Positive Glaubenssätze trotz Krisen: ehrlich bleiben und Halt finden
Positive Glaubenssätze trotz Krisen können helfen, den Blick auf das zu richten, was du jetzt beeinflussen kannst. Ein Satz wie „Ich darf Angst haben und trotzdem den nächsten Schritt gehen“ lässt die Schwierigkeit bestehen und erinnert zugleich an Handlungsspielraum. Er verhindert keine Krankheit und löst keine Krise allein. Wenn er zu deiner Erfahrung passt, kann er dir Orientierung geben.

Ich möchte das Augenmerk darauf lenken, welche Mittel wir selbst in der Hand haben, um in unserer Mitte zu bleiben und mit etwas mehr Gelassenheit zu reagieren. Das ist kein Auftrag, Sorgen wegzudrücken. Wer erkrankt, um Angehörige bangt oder wirtschaftlich unter Druck steht, braucht zuallererst eine ernst genommene Wirklichkeit. Manchmal braucht es dazu Hilfe von außen.
Der ursprüngliche Anlass für diesen Text war die Coronakrise im Frühjahr 2020. Die damalige Verunsicherung ist Teil seiner Geschichte. Die Frage reicht darüber hinaus: Wie können wir uns in einer belastenden Lage innerlich ansprechen, ohne uns etwas vorzumachen?
Was ein Glaubenssatz in einer Krise leisten kann
Glaubenssätze sind vertraute Annahmen über uns selbst und die Welt. „Ich schaffe ohnehin nichts“ kann eine Entscheidung schon vor dem ersten Versuch verengen. „Ich kann um Hilfe bitten“ öffnet eine andere Möglichkeit. Daraus folgt keine automatische Veränderung der äußeren Umstände. Der Satz kann aber beeinflussen, was wir wahrnehmen, wie wir mit uns sprechen und welchen Schritt wir als Nächstes prüfen.
Wenn wir mit liebevoller Achtsamkeit den Blick nach innen wenden, können wir bemerken, welcher Satz in einem schwierigen Moment mitläuft. Oft ist er alt und klingt so selbstverständlich, dass wir ihn kaum als Annahme erkennen. Hilfreich ist eine einfache Frage: Was sage ich mir gerade, und was bewirkt dieser Satz in dieser Situation?
Wer allgemeiner verstehen möchte, wie sich positive Selbstaussagen, Werteübungen und Wunschdenken unterscheiden, findet die Einordnung in unserem Beitrag über Wirkung und Grenzen von Affirmationen. Hier geht es um den Umgang mit einem konkreten Krisenmoment.
Warum ein allzu positiver Satz scheitern kann
Ein Satz muss nicht möglichst groß klingen, um zu tragen. „Ich bin unverwundbar“ oder „Ich bleibe auf jeden Fall gesund“ mag sich für einen kranken oder erschöpften Menschen falsch anfühlen. Dann wächst womöglich der innere Widerspruch. Eine experimentelle Untersuchung zu positiven Selbstaussagen fand sogar, dass das Wiederholen eines sehr positiven Satzes bei Menschen mit niedrigem Selbstwert das Befinden verschlechtern konnte. Das ist kein Urteil über jeden Glaubenssatz; es zeigt, warum Passung wichtiger ist als Übertreibung.
Versuche deshalb einen Satz, der weder Angst bestreitet noch den Ausgang verspricht:
- Statt „Ich habe keine Angst“: „Ich bin gerade ängstlich und kann mir Unterstützung holen.“
- Statt „Ich muss alles schaffen“: „Ich entscheide heute, was wirklich zuerst dran ist.“
- Statt „Ich werde nicht krank“: „Ich kümmere mich um meine Gesundheit und lasse Beschwerden abklären.“
- Statt „Alles wird gut“: „Ich weiß noch nicht, wie es ausgeht. Den nächsten Schritt kann ich prüfen.“
Diese Sätze sind Angebote, keine Vorgaben. Wenn einer nicht zu dir passt, ändere ihn. Eine glaubwürdige Formulierung darf klein beginnen.
Eine Übung für den nächsten schwierigen Moment
Nimm dir ein Blatt und beschreibe eine Situation möglichst konkret: Was ist passiert? Welcher Gedanke kam auf? Was hast du im Körper oder in deiner Stimmung bemerkt? Dann frage dich, welche Tatsachen den Gedanken stützen und welche gegen seine absolute Form sprechen. Formuliere anschließend eine ausgewogenere Sicht und wähle eine kleine Handlung. Ein solches Gedankenprotokoll gehört zu den Selbsthilfeübungen der kognitiven Verhaltenstherapie; es zielt auf realistischere Gedanken, nicht auf künstlichen Optimismus.
Beispiel: „Ich bin allein mit allem“ kann nach einem schweren Tag sehr wahr wirken. Vielleicht hast du noch niemandem gesagt, was du brauchst. Ein prüfbarer neuer Satz wäre: „Heute fühlt es sich allein an. Ich kann einer vertrauten Person konkret sagen, wobei ich Hilfe brauche.“ Das Gespräch wird dadurch nicht garantiert leicht. Aber der Satz führt zu einem Schritt, den du tatsächlich gehen kannst.
Auch die Erinnerung an einen eigenen Wert kann Halt geben: Fürsorge, Verlässlichkeit oder Verbundenheit. In der Forschung zur Selbstaffirmation persönlicher Werte geht es um diese breitere Sicht auf die eigene Person, nicht um ein Wunder durch häufiges Wiederholen. Du könntest notieren: „Auch unter Druck möchte ich freundlich und klar handeln.“ Frage danach, wie das heute in einer kleinen Entscheidung sichtbar werden kann.
Was aus Klopfen und Wasserglas werden darf
Der ursprüngliche Beitrag beschrieb Klopfen an der Handkante und ein Wasserglas als Wege, einem neuen Satz Aufmerksamkeit zu geben. Solche Handlungen können für manche Menschen ein persönliches Ritual sein: innehalten, die Worte langsam sprechen, sich Zeit nehmen. Es gibt jedoch keinen belastbaren Nachweis dafür, dass eine festgelegte Zahl von Schlägen einen Glaubenssatz im Gehirn „einprogrammiert“ oder vor Infektionen schützt. Die Forschung zu Klopftechniken bei Angst weist auf mögliche Effekte hin, verlangt aber bessere Vergleiche und erlaubt keine solchen Wirkungsversprechen.
Wenn du einen Satz aufschreibst und ein Glas Wasser danebenstellst, kann das ein stiller Moment der Sammlung sein. Du kannst anschließend Wasser trinken, weil du Durst hast und dir eine Pause gönnst. Dem Wasser eine nachgewiesene Übernahme der geschriebenen Information zuzuschreiben wäre etwas anderes; dafür liegt kein tragfähiger Beleg vor. Der Wert des Rituals muss nicht von einer solchen Behauptung abhängen.
Beobachte, ob eine Übung dir hilft. Wenn sie Druck erzeugt, lasse sie weg. Und wenn du sie gern wiederholst, prüfe, ob sich dadurch auch im Alltag etwas verändert: ein Gespräch, eine Grenze, eine Entscheidung oder die Bereitschaft, Unterstützung anzunehmen.
Innere Haltung und Gesundheit auseinanderhalten
Angst kann belastend sein, gerade während einer Erkrankung oder einer öffentlichen Gesundheitskrise. Sie ist keine Schuld und kein Beweis für einen „negativen Glaubenssatz“. Viren werden nicht durch eine innere Resonanz angezogen. Positive Sätze sind kein Ersatz für medizinische Beratung, Behandlung oder geeignete Schutzmaßnahmen. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Sorge und Stress in Gesundheitskrisen als nachvollziehbare Reaktionen; sie sind kein persönliches Versagen.
Es bleibt wertvoll, die eigene innere Sprache zu beachten. Doch ein hilfreicher Satz darf nicht zur Pflicht werden, sich gesund oder fröhlich zu denken. Gerade wenn die Lage schwer ist, kann „Ich muss das nicht allein tragen“ mehr Kraft haben als jede Gewissheit.
Das ist eine besondere und wertvolle Zeit, die du dir selber schenkst: ein Augenblick, in dem du deiner Angst zuhörst und dennoch eine gute nächste Handlung wählen kannst. Manchmal ist diese Handlung Ruhe. Manchmal ein Anruf. Und manchmal die Entscheidung, professionelle Hilfe zu suchen.
Redaktionelle Aktualisierung vom 31.10.2026: Der 2020 erschienene Gastbeitrag wurde hinsichtlich Infektionen, psychologischer Wirkungen und der beschriebenen Rituale überarbeitet und mit Quellen eingeordnet. Die persönliche Grundidee und die Autorenschaft bleiben erhalten.
01.04.2020
Katharina Greuner
Diplompsychologin, Heilpraktikerin, Yogalehrerin BDY
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Über Katharina Greuner
Jahrgang 1960, Diplompsychologin, Heilpraktikerin, Yogalehrerin BDY
Katharina begann ihren beruflichen Weg als Diplompsychologin. Schon damals suchte sie nach einem wirklich ganzheitlichen Heilungskonzept, das sowohl psychologische wie auch körperliche, energetische und geistig/spirituelle Aspekte integriert.
Deshalb absolvierte sie noch eine Ausbildung zur Heilpraktikerin und zur Yogalehrerin sowie vielfältige Fortbildungen. Dabei vertiefte sie auch ihre sensitive und heilerische Begabung.
Katharinas Markenzeichen ist ihre Herzlichkeit. Sie sieht in jedem Menschen das Besondere und besitzt die Fähigkeit, die körperlichen, seelischen und geistig-spirituellen Ebenen authentisch miteinander zu verbinden. Durch ihren langjährigen Erfahrungsschatz und ihre bodenständige Lebensweisheit konnte sie schon vielen Menschen helfen, wieder ins Zentrum ihrer Kraft zu gelangen.
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