Zeitlose Weisheit - Die Rosenkreuzer

An der Schwelle zum Wassermann – Zeitalter

WassermannzeitalterAn der Schwelle zum Wassermann-Zeitalter

Kein Zweifel, wir stehen an einem dramatischen Wendepunkt der Menschheitsgeschichte. Wir bekommen bereits die Geburtswehen eines neuen Zeitalters zu spüren; diese bilden den notwendigen Übergang für die Reintegration des Menschen in die Kosmische Ordnung. Die Geschichte der Menschheit scheint eine Gesetzmäßigkeit aufzuzeigen, nach der jedes mal, wenn die Sonne in ein neues Tierkreiszeichen tritt, dieser Wechsel zu tiefgreifenden Umwandlungen auf sozialem, religiösem und geistigem Gebiet geführt hat, und dass die eingetretenen Veränderungen einen bestimmten Symbolgehalt des jeweiligen neuen Tierkreiszeichens widerspiegeln.

Die Menschheit erscheint heute verwirrt und fassungslos. Sie sieht sich mit einer globalen, noch nie dagewesenen Existenzkrise konfrontiert, und zwar auf allen Gebieten menschlicher Aktivität. Alles wird diskutiert und in Frage gestellt. Die gegenwärtige Periode der Umwälzungen bereitet den Übergang vom Fische-Zeitalter in das Zeitalter des Wassermanns vor. Etwas anderes ‒ etwas Neues ‒ muss jetzt an der Schwelle in das neue Zeitalter unbedingt kommen.

Der Tierkreis und die Entfaltung des Lebens
Sprachforscher führen das Wort Zodiak für den Tierkreis auf die griechische Wurzel „zodion“ zurück, was Tierfigur bedeutet. Näher liegt allerdings die Deutung über den griechischen Stammbegriff „zeo diakonos“, der so viel heißt wie „was dem Leben dient“. Nach der Auffassung der esoterischen Astrologie beinhaltet der Zodiak nicht nur die Menschheitsgeschichte der Vergangenheit und der Zukunft, sondern darüber hinaus den Lebensplan der moralischen Entwicklung der Individuen.

Beginnend mit dem Tierkreiszeichen der Jungfrau als dem Symbol für Reinheit wird der Kreis eines Tages mit der Waage geschlossen, dem Symbol für errungene Ausgeglichenheit und End-Gericht ‒ richten im Sinne von aufrichten, richtig machen, heil machen …

Man glaubte längere Zeit, dass die altägyptischen Tierkreiszeichen aus der Zeit des Baus der großen Pyramiden stammen, so etwa der sich heute im Louvre befindende Tierkreis von Dendera. Doch dann wurde klar, dass der Ursprung nördlicher gelegen sein musste und zwar auf Grund der eingezeichneten Sterne, die erst ab einer nördlichen Breite von 50 Grad sichtbar sind. Dies schloss Ägypten als Quelle aus, ebenso Indien und Chaldäa. Hingegen passte als Ursprung in verblüffender Weise das legendäre im Atlantischen Ozean versunkene Atlantis.

Die Geschichte der Menschheit nach dem Zodiak
Nach der esoterischen Überlieferung wurde Adam im Monat Tisri erschaffen, d.h. im September, zu der Zeit, als die Sonne ins Tierkreiszeichen der Jungfrau trat. Die Zeitrechnung nach dem Tierkreis begann also am 21. September des Jahres 12.960 vor Christi Geburt, d.h. mit Beginn des Jungfrau-Zeitalters. Eine Art Geschichtsschreibung des Menschen ist allerdings erst ab dem Zeitalter des Stiers bekannt. Was in der Menschheitsgeschichte entwicklungsmäßig vorher geschah, liegt hinter einem Schleier verborgen. Zwischen dem Zeitalter der Jungfrau und dem des Stiers liegen 8.640 Jahre; diese Periode wird Proto- oder Vor-Geschichte genannt. Im Verlauf der Vorgeschichte erreichte der Mensch einen Punkt seiner Entwicklung, an dem es ihn von innen her drängt, höheren Regungen und Gefühlen aus dem Grund seiner Seele Ausdruck zu verleihen. Der Mensch errichtete Menhire und schuf Dolmen. Er begann zu opfern und praktizierte seine ersten magischen Riten in den Höhlen-Tempeln der Vergangenheit.

DAS STIER-ZEITALTER

Dieses Zeitalter dauerte von 4.320 bis 2.160 vor unserer Zeitrechnung. In dieser Epoche finden wir in Ägypten, auf Kreta, in Chaldäa und in Assyrien Religionen mit einem Stier als göttlichem Symbol. Die Kultur des versunkenen Atlantis widerspiegelt sich in Darstellungen des atlantischen Gottes Poseidon in Verschmelzung mit einem heiligen Stier. Aus der Ilias und der Odyssee geht hervor, dass man diesen Gott durch das Opfer von schwarzen Stieren ehrte.

Laut Platons Kritias opferten die Könige von Atlantis zu bestimmten Zeiten einen Stier und reinigten sich in dessen Blut. Nicht nur Poseidon wurde Stier genannt, auch in Hymnen des alten Christentums stoßen wir auf den Begriff „Christus taurus“. Die Königspriester von Atlantis tranken das Opferblut des Stiers aus goldenen Kelchen und der Priester der Gegenwart trinkt Christi Blut in Form von Wein als Symbol der Opferung und Reinigung.

Der Ochse Apis im alten Ägypten war in Wirklichkeit ein Stier. Als Symbol für Ra stellte er den Gott des Lichtes dar, die schöpferische Lebenskraft. Die heiligen Schriften der Perser berichten von Gebeten an einen heiligen Stier, der dem Menschen das Sein verliehen hatte. Aus Babylonien stammen Darstellungen eines Stier-Gottes, einem Stier mit Menschengesicht. Darstellungen von heiligen Stieren kennt man auch aus Höhlen in Spanien und Süd-West-Frankreich. Doch mit dem Jahre 2.160 v. Chr. ging dieses Zeitalter zu Ende. Die Sonne trat jetzt ins Tierkreiszeichen des Widders.

Unweigerlich kam es zu einer tiefgreifenden Änderung im Bewusstsein des Menschen, die sich in dessen geistigen Tätigkeiten, der Kultur und Religion zum Ausdruck brachte. Das alte Konzept der Herrschaft durch Macht und Gewalt verlor zunehmend an Kraft. Ein neues Ideal ward geboren. Das System gefühlloser barbarischer Härte, das es einer kleinen privilegierten Kaste erlaubte, einer großen Masse Leibeigener schlimmste Lebens- und Arbeitsbedingungen aufzuzwingen, dieses System musste jetzt unaufhaltbar einer neuen Idee weichen. Ein neues Zeitalter hält Einzug, das auf ganz besondere Art die Ägypter und die Hebräer beeinflusst, die zu dieser Zeit in Ägypten lebten. Das Volk der Hebräer erkennt, dass es ein auserwähltes Volk ist, das unter dem Schutz seines Gottes steht. Das Symbol für diesen Gott der Hebräer, für diesen Gott der Gerechtigkeit ist ein Widder. Auch bei den Ägyptern löst auf Geheiß des Pharao der Widder den Stier als geheiligtes Opfertier ab.

DAS WIDDER-ZEITALTER

Die Darstellung des Widders auf religiösen Monumenten beider Völker, der Hebräer und der Ägypter, breitet sich aus. Das Widder-Zeitalter beginnt im Jahre 2.160 v.Chr. und dauert bis zum Jahre eins unserer Zeitrechnung. In dieses Zeitalter fallen die Pharaonen-Namen Ramses.

Die Wurzel dieses Wortes ist „Ram“ in der Bedeutung von Widder. Um 2.ooo v. Chr. ließ der ägyptische Pharao Amenemhat den Kult des Stieres Apis durch den Kult des Widders Amon ersetzen und den Tempel Karnak erbauen, dem eine Doppelreihe von Widdern vorgelagert wurde. Das Grab des Pharao Seti zeigt einen Widder mit einer Sonnenscheibe über dessen Haupt.

Wir befinden uns jetzt zur Zeit des Auszuges der Hebräer aus Ägypten. Moses erhält auf dem Berg Sinai die zehn Gebote. Diese setzen der Anbetung des goldenen Kalbes, sprich des Stiers, ein Ende. Abraham soll 2.160 v. Chr. geboren worden sein, genau zu der Zeit, als die Sonne ins Tierkreiszeichen des Widders tritt. Der Name Abram, in der Folge Abraham, ist ebenfalls auf dieses Tierkreiszeichen zurückzuführen, denn Abram bedeutet „vom Widder stammend“ oder „Sohn des Widders“. Der Engel weist auf einen Widder hin, der sich mit seinem Gehörn im Gebüsch verfangen hatte und den Abraham an Stelle seines Sohnes auf dem Altar opfern soll. Im 1. Buch Mose erfahren wir, dass Jakob zwei Töchter seines Onkels Laban heiratet, Lea und Rachel. Lea, die ältere bedeutet im Hebräischen so viel wie „Weibchen des Stiers“; Rachel, die jüngere gilt im Hebräischen als „Mutterschaf des Widders“. Die Eifersucht zwischen Lea und Rachel symbolisiert den Ablösungskampf zwischen zwei Kulten, der Verehrung des Stieres, die durch die Verehrung des Widders verdrängt wird.

Auch von Kreta kennt man Darstellungen des Zeus in Verbindung mit einem Stier, die dann von späteren Bildern abgelöst werden und Zeus mit Hörnern des Widders oder auch einem Widder zur Seite zeigen. Doch der Zeitpunkt naht, da sich auch dieses Tierkreiszeichen seinem Ende zuneigt. Die Sonne beginnt das Tierkreiszeichen des Widders zu verlassen, um in das der Fische einzutreten.

DAS FISCHE-ZEITALTER

Das Zeitalter der Fische beginnt mit dem Jahr eins unserer Zeitrechnung und wird bis zum Jahr 2.160 dauern. Religionen, die dem Widder oder gar noch dem Stier huldigten, verblassen. Ein Avatar erscheint und predigt den Menschen während dreier Jahre eine Lehre, die die bislang praktizierten Religionen ersetzen wird. Dieser Religionsstifter steht in enger Verbindung zum Zeichen der Fische.

Im Griechischen liefert das Wort Ichthys, d.h. Fisch, die Anfangs-Buchstaben der Wörter: Iesous Christos Theou Yios Soter, Jesus Christus Gottes Sohn Heiland.

Die Frühchristen zeichneten einen Fisch, um sich als solche zu erkennen zu geben. Tertuilian, Augustinus und Hieronimus verwenden den Begriff Fisch, um damit Christus zu bezeichnen. Darstellungen von rituellen Mahlzeiten der Urchristen in den Katakomben zeigen fast immer auf dem gedeckten Tisch eine Platte, auf der ein Fisch liegt. Andere Gemälde zeigen Personen, die einem Fisch huldigen, der auf einem Altar liegt. Ein das Abendmahl darstellendes Mosaik von Apollinaris zeigt Christus mit seinen Jüngern um eine Platte versammelt, auf der zwei Fische liegen, eine Darstellung, die direkt auf das Symbol der Fische im Zodiak verweist. Die Wappenkunst des Mittelalters hat die bildliche Darstellung des Hechtes immer mit Christus verknüpft; die lateinische Bezeichnung für Hecht, Lucius, bedeutet Licht.

Bei den Urchristen erscheint der Christus-Fisch als Delphin, einem legendären Wesen aus der Mythologie als Retter von Schiffbrüchigen in Analogie zu Christus als dem Erlöser der Menschen. In den Katakomben findet man Darstellungen vom Delphin, der einen Neptun‘schen Dreizack umschlingt, eine symbolische Darstellung des Christus am Kreuz. In christlichen Basiliken stößt man hin und wieder auf zwei Delphine in Verbindung mit dem Dreizack, was uns wiederum auf das Fische-Symbol des Zodiak zurückführt. Die Verbindung des Delphins mit dem Dreizack, Attribut von Poseidon dem Gott der Atlanter, weist auf eine Beziehung hin, die zwischen Atlantis und Christus besteht, denn das Christentum wurzelt bereits in der ursprünglichen Tradition der Atlanter.

Aber bereits neigt sich das Zeitalter der Fische langsam seinem Ende zu, leicht zu erkennen an den Problemen und Wirrnissen unserer Zeit. Im Jahre 2.160 wird die Sonne in ein neues Tierkreiszeichen eintreten, in das des Wassermannes.

DAS WASSERMANN-ZEITALTER

Dieses neue sich anbahnende Zeitalter wird von 2.160 bis 4.320 dauern. Die astrologische Darstellung dieses Tierkreiszeichens zeigt zwei parallel verlaufende Wellenlinien. Als Hieroglyphe symbolisieren diese beiden Wellenlinien die Gewässer Ägyptens und Mexikos ‒ mit Atlantis dazwischen. In Mexiko stand dieses Zeichen symbolisch für „Atl“ in der Bedeutung von Wasser. „Atl“ ist die Wurzel von Atlantis, was auf den Ursprung dieser Bezeichnung hinweist.

Auf Himmelskarten wird der Wassermann als Jüngling dargestellt, der im Begriffe ist, ein Gefäß auszugießen, dessen Fluten sich im Himmelszelt ausbreiten. Er trägt die phrygische Mütze, die Kopfbedeckung der Eingeweihten. Der Name dieses Jünglings lautet Ganymed. Sein Name verweist auf die griechische Mythologie, doch steckt in der Legende von Ganymed weit mehr als eine einfache Geschichte, mehr als nur ein Geschehen innerhalb der Götterwelt um Zeus als den Herrscher des Olymps. Jeder Mythos verweist auf das Höhere und so werfen wir einen Blick auf den symbolischen Gehalt der Geschichte Ganymeds, um zu erahnen, was auf uns zukommen kann.

Zeus ist seit geraumer Zeit unzufrieden mit den Diensten von Hebe, deren Aufgabe darin besteht, den Göttern die Speise zu reichen. Diese Götterspeise besteht aus einem Likör, dessen Eigenschaften darin liegen, Wissen und Unsterblichkeit zu vermitteln. Zwar zeichnet sich Hebe als Göttin der Jugend durch Schönheit aus, doch entdeckt Zeus auf der Insel Kreta einen Jüngling, der einen unwiderstehlichen Zauber ausstrahlt, Ganymed. Als Zeus ihn erblickt, fasst er den Entschluss, sich in einen mächtigen Adler zu verwandeln, um diesen Jüngling zu entführen. Er trägt ihn durch die Lüfte, führt ihn zum Sitz der Götter und setzt ihn als himmlischen Mundschenk ein.

In Dantes Göttlicher Komödie finden wir eine Parallele zu dieser Legende. Dante sieht im Traum einen Adler, der ihn entführt und bis zur Feuer-Sphäre trägt, wo er zu brennen scheint. Von Vergil erfährt er dann, dass er von Luzië (d.h. Lux, Licht) selber an diesen Ort gebracht worden war, um die Feuerprobe zu bestehen ‒ die erste Initiation … Der Adler ist das Symbol von Johannes, dem Patron der Initiierten. Im Lukas-Evangeliums spricht Jesus zu Petrus und Johannes:

„Gehet hin, bereitet uns das Osterlamm, auf dass wir’s essen. Sie aber sprachen zu ihm: Wo willst du, dass wir’s bereiten? Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folget ihm nach in das Haus, da er hineingeht.“ Beim Träger des Wasserkruges handelt es sich um Ganymed; das Haus, das er betritt, ist das Tierkreiszeichen des Wassermanns. Hierzu schreibt Louis Claude de Saint-Martin in seinem Werk „Le nouvel homme“:

Wer ist dieser Mensch mit dem Wasserkrug? Es ist der Vorläufer der heiligen Allianz, welche sich erst vollziehen kann, wenn die vollkommene Reinigung vollzogen sein wird; d.h. nachdem alle schweren Prüfungen bestanden sein werden, denen die heutige Welt ausgeliefert ist.

Der Name Ganymed stammt vom griechischen ganos medomai. Medomai heißt „Sorge tragen“ aber auch „lenken“. So ist Ganymed der Lenker von Gani. Gani steht für Agni, sprich das feurige, erhobene Bewusstsein. Ganymed ist also der Bewusstseins-Lenker. Am Tempel zu Delphi steht die Inschrift: meden agan ‒ nicht zu viel, d.h. Mäßigkeit. Die Wortverwandtschaft mit ganymed ist augenfällig. Medenagan drückt die Ausgeglichenheit aus, das gerechte Maß, das die Menschheit in allen Dingen im Zeitalter Ganymeds wiederfinden wird. Die Menschheit wird auch die Lebensfreude wieder finden, denn ganos medomai enthält auch die Aussage „der Bringer von Freude“; ganos bedeutet Freude, Lust, Fröhlichkeit, aber auch hell, leuchtend.

Das Gefäß oder die Vase, welche Ganymed in den Händen hält, entspricht symbolisch dem Gral von Johannes und das Blut Christi in diesem Gral symbolisiert „Erkenntnis und Liebe“. Wenn Ganymed den Inhalt seines himmlischen Gefäßes über die Welt ergießt, dann bedeutet dies, dass das Wissen um esoterische Erkenntnisse unter den Menschen während des Wassermann-Zeitalters größere Verbreitung erfahren wird. Die Vase Ganymeds ist auch eine Entsprechung für das Herz. Aus ägyptischen Hieroglyphen wissen wir, dass das Herz in Form einer Vase dargestellt wird. Auf der Waage des letzten Gerichtes figuriert eine kleine Vase, welche das Herz des Verstorbenen symbolisiert. Bei den Ägyptern und auch bei den Hebräern galt das Herz als Sitz der Gedanken.

Wenn Ganymed im Wassermann-Zeitalter, das jetzt noch vor der Türe steht, seine Herzens-Vase über der Menschheit ausschütten wird, dann bedeutet dies eine himmlische Hilfestellung, die den Menschen unterstützen wird, wieder auf den Weg der Erkenntnis und der Liebe zu gelangen und das verlorene Licht wieder zu erlangen. 

(c) AMORC

www.amorc.de

www.amorc-verlag.de

www.facebook.com/AMORC.de

Den Artikel kommentieren

*