Sicherheit in unsicheren Zeiten – Die Rückbindung an die Ur-Quelle des Seins

Menschen am Bach

Sicherheit in unsicheren Zeiten – Wenn das Außen wankt

Dieser Beitrag zeigt, wie Sicherheit in unsicheren Zeiten nicht durch äußere Machtstrukturen, sondern durch Rückbindung an die spirituelle Ur-Quelle entsteht. Er verbindet gesellschaftliche Verunsicherung mit mystischer Selbsterkenntnis.

Sicherheit in unsicheren Zeiten entsteht nicht durch politische Stabilität oder äußere Kontrolle. Sie wächst aus der Rückbindung an den unveränderlichen Wesenskern des Menschen – die Ur-Quelle des Bewusstseins.

Eine Welt im Übergang

Im Februar 2026 versammelten sich in München Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Militär zur jährlichen Sicherheitskonferenz. Parallel dazu demonstrierten zahlreiche Menschen für Frieden und Abrüstung.

Dieses Nebeneinander ist mehr als eine politische Randnotiz. Es ist ein Symbol.

Die einen suchen Sicherheit durch strategische Planung, die anderen durch moralische Positionierung. Beide versuchen, das Unberechenbare beherrschbar zu machen.

Doch unter dieser Oberfläche liegt eine tiefere Bewegung:
Die Gewissheiten unserer Zeit bröckeln.

Wirtschaftliche Stabilität wirkt fragiler.
Gesellschaftliche Übereinkünfte zerfallen schneller.
Politische Ordnungen verlieren ihre Selbstverständlichkeit.

Die Frage nach Sicherheit wird existenziell.

Sicherheit – Schutz oder Gewissheit?

Die englische Sprache unterscheidet zwischen security und certainty.

Security meint Schutz, Absicherung, Verteidigung.
Certainty meint Gewissheit.

Vielleicht liegt hier bereits der Schlüssel:
Wir verwechseln Schutz mit Gewissheit.

Kein Schutzsystem dieser Welt kann endgültige Gewissheit schaffen. Jede äußere Struktur ist zeitgebunden. Jede Ordnung ist geschichtlich. Jede Macht ist vergänglich.

Wenn Sicherheit ausschließlich im Außen gesucht wird, bleibt sie prekär.

Sicherheit in unsicheren Zeiten kann daher nicht primär politisch beantwortet werden. Sie verlangt eine Bewusstseinsbewegung.

Die alte Aufforderung: Erkenne Dich selbst

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KI unterstützt generiert

Über dem Eingang des Apollotempels in Delphi stand:
„Gnothi seautón“ – Erkenne Dich selbst.

Diese Inschrift war keine moralische Ermahnung. Sie war eine Initiation.

Sie lenkte den Blick weg vom äußeren Geschehen und hin zum inneren Ursprung.

Im christlichen Kontext heißt es:
„Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist?“ (1 Kor 6,19)

Im hinduistischen Verständnis spricht man vom Atman, dem unsterblichen Wesenskern, identisch mit Brahman, dem absoluten Bewusstsein.

Die Worte sind verschieden.
Die Erfahrung ist eine.

Sicherheit in unsicheren Zeiten beginnt dort, wo der Mensch sein Wesen nicht länger ausschließlich über das Sichtbare definiert.

Das Ich und die Quelle

Das Ich ist notwendig. Es ordnet, strukturiert, handelt.

Doch es ist nicht der Ursprung.

Das Ich lebt in Abgrenzung.
Das Selbst lebt in Einheit.

Solange der Mensch sich ausschließlich mit seinem Ich identifiziert, bleibt er abhängig von äußeren Umständen. Jede Erschütterung im Außen wird zur inneren Erschütterung.

Sobald jedoch die Identifikation sich verschiebt – vom Ich zum Selbst –, verändert sich die innere Statik.

Nicht weil Probleme verschwinden.
Sondern weil der Bezugspunkt ein anderer wird.

Eine Parabel über das Tor

Ein heiliger Mann klopfte an das Himmelstor.

„Wer ist da?“, fragte Gott.
„Ich bin es, Dein Diener.“
„Hier ist kein Platz für Dich.“

Er dachte lange nach. Klopfte erneut.
„Ich bin es, der Dich verehrt hat.“
„Hier ist kein Platz.“

Erst als er fragte:
„Wer ist dieses Ich, das Einlass begehrt?“
und erkannte, dass das Ich selbst die Trennung erzeugte, antwortete er beim dritten Mal:

„Du.“

Da öffnete sich das Tor.

Diese Parabel beschreibt eine radikale Einsicht:
Sicherheit entsteht nicht durch Durchsetzung des Ichs, sondern durch dessen Relativierung.

Die Welt als Erscheinung

In der indischen Philosophie wird die sichtbare Welt als Maya bezeichnet – als Erscheinung, als relative Wirklichkeit.

Das bedeutet nicht, dass sie bedeutungslos wäre.
Es bedeutet, dass sie nicht das Fundament ist.

Das Fundament liegt tiefer.

Wer sich ausschließlich auf das Veränderliche stützt, lebt im permanenten Alarmzustand.

Wer sich mit dem Unveränderlichen verbindet, findet einen inneren Boden.

Sicherheit in unsicheren Zeiten ist deshalb keine Strategie, sondern eine Verankerung.

Selbst-Verantwortung als geistige Entscheidung

Selbst-Verantwortung wird oft ökonomisch verstanden: für sich sorgen, leistungsfähig bleiben, durchsetzen können.

Doch es gibt eine tiefere Dimension.

Selbst-Verantwortung bedeutet, die eigene Bewusstseinsausrichtung zu wählen.
Nicht aus Angst zu handeln.
Nicht aus Panik zu reagieren.
Nicht aus ideologischer Verhärtung zu urteilen.

Innere Gewissheit entsteht, wenn der Mensch sich erinnert, dass sein Ursprung nicht im Wandel liegt, sondern im Sein.

Sicherheit als Durchlässigkeit

Vielleicht ist das größte Missverständnis, dass Sicherheit mit Härte verwechselt wird.

Innere Sicherheit ist kein Panzer.
Sie ist keine Abschottung.
Sie ist keine emotionale Verhärtung.

Sie ist Durchlässigkeit.

Wer innerlich verankert ist, muss nicht kämpfen, um zu bestehen.
Er muss nicht laut sein, um gehört zu werden.
Er muss nicht dominieren, um präsent zu sein.

Sicherheit in unsicheren Zeiten bedeutet, im Wandel zu stehen, ohne den inneren Boden zu verlieren.

Die leise Gewissheit

Je instabiler das Außen wirkt, desto deutlicher wird die Einladung nach innen.

Nicht als Flucht.
Nicht als Weltverweigerung.
Sondern als Heimkehr.

Zu sich selbst zu kommen heißt, nach Hause zu kommen.

Nicht in eine Vergangenheit.
Nicht in eine Vorstellung von Zukunft.
Sondern in die Gegenwart des eigenen Seins.

Dort liegt eine stille Gewissheit.

Sie ist nicht spektakulär.
Sie ist nicht politisch.
Sie ist nicht laut.

Aber sie trägt.


Mini-FAQ

Wie finde ich Sicherheit in unsicheren Zeiten?

Durch bewusste Rückbindung an den eigenen Wesenskern – etwa durch Meditation, stille Reflexion und Selbsterkenntnis.

Ist diese Sicherheit unabhängig von äußeren Umständen?

Sie ist unabhängig im Sinn innerer Stabilität, ersetzt jedoch nicht die Notwendigkeit verantwortlichen Handelns.

Ist spirituelle Sicherheit Weltflucht?

Nein. Sie ermöglicht erst eine klare und angstfreie Teilnahme am Weltgeschehen.


Schluss: Die Ur-Quelle als innerer Standort

Sicherheit in unsicheren Zeiten entsteht nicht durch die Kontrolle des Äußeren.

Sie entsteht durch die Erinnerung an das, was im Innersten unveränderlich ist.

Wer die Ur-Quelle seines Seins berührt, verliert nicht die Fähigkeit zu handeln – er verliert die Angst, aus der heraus er handeln müsste.

Vielleicht liegt darin die tiefste Form von Sicherheit:

Nicht dass die Welt stabil wird.
Sondern dass der Mensch in sich einen Ort entdeckt, der nicht erschüttert werden kann.

Und aus diesem Ort heraus beginnt eine andere Art des In-der-Welt-Seins.

20.02.2026
Roland R. Ropers
Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher, Buchautor und Publizist


Über Roland R. Ropers

Woher kommen wir Ropers Portrait 2021

Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist, autorisierter Kontemplationslehrer, weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit.
Es ist ein uraltes Geheimnis, dass die stille Einkehr in der Natur zum tiefgreifenden Heil-Sein führt.

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Buch Tipp:

cover kardiosophie Roland RopersKardiosophie
Weg-Weiser zur kosmischen Ur-Quelle

von Roland R. Ropers und
Andrea Fessmann, Dorothea J. May, Dr. med. Christiane May-Ropers, Helga Simon-Wagenbach, Prof. Dr. phil. Irmela Neu

Die intellektuelle Kopflastigkeit, die über Jahrhunderte mit dem Begriff des französischen Philosophen René Descartes (1596 – 1650) „Cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) verbunden war, erfordert für den Menschen der Zukunft eine neue Ausrichtung auf die Kraft und Weisheit des Herzens, die mit dem von Roland R. Ropers in die Welt gebrachten Wortes „KARDIOSOPHIE“ verbunden ist. Bereits Antoine de Saint-Exupéry beglückte uns mit seiner Erkenntnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Der Autor und die sechs Co-Autorinnen beleuchten aus ihrem individuellen Erfahrungsreichtum die Vielfalt von Wissen und Weisheit aus dem Großraum des Herzens.