Nichtstun als Form der Kreativität

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Andrea-Riemer-Travel-Diary-August-2021TravelDiary August 2021: Nichtstun als Form der Kreativität … manche nennen es Niksen

Nichtstun. Das süße Nichtstun, auch Niksen genannt. Es bedeutet im Niederländischen Nichtstun. Seit kurzem ist es das neue dolce far niente. Wieder wird eine neue Sau durchs Entspannungsdorf getrieben. Oder – hat es doch etwas, das es lohnt, näher anzusehen, dieses Nichtstun, dieses Niksen? Hast du schon mal versucht, einfach absichtslos aus dem Fenster zu gucken? Wie sieht es mit der Zeit in der S-Bahn, dem Bus, der U-Bahn, dem Zug aus? Musst du immer irgendetwas tun, um deinen Geist zu beschäftigen? Warum finden wir MitteleuropäerInnen uns so schwer mir Freizeit ab und haben dabei oft ein schlechtes Gewissen? Warum müssen Begriffen aus anderen Kulturen herhalten, um innenzuhalten? Gehört Niksen zum Holistic Lifestyle? Ist Niksen auch ein Ausdruck von Bewusstsein und von Spiritualität?

Neue Zugänge zur Kreativität

Nichtstun, Muße, Gedanken frei fließen lassen, absichtslos sein, schlendern, Ruhen, Entspannung, auf der Couch liegen, am Wasser sitzen und auf das Wasser schauen, durch den Wald gehen, langsam, bewusst. In unserer Selbstoptimierungsgesellschaft, eine Fortsetzung der Leistungsgesellschaft, muss alles und jedes durchgetaktet sein. Die Meditation per App, Yoga im Onlinekurs, Entspannung per YouTube etc. pp. Ruhen und Pausen bleiben dabei wo?

Entspannung kann auch ganz anders gehen

Wenn ich in meinem Video von Nichtstun spreche, meine ich, auch nicht unmittelbar Produktives tun. Das muss nicht unbedingt stillsitzen sein. Das kann am Balkon sitzen sein, im Garten und für einige Zeit zu lauschen. Nein – nicht darüber aufregen, dass wieder ein Nachbar feilt und den Fließenschneider zur schönsten Mittagszeit betätigt. Einfach dasitzen und lauschen. Dann werden Pausen zur Entspannung. Dann ermöglicht Ruhen der Erkennen von dem, wonach wir so oft und so lange suchen. 

Pause machen bedeutet auch, dass nicht immer etwas Konkretes herauskommen muss

Wir sind ergebnisgetriebene, zielorientierte, erfolgsangewiesene Wesen. Die Leistungsgesellschaft[1] hat Vorzüge. Sie hat jedoch mittlerweile in ihrer Exzessivität auch viele Nachteile. Es geht nicht ums dauerhafte Nichtstun. Es geht mir darum, auch dem Nichtstun seinen Raum zu geben. Als Quelle von neuen Gedanken, neuen Wahrnehmungen, neuen Beobachtungen. Ob daraus immer eine marktverwertbare Idee samt Konzept und Businessplan wird, ist völlig irrelevant. Schön, wenn es gelingt. Genauso schön, wenn es Momente der Muße sind. Genießen Sie das Video als Impuls für Ruhe, für Entspannung und für die längst fällige Pause.



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Nichtstun kann für uns in diesem Umbruch, der uns noch mindestens bis 2025/2026 intensiv auf Trab halten wird, eine Quelle des Neuen werden. Momenteweise, bewusst und dankbar. Hineinlauschen.

[1]              https://youtu.be/WW34qvArxAU (Das TravelDiary vom Juli 2021)


13.08.2021
Außerordentl. Honorarprofessorin Dr.habil. Dr. Andrea Riemer, Ph.D.
www.andrea-riemer.de

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Andrea-Riemer-2021Andrea Riemer:
nach einer einzigartigen, 25 Jahren umfassenden internationalen Karriere als Wissenschafterin und Beraterin für Sicherheitspolitik und Strategie (Doktorat in BWL, Ph.D. und Habilitation in Militärwissenschaften; außerordentl. Honorarprofessorin), hat sich Andrea Riemer ab 2012 als eine der erfahrensten Buchautorinnen und Vortragenden zu existentiellen Fragen des Lebens in der poetischen Philosophie etabliert.
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1 Kommentar

  1. Danke für den Artikel zu einem wichtigen Thema. In den Jahren, als ich noch als Professorin an der Hochschule aktiv war, gab es (viel zu wenig) kreativ-heilsames Nichtstun in meinem Leben.
    Und als ich dann in den Ruhestand kam, habe ich ehrlich gesagt gestaunt, wie schwer ich mich tat mit dem “Niksen” ( tolles Wort, das kannte ich noch nicht).
    Denn auch das entspannte, absichtslose Einfach-nichts-tun will erlernt, trainiert und verinnerlicht werden. Und für mich ist es heute einer der Bausteine, die mein Ruhestansleben so kostbar und genussvoll macht.

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