Leben heisst antworten

Flaschenpost

Mensch und Bewusstsein  heißt Fragen stellen – Leben heißt antworten

Als der Mensch auf die Welt kam – der Leser gleichwohl wie der Autor -, wir alle also und jedermann überhaupt, war die Welt schon da – gewiss doch. Die “Welt” jedoch, sprich: die Familie, die Verwandten, Freunde und Bekannte, haben ihn, den Menschen, haben also uns er.wartet.Und eben dieses Muster – jemand oder etwas wartet auf mich! – haftet dem mensch.lichen Leben wesen.haft an. Soll mensch.liches Leben gelingen, kommt es ganz entschieden darauf an, sich auf das, was da oder wer da auf einen wartet, einzulassen und er.kennend und er.lebend, handelnd oder unter.lassend, liebend oder gar leidend “Antwort” zu “sein”!

Viktor E. Frankl beschreibt diesen fundamentalen Gedanken als Schlüssel zu einem Sinn.vollen und nicht in Satt.heit leeren oder durch Fixierung auf Nebensächlichkeiten ent.leerten Leben prägnant und gleicherweise wunder.schön:

“Holen wir zu einer Rück.besinnung auf die ur.sprüngliche Struktur des Welt.erlebens aus, dann müssen wir der Frage nach dem Sinn des Lebens eine Kopernikanische Wende geben:

DAS LEBEN SELBST IST ES, DAS DEM MENSCHEN FRAGEN STELLT. Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben her Be.fragte, der dem Leben zu antworten hat – das Leben zu ver.antworten hat.

Die Antworten aber, die der Mensch gibt, können nur konkrete Antworten auf konkrete ´Lebens.fragen´sein. In der Verantwortung des Da.seins erfolgt ihre Be.antwortung, in der Existenz selbst ´vollzieht´ der Mensch das Be.antworten ihrer eigenen Fragen.”

So kann ich als wesent.liche Aussage im Frankl´schen Sinne formulieren, dass mensch.liche Existenz wohl kaum etwas anderes sei als ein dia.logisch geführter Austausch des Menschen mit seiner Situations.welt, so nämlich – und dies halte ich für eminent und eigentlich un.überbietbar wichtig! -, dass der Mensch als der von der Welt und den Situationen her Befragte und Angesprochene stets antworten muss, so oder so.

Formelhaft könnte ich so sagen:

MENSCH.SEIN HEIßT IN.FRAGE.STEHEN – UND LEBEN HEIßT ANTWORTEN!

Jetzt mag man auch die Überschrift in einem meiner Bücher verstehen: “Das Prinzip des Antwortens”: respondeo ergo sum = ich antworte, also bin ich; besser: ich bin, insoweit ich antworte – ich ent.stehe und existiere in allen Schichten meines Seins (Körper, Sinnesorgane, Seele und Geist) nur insoweit, als ich antworte.

Antwort ist hier ein über.greifender Ausdruck für Reagieren und Er.widern, auch für In.Resonanz.Stehen und sprachlich Antwort.Geben.

Der Mensch tritt ins Sein durch einen Akt des Antwortens, und seine Ent.wicklung baut sich in verschiedenartigen und komplizierten und untereinander verbundenen Akten des Antwortens auf: Solange er lebt, antwortet er, und wenn er tot ist, antwortet er nicht mehr.

Wer will, mag den Menschen als antwortendes Tier insoweit definieren, als er dasjenige Wesen ist, in dem die Reaktions.fähigkeit der Tiere ihre höchste Ausbildung und ihr weitestes Anwendungsgebiet erhält. Das heißt:

* Der Mensch besitzt die ganze Breite der Reaktionen von den instinktiven, un.bewussten und un.willkürlichen bis zu den bedingten, will.kürlichen, durch Vorstellungen veranlassten und ganzheit.lichen Antworten.

* Er ist fähig, die Weisen seines Reagierens zu ändern und auf Zeichen zu antworten, auch auf abwesende, imaginäre und nicht existierende Gegensätze, – und er vermag all seine bewussten Reaktionen sprachlich zu formulieren.

Was Wunder also, wenn sich daraus folgern lässt, Mensch.sein sei, sich in der Position des Gefragt.seins und Angesprochen.seins zu befinden, und mensch.liches Leben, existentielles Sein bedeute, bewusst und in freier Entscheidungs.mächtigkeit Antwort zu geben – und diese Antwort(en) zu ver.antworten.

Von der Witwe des Dichters Rainer Maria RILKE erzählt man, sie habe ihren Mann einmal bei einem Spaziergang erlebt, wie er unter einem schönen und einsam in der weiten Landschaft stehenden Baum wie angewurzelt stehen blieb und verharrte, das Gesicht ihr zugewandt mit einem erbarmungs.würdigen Ausdruck hilf.loser Not und Qual. Ihr sei dieses Gesicht erschienen wie dasjenige eines Menschen, der sein Sterben nahen fühlte. Nach der Ursache seiner schrecklichen Verstörung gefragt, habe Rilke ihr geantwortet: “Mir war, als sähe der Baum mich an und wolle eine Antwort von mir haben – aber ich konnte nicht antworten.”

Mir will scheinen, dass ein solches Erlebnis nicht nur sensiblen Künstlern vorbehalten sei, sondern dass es einem jeden von uns wider.fahren kann (und sollte!), denn in unser aller Leben gibt es Augenblicke, die uns der einzelnen Kreatur und ihrer stummen Frage so un.mittelbar gegenüber.stellen, dass wir das Gefühl haben: Entweder es gelingt mir jetzt, aus der Tiefe meines eigenen Seins heraus zu antworten oder aber ich verderbe, ich schwäche mich selbst, ich bin nicht mehr ich, ich verliere meinen mensch.lichen Namen, mein mensch.liches Gesicht.

Der Schriftsteller Willy Kramp hat vor einigen Jahrzehnten in seinem Buch “Vom aufmerksamen Leben” das oben geschilderte Erlebnis Rilkes so schön und herrlich interpretiert, dass ich diesen Passus im Wortlaut zitieren muss:

“Alles wesent.liche Leben nämlich heißt: Antwort geben. Ein Leben ist so viel wert, als es Antwort gibt.

Denn wir Menschen sind immerfort gefragt: der Hund, der Sperling, die Ratte fragen uns in ihrer Lust und in ihrer Qual. Der Mensch an unserere Seite fragt uns. Das Sein insgesamt fragt uns mit tausend Fragen. Zu jeder Stunde anders. Mit tausend Stimmen, laut und schweigend, beglückend und quälend. Immerfort sind wir gefragt. Das ist unsere Gabe und unsere Last als Menschen. Dies macht es aus, dass kein einziger Augenblick unseres Lebens mit dem anderen verglichen werden kann.

2_Elbe_09.10_HSC LEBENDIG SEIN HEISST:

IN JEDER STUNDE DIE GANZ NEUE UND ANDERE FRAGE HÖREN, DIE DAS LEBEN UNS STELLT, UND MIT EINEM WORT ANTWORTEN, DAS IMMER WIEDER EIN GLEICHSAM ERSTES WORT IST”.

Das ist so treff.lich und richtig gesagt, dass ich dem noch quasi “eins draufsetzen” möchte, indem ich noch FRANKL zu Wort kommen lasse, der den so wichtigen Zusammenhang herstellt zwischen dem mensch.lichen Wählen – sich Entscheiden – Antworten, vor allem hinsichtlich des Mensch.seins als einem Ver.antwortlich.sein. Er tut dies in dem nach wie vor sehr lesens.werten Büchlein: “…trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager”:

“Es ist etwas Furcht.bares um die Verantwortung des Menschen – doch zugleich etwas Herrliches.

Furcht.bar ist es:

zu wissen, dass ich jeden Augenblick die Verantwortung trage für den nächsten: dass jede Ent.scheidung, die kleinste wie die größte, eine Ent.scheidung ist ´für alle Ewigkeit´; dass ich in jedem Augenblick eine Möglich.keit, die Möglich.keit eben des einen Augenblicks, ver.wirkliche oder ver.wirke. Nun birgt jeder einzelne Augenblick Tausende von Möglich.keiten, ich aber kann nur eine einzige wählen, um sie zu verwirklichen. Alle anderen habe ich damit auch schon gleichsam verdammt, zum Nie.Sein verurteilt, und auch dies ´für alle Ewigkeit´.

Doch herr.lich ist es:

zu wissen, dass die Zukunft, meine eigene und mit ihr die Zukunft der Dinge, der Menschen um mich, irgendwie – wenn auch in noch so geringem Maße – abhängig ist von meiner Ent.scheidung in jedem Augenblick. Was ich durch sie verwirkliche, was ich durch sie ´in die Welt schaffe´, das rette ich in die Wirklich.keit hinein und bewahre es so vor der Vergänglich.keit.”

Die FRAGEN, die das Leben uns stellt, und die in den Situationen ver.borgenen und zu ver.wirklichenden Sinn.möglichkeiten sind jeweils EIB.MALIG und EINZIG.ARTIG. Und aus dieser Einmalig.keit folgt aber, dass die Möglich.keit einer Sinn.erfüllung (als Antwort auf das Leben) ver.gänglich ist, dass sie flüchtig ist und in dieser Konkretion nie wiederkehrt. Sie hat, so möchte ich dies mal nennen, KAIRÓS.Charakter (kairós, griech. = der richtige, der ent.scheidende Augenblick und Zeit.punkt!):

Für jeden Augenblick und für jede Stunde haben wir einen ganzen tausendfach glänzenden Sternen.himmel an Möglich.keiten vorgegeben, aus denen wir per KAIRÓS jeweils eine, die uns augenblicklich sinn.vollste, aufgreifen können und müssen.

Haben wir diesen EINEN Stern, diese EINE Möglich.keit gewählt, so verlöschen mit ihrer Verwirklichung schlagartig alle anderen Möglich.keiten derselben, eben dieser einen konkreten Situation und kehren nie wieder zurück. Niemals, auch nicht in Millionen Jahren, haben wir noch einmal dieselbe Wahl.situation!

Was für eine gewaltige Ver.antwortung!

KAIRÓS – das heißt: HIER UND JETZT IST ZU ENT.SCHEIDEN und zu handeln, zu antworten – und zu ver.antworten!

Wenn wir eine solche Möglich.keit nicht verwirklichen – denken wir nur an ein Unfallopfer, an dem wir vorbeifahren oder dem wir helfen, indem wir anhalten -, dann ist sie für immer dahin. Haben wir sie aber einmal verwirklicht, dann haben wir sie ein für allemal verwirklicht.

Das heißt:

Wir haben die Wirklich.keit, zu der wir eine Möglich.keit gemacht haben, hinein.gerettet ins Vergangen.sein – und eben da ist sie end.gültig und un.verlierbar und un.widerruflich aufbewahrt vor jeder Vergänglich.keit…

…LEBEN IST EBEN: ZEICHNEN OHNE RADIERGUMMI!!!!!

Dies bejahen und internalisieren zu können, wünsche ich mir und einem jeden von uns.“

(c) Dr. Bernhard A. Grimm, Scheyern

12. Februar 2013

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