Zeitlose Weisheit - Die Rosenkreuzer

Vom schöpferischen Vermögen des Menschen 

AMORC-schoepferisches-Vermoegen Visualisation, das schöpferische Vermögen des Menschen 

Visualisation ist die im wahrsten Sinne des Wortes schöpferische Vorstellungskraft des Menschen. Hierbei geht es nicht um schnelle Wunscherfüllung und Befriedigung des äußeren Menschen, sondern um das stete Bemühen um eine höhere geistige Ausrichtung.
Das Innere Selbst des Menschen weiß ganz genau, was der Mensch benötigt, was wirklich zu ihm gehört.

Hat der Mensch gelernt, seine Imagination zu pflegen und auf sein Inneres zu hören, so fällt es ihm leicht, sich in der richtigen Weise auszurichten. Der Mensch schafft damit die besten Voraussetzungen, sein Leben zu meistern, so wie es tatsächlich zu ihm gehört und dem eigenen Lebensauftrag entspricht. 

Die Rosenkreuzer betrachten den Menschen als ein duales Wesen

Der äußere Mensch, seine Individualität entspricht der äußeren Wirkungsweise des Menschen, dem was häufig auch als Ego bezeichnet wird. Der Innere Mensch hingegen bildet seine wahre Persönlichkeit und sein Inneres Selbst und ist wesentlich umfassender und großartiger als das äußere Ich vermuten lässt. Dort ist das angelegt, was man als den Inneren Meister bezeichnet, jene Instanz, die alles im Menschen lenkt und genau weiß, was zur wahren Persönlichkeit des Menschen gehört.

Das schöpferische Vermögen ermöglicht es dem Menschen, sein Leben für die Zukunft sinnvoll auszurichten. Im Einklang mit dem Inneren Menschen gelingt es, die dem Menschen unentwegt zur Verfügung stehenden kosmischen Kräfte bewusst zu lenken. So vermag der Mensch, sein Leben und seine Zukunft prägend zu gestalten, so wie sie tatsächlich zu ihm gehören, weil sie seinem innersten Wesen entsprechen. Also eben kein veräußerlichter kosmischer Bestellservice beim Universum, sondern eine der größten kreativen und schöpferischen Fähigkeiten des Menschen. 

Imagination und Visualisation

Die beiden Begriffe Imagination und Visualisation werden häufig mehr oder weniger als Synonyme verwendet, wodurch eine gewisse Unschärfe entsteht. Dem zweifachen Wesen des Menschen entsprechend, unterscheiden die Rosenkreuzer klar zwischen diesen beiden Arten von geistigen Bildern, die im Menschen entstehen und auf ihn wirken. Die Imagination ist hierbei der Visualisation übergeordnet, in dem Sinne dass die geistige Welt die primäre ist ‒ im Gegensatz zur materiellen Welt als Ausfluss derselben.

Ebenso entspricht der Innere Mensch dem primären Wesen des Menschen, wohingegen der äußere Mensch eine sekundäre Erscheinungsform ist. Entsprechend handelt es sich bei der Imagination um ein Aufsteigen innerer Bilder, die der Mensch bereits in sich trägt und die seine Innenwelt ausmachen; sie geben über das Unterbewusstsein den Charakter seines Inneren Selbst frei.

Die Visualisation hingegen ist die Fähigkeit des äußeren Menschen, geistige Bilder zu erzeugen und damit im Idealfall seine Innenwelt zu bereichern. Ähnlich wie der Mensch seine eigene Umwelt widerspiegelt, ist diese wiederum die Grundlage, auf der sich der Mensch zum Ausdruck bringt. Eines bedingt das andere. Und dennoch ist für die Rosenkreuzer die Imagination der Visualisation übergeordnet, quasi das Primäre. Durch die Imagination wird das manifest, was im Sein verborgen liegt, wie der Sohn im Herzen des Vaters.

Kristallisation in die materielle Welt

Durch die Imagination wird das offenbar, was latent oder seinem Wesen nach existiert, also das, was bisher verborgen blieb aber vielleicht intuitiv erahnt werden konnte. Nach dem Aufsteigen eines solchen imaginativen Bildes in unser Bewusstsein können wir ein solches bei vollem Bewusstsein betrachten, es nimmt Form an, in unserem Denken, Sprechen und Handeln. Die Visualisation ist quasi der schöpferische Prozess mittels dessen die Kristallisation in die materielle Welt erfolgt.

Man könnte auch sagen ‒ um im Bild der Kristallisation zu bleiben ‒ dass die Imagination der innere Ausgangspunkt ist, sozusagen der Kristallisationskeim, wohingegen die Visualisation die äußere Nährlösung bildet, die es dem Kristallisationskeim ermöglicht, zu einem Kristall heranzuwachsen. Die Visualisation neigt so dazu, sich zu materialisieren. Mit anderen Worten: Sie ermöglicht ‒ um den erwähnten Kristallisationskeim herum ‒ die materiellen Bedingungen, die dem geistigen Rahmen entsprechen.

Schöpfen im wahrsten Sinne des Wortes

Das schöpferische Vermögen des Menschen beruht auf beiden Welten, in denen er zu Hause ist. Daher betrachten die Rosenkreuzer die beiden Welten oder Wesensteile des Menschen nicht als Gegensätze. Vielmehr befruchtet die geistige Welt die materielle Welt der Erscheinungen und verlebendigt diese, so dass etwas Neues geboren wird. Schöpfen heißt so viel wie mit einem Gefäß etwas bereits Vorhandenes aufzunehmen und dadurch in Form zu bringen, in eine Form, die durch die Kelle, mit der geschöpft wird, bereits vorgegeben zu sein scheint…

In der qabalistischen Sprache des Lebensbaumes ist Briah die Welt der Schöpfung, dem Wasser zugeordnet. Dies ist die Welt der Essenz, aus der alles geboren wird und in die nächste Welt wandert. Yetzirah ist diese auf Briah folgende Welt der Ausgestaltung, der Formgebung. Der Wassermann in Yetzirah ist es, der mit seiner Schöpfkelle aus Briah schöpft und deren Inhalt in die nächste Welt ergießt, nach Assiah, in die Welt der Erscheinungen, die durch die Sinne erfahren werden kann.

Das Ausgießen in unsere sinnliche Welt bedeutet, dass hier wiederum ein Wandel geschieht

Der Vorgang der Auskristallisation in die materielle Welt hinein verdeutlicht eine erneute Änderung der Formen. Das qabalistische Denkmodell des Lebensbaumes zeigt sehr schön, dass sowohl bei der Schöpfung als auch beim schöpferischen Vermögen des Menschen von oben kommende kosmische Energie sich nach unten verdichtet und durch die entsprechenden Welten wandert.

Es genügt also nicht, das mystische Prinzip der Schöpfung lediglich intellektuell zu verstehen, um in der Lage zu sein, es erfolgreich im Leben anwenden zu können. Dieses Prinzip ist Teil unserer selbst und sollte stets unsere Gedanken, unsere Worte und unsere Taten leiten, sich also in unserem täglichen Verhalten spiegeln.

Erinnern wir uns daran, dass Malkuth in der Welt von Assiah auch als die Welt des Tuns bezeichnet wird. Allein seine körperliche Existenz verweist auf ein aktives Handeln des Menschen. Ein sich erfüllender Wunsch des Menschen wird sich also nicht wie durch Zauber materialisieren. Seine Verwirklichung kann tatsächlich wie ein Geschenk des Himmels erscheinen, aber meistens wird sie die Folge einer Verknüpfung von Umständen sein, die immer ein direktes oder indirektes Eingreifen des Menschen erfordern, auch wenn die Umstände günstig sind. Manchmal ersehnen wir vom Kosmos die Erfüllung unserer Wünsche, ohne bereit zu sein, das unsrige zu tun.

Nichts vermag der Mensch nur aus sich selbst heraus

Und dennoch stehen ihm unentwegt die höheren kosmischen Kräfte zur Verfügung. Diese lenkt der Mensch durch sein Denken, sein Empfinden und Handeln, durch sein Sein, sein So-Sein, wie er nun einmal gerade ist. Allerdings geschieht dies zumeist unbewusst. Das Ergebnis dieser unbewussten Lenkung erfahren wir täglich, sowohl individuell als auch kollektiv. Daher sind sogenannte Techniken zur Wunscherfüllung auch in der Regel erfolglos, ist doch unser zumeist unbewusstes Denken, Sprechen, Handeln und Fühlen die stärkste Suggestion, die wir zu geben in der Lage sind.

Sicherlich, das Innere Selbst kennt den Zugang zu den höheren Erfahrungen der kosmischen und der göttlichen Welt und ist stets bereit, dem äußeren Menschen zu helfen, ohne Unterlass. Doch ist es der Mensch mit seinem Äußeren, in dem er zu sehr verstrickt ist, dass er diese wichtige innere Welt, die seine ureigene ist, vergisst und so wenig darauf achtet.

Lenken wir hingegen durch unser wahres schöpferisches Vermögen die stets aufbauenden kosmischen Kräfte entsprechend den Impulsen der wahren Persönlichkeit des Inneren Menschen, so werden wir früher oder später große Auswirkungen auf unsere spirituelle Entfaltung bemerken.

Immer wieder muss sich das Äußere wandeln, um dem Inneren Menschen noch passendes Gewand für seinen Ausdruck zu sein. Der gesamte Prozess der Existenz erscheint als Manifestation eines beständigen Wandels. Solange wir das Ergebnis noch nicht kennen, sind wir am Ringen, müssen doch Erneuerung und Entwicklung in Raum und Zeit und unter den Bedingungen dieser Existenz stattfinden. Richten wir uns also voller Vertrauen auf das Kommende aus und arbeiten daran. Solange wir mit unserem Inneren abgestimmt bleiben und uns in Harmonie mit dem Kosmos befinden, werden auch scheinbare Rückschläge uns lediglich stärken, um die Kräfte zur Verfügung zu haben, die zum Beschreiten unseres Weges erforderlich sind. Wir werden merken; alles entwickelt sich nach einem gesetzten Plan, wie er im innersten Wesen des Menschen begründet liegt.

Die Verwirklichung unserer höchsten und edelsten Wünsche

“Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet ums Brot, der ihm einen Stein biete? Oder so er ihn bittet um einen Fisch, der ihm eine Schlange biete? So denn ihr, die ihr doch arg seid, könnt dennoch euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!”

Matthäus 7, 7-11

Dieses Bibelzitat veranschaulicht in symbolischer Weise vollkommen die Tatsache, dass der Gott unseres Herzens und unseres Verstehens stets bereit ist, die Verwirklichung unserer höchsten Wünsche zu begünstigen. Andererseits zeigt es, dass ER unsere Bedürfnisse vollkommen kennt und dass ER weiß, was gut für uns ist.

Wenn von unseren höchsten Wünschen die Rede ist, geht daraus schon hervor, dass es nicht darum geht, Wünsche unseres äußeren Egos zu befriedigen, so nach dem Motto, mehr Macht, mehr Sex, mehr Geld. Es wird klar jene höhere Ebene des Menschseins angesprochen, für die das gegebene Versprechen gilt, nämlich dass sich unser Wunsch verwirklichen wird, sofern dem keine kosmische Verfügung entgegensteht ‒ und diese Verheißung hat nichts Spekulatives.

In diesem Zusammenhang sollten wir niemals vergessen, dass das Sichtbare aus dem Unsichtbaren hervorgeht, und dass das Endliche vom Unendlichen kommt. Wie die Mehrzahl der Religionen und alle mystischen Traditionen berichten, wurde die universale Schöpfung zuerst im göttlichen Denken ersonnen. Erst nachdem Gott den gesamten Plan errichtet hatte, hat ER als der Große Architekt des Universums, die Schöpfung offenbar werden lassen.

So ist also das, was scheinbar lediglich eine spirituelle Vorstellung war, zu einer materiellen Wirklichkeit geworden. Auf diese Weise ist alles in der göttlichen Intelligenz entstanden, bevor es sich materialisiert hat. Dasselbe Prinzip lässt sich auf das anwenden, was wir selbst tun; denn alles, was von den Menschen geschaffen wird, ist eine Manifestation dessen, was zuvor auf der geistigen Ebene bestand. Das sind in obigem Zitat die Kinder sind, das heißt das, was von uns fortlebt in Gedanken, Worten und Taten, in unserer gesamten Einstellung und Geisteshaltung.

Von diesem Gesichtspunkt aus manifestiert sich jede positive Gedankenform, sei sie nun individuell oder kollektiv, eines Tages auf der irdischen Ebene. Dabei ist die erforderliche Zeit zur Verwirklichung auf der materiellen Ebene nicht das Primäre, denn ein Wunsch verwirklicht sich immer im günstigsten Augenblick unseres Lebens.

Schließlich findet die Verwirklichung nur dann statt, wenn alle Bedingungen vereinigt sind, damit wir vollkommenen Nutzen aus ihr ziehen und sie wirklich hilfreich für unsere Entwicklung ist. Wenn unser Vorhaben positiv ist, wenn wir es verdienen, wenn unser Wunsch nicht egoistisch ist und wenn ihm vom kosmischen Standpunkt aus nichts entgegensteht, wird er sich früher oder später verwirklichen.

„Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden.“

Johann Wolfgang von Goethe

18.12.2018
Alexander Crocoll


Vita des Autors:Dr. rer. nat. Alexander Crocoll

Dr. rer. nat. Alexander Crocoll, geb. 1966. Während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit Publikation von Arbeiten zur Genetik molekularer Embryologie. Er beschäftigt sich seit frühester Jugend mit spirituellen Fragen, ist seit drei Jahrzehnten AMORC-Mitglied und arbeitet heute als Sekretär in der deutschen AMORC-Zentrale.

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Bild und Text (c) AMORC

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