.

Der Raum im Inneren und dazwischen kann erfahren wer- den. Hier können Schamaninnen wahrnehmen, was andere nicht zu sehen vermögen. Es ist eine Erweiterung des Bewusstseins auf nicht physische Welten und Dimensionen. Die Aufgabe der Schamanin ist es, die Welt der Spirits, der inneren und äußeren Räume, mit der körperlichen, der psychischen und der mentalen Welt in Einklang zu bringen.

Im schamanischen Sinne gibt es weder Gut noch Böse. Alles ist neutral. Nur wenn irgendwo ein Defizit oder ein Überschuss an Energie herrscht oder wenn etwas einen Platz ein- genommen hat, wo es nicht hingehört, muss es wieder in ein harmonisches Gleichgewicht gebracht werden. Im schamanischen Heilprozess lernen wir Quellen der Kraft kennen, die dazu beitragen, Gleichgewichtsstörungen der Seele aufzulösen und Unstimmigkeiten des Körpers zu bereinigen. Die Balance von Körper, Geist und Seele aktiviert die Selbstheilkräfte des Organismus.

Die vielen Parallelwelten im schamanischen Weltbild

Im Schamanismus existieren gleichzeitig zu unserer Alltagswelt viele Parallelwelten. Die Alltagsrealität ist die Ebene, in der wir sehen, fühlen, hören, aus der heraus wir agieren und reagieren und täglich Entscheidungen treffen, die unsere menschliche Existenz ermöglichen.

Träume

Zu den Parallelwelten zählt die Kraft und Magie von Tag- und Nachtträumen. Tagträume sind unter anderem die bewusste Visualisierung von inneren Bildern, Gedanken und Gefühlen. Wir wissen, dass Gedanken und Emotionen reine Energie sind, die sich schneller als die Lichtgeschwindigkeit vorwärtsbewegt. Im Sinne des Resonanzgesetzes verbindet sich nun exakt diese Energie mit ähnlich schwingender Energie. Ein Feld bildet sich, das sich immer mehr verdichtet, bis Materie daraus entsteht. Formen wir also in unseren Gedanken eine Absicht, ergänzen diese mit positiven Gefühlen und fokussieren sie stark genug, so können wir diese inneren Bilder in unsere Wirklichkeit träumen.

Spirituelle Seele

Eine weitere Parallelwelt ist die Verbindung mit unserer spirituellen Seele. Das ist der Seelenaspekt in uns, der uns erlaubt, die Welt und unser Leben aus höheren Perspektiven in Ruhe zu betrachten. Die eigenen Emotionen und Gedanken sind zwar immer noch in unserem Bewusstsein vorhanden, aber wir sind in der Lage, ihnen mit einer gesunden Distanz zu begegnen, den Blick zu erweitern und hinter und zwischen die Dinge zu sehen.

Anderswelt

Die Schöpfung, unser wunderbarer Blauer Planet, sowie alles, was hier auf der Erde ist und existiert, ist nichts als pure Energie. Diese Energie ist geordnet, organisiert und strukturiert, und so kann Materie entstehen. Jenseits dessen, was wir sehen können, existiert das, was manche als »Anderswelt« bezeichnen. Denn jegliche Form von Energie beherbergt in sich Seelenpräsenzen, die als Spirits bezeichnet werden. Die Verbindung und Kommunikation mit diesen Wesenheiten ist eine weitere Parallelwelt, die ununterbrochen auf die Materie und unser Leben einwirkt.
Don Juan zufolge soll es sieben mal sieben Parallelwelten geben, wobei uns Menschen lediglich sieben bis vierzehn zugänglich sind. Nur einige wenige können nach jahrzehntelangem Training eventuell weitere Parallelwelten erreichen.

Der Ruf der Geister


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Der Ruf der Geister – Eine schamanische Einweihung
von Sonia Emilia Rainbow

Einzigartige Einblicke in die geheimnisvolle Welt des Schamanismus: Naturgeister, Medizinrad, Krafttierreisen – Sonia Emilia Rainbow zeichnet ihre spannende Entwicklung zur Schamanin und Heilerin nach und gibt Einblick in das uralte Wissen der Schamanen. In einer bildreichen Sprache erzählt sie von faszinierenden Erfahrungen, die sie während ihrer langjährigen Lehrzeit bei Juan Moreno gemacht hat, einem traditionellen kolumbianischen Schamanen, dem sie schicksalhaft im Alter von 17 Jahren begegnete.

Zum Buch

01.12.2021
Sonia Emilia Rainbow


Sonia Emilia Rainbow

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Foto © Sonia Emilia Rainbow

Sonia Emilia Rainbow ist schamanische Naturheiltherapeutin und Speakerin. Seit 1980 ist sie auf dem schamanischen Medizinpfad und seit 1997 international als schamanische Lehrerin und Heilerin tätig. Viele Schamaninnen und Schamanen aus unterschiedlichen Traditionen begleiteten ihr Leben und ihre persönliche Entwicklung:
Die Lakota-Ojibways Medizinfrauen Henrietta BeaverWoman und TwoStarWoman, Maestra Olivia Arevalo und Maria Arevalo vom Stamme der Shibipo-Conibo im Amazonastiefland, Maria el Uevo aus Yucatan, Mexiko, sowie Juan Perez, Don Eduardo Calderon und besonders auch die Lakota-Sioux-Ältesten Singing Bird und Crow Wolf prägten ihre Berufung als schamanische Heilerin.
Die Autorin ist glückliche dreifache Mutter und fünffache Großmutter und lebt in Österreich.

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