Mensch Sein und Spiritualität

Ist positiv, lebensbejahend, strahlend auch immer authentisch?

mauer-graffitiIst positiv, lebensbejahend, strahlend auch immer authentisch?

Positiv! Lebensbejahend! Strahlend!
Wer will so nicht sein? Und viele von uns tun sehr viel, täglich, schon gleich nach dem Aufstehen, immer wieder zwischendurch, vielleicht sogar als Erinnerung auf dem Smartphone und natürlich kurz vor dem Schlafengehen, um einen positiven Mindset und Lebenseinstellung zu haben!

Positiv sein ist Trumpf! Wir haben eine ganze Werkzeugkiste mit Tools, um unser Denken und Fühlen auf Positiv zu drehen. Ich selbst benutze diese täglich und unterrichte sie in meinen Kursen und Programmen! Positiv zu sein fühlt sich eben einfach besser an..Besser, so lange wir uns dabei nicht selbst in die Tasche lügen… Lass mich Dir das erklären!

Dein Partner nervt Dich. Und zwar richtig… Dies löst blöde Gefühle bei Dir aus. Du weißt: worauf ich mich fokussiere, das expandiert! Also greifst Du in Deine magische Werkzeugkiste und schaust, wie Du damit umgehen kannst. „Dankbarkeit!“ ist Dein erster Fund!
Du weißt: es geht darum, den Fokus zu verändern von dem, was nicht so doll ist hin zu dem, was Dir Freude bereitet und richtig gut ist. Du setzt Dich hin und schreibst eine Liste mit den positiven Aspekten Deines Partners. Die Liste wird lang… es gibt so viel, was Du an ihm/ihr wertschätzt… Du suchst nach immer mehr positiven Aspekten und Dir wird klar, dass Du einen richtigen Schatz an Deiner Seite hast. Dankbarkeit erfüllt Dein Herz.
Du hast es geschafft, den Fokus von dem vollgespritzten Badezimmerspiegel wegzulenken auf alles das, was Du so an ihm liebst!

Mit diesem guten Gefühl fällt es Dir dann auch leicht, schnell den Spiegel und das Bad sauber zu machen, bevor Du Dich selbst zurecht machst….

Deine Kollegin hat Dir den Arbeitsplatz wieder einmal chaotisch übergeben. Du kennst das schon und arbeitest Dich durch den Wust… Der Gedanke schleicht sich ein: sie sollte einfach ordentlicher sein!

Sie sollte?? Wirklich?? Sollte… das ist das Triggerwort. Annehmen was ist nimmt das Wort „sollte“ so ziemlich aus dem Wortschatz. Annehmen was ist heißt, dass alles gut ist wie es ist und Du eingeladen bist, Deine Perspektive zu verändern. Das funktioniert prima. Seitdem Du aufgehört hast, Dich und andere mit sollte, hätte und co zu belagern, hat sich viel in Deinem Leben verändert. Du bist freier geworden, mehr im Frieden mit Dir selbst… Du weißt: Du selbst solltest in Wahrheit ordentlicher sein, in Deinen Gedanken, und lieber auf Kurs bleiben, als Dich über andere aufzuregen und dadurch nur negativ zu werden!

Geschafft! Du lächelst zufrieden, fühlst Dich in Deiner Mitte und ordnest flink den Arbeitsbereich…

All dies funktioniert sonst immer prima, doch heute leisten Deine spirituellen Werkzeuge nicht ihre gewohnten Dienste. Du bist und bleibst sauer, genervt… nicht zuletzt über Dich, weil Du es einfach nicht hinkriegst, einfach wieder positiv zu sein!

Warum haben wir so viel Angst vor negativen Gefühlen?

Oft versteckt sich hinter dem Benutzen von diesen Tools eine tiefsitzende Angst. Die Angst davor, authentisch, offen und frei seine Gefühle zu kommunizieren. Zu sagen, was man wirklich denkt… liebevoll, gerade heraus, ehrlich.

Viele von uns haben geradezu panische Angst davor, ihre Meinung zu sagen. Ein Relikt aus der Vergangenheit, das sich oft immer dann zeigt, wenn Menschen emotional eng an einen heranrücken und alte Kindheitsverletzungen auslösen.

Man will nicht verletzen. Man hat Angst, die Liebe des anderen zu verlieren. Man schluckt den Frust runter um des lieben Frieden willens… man ist zutiefst genervt, unterdrückt aggressiv und hat irgendwann zwar nicht das Problem mit dem anderen, dafür aber mit sich selbst.

Die Harmonie in der Beziehung ist dahin – in beiden Beziehungen: Der zu dem Gegenüber  (weil man sich nicht mehr wirklich wohl fühlt) und der zu sich selbst (weil man nicht ehrlich ist). Es drückt. Man fühlt sich einsam in sich selbst. Abgeschnitten… isoliert.

Warum ist das so?

Die Verbindung zu uns selbst ist die wichtigste Verbindung überhaupt. Stimmt hier die Kommunikation nicht, sind meist auch unsere äußeren Verbindungen konfliktiv. Wenn ich meine Gefühle und Impulse unterdrücke, sie überdecke mit Positivität… wenn ich mich selbst opfere, nur um scheinbar das Richtige zu tun, fühlen und zu denken, dann wird sich früher oder später das Innere nicht gesehen, verstanden und geliebt fühlen.

Bei allem positiven Denken und Fühlen vergessen wir manchmal den offenen und authentischen Selbstausdruck.

Alles darf sein.
Das klingt groß. Das ist groß. Und macht oft Angst.

Aber genau hier liegt die Befreiung. Genau hier liegt der Schlüssel, um dann tatsächlich positiv zu sein, von Grund auf.
Ganz „natürlich“.
Man hat das Recht, seine Wahrheit auszusprechen. Man hat vielleicht sogar die Verpflichtung dazu, sich selbst und anderen gegenüber.

Die Frage ist das Wie. 
Sich selbst oder anderen seine Wahrheit wie einen nassen, dreckigen Lappen um die Ohren zu hauen wird mit Sicherheit meist nicht zu dem gewünschten Resultat führen (obwohl manchmal eine heftige Auseinandersetzung tatsächlich auch Klärung bringen kann). Wenn der innere Topf unter Dampf steht, dann schießt es oft hervor, unkontrolliert, verletzend.
Dann mischen sich Frust und aufgestaute Gefühle in das Gespräch und oft wird dann tatsächlich aus einer Mücke (wie der bespritzte Badezimmerspiegel) ein Elefant (Du machst nie sauber, immer muss ich alles machen) und Worte werden gewählt, die der aktuellen Situation oft nicht angemessen sind, sondern eher den inneren Druck beschreiben.

Wie kann man lernen, damit besser umzugehen?

Es beginnt mit der Ehrlichkeit zu sich selbst!

  • Was fühle ich?
  • Was würde ich gerne zum Ausdruck bringen?
  • Warum tue ich es nicht?
  • Was macht mir Angst?

Hier zeigen sich oft die schon angesprochenen alten Verletzungen. Glaubenssätze wie „immer wenn ich meine Meinung sage, kommt es zum Streit“ oder tiefer „wenn ich sage, was ich denke, hat man mich nicht mehr lieb, werde ich verlassen, hat M(man)n/Mama mich nicht mehr lieb“.
Hier zeigt sich oft das verletzte innere Kind, das seine Ängste von damals auf die heutige Situation projiziert.

Das zu erkennen ist ein wichtiger Schritt. Und dann heißt es: üben! Ja, tatsächlich. Üben.

Zuerst auf einem Blatt Papier. Dann real. Und ja, man darf auch Fehler machen! Wie bei allem, was man gerade lernt und perfektioniert! Mal schießt man über das Ziel hinaus, mal ist man zu zögerlich.

Wir sind Menschen. Egal, wie spirituell entwickelt wir uns auch meinen! Wir dürfen Fehler machen. Wir dürfen „negativ“ sein, negativ, was, wenn man einmal ganz ehrlich ist, oft auch einfach nur ein authentischer Selbstausdruck ist.

Ich habe dies neulich mit einigem „Entsetzen“ bei mir festgestellt! Da benutzte ich doch tatsächlich meine geliebten Tools aus Angst, meine Wahrheit zu sagen! Wie ich das gemerkt habe?
Die Tools „zogen“ nicht so, wie sie es sonst tun, d.h. das negative Grundgefühl blieb, trotz Dankbarkeit, trotz Ändern des Fokus…

Ich erkannte, dass ich tatsächlich aus einer gewissen Feigheit schwieg, einfach, weil es unangenehm war, die Dinge auszusprechen…

Nach einem längeren Gespräch mit mir selbst fasste ich Mut und schrieb einen Brief! Das fühlte sich schon viel besser an. Befreiter. Der Druck in mir wurde weniger. Ich fühlte mich wieder… konnte mich wieder besser leiden und war ein Stück weit stolz auf mich.

Aber noch fehlte etwas: das direkte Aussprechen!
Ich zitterte innerlich ein wenig. Huh… das war groß! Gerade in diesem Thema mit diesem Menschen…
Ich fasste mir ein Herz und zeigte mich. Verletzlich. Wütend. Enttäuscht. Traurig. Hilflos…

Und fühlte mich danach befreit. Stark. Echt. Authentisch… Ich. Ich war wieder da. Ich konnte mich zeigen. Und damit meinem Gegenüber überhaupt erst die Möglichkeit geben, mich überhaupt zu sehen!
Was für ein Geschenk. Für uns beide.

Ich möchte Dich ermutigen…

In Situationen, in denen Deine Positiv-Tools nicht wirklich wirken, inne zu halten und ganz ehrlich zu Dir zu sein. Ist da etwas, was Du aus Angst nicht aussprichst? Ist da etwas, was sich zeigen will?

Wenn ja, sei mutig. Du tust es für Dich. Und Du tust es nicht um des „lieben Frieden willens“, sondern des „ehrlichen und wahrhaftigen Friedens Willen“. Du tust es, um Dir selbst und anderen die Chance des Wachstums zu geben. Du tust es, weil Du ein ehrlicher, liebender Mensch bist, der an wahrer Positivität interessiert ist.

Sei authentisch. Und damit positiv…

Ein Video zur Vertiefung des Themas: Positiv Denken vs Authentisch Leben mit einer Spieldauer von gut 11 Minuten

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08.06.2018
Ursula Schulenburg

 Autorin, Dozentin, Heilpraktikerin und Life Coach und führt ihr online Business Soulcentered Evolution

Alle Beiträge der Autorin auf Spirit Online

2 Kommentar(e)

  • Liebe Ursula Schulenberg, danke für ihre Worte zum Thema authentisch sein. Ihr Video hat mir sehr gut gefallen. Auch ich kenne das Gefühl, als Gutmensch, um des Friedens willen, mein Sein nicht zum Ausdruck zu bringen. Die Ursachen: Angst, Schwäche, Unehrlichkeit, ein mangelndes Selbstwertgefühl. Die Heilung geschieht durch das Erkennen des wahren Selbst. Und das jede Situation, eine Möglichkeit der Heilung und der Erkenntnis beinhaltet. ” Indem dir dein wahres Selbst bewusst wird und du dir deinen göttlichen Ursprung bewusst machst, verliert das Thema Selbstwertgefühl automatisch an Bedeutung für dich. Alles stammt aus dem EINEN, jeder Mensch ist eine Zelle im Körper der Menschheit” https://www.hermetik-international.com/de/wie-kann-ich-mein-selbstwertgefuehl-steigern/# .

    • Liebe/r GeistundSeele,
      ganz herzlichen Dank für Ihr liebevolles Kommentar! Wie schön, dass Ihnen mein Beitrag etwas gegeben hat, das freut mich sehr…
      Ich sehe es wie Sie, unser Selbst ist göttlich. Sich das immer wieder bewusst zu machen, besonders auch in schwierigen Situationen, ist so wichtig.
      Danke auch für den Link zu Ihrer Seite. Wunderschön und inspirierend.
      Herzlichst! Ursula

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