Kosmische Religiosität: Was Einstein wirklich unter Religion verstand

Albert Einstein

Staunen statt Dogma

Kosmische Religiosität ist ein ungewöhnlicher Ausdruck. Er klingt nach Sternen, Wissenschaft, Mystik und einer Weite, die größer ist als jede Kirche. Albert Einstein verwendete diesen Begriff, um eine Haltung zu beschreiben, die weder mit religiösem Bekenntnis noch mit Atheismus im einfachen Sinn verwechselt werden sollte.

Einstein glaubte nicht an einen Gott, der wie ein übermächtiger Mensch denkt, urteilt, belohnt oder in einzelne Schicksale eingreift. Und doch war er kein nüchterner Materialist, dem das Universum nur als mechanische Ansammlung von Teilchen erschien. Er sprach von Ehrfurcht, Ordnung, Staunen, Geheimnis und jener inneren Ergriffenheit, die den Menschen angesichts der Tiefe des Kosmos überfällt.

Kurzantwort: Kosmische Religiosität meint bei Einstein eine tiefe Ehrfurcht vor der Ordnung, Schönheit und Rätselhaftigkeit des Universums. Sie kommt ohne Dogma, ohne persönlichen Gott und ohne religiöse Institution aus. Ihr Kern ist das Staunen darüber, dass die Welt überhaupt verstehbar ist.

Diese Haltung ist heute wieder bemerkenswert aktuell. Viele Menschen verlieren das Vertrauen in religiöse Institutionen, möchten aber nicht in eine rein technische Weltsicht fallen. Sie suchen eine Spiritualität, die frei denkt, wissenschaftlich offen bleibt und dennoch das Geheimnis des Daseins nicht verliert. Eine passende Vertiefung bietet der Beitrag Licht und Materie: Spiritualität und Einstein.

Was bedeutet kosmische Religiosität?

Einstein unterschied verschiedene Formen religiösen Empfindens. Zuerst steht für ihn eine frühe Form der Religion, die aus Angst entsteht: Furcht vor Naturgewalten, Krankheit, Tod, Hunger und Unberechenbarkeit. Dann folgt eine moralische Religion, in der Gott als Gesetzgeber, Richter, Vater oder Helfer verstanden wird.

Darüber hinaus sah Einstein eine dritte Form: das kosmische religiöse Gefühl. Hier geht es nicht um Bitte, Belohnung, Schuld, Strafe oder Trost durch eine persönliche Gottheit. Es geht um die Erfahrung, dass der Mensch vor einer Ordnung steht, die ihn übersteigt.

Diese Erfahrung ist stiller als religiöse Erregung. Sie ist auch nüchterner als fromme Begeisterung. Sie entsteht, wenn der Mensch die Größe des Ganzen spürt und zugleich seine eigene Begrenztheit erkennt.

Kosmische Religiosität ist deshalb keine Religion im üblichen Sinn. Sie ist eine Haltung der Ehrfurcht.

Glaubte Einstein an Gott?

Kosmische Religiosität Albert Einstein
Illustration: KI unterstützt erstellt

Die Frage „Glaubte Einstein an Gott?“ wird oft gestellt, aber meist zu einfach beantwortet. Wer mit „ja“ antwortet, macht ihn leicht zu einem religiösen Kronzeugen. Wer mit „nein“ antwortet, übersieht die Tiefe seines Staunens.

Einstein lehnte einen persönlichen Gott ab, der nach menschlichem Vorbild gedacht wird. Er konnte sich keinen Gott vorstellen, der in die Geschicke einzelner Menschen eingreift, Gebete nach Wunsch erfüllt oder moralisch wie ein himmlischer Richter handelt.

Gleichzeitig sprach er immer wieder von einer Ordnung des Kosmos, von Harmonie, Geheimnis und Ehrfurcht. Er fühlte sich nicht von einem religiösen Dogma getragen, sondern von der Erfahrung, dass das Universum in seiner Struktur tiefer, schöner und vernünftiger ist, als der menschliche Geist vollständig erfassen kann.

Wenn Einstein von Gott sprach, meinte er meist nicht den Gott der Katechismen. Er meinte die unergründliche Ordnung des Wirklichen.

Spinozas Gott und die Ordnung des Kosmos

Einstein bezog sich mehrfach auf Baruch de Spinoza. Spinozas Gottesverständnis unterscheidet sich stark vom personalen Gottesbild vieler Religionen. Gott ist bei Spinoza nicht ein Wesen außerhalb der Welt, sondern die eine unendliche Wirklichkeit, die sich in Natur, Ordnung und Sein ausdrückt.

Dieses Denken war Einstein nahe. Er bewunderte die Gesetzmäßigkeit der Natur nicht als tote Mechanik, sondern als Hinweis auf eine tiefe Harmonie. Der Kosmos war für ihn kein Chaos, sondern ein Zusammenhang.

Diese Sicht ist spirituell bedeutsam, weil sie den Menschen aus seiner Selbstbezogenheit löst. Der Mensch ist nicht Mittelpunkt des Universums. Er ist ein Teil des Ganzen. Er darf erkennen, staunen, fragen und forschen, aber er besitzt das Ganze nicht.

In diesem Sinn führt kosmische Religiosität zur Demut. Nicht zur Demut vor einer kirchlichen Autorität, sondern zur Demut vor der Wirklichkeit selbst.

Warum Einstein kein einfacher Atheist war

Einstein wurde immer wieder von religiösen und atheistischen Gruppen vereinnahmt. Beide Seiten wollten ihn für sich gewinnen. Doch seine Haltung entzieht sich einfachen Etiketten.

Er war kein orthodoxer Gläubiger. Er war auch kein Atheist im flachen Sinn, der jede religiöse Empfindung als Illusion abtut. Er stand eher in einem Zwischenraum: kritisch gegenüber Dogma, fern von Konfession, aber tief berührt von der Ordnung des Seins.

Gerade dieser Zwischenraum macht ihn für viele Menschen heute interessant. Denn zahlreiche Suchende empfinden ähnlich. Sie können mit kirchlichen Gottesbildern wenig anfangen, aber sie erleben dennoch Ehrfurcht, wenn sie in den Sternenhimmel schauen, Musik hören, eine mathematische Struktur begreifen oder die Schönheit der Natur wahrnehmen.

Kosmische Religiosität gibt dieser Erfahrung eine Sprache.

Wissenschaft ohne Religion ist lahm?

Einstein wird oft mit dem Satz verbunden, Wissenschaft ohne Religion sei lahm und Religion ohne Wissenschaft blind. Dieser Gedanke wird häufig verkürzt zitiert und missverstanden.

Einstein meinte damit nicht, dass Naturwissenschaft eine Kirche brauche oder dass Religion naturwissenschaftliche Aussagen ersetzen dürfe. Er meinte vielmehr, dass echte Wissenschaft von einer tiefen inneren Haltung getragen ist: Vertrauen in die Verständlichkeit der Welt, Ehrfurcht vor ihrer Ordnung und Hingabe an Wahrheit.

Wissenschaft braucht Disziplin, Methode, Kritik und Beweis. Doch sie entsteht nicht nur aus Technik. Sie entsteht auch aus Staunen. Ohne Staunen wird Forschung bloßes Rechnen. Ohne Wahrhaftigkeit wird Wissen Macht.

Religion wiederum wird blind, wenn sie sich der Wirklichkeit verweigert. Wenn sie naturwissenschaftliche Erkenntnis abwehrt, nur weil diese alte Vorstellungen erschüttert, verliert sie an geistiger Glaubwürdigkeit.

Die stärkste Brücke zwischen Wissenschaft und Spiritualität ist nicht Rechthaberei. Sie ist Ehrfurcht vor dem Wirklichen. Eine passende Vertiefung bietet der Beitrag Religion und Wissenschaft.

Einstein und das Geheimnis der Verständlichkeit

Für Einstein war eine der erstaunlichsten Erfahrungen, dass die Welt überhaupt verstehbar ist. Der menschliche Geist kann mathematische Strukturen entwickeln, die sich in der Natur bewähren. Er kann Gesetze erkennen, die weit über alltägliche Erfahrung hinausreichen.

Diese Verständlichkeit war für ihn kein banaler Zufall. Sie war ein Wunder im nichtmagischen Sinn. Kein Wunder, das Naturgesetze durchbricht, sondern das tiefere Wunder, dass es überhaupt Naturgesetze gibt.

Hier liegt der spirituelle Kern seiner Wissenschaft. Das Universum ist nicht einfach nur da. Es zeigt Struktur. Es lässt sich in Teilen erkennen. Es entzieht sich zugleich jeder vollständigen Verfügbarkeit.

Der Mensch erkennt – und bleibt doch begrenzt. Genau aus dieser Spannung entsteht Ehrfurcht.

Die Relativitätstheorie als Erschütterung des Weltbildes

Einstein revolutionierte die moderne Physik, weil er vertraute Vorstellungen von Raum, Zeit, Licht, Gravitation und Beobachtung veränderte. Seine Relativitätstheorien machten deutlich, dass Wahrnehmung und Messung vom Bezugssystem abhängen und dass Raum und Zeit nicht jene starren Bühnen sind, für die man sie lange hielt.

Für die spirituelle Deutung ist dabei Vorsicht nötig. Die Relativitätstheorie ist keine esoterische Botschaft. Sie ist Physik. Sie darf nicht beliebig als Beleg für jede spirituelle Behauptung verwendet werden.

Und doch hat sie eine geistige Wirkung. Sie erschüttert das naive Bild einer einfachen, festen, unmittelbar durchschaubaren Welt. Sie zeigt, dass Wirklichkeit tiefer ist als der Alltagssinn.

Einstein lädt deshalb nicht zu Spekulation ein, sondern zu Demut. Was wir sehen, ist nicht immer das Ganze. Was uns selbstverständlich erscheint, kann auf einer tieferen Ebene anders sein.

Zur verantwortungsvollen Verbindung von Physik und Spiritualität passt der Beitrag Quantenphysik und Spiritualität.

Der Nobelpreis und ein häufiger Irrtum

Einstein wurde 1922 rückwirkend mit dem Nobelpreis für Physik des Jahres 1921 ausgezeichnet. Nicht die Relativitätstheorie stand im offiziellen Mittelpunkt, sondern seine Arbeiten zur theoretischen Physik, besonders die Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts.

Dieser Punkt ist wichtig, weil er zeigt, wie stark die öffentliche Einstein-Vorstellung von Mythen geprägt ist. Für viele Menschen ist Einstein gleich Relativitätstheorie. Doch sein wissenschaftliches Werk war breiter.

Auch spirituell ist diese Korrektur lehrreich. Es ist leicht, große Namen auf einfache Bilder zu reduzieren. Einstein wird dann zum Symbol: Genie, wirres Haar, Formel, Kosmos, Gott. Aber ein Mensch ist immer mehr als sein Symbol.

Gerade ein Beitrag über kosmische Religiosität sollte deshalb nicht den Mythos Einstein bedienen, sondern seine Gedanken präzise lesen.

Der intuitive und der rationale Geist

Dem Einstein-Zitat vom intuitiven Geist als heiligem Geschenk und dem rationalen Geist als treuem Diener begegnet man häufig. Es passt gut zu modernen spirituellen Erwartungen. Dennoch ist seine Herkunft nicht zuverlässig genug belegt, um es unkritisch als Einstein-Zitat zu verwenden.

Inhaltlich berührt der Gedanke aber eine echte Frage: Kann der Mensch die Welt nur rational verstehen? Oder braucht er auch Intuition, Staunen, Schönheitssinn und eine Art inneres Hören?

Einstein selbst war gewiss ein rationaler Denker. Aber seine Rationalität war nicht kalt. Sie war verbunden mit Vorstellungskraft, Musik, innerer Anschauung und dem Gespür für Einfachheit und Schönheit in physikalischen Theorien.

Der rationale Geist prüft. Der intuitive Geist ahnt. Beide brauchen einander. Ohne Prüfung wird Intuition beliebig. Ohne Intuition wird Denken steril.

Musik als Zugang zum Geheimnis

Einstein spielte Geige und liebte Musik. Die bekannte Anekdote über Yehudi Menuhin zeigt etwas von dieser Dimension: Nach einem außergewöhnlichen Konzert soll Einstein sinngemäß ausgerufen haben, nun wisse er, dass Gott existiere.

Ob man diesen Satz historisch streng belegt oder als überlieferte Erinnerung betrachtet: Er drückt eine Wahrheit aus, die gut zu Einstein passt. Musik kann Menschen in eine Ordnung hineinführen, die nicht durch Begriffe erschöpft wird.

In großer Musik wird das Verhältnis von Struktur und Freiheit hörbar. Ordnung wird nicht zur Starre, sondern zur lebendigen Harmonie. Genau darin liegt eine Nähe zu Einsteins Denken.

Der Kosmos war für ihn nicht stumm. Er hatte eine Ordnung, die der Geist erahnen, berechnen und zugleich bewundern konnte.

Hans-Peter Dürr, Einstein und die Ehrfurcht der Physiker

Roland Ropers verweist im ursprünglichen Beitrag auf seine Gespräche mit Hans-Peter Dürr. Dieser persönliche Bezug ist wertvoll und sollte bleiben, aber an der richtigen Stelle.

Dürr war Quantenphysiker, Friedensaktivist, Träger des Right Livelihood Award und eine Brückenfigur zwischen moderner Physik, Verantwortung und spiritueller Weltsicht. Er gehörte zu jenen Wissenschaftlern, die nicht bei Formeln stehenblieben, sondern nach der Bedeutung des wissenschaftlichen Weltbildes für das menschliche Bewusstsein fragten.

In dieser Linie wird Einstein für Spirit Online interessant. Nicht als Ikone des Genies, sondern als Anstoß: Was geschieht mit dem Menschen, wenn er erkennt, dass Wirklichkeit tiefer, verbundener und geheimnisvoller ist als sein Alltagssinn?

Zur Vertiefung passt der Beitrag Hans-Peter Dürr – spiritueller Visionär.

Einstein und die Verantwortung der Wissenschaft

Einsteins Leben zeigt auch die moralische Spannung von Wissenschaft. Er war Pazifist, litt unter nationalistischer Kriegsbegeisterung und erkannte zugleich die Gefahr, dass wissenschaftliche Erkenntnisse zur Zerstörung genutzt werden können.

Sein Brief an Franklin D. Roosevelt im Jahr 1939, der auf die Möglichkeit einer atomaren Kettenreaktion und militärischer Nutzung hinwies, gehört zu den tragischen Dokumenten des 20. Jahrhunderts. Einstein selbst arbeitete nicht am Manhattan-Projekt mit, aber seine Autorität trug dazu bei, die politische Aufmerksamkeit auf die nukleare Gefahr zu lenken.

Hier zeigt sich, dass kosmische Religiosität nicht weltfremd sein darf. Staunen vor dem Kosmos entbindet nicht von Verantwortung auf der Erde.

Wer die Ordnung des Universums bewundert, darf die Unordnung menschlicher Macht nicht ignorieren.

Warum Einsteins Religiosität heute wieder aktuell ist

Viele Menschen stehen heute zwischen zwei Unzufriedenheiten. Die eine richtet sich gegen religiöse Dogmen, Machtstrukturen und alte Gottesbilder. Die andere gegen eine rein technische Weltsicht, in der der Mensch nur noch als biologisches, ökonomisches oder datenförmiges Wesen erscheint.

Einsteins kosmische Religiosität öffnet hier einen dritten Raum. Sie erlaubt Ehrfurcht ohne Unterwerfung. Staunen ohne Dogma. Wissenschaft ohne spirituelle Trockenheit. Spiritualität ohne Leichtgläubigkeit.

Das macht sie so zeitgemäß. Sie spricht Menschen an, die nicht zurück in alte religiöse Formen wollen, aber auch nicht glauben können, dass das Universum innerlich bedeutungslos sei.

Kosmische Religiosität ist keine fertige Religion. Sie ist eine Haltung, die das Denken demütiger und das Staunen wacher macht.

Die Grenze von Einsteins Religionsbegriff

So stark Einsteins Begriff der kosmischen Religiosität ist, er hat auch Grenzen. Er spricht von Ordnung, Ehrfurcht und Staunen. Aber er sagt weniger über persönliche Beziehung, Mitgefühl, Vergebung, Leiden, Gebet oder Liebe.

Für viele religiöse Menschen ist Gott nicht nur kosmische Ordnung, sondern Du, Nähe, Trost und Gegenüber. Für Mystiker kann Gott beides sein: unendliche Wirklichkeit und innerste Nähe.

Einstein schützt vor einem zu menschlich gedachten Gott. Doch seine Sicht kann kühl wirken, wenn sie nicht durch Herz, Mitgefühl und existenzielle Erfahrung ergänzt wird.

Darum sollte man Einstein nicht zum spirituellen Meister machen. Er war ein Wissenschaftler mit tiefer Ehrfurcht vor dem Kosmos. Das genügt. Es ist stark genug.

Eine spirituelle Vertiefung zur Gottesfrage bietet der Beitrag An Gott glauben heute.

Kosmische Religiosität und moderne Spiritualität

Moderne Spiritualität sucht oft nach einer Sprache, die nicht dogmatisch ist und dennoch Tiefe hat. Genau hier kann kosmische Religiosität eine Brücke sein.

Sie sagt nicht: Glaube an diese Lehre. Sie sagt: Staune. Werde still. Erkenne deine Begrenztheit. Nimm die Ordnung des Ganzen wahr. Handle verantwortlicher, weil du Teil eines größeren Zusammenhangs bist.

Das ist keine Flucht aus der Welt. Es ist eine geistige Korrektur des modernen Menschen, der sich oft für den Mittelpunkt hält.

Kosmische Religiosität erinnert daran, dass wir nicht Besitzer des Universums sind. Wir sind Gäste, Beobachter, Fragende, Teilnehmende.

Der Mensch zwischen Verstand und Ehrfurcht

Der moderne Mensch ist stolz auf seinen Verstand. Zu Recht. Vernunft, Wissenschaft und kritisches Denken gehören zu den großen Errungenschaften der Menschheit.

Doch Verstand allein reicht nicht. Er kann analysieren, zerlegen, messen, berechnen und kontrollieren. Aber er kann nicht ohne Weiteres staunen. Er kann nicht automatisch lieben. Er kann nicht garantieren, dass Wissen weise gebraucht wird.

Ehrfurcht ist keine Schwäche des Denkens. Sie ist seine Reifung. Sie beginnt dort, wo der Mensch erkennt, dass sein Verstand groß ist, aber nicht grenzenlos.

Einstein verkörpert genau diese Spannung: höchste Rationalität und zugleich tiefes Staunen. Darin liegt seine anhaltende Faszination.

Rolands persönliche Spur

Der ursprüngliche Beitrag enthält einen persönlichen Hinweis, der nicht verloren gehen sollte. Roland Ropers lebte von 2004 bis 2008 in München in unmittelbarer Nähe des Hauses, in dessen Umgebung Einstein als Kind und Jugendlicher aufwuchs. Solche biografischen Nähepunkte sind keine Beweise, aber sie schaffen eine menschliche Brücke.

Auch die Gespräche mit Hans-Peter Dürr gehören zu dieser Spur. Sie zeigen, dass Einstein für Roland nicht nur ein Name der Physikgeschichte ist, sondern Teil einer größeren Frage: Wie verändert sich unser Menschenbild, wenn wir Wissenschaft nicht gegen Spiritualität ausspielen?

Gerade diese persönliche Linie macht den Beitrag eigenständig. Sie sollte jedoch nicht den Anfang dominieren, sondern später erscheinen, nachdem der Begriff der kosmischen Religiosität klar entfaltet ist.

Was kosmische Religiosität nicht ist

Kosmische Religiosität ist keine Esoterikformel. Sie ist keine Behauptung, dass Physik automatisch Spiritualität beweise. Sie ist auch keine Einladung, wissenschaftliche Begriffe beliebig mystisch umzudeuten.

Sie ist keine Kirche, kein Kult, keine Methode und kein Ersatz für religiöse Traditionen.

Sie ist eine Haltung des Staunens vor der Ordnung des Ganzen. Sie bleibt nüchtern, weil sie Wissenschaft ernst nimmt. Sie bleibt offen, weil sie das Geheimnis nicht leugnet.

Gerade diese Nüchternheit macht sie wertvoll. Sie schützt Spiritualität vor Übertreibung und Wissenschaft vor seelischer Verarmung.

Was kosmische Religiosität heute lehren kann

Kosmische Religiosität kann heutigen Menschen fünf Dinge lehren.

  • Staunen ist eine Form geistiger Wachheit.
  • Wissenschaft und Ehrfurcht müssen keine Gegner sein.
  • Ein nicht-personales Gottesverständnis kann dennoch religiöse Tiefe haben.
  • Der Mensch ist Teil eines größeren Zusammenhangs und nicht sein Zentrum.
  • Wissen braucht Verantwortung, sonst wird es gefährlich.

Diese Einsichten machen Einsteins Denken nicht zu einer Religion. Aber sie geben einer erschöpften Moderne einen wichtigen Hinweis: Eine Welt ohne Staunen wird kalt. Eine Spiritualität ohne Vernunft wird blind.

Fazit: Ehrfurcht vor dem Ganzen

Kosmische Religiosität ist Albert Einsteins Sprache für eine Erfahrung, die viele Menschen kennen: das stille Ergriffensein vor der Ordnung, Schönheit und Tiefe des Universums.

Sie braucht keinen Gott nach menschlichem Bild. Sie braucht keine Dogmen, keine religiöse Drohung, keine Belohnung und keine Institution. Sie entsteht dort, wo der Mensch seine Begrenztheit spürt und dennoch erkennt, dass er an einer großen Ordnung teilhat.

Einstein war kein Kirchenlehrer und kein spiritueller Guru. Er war ein Wissenschaftler, dessen Denken von Ehrfurcht durchzogen war.

Gerade deshalb bleibt sein Begriff wertvoll. Kosmische Religiosität schützt vor zwei Verarmungen: vor einem engen Dogmatismus, der das Göttliche besitzen will, und vor einem flachen Materialismus, der das Staunen verlernt hat.

Vielleicht beginnt echte Weisheit dort, wo der Mensch nicht sofort antwortet, sondern still wird. Vor dem Kosmos. Vor der Ordnung. Vor dem Geheimnis.

Häufige Fragen zu kosmischer Religiosität

Was bedeutet kosmische Religiosität?

Kosmische Religiosität meint bei Albert Einstein eine tiefe Ehrfurcht vor der Ordnung, Schönheit und Rätselhaftigkeit des Universums. Sie kommt ohne Dogma, ohne persönlichen Gott und ohne religiöse Institution aus.

Glaubte Einstein an Gott?

Einstein glaubte nicht an einen persönlichen Gott, der in menschliche Schicksale eingreift. Er sprach eher von Spinozas Gott, also von einer göttlichen Ordnung, die sich in der Harmonie der Natur zeigt.

War Einstein Atheist?

Einstein war kein Atheist im einfachen Sinn. Er lehnte dogmatische Religion und einen personalen Gott ab, sprach aber zugleich von Ehrfurcht, Staunen und einem kosmischen religiösen Gefühl.

Was hat kosmische Religiosität mit Wissenschaft zu tun?

Für Einstein entspringt echte Wissenschaft auch dem Staunen über die Verständlichkeit und Ordnung der Welt. Kosmische Religiosität ist daher kein Ersatz für Wissenschaft, sondern eine Haltung der Ehrfurcht, die wissenschaftliches Suchen begleiten kann.

Warum ist Einsteins Religionsverständnis heute wichtig?

Viele Menschen suchen heute Spiritualität ohne Dogma und Wissenschaft ohne seelische Kälte. Einsteins kosmische Religiosität bietet eine Sprache für Staunen, Demut und Verantwortung ohne religiöse Vereinnahmung.

Was ist die Grenze von Einsteins kosmischer Religiosität?

Einsteins Religiosität spricht stark von Ordnung und Ehrfurcht, aber weniger von persönlicher Gottesbeziehung, Gebet, Trost, Liebe oder Mitgefühl. Darum sollte sie nicht als vollständige Religion verstanden werden, sondern als besondere Haltung gegenüber dem Kosmos.

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Quellen und Literaturhinweise

Artikel aktualisiert

14.04.2026
Roland R. Ropers
Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher, Buchautor und Publizist

 


Über den Autor

Reisen nach innen ein Lebensabenteuer Roland Ropers Portrait 2021

Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist, autorisierter Kontemplationslehrer, weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit.
Es ist ein uraltes Geheimnis, dass die stille Einkehr in der Natur zum tiefgreifenden Heil-Sein führt.

>>> zum Autorenprofil

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von Roland R. Ropers und
Andrea Fessmann, Dorothea J. May, Dr. med. Christiane May-Ropers, Helga Simon-Wagenbach, Prof. Dr. phil. Irmela Neu

Die intellektuelle Kopflastigkeit, die über Jahrhunderte mit dem Begriff des französischen Philosophen René Descartes (1596 – 1650) „Cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) verbunden war, erfordert für den Menschen der Zukunft eine neue Ausrichtung auf die Kraft und Weisheit des Herzens, die mit dem von Roland R. Ropers in die Welt gebrachten Wortes „KARDIOSOPHIE“ verbunden ist. Bereits Antoine de Saint-Exupéry beglückte uns mit seiner Erkenntnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Der Autor und die sechs Co-Autorinnen beleuchten aus ihrem individuellen Erfahrungsreichtum die Vielfalt von Wissen und Weisheit aus dem Großraum des Herzens.

 

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