Wenn Lebensrichtung zur gelebten Freiheit wird
Michael Windey zeigt, dass Spiritualität mehr ist als inneres Erleben. Sie wird glaubwürdig, wenn sie Menschen befreit, Würde stärkt, Dörfer aufbaut und dem Leben dient. Wer nach der eigenen Lebensrichtung fragt, sucht nicht nur einen Weg für sich selbst. Er fragt tiefer: Aus welcher Quelle lebe ich – und wohin fließt meine Kraft?
Lebensrichtung ist spirituell nicht einfach Zielplanung. Sie ist die innere Ausrichtung des Menschen auf seinen Ursprung, seine Freiheit und seine Verantwortung. Ein Mensch kann viel erreichen und dennoch an seiner Quelle vorbeileben. Er kann Pläne haben und doch ohne Richtung sein. Er kann religiöse Worte kennen und dennoch nicht dienen.
Kurzantwort: Michael Windey war ein belgischer Jesuit, Missionar in Indien und Gründer der Village Reconstruction Organization. Sein Leben zeigt, dass spirituelle Lebensrichtung dort beginnt, wo innere Freiheit nicht Selbstzweck bleibt, sondern zu Dienst, Wiederaufbau und konkreter Verantwortung für Menschen wird.
In diesem Beitrag verbindet Roland Ropers das alte Bild von Quelle und Strom mit einer außergewöhnlichen Gestalt des 20. Jahrhunderts: Michael A. Windey. Er war Priester, Lehrer, Dorfaufbauer, Gandhi nah verbunden, von Indien geprägt und von einer Spiritualität getragen, die nicht in Dogmen erstarrte.
Eine passende Vertiefung zum inneren Weg bietet der Beitrag Spiritualität und Selbsterkenntnis.
Die Quelle und der Strom
Ein chinesisches Sprichwort sagt: Wer an die Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen.
Dieses Bild berührt eine tiefe Wahrheit. Der Strom des Lebens trägt uns. Er bewegt uns durch Erfahrungen, Beziehungen, Entscheidungen, Verluste, Freude, Schuld, Hoffnung und Wandlung. Doch wer nur mit dem Strom treibt, verliert leicht die Frage nach dem Ursprung.
Die Quelle ist nicht einfach ein Ort am Anfang. Sie ist das, woraus Leben immer neu hervorgeht. Sie ist Ursprung, Heimat und innerer Grund zugleich. Spirituell gesprochen ist sie jene Wirklichkeit, aus der der Mensch lebt, auch wenn er sie im Alltag vergisst.
Lebensrichtung entsteht nicht dadurch, dass der Mensch immer neue Ziele anhäuft. Sie entsteht, wenn er erkennt, aus welcher Quelle er lebt und welchem Strom er seine Kraft anvertraut.
Michael Windey war ein Mensch, der an die Quelle wollte. Aber er suchte sie nicht in weltferner Innerlichkeit. Er fand sie im Dienst an den Dörfern Indiens.
Gandhi und die Gegensätze des Lebens
Roland Ropers stellt dem Beitrag ein Gandhi-Wort voran: Die Welt ist voller Gegensätze. Glück und Trauer, Licht und Schatten, Geburt und Tod gehören zum Leben. Freiheit entsteht nicht, indem man die Gegensätze auslöscht, sondern indem man sich nicht mehr von ihnen binden lässt.
Das ist ein entscheidender Gedanke. Viele Menschen suchen Lebensrichtung, weil sie den Gegensatz loswerden wollen: Unsicherheit, Schmerz, Zweifel, Verlust, Angst, Scheitern. Doch spirituelle Reife entsteht nicht durch Vermeidung. Sie entsteht durch eine andere Beziehung zu dem, was ist.
Michael Windey lebte mitten in Gegensätzen: Europa und Indien, Christentum und Hinduismus, Universität und Dorf, Theologie und praktischer Wiederaufbau, Freiheit und Armut, Quelle und Strom.
Er löste diese Gegensätze nicht theoretisch auf. Er lebte durch sie hindurch.
Wer war Michael Windey?
Michael Antony Windey wurde am 28. April 1921 in Buggenhout in Belgien geboren. Er trat in den Jesuitenorden ein, ging 1946 nach Indien und widmete sein Leben dort der Bildung, der sozialen Entwicklung und später vor allem dem Wiederaufbau verarmter und zerstörter Dörfer.
Er war kein spiritueller Lehrer im marktgängigen Sinn. Er schrieb keine leicht konsumierbare Lebenslehre. Er baute keine Selbstdarstellung auf. Sein Werk war handfest: Häuser, Dorfgemeinschaften, Schulen, soziale Selbstverantwortung, Hoffnung nach Katastrophen.
Gerade deshalb ist er für Spirit Online so wichtig. Michael Windey zeigt, dass Spiritualität nicht an der Schwelle des Inneren stehen bleiben darf. Sie muss hinaus in die Welt, ohne ihre Quelle zu verlieren.
In einer Zeit, in der Spiritualität oft auf persönliches Wohlbefinden reduziert wird, ist Windey ein Gegenbild: Freiheit wird erst ganz, wenn sie anderen hilft, frei zu werden.
Von Belgien nach Indien
Windey kam 1946 nach Indien. Das Land stand am Beginn einer neuen geschichtlichen Epoche. Die Unabhängigkeit rückte näher, Armut, soziale Ungleichheit, Dorfstrukturen, koloniale Nachwirkungen und religiöse Spannungen prägten das Land.
Windey kam nicht als Beobachter. Er blieb. Er lernte Sprachen, Kulturen, Lebensweisen, religiöse Ausdrucksformen. Er wurde nicht einfach ein Europäer in Indien, sondern ein Mensch, der sich von Indien verwandeln ließ.
Seine spirituelle Linie wurde dadurch weiter. Christlicher Glaube blieb für ihn zentral, aber nicht eng. Die Begegnung mit Indien öffnete einen größeren Raum: Freiheit, Dienst, Dorfleben, Sarvodaya, Antyodaya, die Würde der Ärmsten und die Frage, wie ein Mensch nicht nur über Gott spricht, sondern Gottes Wirklichkeit im konkreten Leben sichtbar werden lässt.
Eine solche Spiritualität ist nicht dekorativ. Sie ist existenziell.
Freiheit als Lebensauftrag

Freiheit bedeutete für ihn nicht Beliebigkeit. Sie bedeutete nicht, tun zu können, was man will. Freiheit war für ihn die Fähigkeit des Menschen, seiner Würde gemäß zu leben, Verantwortung zu übernehmen und nicht länger in Abhängigkeit, Ohnmacht oder innerer Enge gefangen zu bleiben.
Diese Sicht ist hochaktuell. Viele Menschen verstehen Freiheit heute vor allem als Selbstbestimmung. Das ist wichtig. Aber Selbstbestimmung ohne Verbundenheit wird schnell egozentrisch. Windey verstand Freiheit tiefer: als Befähigung zum Leben.
Ein Mensch ist nicht frei, wenn er allein gelassen wird. Er wird freier, wenn er stehen kann, wohnen kann, lernen kann, arbeiten kann, in Gemeinschaft leben kann und seine eigene Kraft entdeckt.
Das ist gelebte Spiritualität.
Village Reconstruction Organization: Spiritualität wird konkret
Nach dem schweren Zyklon von 1969 in Andhra Pradesh fand Michael Windey seine entscheidende Berufung. Aus der unmittelbaren Hilfe für Betroffene entstand die Village Reconstruction Organization, kurz VRO.
Die Idee war nicht bloß, Häuser zu bauen. Es ging darum, Dorfgemeinschaften wieder aufzurichten. Menschen sollten nicht als passive Empfänger von Hilfe behandelt werden, sondern als Beteiligte an ihrer eigenen Zukunft.
Das ist ein wichtiger Punkt. Hilfe kann würdelos werden, wenn sie Menschen nur versorgt, aber nicht beteiligt. Windeys Ansatz war anders. Er setzte auf Mitarbeit, Selbstverantwortung, Gemeinschaft und die Wiederherstellung sozialer Strukturen.
Hier wird Spiritualität politisch, ohne parteipolitisch zu werden. Sie fragt: Wie kann ein Mensch aufrecht leben? Wie entsteht Würde nach Zerstörung? Wie wird aus Not nicht nur Abhängigkeit, sondern neue Kraft?
Eine solche Frage gehört ins Zentrum jeder ernsthaften spirituellen Kultur.
Gandhi, Sarvodaya und Antyodaya
Michael Windey war von Gandhi geprägt. Besonders wichtig sind dabei die Begriffe Sarvodaya und Antyodaya.
Sarvodaya meint das Wohl aller. Antyodaya richtet den Blick auf die Letzten, die Ärmsten, die Vergessenen. Diese beiden Begriffe verhindern, dass Spiritualität bürgerlich bequem wird. Wer vom Wohl aller spricht, darf die Ausgeschlossenen nicht übersehen.
Windey machte daraus keinen Slogan. Er ging in die Dörfer.
Er verstand, dass Freiheit nicht zuerst in Hauptstädten beginnt, sondern dort, wo Menschen scheinbar keine Stimme haben. In zerstörten Dörfern. Bei Armen. Bei Familien, die nach Überschwemmungen oder Zyklonen alles verloren hatten. Bei Menschen, die nicht nach Selbstverwirklichung fragten, sondern nach einem Dach, einer Schule, einem Brunnen, einer Gemeinschaft.
Das ist der starke spirituelle Maßstab: Nicht wie hoch die Begriffe sind, sondern wem sie dienen.
Quelle und Begrenzung: Warum der Strom Ufer braucht
Roland Ropers verwendet das Bild einer Gebirgsquelle. Eine Quelle fließt frei. Doch erst durch Ufer wird aus ihr ein Bach, ein Fluss, ein Strom. Begrenzung ist nicht immer Gefängnis. Sie kann Form geben.
Auch menschliche Freiheit braucht Form. Ohne Form wird sie beliebig. Ohne Richtung zerfließt sie. Ohne Verantwortung verliert sie ihre Kraft.
Doch zu enge Ufer werden zum Gefängnis. Das gilt für Dogmen, starre Systeme, religiöse Machtstrukturen, soziale Abhängigkeiten und innere Ängste. Dann wird aus Führung Kontrolle. Aus Religion wird Enge. Aus Gemeinschaft wird Unterordnung.
Michael Windeys Leben zeigt eine andere Möglichkeit: Form ohne Erstarrung. Dienst ohne Bevormundung. Christliche Verwurzelung ohne religiöse Enge. Freiheit ohne Selbstherrlichkeit.
Religion als Rückbindung an das Wesentliche
Religion bedeutet in ihrem tiefsten Sinn Rückbindung. Nicht zuerst Zugehörigkeit zu einem System, sondern Rückbindung an das Wesentliche.
Glaubensrichtungen unterscheiden sich. Erkenntnis aber zielt auf Wirklichkeit. Theoria und Gnosis, Schau und Erkenntnis, deuten auf eine Erfahrung, die größer ist als bloße Lehrmeinung.
Windey lebte eine solche Weite. Seine Theologie war nicht museal. Sie war nicht eingeschlossen in Gebäude, Rituale oder dogmatische Formeln. Sie suchte die Wirklichkeit Gottes dort, wo Leben verletzt, arm, entwurzelt und zugleich wandlungsfähig ist.
Das ist keine Absage an Religion. Es ist eine Rückkehr zu ihrem Kern.
Eine passende Vertiefung bietet der Beitrag Was ist Spiritualität?.
Urchristlichkeit ohne Enge
Roland beschreibt Michael Windeys Theologie als gelebte Urchristlichkeit. Damit ist keine nostalgische Rückkehr in eine frühere Zeit gemeint. Gemeint ist eine Einfachheit des Herzens, in der Christus nicht zur Abgrenzungsfigur wird, sondern zur Quelle des Dienstes.
In den Eucharistiefeiern Windeys war jeder Mensch gleich: Christ, Hindu, Muslim, Buddhist. Das ist ein starkes Bild. Es zeigt eine Spiritualität, die Unterschiede nicht leugnet, aber sie nicht zur Mauer macht.
Diese Haltung ist heute besonders wichtig. Religion wird weltweit wieder politisiert, instrumentalisiert und zur Identitätswaffe gemacht. Michael Windey steht für eine andere Möglichkeit: Religion als Weite, Dienst und gemeinsame Quelle.
Eine verwandte Perspektive eröffnet der Beitrag Unteilbarer Geist der Weltreligionen.
Der Godavari und der Strom des Lebens
Besonders eng war Michael Windey mit dem Godavari verbunden, einem der großen Ströme Indiens. Dort, in den Regionen von Überschwemmung, Not und Wiederaufbau, wurde das Bild vom Strom des Lebens konkret.
Ein Strom kann nähren und zerstören. Er kann Fruchtbarkeit bringen und ganze Dörfer bedrohen. Er ist Leben und Gefahr zugleich. Genau darin spiegelt er das menschliche Dasein.
Wer Lebensrichtung sucht, kann vom Strom lernen: Das Leben ist Bewegung. Wer sich vollkommen festhält, erstarrt. Wer sich völlig treiben lässt, verliert Richtung. Der Mensch braucht beides: Hingabe und Bewusstheit, Fließen und Form, Vertrauen und Verantwortung.
Windey lebte nicht gegen den Strom im Sinn bloßer Rebellion. Er schwamm gegen jenen Strom, der Menschen klein hielt: Armut, Abhängigkeit, Gleichgültigkeit, Kaste, Entwurzelung, Entwürdigung.
Gegen den Strom schwimmen
Wer an die Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen. Das klingt kämpferisch. Doch spirituell bedeutet es nicht Trotz. Es bedeutet Unterscheidung.
Viele Ströme unserer Zeit ziehen nach außen: Konsum, Geschwindigkeit, Selbstinszenierung, Angst, Anpassung, Meinung, Macht, Ablenkung. Wer in ihnen mitschwimmt, kann erfolgreich wirken und doch innerlich weit von der Quelle entfernt sein.
Gegen den Strom zu schwimmen heißt, nicht alles mitzumachen, was üblich ist. Es heißt, sich nicht vollständig von Erwartungen dirigieren zu lassen. Es heißt, dort Nein zu sagen, wo das Leben zur Funktion wird.
Für Windey bedeutete es, einen professoralen Weg zu verlassen und sich den Dörfern zuzuwenden. Das war keine romantische Geste. Es war eine Lebensentscheidung.
Lebensrichtung zeigt sich genau dort: nicht im schönen Gedanken, sondern in der Konsequenz.
Moksha, Ananda und die Freiheit des Seins
Roland verbindet den Weg zur Quelle mit Begriffen aus der indischen Spiritualität: Moksha, Befreiung, und Ananda, Glückseligkeit. Diese Begriffe sollten nicht als Schmuckworte verwendet werden. Sie weisen auf tiefe spirituelle Erfahrungen hin.
Moksha bedeutet Befreiung aus Unwissenheit, Gebundenheit und falscher Identifikation. Ananda meint nicht flüchtige Freude, sondern eine Glückseligkeit, die aus der Nähe zum Wesentlichen entsteht.
Im Licht von Michael Windey werden diese Begriffe praktisch. Befreiung ist nicht nur ein innerer Zustand. Sie zeigt sich auch dort, wo Menschen aus Ohnmacht herausfinden. Glückseligkeit ist nicht nur mystische Erfahrung. Sie wird spürbar, wo Menschen wieder Heimat, Gemeinschaft und Würde gewinnen.
Das ist eine starke Verbindung von Ost und West: innere Freiheit und äußere Befähigung gehören zusammen.
„Meine Ewigkeit hat begonnen“
Von Michael Windey ist der Satz überliefert:
„Wir sind bereits inkarniert – nur vielen fehlt die Wahrnehmung dafür. Meine Ewigkeit hat begonnen. Ich komme aus der Ewigkeit, nicht aus der Zeit.“
Dieser Satz ist typisch für eine Mystik, die nicht auf ein Jenseits vertröstet. Ewigkeit beginnt nicht erst nach dem Tod. Sie ist jene Tiefendimension des Lebens, die im gegenwärtigen Augenblick aufscheinen kann.
Wer aus der Ewigkeit lebt, flieht nicht aus der Zeit. Er lebt wacher in ihr.
Das ist entscheidend. Spirituelle Menschen sprechen manchmal so von Ewigkeit, dass die Welt unwichtig wird. Bei Windey ist es umgekehrt. Weil er aus einer tieferen Quelle lebte, konnte er in der Welt dienen.
Das ist der Prüfstein echter Mystik.
Leben und Tod im Licht des Tao
Im 50. Kapitel des Tao Te King wird der Mensch beschrieben, der richtig zu leben versteht. Er kann durch die Welt gehen, ohne dass Nashorn, Tiger oder Waffen an ihm den Ort finden, an dem der Tod eindringen kann.
Diese Sprache ist bildhaft. Sie meint keinen magischen Schutz vor Gefahr. Sie spricht von einem Menschen, der nicht mehr aus Angst am Leben hängt und deshalb nicht ständig vom Tod beherrscht wird.
Das passt zu Windeys Satz über die Ewigkeit. Wer das Leben nur festhalten will, wird vom Verlust bedroht. Wer aus der Quelle lebt, kann dienen, ohne sich selbst zum Mittelpunkt zu machen.
Die Richtung des Lebens verändert sich, wenn der Mensch nicht mehr vom Tod aus lebt, sondern aus der Tiefe des Seins.
Warum Michael Windey heute wichtig ist
Michael Windey ist heute wichtig, weil er eine unbequeme Korrektur unserer spirituellen Kultur darstellt.
Er erinnert daran, dass Spiritualität nicht nur Bewusstseinserfahrung ist. Sie ist auch soziale Verantwortung. Nicht nur Licht. Auch Aufbau. Nicht nur Meditation. Auch Dorf. Nicht nur Quelle. Auch Strom.
In einer Zeit, in der viele Menschen Orientierung suchen, zeigt Windey: Lebensrichtung findet man nicht nur durch Nachdenken über sich selbst. Man findet sie, indem man sich dem Leben zur Verfügung stellt.
Das ist ein starker Gedanke. Denn viele spirituelle Suchbewegungen bleiben beim eigenen Zustand stehen. Wie fühle ich mich? Wie entwickle ich mich? Wie heile ich mich? All das ist wichtig. Aber es ist nicht vollständig.
Die tiefere Frage lautet: Wem dient meine Freiheit?
Zur Frage gelebter Verantwortung passt der Beitrag Spirituelle Verantwortung und Demokratie.
Was Leser von Michael Windey lernen können
Der Wert dieses Beitrags liegt nicht nur in Erinnerung. Er liegt in Orientierung.
Michael Windey lädt zu konkreten Fragen ein:
- Welche Quelle nährt mein Leben?
- Welchem Strom folge ich unbewusst?
- Wo lasse ich mich treiben, obwohl ich eine Richtung brauche?
- Wo engen mich Dogmen, Erwartungen oder alte Bilder ein?
- Wo könnte meine Freiheit anderen Menschen dienen?
- Was wäre mein Dorf – der konkrete Ort, an dem meine Spiritualität praktisch wird?
- Bin ich bereit, gegen den Strom zu schwimmen, wenn der Strom mich von der Quelle entfernt?
Diese Fragen machen aus einem Porträt einen Spiegel.
Lebensrichtung ist kein persönliches Projekt allein
Viele Menschen suchen heute Lebensrichtung als individuelle Selbstfindung. Das ist verständlich. Aber es reicht nicht aus.
Wenn Lebensrichtung nur um das eigene Glück kreist, bleibt sie klein. Wenn sie aus der Quelle kommt, weitet sie sich. Dann fragt der Mensch nicht mehr nur: Was will ich? Sondern auch: Was braucht das Leben durch mich?
Michael Windey beantwortete diese Frage mit seinem Leben. Er ging dorthin, wo Not war. Er baute auf, wo zerstört war. Er half Menschen, ihre Würde nicht nur zu bewahren, sondern wieder zu gestalten.
Das ist Lebensrichtung in ihrer reifen Form.
Fazit: Der Weg zur Quelle führt in den Dienst am Leben
Michael Windey zeigt, dass Spiritualität an der Quelle beginnt und im Strom des Lebens geprüft wird. Wer nur an der Quelle bleiben will, ohne in die Welt zu gehen, bleibt unvollständig. Wer nur im Strom treibt, ohne die Quelle zu kennen, verliert sich.
Die spirituelle Lebensrichtung verbindet beides: Ursprung und Bewegung, Freiheit und Form, Erkenntnis und Dienst, innere Weite und konkrete Verantwortung.
Windey war kein Theoretiker des Mitgefühls. Er war ein Mann des Aufbaus. Sein Leben zeigt, dass Mystik nicht weltfern sein muss. Sie kann Häuser bauen, Dörfer stärken, Bäume pflanzen, Gemeinschaft ermöglichen und Menschen an ihre eigene Würde erinnern.
Vielleicht ist das die wichtigste Einsicht dieses Beitrags: Die Quelle wird nicht kleiner, wenn sie zum Strom wird. Sie erfüllt sich.
Und der Mensch findet seine Richtung nicht, indem er nur sich selbst sucht. Er findet sie, wenn er aus seiner Quelle heraus dem Leben dient.
Häufige Fragen zu Michael Windey und spiritueller Lebensrichtung
Wer war Michael Windey?
Michael Windey war ein belgischer Jesuit, Missionar in Indien und Gründer der Village Reconstruction Organization. Er widmete sein Leben dem Wiederaufbau indischer Dörfer und verband christliche Spiritualität mit Gandhi-inspirierter sozialer Verantwortung.
Was bedeutet spirituelle Lebensrichtung?
Spirituelle Lebensrichtung bedeutet, den eigenen Ursprung und inneren Grund zu erkennen und daraus verantwortlicher zu leben. Sie ist mehr als Zielplanung: Sie verbindet Bewusstsein, Freiheit, Werte und Dienst am Leben.
Was war die Village Reconstruction Organization?
Die Village Reconstruction Organization, kurz VRO, entstand nach dem Zyklon von 1969 in Andhra Pradesh. Sie unterstützt den Wiederaufbau und die Entwicklung von Dörfern, besonders durch Beteiligung, Selbstverantwortung und Gemeinschaft.
Welche Rolle spielte Gandhi für Michael Windey?
Windey war von Gandhis Gedanken des Sarvodaya und Antyodaya geprägt: dem Wohl aller und dem Blick auf die Letzten. Daraus entwickelte sich eine Spiritualität, die Freiheit nicht nur predigt, sondern praktisch ermöglicht.
Warum ist Michael Windey für Spirit Online relevant?
Michael Windey zeigt, dass Spiritualität nicht nur innere Erfahrung ist, sondern konkrete Verantwortung. Sein Leben verbindet Mystik, Dienst, Freiheit, Dorfaufbau, interreligiöse Weite und die Würde der Menschen.
Was bedeutet das Bild von Quelle und Strom?
Die Quelle steht für Ursprung, inneren Grund und spirituelle Heimat. Der Strom steht für das bewegte Leben. Lebensrichtung entsteht, wenn der Mensch beides verbindet: Rückbindung an die Quelle und verantwortliches Handeln im Strom des Lebens.
Weiterführende Beiträge auf Spirit Online
- Spiritualität und Selbsterkenntnis
- Was ist Spiritualität?
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- Jeder Mensch ist ein Würdenträger
- Spirituelle Weisheit leben
- Upanishaden – zu Füßen des Meisters sitzen
Quellen und weiterführende Hinweise
- Jesuits Global: Fr. M. A. Windey’s seven principles for rural development
- VRO India: Michael Anthony Windey SJ und Village Reconstruction Organization
- UCANews: Jesuit spends nearly quarter-century rebuilding villages
- VRO Deutschland: Dorfaufbau in Indien
- Tao Te King, Kapitel 50 – Übersetzung von Gia-fu Feng und Jane English
- Oblates of Shantivanam: Windey and Eternity
- Roland R. Ropers: persönliche Erinnerungen und spirituelle Notizen zu Michael A. Windey
Artikel überarbeitet
20.11.2025
Roland R. Ropers
Über Roland R. Ropers
Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist, autorisierter Kontemplationslehrer, weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit.
Es ist ein uraltes Geheimnis, dass die stille Einkehr in der Natur zum tiefgreifenden Heil-Sein führt.
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Sie sind Künstler, Wissenschaftler, politische Aktivisten, Mönche die von Gott erfüllten Menschen, die auch heute etwas aufleuchten lassen von der tiefen Erfahrung des Ewigen. Und oft sind sie alles andere als fromm.
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