Das Gute wohnt in uns allen – das Schlechte auch
Wie oft denken wir, es würde uns besser gehen, wenn unsere Freundin nur dieses oder jenes täte oder ließe? Wie oft geben wir anderen die Schuld daran, dass die Welt nicht so ist, wie wir sie gern hätten? Und wie oft glauben wir, unser Partner habe die Pflicht, uns glücklich zu machen?
Was, wenn wir in Wahrheit selbst dafür verantwortlich sind, wie wir uns fühlen? Was ist, wenn es gar nicht unsere Aufgabe ist, über das Verhalten anderer zu urteilen? Was ist, wenn wir Weltfrieden nicht dadurch erreichen, dass wir irgendjemandem ins Gewissen reden, sondern nur, indem wir selbst den Anfang machen und Frieden IN UNS herstellen?
Korrektes Verhalten hat in meinen Augen nichts mit Moral zu tun oder damit, was irgendeine Mehrheit tut. Es hat auch nichts damit zu tun, was irgendjemand uns empfiehlt oder über uns denkt. In diesem Sinne betrachte bitte auch meine Ideen nur als eine mögliche Perspektive von vielen und ziehe Deine eigenen Schlussfolgerungen daraus. 😊
Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, über das Verhalten anderer Menschen zu urteilen. Tatsächlich ist es noch nicht einmal möglich, dies zu tun, da es viele unterschiedliche Perspektiven gibt, die alle gleichzeitig wahr sind. Wenn Du gemeinsam mit Deinem Partner eure gemeinsame Wohnung dekorierst, dann kommt es mitunter vor, dass Du ein Blumenbild über dem Sofa schön findest und Dein Partner meint, dass ein Kung-Fu-Poster über dem Sofa viel schöner wäre. Wer von euch hat recht? Ist das eine Bild schöner als das andere?
Unterschiedliche Perspektiven existieren nicht nur, wenn es um Kunst geht, sondern in allen Lebensbereichen. Zu Streit können sie führen, wenn wir annehmen, dass nur eine von ihnen zutreffend sei, und dies natürlich unsere eigene.
Betrachten wir ein weiteres Beispiel für unterschiedliche Sichtweisen:
Als ich noch Lehrkraft war, hatte ich einen Kollegen, der sehr streng zu unseren SchülerInnen war, während ich ihnen viel Mitspracherecht und Selbstbestimmung einräumte. In den ersten Monaten diskutierten mein Kollege und ich des Öfteren im Lehrerzimmer. Jeder wollte dem jeweils anderen sagen, wie unsere SchülerInnen zu erziehen seien. Beide dachten wir, die bessere Lehrkraft zu sein.
Irgendwann fragte ich meinen alten Tai-Chi-Lehrer um Rat. In seiner Weisheit empfahl er mir, mich in die Perspektive meines Kollegen hineinzuversetzen und ihm mit mehr Respekt zu begegnen, statt zu denken, meine Sicht sei sinnvoller als seine. Fortan vertraute ich also der Kompetenz meines Kollegen, redete ihm nicht mehr rein und fragte ihn sogar öfter mal nach seiner Meinung. Das änderte alles.
Wir diskutierten immer noch dann und wann, aber jetzt taten wir das nicht mehr, um einander von der eigenen Meinung zu überzeugen, sondern um aus unser BEIDER Erfahrungsschätzen das Bestmögliche für uns und unsere SchülerInnen herauszuholen. Wir beide erkannten die Größe und Kompetenz im jeweils anderen, respektierten einander, und waren GEMEINSAM viel bessere Lehrkräfte als vorher, denn nun hatten wir ZWEI Perspektiven und somit doppelt so viel Weisheit wie zuvor. Es lohnt sich also, jemandem zuzuhören, der völlig andere Erfahrungen im Leben gesammelt hat, als wir selbst. Unser Horizont wird dadurch stark erweitert.
Die Perspektive eines anderen Menschen nachzuvollziehen, gelingt uns, indem wir viele Fragen stellen und aufrichtig versuchen, den anderen und seine Beweggründe zu verstehen. Manchmal gelingt uns das erst, wenn wir selbst in dessen Schuhen gegangen sind.
Bei der Auswahl von Bildern fürs Wohnzimmer oder der Frage, welche Unterrichtsmethoden die besseren sind, kannst Du wahrscheinlich leicht nachvollziehen, dass es verschiedene Meinungen gibt und jede ihren eigenen Wert hat. Was aber, wenn es um grundlegendere Themen geht?
Was, wenn Du in Deiner Kindheit von Deinen Eltern vernachlässigt wurdest, jemand Dich ausraubt oder Dein Partner Dir nach einem schweren Unfall nicht hilft? Was denkst Du in diesen Situationen über besagte Menschen? Handeln sie richtig oder falsch? Verdienen sie Deine Akzeptanz? Vielleicht sogar Deine Dankbarkeit?
Eine unangenehme oder sogar gewalttätige Behandlung durch andere Menschen hat mehrere Hintergründe. Auf irdischer Ebene liegt ihr die jeweilige Perspektive der verletzenden Menschen zugrunde.
Vielleicht litten Deine Eltern unter einer schweren Krankheit, waren traumatisiert und gaben zwar ihr Bestes, aber es reichte nicht, um Dich angemessen materiell und emotional zu versorgen. Vielleicht haben sie ihre eigenen Traumata verdrängt und Seelenanteile abgespalten, um überleben und funktionieren zu können, und dabei auch den Zugriff auf ihr Mitgefühl und ihre Liebe verloren. Vielleicht spüren sie in ihren ruhigen Momenten, wie sehr sie Dich lieben, und fühlen große Dankbarkeit für Dich, weil Du sie so liebst, wie sie sind.
Vielleicht hat der Räuber eine kranke Ehefrau und zwei Kinder zu Hause, wurde gerade gefeuert und weiß seinen Liebsten nicht anders zu helfen, als Dir Dein Portmonee zu stehlen. Vielleicht wird er es Dir zurückgeben, sobald seine Frau wieder gesund ist und beide wieder arbeiten können.
Vielleicht wollte Dein Partner Dir nach dem schweren Unfall helfen und KONNTE es nicht, weil er selbst gerade schwer krank war, sich aber zu sehr geschämt hat, um es Dir zu sagen. Vielleicht hat er sogar versucht, Hilfe für Dich zu organisieren. Vielleicht liebt er Dich über alles und hilft Dir in anderen Situationen.
Rein irdisch betrachtet kann der Versuch, ihrer aller Perspektive zu verstehen, schon etwas helfen. Aber was, wenn es um NOCH größere Dramen geht, die Du erlebt hast? Warum tun Leute manchmal extrem verletzende und brutale Dinge?
Das liegt an unseren Seelenplänen und daran, dass wir selbst unser eigenes Leben manifestiert haben.
Wir sind nicht nur Menschen, sondern reines Bewusstsein, das vorübergehend in einem menschlichen Körper inkarniert ist, um als Mensch Erfahrungen zu sammeln, die ohne die Begrenzung des menschlichen Körpers und Geistes nicht möglich wären. Vor jeder irdischen Inkarnation wählen wir selbst aus, was wir in unserem Leben erleben wollen und was auf jeden Fall in Erscheinung treten soll. Wenn wir vor unserer Inkarnation gewählt haben, dass wir beruflich anderen Menschen helfen wollen, dann haben wir höchstwahrscheinlich eine schwere Kindheit und viele unangenehme Erlebnisse für uns manifestiert, an denen wir wachsen, unsere Lösungsfähigkeit trainieren und schon früh im Leben zu uns selbst erwachen können.
Je nachdem, was unser Lebensziel ist, haben wir auch alle dazu erforderlichen Trainingserfahrungen gewählt, die uns zu dem starken Menschen werden lassen, der wir sein müssen, um unsere Lebensabsicht auch erfüllen zu können. Wir brauchen also auch schwierige Situationen und Probleme, die so sehr schmerzen, dass uns gar nichts anderes übrigbleibt, als über uns hinauszuwachsen, uns Gott / der Quelle allen Seins zuzuwenden und zu erkennen, wie wir wirklich sind.
Wir alle sind Bestandteil des all-einen göttlichen Seins, reines Bewusstsein. Wir haben immer göttliche Führung, Unterstützung und alle Fähigkeiten, die wir brauchen, um unser Leben gut zu meistern. Jedes Problem, das Deinen Verstand übersteigt, zwingt Dich dazu, Deine Intuition zu nutzen und somit Deinem spirituellen Erwachen näherzukommen. Jeder unerträgliche Schmerz zwingt Dich, Liebe zu SEIN, innerer Frieden zu SEIN, denn nur so verkraftest Du manche Situationen.
Probleme und Leid sind wie Schablonen, die uns helfen, unser Lebensportrait so zu malen, wie wir es ursprünglich malen wollten. Sie helfen uns, Liebe und Frieden zu SEIN, immer mehr wir selbst zu sein und uns wahrhaftig selbst zu erkennen. Aus spiritueller Sicht geschieht alles FÜR Dich, nicht gegen Dich. In jedem Problem steckt ein Geschenk, und jedes Erlebnis ist gleich wertvoll. Du selbst entscheidest jeweils, wie Du über Deine Erlebnisse denkst und fühlst, ob Du das Geschenk im Dunkeln des Problems birgst oder dagegen ankämpfst und den Boten verantwortlich dafür machst, dass Dir manche Botschaften nicht gefallen.
Im Seelenplan ist verankert, dass Du bestimmte Dinge erleben wolltest, um ganz Du selbst zu werden und zu Dir selbst zu erwachen. Menschen, die Dich triggern und sogar Leute, die Dich extrem schwer verletzen, sind keine Bösewichte, sondern ebenso liebenswerte Seelen wie Du und ich. Ihr habt vor der Inkarnation vereinbart, dass jemand Dir eine Trainingsgelegenheit bietet, indem er oder sie Dir eine harte Herausforderung im Leben liefert. Genauso hast Du mit anderen liebenswerten Seelen vereinbart, dass sie Deine Freunde, Dein Partner oder Deine Familie werden. Die einen sind nicht liebenswerter oder besser als die anderen. Sie ALLE erfüllen ihre jeweilige Rolle im Seelenplan. Auch Du erfüllst für verschiedene Menschen unterschiedliche Rollen im Leben. Für einen Menschen bist Du vielleicht eine liebevolle Partnerin, für einen anderen Menschen bist Du Derjenige, der ihm aus Versehen das Auto demoliert.
Sowohl in diesem als auch in unseren früheren Leben waren wir ALLE schon Täter und Opfer,
haben Leute geheilt, geliebt, gehasst und verletzt. Wir ALLE sind neutrale und liebenswerte Seelen, die zu Lebzeiten unterschiedliche Rollen für unterschiedliche Leute spielten und spielen. Alle Rollen im Seelenplan sind gleichermaßen wichtig, damit unsere Lebensgeschichte sich so entfalten kann, wie wir es geplant und selbst GEWOLLT haben. Jeder Mensch, der in unserem Leben eine Rolle spielt, verdient daher unsere bedingungslose Akzeptanz, unseren Dank und unser Mitgefühl.
Die bedingungslose Akzeptanz macht es uns möglich, Menschen auch dann freundlich und neutral zu begegnen, wenn wir ihre Perspektiven gar nicht nachvollziehen können. Eine allumfassende Akzeptanz, die gleichzeitig Dich UND den anderen respektiert, schätzt und liebt, ist eine super Lösung für alle Situationen, in denen Du die Perspektive des anderen noch nicht erkennst.
Wenn Du noch einen Schritt weitergehen willst, kannst Du folgende vier Tipps nutzen, um andere so zu erkennen, wie sie wirklich sind. Dadurch verstehst Du sie. Dein Verständnis wird zu echtem Mitgefühl, und Du wirst keinerlei Wunsch mehr spüren, über andere zu urteilen. Du wirst stark und liebevoll für Dich einstehen UND dabei die anderen in ihrer Stärke sein lassen. Du wirst fähig, jede Situation gleichzeitig aus mehreren verschiedenen Perspektiven zu sehen und sie alle zu berücksichtigen, um die ideale Lösung für ALLE Beteiligten wahrzunehmen.
Das wahre Selbst eines Menschen erkennst Du, wenn Du:
- Liebe bist. Wann immer Du im Einklang mit Frieden, Vertrauen, Dankbarkeit, Gnade, Kraft, Liebe, Deiner göttlich geführten Intuition denkst, sprichst oder handelst, bist Du DU SELBST. Dann erkennst Du Dich als Bestandteil des all-einen göttlichen Gewahrseins, spürst Liebe und Frieden und siehst jeden Menschen so, wie er oder sie wirklich ist. Eine Seele so zu erkennen, wie sie wirklich ist, erfüllt Dich mit reinstem Entzücken, und es kann sein, dass Du vor Rührung weinst. Ich empfehle Dir von ganzem Herzen, dies möglichst oft zu tun, vor allem, wenn es um Deinen Partner oder Deine Freunde geht. Höre nicht auf Deine Gedanken und Vermutungen, sondern SEI Liebe und schaue dann mit Deinem Herzen hin. Wahrhaftig von Dir gesehen und erkannt zu werden, ist das allergrößte Geschenk, das Du einem geliebten Menschen machen kannst. Du wirst dann automatisch nur noch liebevoll und fair zu ihm sein, weil Du einfach klar spürst, dass er es wert ist und Liebe, Wertschätzung und Gnade verdient.
- Nutze Deine Hellsinne. Du kannst durch Meditation, Tai Chi, Qi Gong oder andere Übungen Deine Hellsinne stärken, zum Beispiel Deine Intuition, Deine Hellsicht und Dein Hellfühlen. Was wir mit unserem menschlichen Verstand denken, ist begrenzt auf jene Erfahrungen, die wir in einem Leben schon gemacht haben. Deshalb kann unser Verstand nicht alles erfassen und irrt sich oft genug, wenn es um andere Menschen geht. Jedes Urteil ist meines Erachtens ein Fehlurteil, da es aus dem unvollständig denkenden menschlichen Verstand kommt, der manchmal sogar noch mentale Etiketten, Vorurteile hinzufügt. Auch Projektionen unserer eigenen Gedanken können das Bild, das uns unser Verstand von einem Menschen liefert, bis zur Unkenntlichkeit verzerren. Schauen wir jedoch mit unseren Hellsinnen, mit dem HERZEN, wie der Volksmund sagt, dann erkennen wir andere und uns selbst wahrhaftig und fühlen nur noch Liebe und Entzücken füreinander und für uns selbst.
- Wenn Du schon irgendetwas über einen Menschen denkst, dann denke neutral-positiv. Lass negative Erwartungen los und gehe mit der Einstellung an ein Gespräch, dass Dein Gegenüber genauso wundervoll, weise, kompetent und gutherzig wie Du selbst sein KÖNNTE. Ich sage bewusst „könnte“, denn das kann Dein Verstand gerade noch glauben. Und das genügt schon, um ab jetzt viel positivere Erfahrungen mit Menschen zu machen, als es der Fall wäre, wenn Du mit Vorurteilen oder Befürchtungen in ein Gespräch gingst. Mache das mal eine ganze Woche konsequent, und Du erlebst SOFORT, dass die meisten Menschen wesentlich liebevoller sind, als Du je geahnt hättest. Du schenkst Menschen wahrhaftige Akzeptanz, und sie schenken Dir dafür wahrhaftige Dankbarkeit.
- Wenn jemand, den Du liebst, Dir extrem wehtut, dann frage Dich: „Welches Geschenk macht mir die geliebte Seele damit gerade?“ Dadurch erkennst Du, was gemäß Seelenplan der Grund für ihr bestimmtes Verhalten ist. Zum Beispiel könntest Du erkennen, dass Dir Dein Partner in einer Notlage kein Geld schenkt, weil ihr im Seelenplan vereinbart habt, dass er Dich ermächtigt, Deine eigene Fähigkeit, Geld zu manifestieren, zu entwickeln. Das Geschenk, was Dein Partner Dir durch sein Kein-Geld-Geben macht, ist in diesem Fall also erheblich größer und wertvoller als das, was Dein menschlicher Verstand vielleicht gern bekommen hätte. Daher urteile nicht voreilig, sondern suche erst nach dem Geschenk im Problem. DANN siehst Du den anderen so, wie er wirklich ist, die irdische Illusion, dass er geizig sei, fällt Dir wie Schuppen von den Augen, und Du SPÜRST, wie sehr dieser Mensch Dich liebt und für Dich da ist.
Letztlich kommt es nur darauf an, dass wir andere und uns selbst so erkennen, wie wir wirklich sind. Dann nehmen wir in jeder Situation intuitiv wahr, welches Verhalten für uns selbst jeweils stimmig ist. Für das Erkennen und Wählen unseres jeweiligen eigenen Verhaltens, und nur hierfür, sind wir selbst verantwortlich. Bedingungslose Akzeptanz und wahrhaftige Erkenntnis helfen uns dabei.
Dadurch wird Dein Leben immer friedlicher, und Du inspirierst, heilst und stärkst dadurch viele andere Menschen, die Dir begegnen. 🤍😊⭐
31.10.2024
Liebe Grüße von
Varia Antares
Varia Antares
Die Germanistin, Dozentin und Autorin schreibt über Spiritualität und deren Umsetzung im Alltag. Sie möchte Mut machen, Menschen motivieren und begeistern.
Derzeit schreibt Varia einen Fantasyroman über die eigenverantwortliche Heilung schwerer Bindungstraumata durch die Integration von Seelenanteilen und bedingungslose Akzeptanz.
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