Paul Brunton – Leben, Werk und spirituelle BedeutungDer Weg liegt vor deinen Füßen

weiser Mann geht seinen Weg

Paul Brunton – Leben, Werk und spirituelle Bedeutung. Paul Brunton – Leben, Werk und spirituelle Bedeutung. 

In der Kategorie Spirituelle Persönlichkeiten stehen Menschen im Mittelpunkt, deren Leben, Suche und innere Erfahrung bis heute Orientierung geben. Paul Brunton gehört zu den stillen Brückenbauern zwischen Ost und West, die nicht durch Lautstärke, sondern durch gelebte Tiefe wirken.

Paul Brunton (1898–1981) war ein englischer Schriftsteller und spiritueller Sucher, der den Ost-West-Dialog entscheidend prägte. Durch seine Begegnungen mit Ramana Maharshi machte er indische Weisheit im Westen bekannt und wurde für viele zu einem Wegbegleiter.

Der Weg liegt vor deinen Füßen.

Paul Brunton
(1898 – 1981)

Paul Brunton – Leben, Werk und spirituelle Bedeutung Cover Conscious ImmortalityDer englische Schriftsteller und Gottsucher Paul Brunton (1898 – 1981) hat in den Jahren 1935 – 1939 intensive Gespräche mit dem legendäre indischen Weisen Sri Ramana Maharshi (1879 – 1950) führen können. Das 200-Seiten Büchlein „Conscious Immortality“ (Bewusstes Unsterblichsein) ist ein Juwel. Es liegt seit vielen Jahren immer griffbereit auf meinem Schreibtisch.

Paul Brunton sah Indien nicht mit den Augen eines Touristen. Er begnügte sich nicht mit oberflächlichen Beobachtungen, den landläufigen Fakiren mit ihren Kunststücken schenkte er wenig Beachtung. Er suchte und fand den Weg zu den wirklichen Yogis, zu den Männern mit geheimnisvollen Kräften und tiefer Erkenntnis. Er sah sie in der Einsamkeit der Dschungel und Berghöhlen meditieren, sah sie immer tiefer eindringen in das Reich höherer Mächte und geheimer Wirkungen; er wurde Zeuge wunderbarer Geschehnisse. Die Weisheit des Ostens nahm Brunton gefangen.

Das Buch ist eine Schatztruhe für jeden ernsthaft Suchenden, der sich vom Rad der Wiedergeburten befreien möchte (Sanskrit: Moksha).

Paul Brunton als Brückenbauer des Ost-West-Dialogs

Raphael Hurst, bekannt unter seinem Autorennamen Paul Brunton, machte Sri Ramana Maharshi (den Weisen vom Berg Arunachala) erstmals einem weiten Kreis im Westen bekannt. Seine Werke über östliche Philosophie, Mystik sowie die Geheimnisse der ägyptischen Pyramiden erlangten große Popularität. Er war einer der Pioniere des Ost-West-Dialogs. Er war im gleichen Jahr geboren wie mein ZEN-Meister H.M. Enomiya-Lassalle (1898 – 1990), auch einer der großen Brückenbauer zwischen Ost und West wie auch Dom Bede Griffiths u.a.m.

Frühe Prägungen und mystisches Erwachen

Geboren wurde Paul Brunton am 21. Oktober 1898 in London. Nach einer 6-monatigen Phase intensiver Meditation erlebte er als Sechzehnjähriger ein erstes ekstatisches spirituelles Erwachen. Er beschrieb es als die Zerstörung des Egos durch eine unbekannte Macht, die zum Empfinden der Einheit mit Gott führte. Der Kontrast zwischen seiner mystischen Erfahrung und der groben materialistischen Wirklichkeit seiner Umwelt stürzte ihn zunächst in eine innere Krise, die so heftig war, dass er plante, Selbstmord zu begehen. Er setzte sich eine Frist von 14 Tagen, während der er in der British Library von London Bücher über Sterben und Tod entlieh. Je mehr er aber darüber las, desto unsicherer wurde er in seinem Vorhaben, ließ schließlich ganz davon ab und lernte, mit der Spannung umzugehen. Obgleich sich die mystische Erfahrung allmählich wieder verflüchtigte, hinterließ sie doch einen Grund-stock für sein weiteres spirituelles Leben.

Familie, Lebensentscheidungen und innere Konsequenz

Im Folgenden veränderte er sich sehr zum Positiven. 1921 heiratete Paul Brunton Karen Augusta Tuttrup. Zwei Jahre später wurde ihm sein Sohn Kenneth Thurston geboren, dem er zeitlebens sehr verbunden war und für den er zum spirituellen Lehrer wurde. Kenneth veröffentlichte nach dem Tod seines Vaters die bislang einzige PB-Biographie, die ich mit einer persönlichen Widmung in meiner Bibliothek habe. 1926 ließ sich Paul Brunton von seiner Frau scheiden, da sie eine Beziehung mit seinem Freund Leonard Gill eingegangen war, der er nicht im Wege stehen wollte. Alle drei bewahrten sich zeitlebens ein freundschaftliches Verhältnis.

Spiritismus, Meditation und die Abgrenzung zum Okkulten

In seinen jüngeren Jahren war PB Mitglied der Spiritistischen Gesellschaft und entdeckte seine okkulten Begabungen. Schließlich ließ er aber wieder von ihnen ab, da er einsah, dass sie vom spirituellen Weg ablenkten. Inspiriert wurde PB vom buddhistischen Mönch Allan Bennet (Bhikku Ananda Metteya), der nach dem 1. Weltkrieg die Buddhistische Gesellschaft in England wiederbelebte und ihn in die buddhistische Meditation einführte. Ein amerikanischer Maler und Okkultist namens Thurston war eine weitere Persönlichkeit, die ihn in jungen Jahren beeinflusste, und als dritter war da noch ein indischer Herr, der ihm prophezeite, er würde eines Tages nach Indien reisen und dort Weise und Heilige besuchen. Zudem gehörte PB den Bohemiens an, einer Gruppe von Künstlern, die sich außerhalb der Gesellschaft bewegte und sich u.a. mit spirituellen und esoterischen Themen befasste. PB war als Herausgeber verschiedener Zeitschriften in London tätig.

Indienreise und Begegnung mit Ramana Maharshi

1930 gab er seine journalistische Laufbahn auf, um seinen Traum, nach Indien zu reisen und dort nach der Wahrheit und nach spirituellen Meistern zu suchen, zu verwirklichen. Er suchte die verschiedensten Heiligen und Yogis auf, von denen er mehr oder minder beeindruckt war.

Schließlich kam er zu Ramana Maharshi, der ihn tief berührte. Anschließend reiste er weiter durch ganz Indien und begegnete noch vielen anderen Yogis, Magiern und Fakiren. Doch er fand darin keine rechte Befriedigung und kehrte schließlich zum Maharshi („der große Seher“) zurück. Als er nach einem längeren Aufenthalt den Ashram wieder verließ, hatte er zur inneren Gewissheit gefunden, dass Ramana Maharshi sein Meister war.

Zurück in England veröffentlichte er seinen Erlebnisbericht unter dem Titel „A Search in Secret India“. Das Buch erschien 1934 und wurde ein Bestseller. Mit seiner Veröffentlichung nahm Raphael Hurst den Autorennamen Paul Brunton an. Seine Freunde nannten ihn fortan schlicht „PB“. Das Buch zog weite Kreise und führte viele Suchende zu Ramana Maharshi, der bislang im Westen nahezu unbekannt war. Die deutsche Übersetzung „Yogis“ war ähnlich erfolgreich. Auf der weiteren Suche nach Weisen und den Geheimnissen alter Kulturen reiste PB anschließend nach Ägypten. Dort stieß er jedoch auf niemanden von der Größe Ramana Maharshis.

Ägypten, Pyramide und Todeserlebnis

Höhepunkt dieser Reise war, dass er als erster Europäer alleine eine Nacht in der Königskammer der Cheopspyramide verbringen durfte. Er hatte dort dramatische Visionen und ein Todeserlebnis. Es brachte ihm die befreiende Gewissheit, dass der Körper nur eine Hülle ist, die abgelegt wird, und das Leben erfüllter weitergeht. Die Pyramiden mit ihrer geheimen Kammer betrachtete er fortan als Symbol für die innerste geheime Kammer im eigenen Selbst.

In der Königskammer waren wir und einer kleinen Gruppe von Freunden aus den USA und Canada am Frühlingsbeginn „Equinox 1999“ – wir hatten dort 3 Stunden lang meditiert und kamen bei Sonnenaufgang aus der Cheops-Pyramide heraus. Dann steht die Sonne in einer Linie mit der Sphinx und der Großen Pyramide. So etwas vergisst man nicht.

Weitere Werke, Himalaya und Kriegsjahre

Im Jahr 1936 veröffentlichte Paul Brunton „A Search in Secret Egypt“. Ein Jahr später reiste er zum zweiten Mal nach Indien. Im Ramanashram bewohnte er eine einfache Hütte in der an den Ashram angrenzenden Sadhu-Kolonie Palakotthu und schrieb dort „A Message from Arunachala“. Anschließend plante er, dem Ruf des Maharshi zu folgen und sich am Mount Kailash zur Meditation zurückzuziehen. Da er jedoch keine Erlaubnis erhielt, in Tibet einzureisen, wählte er Tehri-Garhwal. Nur in Begleitung eines Dieners bewohnte er eine Zeitlang ein abgelegenes Haus im Himalaya und widmete sich spiritueller Übungen. Nach seiner Rückkehr erschien „A Hermit in the Himalayas“, eines seiner mystischsten Bücher und sein letzter spiritueller Reisebericht. Im Jahr 1938 ging PB in die USA. Der 2. Weltkrieg trennte Vater und Sohn 9 Jahre lang, doch sie blieben miteinander in regem Briefwechsel. PB ließ seinem Sohn auf diesem Weg Anweisungen spiritueller Art zukommen, bis sie sich 1947 in New York wieder trafen.

Späte Jahre, Wirkung und Tod

Im Jahr 1952 veröffentlichte er sein letztes Buch, „The Spiritual Crisis of Man“. 1960 – 1963 hielt er sich in Australien und Neuseeland auf, lebte anschließend wieder in New York und verbrachte seinen Lebensabend in der Schweiz. Von PB's zahlreichen Büchern wurden über 2 Millionen verkauft. Sie wurden in 17 Sprachen übersetzt. Es bildete sich eine Art Schülerkreis, dem auch viele Studenten angehörten. Das Wisdom's Goldenrod Center for Philosophic Studies in den USA widmete sich seiner Lehre. Dort traf er zahlreiche Menschen zum Gespräch.

PB versuchte zeitlebens, eine lebendige Verbindung zwischen östlicher Weisheit und westlichem Pragmatismus zu schaffen. Dabei war er ganz englischer Gentleman und realistischer Geschäftsmann und zugleich eine Art moderner Yogi. Er sprach gerne vom „Überselbst“ (ein Terminus, den er von Ralph Waldo Emerson, der einer seiner literarischen Vorbilder war, übernommen hatte) und meinte damit jene Wirklichkeit, die das individuelle Ich überschreitet. Er sah die Welt als eine Art großer Universität des Lebens, wobei die Menschen lernen müssen, ihre Selbstsucht zu überwinden und zur Einheit mit dem Unendlichen, der Höheren Macht, zu gelangen und mit dem ganzen Universum im Einklang zu sein. Trotz seiner Popularität und seiner Schüler nahm er nie die Rolle eines Gurus an und zog sich in seinen späteren Jahren in die Schweiz zurück, um aus dem Fokus der Öffentlichkeit zu verschwinden.

Im Sommer 1981 erlitt er eine schwere Gehirnblutung, der vermutlich ein leichterer Schlaganfall vorangegangen war, und lag im Krankenhaus in Vevey am Genfer See (Schweiz) im Koma. Ich hatte ihn wenige Wochen zuvor besucht.

Sein Sohn kam eilig aus den USA angereist. PB kam nochmals zu sich, konnte aber nicht mehr sprechen. Er starb noch in derselben Nacht, am 27. Juli 1981, friedvoll in den Armen seines Sohnes. Kenneth nahm die Asche seines Vaters nach New York mit.

Das Vermächtnis: Notebooks

Erst nach Paul Bruntons Tod wurde eines seiner umfangreichsten Werke, die Notebooks, veröffentlicht. Er hatte 17.000 in thematische Kategorien unterteilte Kurznotizen hinterlassen, die während der letzten Jahre entstanden waren. Die Notebooks wurden ab 1984 vom schwedisch-amerikanischen Verleger Robert Larson in 16 Bänden veröffentlicht. Ich habe sie alle mit großer innerer Anteilnahme gelesen. Einige sind in deutscher Sprache erschienen.

05.02.2026
Roland R. Ropers
Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher, Buchautor und Publizist


Über Roland R. Ropers

Woher kommen wir Ropers Portrait 2021

Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist, autorisierter Kontemplationslehrer, weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit.
Es ist ein uraltes Geheimnis, dass die stille Einkehr in der Natur zum tiefgreifenden Heil-Sein führt.

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Buch Tipp:

cover kardiosophie Roland RopersKardiosophie
Weg-Weiser zur kosmischen Ur-Quelle

von Roland R. Ropers und
Andrea Fessmann, Dorothea J. May, Dr. med. Christiane May-Ropers, Helga Simon-Wagenbach, Prof. Dr. phil. Irmela Neu

Die intellektuelle Kopflastigkeit, die über Jahrhunderte mit dem Begriff des französischen Philosophen René Descartes (1596 – 1650) „Cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) verbunden war, erfordert für den Menschen der Zukunft eine neue Ausrichtung auf die Kraft und Weisheit des Herzens, die mit dem von Roland R. Ropers in die Welt gebrachten Wortes „KARDIOSOPHIE“ verbunden ist. Bereits Antoine de Saint-Exupéry beglückte uns mit seiner Erkenntnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Der Autor und die sechs Co-Autorinnen beleuchten aus ihrem individuellen Erfahrungsreichtum die Vielfalt von Wissen und Weisheit aus dem Großraum des Herzens.