Flüchtlinge – Spiegel der Gesellschaft

Auge Kind Schmerz

Auge Kind SchmerzFlüchtlinge – Spiegel der Gesellschaft

Es ist schon viel geschrieben worden für und gegen Flüchtlinge, viel gesagt und manches hätte weder geschrieben noch gesagt werden dürfen.

Es ist wohl eine Zeit des medialen Eifers und des Streites, sich für das eine oder andere zu Wort zu melden. Mir scheint, dass dieser Eifer Tür und Tor für Missbrauch öffnet. Uneinigkeit, Zwist, Argwohn werden verteilt in den Medien und in der Politik. Werte verraten von denen, die Werte angeblich verteidigen wollen. Verraten wird das Herz, verraten das Herz der Demokratie, Kultur und das was Mensch Sein ausmacht.

„ Nichts ist entspannender, als das anzunehmen was da kommt.”
(Dalai Lama)

Wäre dies nicht ein schöner Ansatz um mit der Flucht so vieler Menschen, die bei uns Schutz suchen, um zu gehen? Der Mangel an Herz in unserer Gesellschaft hat bereits vor Jahrzehnten seinen Anfang genommen.

Verschärft durch Harz IV, Rentenunsicherheit und viele weitere sozial feindliche Entwicklungen in diesem Land. Alle Parteien tragen dafür die Verantwortung. Die Flüchtlingskrise treibt nun endgültig den unausgegorenen dumpfen Frust nach oben, der in unserer Gesellschaft schon lange schwelt.

Es wird gestritten, Ängste geschürt, manipuliert und die Ethik dieses „ jungen“ Landes mit Füßen getreten. Nie gab es so viel Gewalt rechter Aktivisten.

Kann ich einer schwangeren Frau, krank und auf der Flucht meine Tür verschließen? Nein, das könnte ich nicht. Könnte ich einem Kind die Gastfreundschaft verweigern, das vor Bomben und Tod geflohen ist verweigern? Nein, das könnte ich nicht.

Und doch scheint es hier in diesem Land Menschen, Parteien und einen Mob der Straße zu geben, die statt Schutz zu gewähren diesen Menschen mit Gewalt und Ablehnung begegnen. Und es werden täglich mehr, wenn man den Umfragen Glauben schenkt.

Angst GesichtScham, tiefste Scham beschleicht mein Denken und Wut. Ja, Wut auf diese Menschen, die nichts aus der Geschichte Europas wissen oder lernen wollen. Diese Kaltherzigkeit macht mir Angst. Wissend, dass diese Aggressivität, sei es der Straße oder Parteien wie der AFD den Keim der Zerstörung in sich tragen. In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz. Es wäre also mehr als klug diese unschöne Energie nicht weiter zu tragen. Und Wut ist nun wirklich kein guter Ratgeber.

Schwierige Zeiten geben uns die Möglichkeit, Entschlossenheit und innere Stärke zu entwickeln. Sich nicht ängstigen zu lassen und seinem Herzen zu folgen. Schließlich schlug unser Herz bevor wir anfingen zu denken. Denn dies ist mein Land. Das helle, freundliche. Nicht das dunkle, dumpfe faschistoider Täter oder Protz Parteien mit Gewaltambitionen.

Keine Politik, kein Politiker kann auf Dauer überleben, wenn er oder sie eine Politik ohne Empathie, Mitgefühl und Respekt vor dem Leben betreibt. Das hat die Geschichte gezeigt. Nationalismus hat immer zu Gewalt und Elend geführt. Genauso wie religiöser Fanatismus.
Heute zerstört es Wirtschaft und Handel gleich mit. Nicht sofort, aber dafür umso nachhaltiger. Die Ideologen der Straße und Partei-Populisten mit ihrer scheinheiligen medialen Symbol Rhetorik gehen auf Menschenfang. Wohin das führt schert diese nicht. Denn letztere betreiben einzig ihr Spiel der Macht. Für mich ist dies zutiefst anti-demokratisch und gefährlich.

Sascha Lobo schreibt dazu in seiner Spiegel Kolumne: „Und damit bekommen die aggressiven Äußerungen von Trump eine andere Färbung, ebenso wie die “Entgleisungen” von AfD und Pegida: Es handelt sich um kommunikative Katalysatoren. Kommunikation, die sich der Mechanismen der sozialen und redaktionellen Medienmelange bedient, um an die diffusen Abneigungen in den Hirnen der Bevölkerung zu appellieren.

Wenn Björn Höcke (AFD) rassistische Vermehrungstheorien aufstellt und von Tausendjährigkeiten redet. Wenn Frauke Petry andeutet, es müsse an der Grenze auf Flüchtlinge geschossen werden können. Wenn Beatrix von Storch ergänzt, das müsse irgendwie auch für Frauen und Kinder gelten. Die Funktion dieser Aussagen ist, durch ihr bloßes, selbst kurzzeitiges Vorhandensein eine Grenze zu verschieben: die Grenze von dem, was öffentlich noch gesagt werden kann. Was auch Trumps Trick ist, denn so wird das ganze Potenzial des bisher unartikulierbaren Ressentiments freigesetzt.

Vorurteile und Verachtungen, von denen man bisher glaubte, sich für sie schämen zu müssen und die man sich aus Furcht vor öffentlichen Sanktionen nicht traute zu äußern, werden zu vermeintlich politischen Argumenten. Trump bringt so Leute zum Wählen, die sich bisher nicht trauten, ihren dumpfen Empfindungen politisch zu folgen. Und was in Deutschland als gefühltes Zitat einer Parteivorsitzenden Talkshow-Dauerbesetzung herumgereicht wird, ist dadurch in der Öffentlichkeit automatisch sanktionslos.“
www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo

“Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten.“ Dalai Lama.

Für mich bedeutet dies eine Politik des Anstandes. Eine Politik die sich öffnet und auf Menschen zugeht. Offensichtlich haben Politiker vergessen, wie dies gehen kann. Die „Flüchtlingskrise“ zeigt das Offensichtliche: eine Politik der Partei Dogmen verharrend im Stillstand, sowie Ideenlosigkeit zum Selbstzweck der Macht auf dem Rücken der Gesellschaft.
Verlogenheit, Beliebigkeit, ohne Vision und Zukunft verbunden mit den ewigen Schlagworten der Ignoranz, so zeigt sich Politik in Deutschland, den USA und vielen anderen Ländern. Und dies in einer Welt, die doch so dringend Visionen des Überlebens, der Nachhaltigkeit und der Fürsorge benötigen würde.

„Dummheit ist nicht wenig wissen, auch nicht wenig wissen wollen. Dummheit ist glauben, genug zu wissen“. Konfuzius

Ich bin sicher, dass viele Menschen meine Gedanken als naiv betrachten werden oder schlimmeres. Doch auch bin ich sicher, dass ich nicht der einzige bin auf dieser Erde, der diese oder ähnliche Gedanken teilen würde.

Das Grauen allein in Syrien laut einer aktuellen Studie:
Der Krieg in Syrien hat einer Studie des Syrian Centre for Policy Research (SCPR) zufolge bislang nahezu eine halbe Million Todesopfer gefordert. Nach der Erhebung mit dem Titel “Confronting Fragmentation” haben in dem Konflikt insgesamt 470.000 Menschen ihr Leben verloren. Die Uno hat in ihrer eigenen und bisher am häufigsten zitierten Auswertung von Statistiken vor 18 Monaten bei 250.000 Toten aufgehört zu zählen.

Von den 470.000 Toten sind laut SCPR 400.000 direkt durch Kampfhandlungen gestorben. 70.000 fielen zudem den schlechten medizinischen, sanitären und humanitären Bedingungen zum Opfer: in vielen Städten fehlt es an Nahrung, sauberem Trinkwasser, Medikamenten sowie adäquatem Wohnraum.

SCPR hat zudem errechnet, dass insgesamt 11,5 Prozent der Bevölkerung des Landes in dem Krieg seit März 2011 entweder getötet oder verletzt worden sind. Neben den 470.000 Todesopfern erlitten 1,88 Millionen Menschen Verletzungen. Die Lebenserwartung für Syrer ist von 70 Jahren auf 55,4 Jahre im vergangenen Jahr gefallen. Die Sterberate ist von 4,4 pro tausend Einwohner im Jahr 2010 auf 10,9 gestiegen.

Der entstandene wirtschaftliche Schaden ist laut SCPR immens: Er liegt demnach bei 255 Milliarden Dollar. Die Preise sind alleine im vergangenen Jahr um 53 Prozent gestiegen. 13,8 Millionen Syrer haben ihre Einnahmequelle – ihren Job oder ihr Geschäft – verloren. Die Armutsrate ist 2015 auf über 85 Prozent gestiegen.

Folge der katastrophalen Zustände sei eine Massenflucht. 45 Prozent der Bevölkerung sind aus ihren Heimatorten vertrieben worden; 6,36 Millionen sind Binnenflüchtlinge, 4 Millionen sind ins Ausland geflohen, viele davon sind nach Europa gereist oder leben in Lagern in der Türkei, dem Libanon oder Jordanien. (Quelle: www.n-tv.de/politik/Studie-offenbart-Ausmass-des-Syrienkriegs)

Deutschland kann nicht alle Flüchtlinge aufnehmen. Deutschland kann aber etwas der Welt zeigen: Dass eine Gesellschaft, die mehr an andere denkt, dadurch sehr viel ausgeglichener, ruhiger, erfolgreicher und glücklicher sein kann als jene die immer an sich selbst denkt.

12. Februar 2016 

Uwe Taschow

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