Können Wut und Hass auch positive Gefühle sein?

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Wut-Hass-negative-heilsame-Gefuehle-zipperKönnen Wut und Hass auch positive und heilsame Gefühle sein?

Natürlich nicht! Würde man spontan sagen, oder wie geht es Dir?
Hass und Wut, da sind wir uns meist alle einig, Hass und Wut sind keine positiven Gefühle! Also: Schnell weg, lieber nicht fühlen, lieber etwas Positives empfinden, den Blick auf bessere Gefühlsregungen richten!
Absolut…
Und doch gibt es Situationen, da können Wut und Hass heilsam sein. Ja, Du hast richtig gelesen: HEILSAM.

Die Skala der Gefühle

Es gibt eine sogenannte „Emotions-Skala“ (u.a. von Abraham Hicks), also eine Skala, auf der die verschiedenen Emotionen und Gefühle ihren Platz finden. Ganz oben stehen Gefühle wie Liebe, Dankbarkeit, Lebensfreude…
Und ganz, ganz unten Gefühle wie Schuld, Ohnmacht, Hilflosigkeit.

Hier findest Du einen kleinen Überblick:

1. Freude/Wissen/Kraft/Freiheit/Liebe/Wertschätzung
2. Leidenschaft
3. Enthusiasmus/Wissbegierde/Glück
4. Positive Erwartungen/Glauben
5. Optimismus
6. Hoffnung
7. Zufriedenheit
8. Langeweile
9. Pessimismus
10. Frustration/Irritation/Ungeduld
11. Überwältigung
12. Enttäuschung
13. Zweifel
14. Sorge
15. Schuldzuweisung
16. Entmutigung
17. Ärger
18. Rache
19. Hass/Wut
20. Eifersucht
21. Unsicherheit/Schuld/Unwert
22. Angst/Trauer/Depression/Verzweiflung/Ohnmacht

Natürlich lassen sich Emotionen, die ja etwas lebendiges sind

(E-motion = Energie in Motion/Bewegung) nicht wirklich in feste Strukturen zwängen. Aber dennoch kann es mitunter hilfreich sein, ein klein wenig Ordnung in sein Gefühlsleben zu bringen.

Wenn wir Gefühle wie Angst, Trauer, Depression, Verzweiflung und Ohnmacht empfinden, ist der Weg hin zu Gefühlen wie Liebe, Dankbarkeit und Freude oft sehr weit. Es wäre vergleichbar mit einem Sprung von Pechschwarz hin zu Schneeweiß…
Da ist es angebrachter, Schrittweise diese Leiter hinauf zu kraxeln, von Pechschwarz über Dunkelgrau, Hellgrau und Weiß, gewissermaßen! Step by Step!

Der erste Schritt

In meiner Arbeit mit Betroffenen von Trauma habe ich immer wieder erlebt, wie Menschen in sehr dunklen und scheinbar ausweglosen Gefühlssituationen gefangen waren.
Sie quälten sich mit Gefühlen wie totale Hilflosigkeit, Opfersein, Depression.
Gerade Zustände von Ausgeliefertsein und Opfersein sind die mit unerträglichsten Gefühle überhaupt…
Die fühlen und erleben zu müssen, ist schon ein hartes Stück Arbeit und sich zudem auch noch gefangen in solchen Seelengefängnissen zu fühlen, oft unerträglich!

Ja, es mag Menschen geben, die aus der tiefsten Verzweiflung heraus in Gefühle wie Verständnis,

ja, sogar Vergebung und Liebe gehen konnten. Die meisten schaffen es aber nicht.
Für sie ist es eine enorme Erleichterung, irgendwann aus der Schwere, der Depression und Hilflosigkeit in die Wut zu gehen! Ja, sich zu trauen, wütend zu sein, angepi…, stinkesauer!
Und darüber hinaus sogar zu hassen.
Und hier kommt es, das „böse“ Wort. Denn wer will schon hassen?
Und doch ist gerade an dieser Stelle der Hass so heilsam.

Betroffene von emotionalen, körperlichen und auch sexuellen Übergriffen erleben intensive und befreiende Momente

genau in dem Augenblick, wo sie sich trauen, aus ihrer inneren Erstarrung auszubrechen. Wo sie den Mut haben, den Seelenmüll, die erstickenden Emotionen, die erlebte Grausamkeit heraus zu schreien und die Personen, die ihnen das angetan haben, einmal so richtig zu hassen! Zu beschimpfen! Zu verfluchen!

Ja, und natürlich geschieht das Ganze in einem sicheren Rahmen, in den eigenen vier Wänden, an einem Boxsack, hineingedrückt oder geschrien in ein Kopfkissen, im Rahmen einer Therapiesitzung oder in einem Coaching Gespräch. Vielleicht sogar, in kontrollierter Form, auch im Auto sitzend, vor sich hin schimpfend, beim Sport, beim Staubsaugen!

Immer wieder höre ich in meiner Arbeit den Einwand, der aus der Angst erwächst: Und was ist, wenn ich im Hass stecken bleibe?
Meiner Erfahrung nach ist diese Angst unbegründet.
Die Seele des Menschen ist bestrebt, in hellere Gefilde zu gelangen.
Und ganz besonders Menschen, die kritisch mit sich und ihren Gefühlen umgehen, die an sich arbeiten, die innerlich wachsen möchten, haben nicht die Tendenz, an Negativem festzuahlten. Sie wollen ja weiter! Sie wollen doch so sehr zum Licht!

„Heilige Wut/Zorn“

Der Hass, die Wut, kann für viele ein Zwischenschritt sein, raus aus der Opferrolle und hinein in einen befreiteren Gefühlszustand!
Im Amerikanischen benutzt man in diesem Zusammenhang auch den Begriff des „Divine Discontent“ – den „heiligen/göttlichen Zorn“.
Auch hier mag sich der eine oder andere am Anfang etwas schwer mit dem Begriff tun, da es so viele negative Assoziationen gibt wie „heiliger Krieg“ u.Ä. , die missverstanden werden und dazu führen, dass Leid in die Welt getragen wird. Dies ist natürlich nicht gemeint.

Und natürlich geht es von der Wut und dem Hass weiter die Emotionsskala hinauf!

Die Natur unserer Seele sind Liebe, Dankbarkeit, Freude, Freiheit… Also wird in uns immer das Bestreben sein, uns in unseren Gefühlen in hellere, lichtere Gefilde und Erfahrungsebenen zu begeben!

Traust Du Dich, auch mal sogenannte „negative“ Gefühle zu empfinden und durch diese hindurch zu gehen, um dann eine noch schönere und expandierte Freude und Liebe zu empfinden?

Schau dir auch mein YouTube Videos zu diesem Thema: “Hass ist ein positives Gefühl?!” an


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22.08.2019
Ursula Schulenburg
Autorin, Dozentin, Heilpraktikerin, Life Coach und führt ihr online Business Soulcentered Evolution.

Alle Beiträge der Autorin auf Spirit Online

Ursula-Schulenburg

Ursula Schulenburg
ist Autorin, Dozentin, Heilpraktikerin und Life Coach und führt ihr online Business Soulcentered Evolution.
Als Gründungsmitglied des Opferschutzvereins El Faro e.V. engagiert sie sich für Menschen, die Missbrauch und Trauma erleben mussten. Es ist ihr wichtig, mehr Licht, Klarheit und Transparenz in dieses dunkle Thema zu bringen und ihm auch öffentlich eine Stimme zu geben. Dies tut sie u.a. über regelmäßige Vorträge und Beiträge in sozialen Medien (u.a. YouTube
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