Mensch Sein und Spiritualität Spirit

Unsterblich menschlich – der Tod schön und unheimlich zugleich

tod-uhr-blitz-timeUnsterblich menschlich – der Tod schön und unheimlich zugleich

Tod oder – Unsterblich? Bis vor nicht allzu langer Zeit gehörte ich tatsächlich zu den Menschen, die irgendwie fest daran glaubten, das Leben hier auf der Erde sei ewig… Und irgendwie hatte ich sogar „Beweise“ dafür. Trotz meiner vierzig Jahre hatte ich keine Anzeichen von Alterung, nicht einmal das erste graue Haar oder ein kleines Fältchen… So konnte es weitergehen!

Nicht, dass mir der Tod und das Sterben fremd gewesen wären. Durch traumatische Erlebnisse hatte ich selbst eine Nahtoderfahrung gemacht und wusste, dass es nach dem, was wir Tod nennen, weiter geht. Das Bewusstsein bleibt…

Doch irgendwie passten diese Informations- und Erlebnisteile in meinem Gehirn nicht zusammen. Ich lebte tatsächlich, als ob es immer so weiter gehen würde, sorglos, frei und vielleicht auch diesbezüglich gedankenlos. Als Kind hatte ich den Tod meiner Großeltern miterlebt, da ich aber keine sehr enge Bindung zu ihnen hatte, nahm ich ihr Gehen und die Folgen davon, nur bedingt wahr. Es blieb nie diese riesengroße Lücke, die oft ein Mensch oder auch Tier, wenn sie gehen, hinterlassen.

Vor einem Jahr ist mein Vater gestorben. Zwanzig Jahre hatte ich ihn nicht mehr gesehen und nun zum ersten und letzten Mal wieder an seinem Sarg. Dieser Moment war groß und tief. Ein Kreis schloss sich. Und das Leben ging weiter – nicht nur für mich, sondern auch für ihn und für uns zusammen: Wir schrieben gemeinsam ein Buch

Und seitdem ist der Tod auf gewisse Weise mein ständiger Begleiter. Ich kann ihn aus meinem Leben nicht mehr wegdenken.

Kurz nach seinem Ableben zeigten sich meine ersten grauen Haare. Ich nahm wahr, dass die Spannung in meiner Haut nachließ… Der Herbst schlich sich ganz langsam in mein Leben. Es dämmerte mir: Ewig wird das Ganze hier nicht weiter gehen. Irgendwann gehst Du…

Was für eine Aussicht!

Diese Perspektive ist schön und unheimlich zugleich. Sie animiert und zwingt mich ständig dazu, noch bewusster zu leben. Mich noch mehr zu hinterfragen. Wenn meine körperliche Präsenz hier tatsächlich nur vorübergehend ist, dann sollte ich auch von diesem Gesichtspunkt aus mein Leben bewusst und sinnvoll gestalten.

Sinnvoll

Vor allem das.
Das Jahrzehnt von zwanzig bis dreißig hatte ich hauptsächlich dazu verwandt, mein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, Missbrauchs- und Gewalterfahrungen aus Kindheit und Jugend zu verarbeiten, einen Opferschutzverein mitzugründen und Menschen, die Trauma erlebt hatten wie ich, zu unterstützen.

Das war sinnvoll.
Es ging viel ums Überleben.

Dann kam bis vierzig das Jahrzehnt der großen Freiheit. Auslandsaufenthalte. Lebensfreude! Intensität! Bücher schreiben. Aufblühen! Leben! Und das alles unter der Sonne Spaniens!

Und dann kam die Wende. Die große Nachdenklichkeit. In der ich mich auch jetzt noch befinde.

Du bist nicht ewig hier.
Was willst Du mit Deinem Leben erreichen? Was willst Du geben und als Fußspur hinterlassen?

Vielleicht stellst Du Dir auch solche und ähnliche Fragen?

Sie sind groß. Und sie sind wichtig und richtig – auch wenn sie in unserer Gesellschaft meist stiefmütterlich behandelt werden.
Sie sind unglaublich wichtig, so unbequem und drückend sie auch sein mögen.

  • Plötzlich wird Dir klar, wer und wer alleine die Verantwortung für Dich, Dein Tun und Unterlassen in Deinem Leben hat.
  • Plötzlich wird Dir klar, wer und wer alleine der wichtigste Mensch in Deinem Leben ist, mit wem Du gekommen bist und mit wem Du gehen wirst – Du selbst.
  • Plötzlich stellst Du Dir die großen Fragen, ob und wie es nach dem Sterben weiter geht und Du ahnst oder weißt vielleicht sogar eine Antwort.

Und dann tut sich ein noch größerer Rahmen auf, in dem Du Dich bewegst und Dein Leben hier lebst, der, dass Deine Existenz unendlich ist.

Wow.
Damit muss und möchte man erstmal klar kommen!

So bereichernd solch ein Wissen und Erfahrungen, wie durch eine Nahtoderlebnis, sein kann, so groß und schwierig ist sie auch, in das tägliche Leben zu integrieren. Zumindest ging es mir so…

Du hast nicht weniger als die gesamte Unendlichkeit… Und gleichzeitig kommst Du mit einem Rums und unsanften Landung auf dem Hintern im Hier und Jetzt dieses Lebens an.

In meiner Arbeit habe ich Menschen in solchen Situationen sich selbst vernachlässigen und verlassen sehen. Plötzlich war alles irdisch Normale komplett unwichtig. Warum gesund essen und sich bewegen, man stirbt doch ohnehin und außerdem ist meine Seele doch unsterblich… da kommt es nicht drauf an! So und ähnlich war die Gefühlslage.

Die Größe der Erkenntnis ist oft zu groß für unseren Alltagskopf, der komplett überfordert oft auf stumm schaltet, aufgibt und seine Aufgaben nicht mehr erfüllt.

So schwierig es ist, so besonders kann diese Zeit und Phase jedoch auch sein. Wir sind eingeladen, uns permanent zu konfrontieren, zu entscheiden, von welcher Warte, der alten oder der neuen, wir unser Leben betrachten und vor allen Dingen auch gestalten wollen.

Und dann…

Wachte ich eines Morgens mit dem Gedanken auf in meinem Kopf:

Du hast die Ewigkeit. Also entspann Dich und verdammt noch mal, genieß die Reise! Genieße jeden Augenblick, denn er ist so kostbar, weil er – ja – endlich ist und gleichzeitig, weil er ein Teil Deiner wunderbaren unendlichen Existenz ist.

Seitdem esse ich bewusster, hege und pflege meinen Körper liebevoller, gehe achtsamer mit meinen Mitmenschen um, denke über meine Prioritäten nach.

Vieles, was ich mache, ist gleich geblieben wie meine Arbeit, Hobbys usw. Aber meine Motivation, Dinge zu tun, hat sich verändert. Die Perspektive ist eine andere geworden. Wichtigkeiten haben sich verschoben.

Nein, nicht nur Richtung Spiritualität, sondern in Richtung Menschlichkeit.

Menschlichkeit und Tod

  • Wahres Annehmen meiner selbst und meiner Mitmenschen.
  • Das Wissen, dass ich wichtig bin.
  • Dass jeder Moment wichtig ist.
  • Dass ich ihn tatsächlich mit beeinflusse, mit kreiere.

Plötzlich ist es mir richtig wichtig, dass es mir gut geht. Ich versorgt bin, auch im Alter. Ich liebe diesen Menschen, der ich bin, diese starke und gleichzeitig sensible Frau die irgendwann weiße Haare haben wird und einen gealterten Körper, der sie durchs Leben getragen hat.

Ich schaue nicht nur zurück, ich schaue auch und gerade nach vorne.

Diese wunderbare Person, sie verdient schon jetzt meinen Respekt und vor allen Dingen meine Liebe und Fürsorge. Ich möchte sie begleiten, auf jedem Schritt, ganz bewusst. Bei ihr sein. Mit ihr sein… bewusst jeden Moment erleben, vor allen Dingen den, wenn es heißt Abschiednehmen.

Über zehn Jahre habe ich die Sonne und Wärme Spaniens und der Kanaren genießen dürfen. Sonne! Wie hatte ich mich danach gesehnt und das Licht und die Lebensfreude genossen und aufgesogen. In diesem Sommer war mir das erste Mal die spanische Sonne und ihr Licht zu viel. Ungläubig nahm ich wahr, dass ich mich – zum ersten Mal in meinem Leben – nach der Dunkelheit und Kälte sehnte.

Konnte das sein??
Jeder, der mich kennt, schüttelte den Kopf. Unmöglich – bei Dir??
Und ja, bei mir… Ziemlich spontan entschloss ich mich dazu, zurück nach Deutschland zu gehen. Die Familie im Gepäck.

Jetzt werden die Tage kürzer. Es regnet…

Was mir früher Angst gemacht hätte, lässt mich jetzt innerlich aufgehen! Ich freue mich auf die dunkle Jahreszeit. Die Einkehr. Die Ruhe. Das sinnvoll etwas Aufbauen. Die Arbeit, innerlich wie äußerlich. Das entdecken, auf noch tieferer Ebene, des Paradieses in mir, dieser unendlich großen, wunderschönen Innenwelt, die auf mich wartet, immer da war und immer sein wird.

Mein Zuhause.
Warm. Hell. Leicht und beschwingt. Herzlich, freudig…
Es darf still werden.
Es darf gehen.
Es darf sterben.

Sterben, dämmert mir, ist schön…

…in seiner Essenz ist gehen und sterben schön…
Darf man so etwas sagen?
Darf man so auf Du und Du mit dem Tod sein?

Ja, man darf. Die Natur macht es uns vor… Naturvölker leben es bereits.
Der Tod ist bei uns zum Sensemann geworden, zu einem klapprigen Schreckensgespenst…

Darf sich dieses Bild verändern? Unsere Perspektive? Unsere Erfahrung??
Das entscheidest Du allein, Du, der Du diesen Text gerade liest.
Es ist Dein Leben. Deine Lebenserfahrung ganz allein. Du bist so frei wie Du verantwortlich bist.
Du stehst am Ruder.
Wohin geht die Reise?

22.09.2018
Ursula Schulenburg

Autor, Dozentin, Heilpraktikerin und Life Coach und führt ihr online Business Soulcentered Evolution

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