Zeitlose Weisheit - Die Rosenkreuzer

Qabalah und Rosenkreuz

Qabalah-Rosenkreuz-AMORCQabalah und Rosenkreuz

Die Ursprünge wahrer mystischer Strömungen liegen stets im Verborgenen; deren Quellen liegen anderswo, quasi auf der anderen Seite unserer Wirklichkeit. So sagen datierbare Funde und Quellen historischer Forschung naturgemäß nur etwas über das Alter eines solchen Fundes aus, nichts aber über die Entstehung oder das Alter der Gedanken. Man spricht daher bzgl. der Entstehung mystischer Strömungen besser von Überlieferung, wohl wissend, dass lückenlose historische Dokumentationen für immer Wunschtraum bleiben werden. Ähnlich wie der Begriff Rosenkreuzer erst Anfang des 17. Jahrhunderts aus dem Nebel der Geschichte aufsteigt, so taucht der Begriff Qabalah in seiner spezifischen Bedeutung im 11. Jahrhundert auf. Dabei gilt, nicht zu vergessen, dass die Geschichte lediglich das unverzichtbare Gewand, das Gefäß der darin enthaltenen Botschaft ist, und immer dann, wenn sich Geschichte und Legende zu vermischen beginnen, ist das Gewand durchlässig geworden und erlaubt tiefere Einsicht in bislang unsichtbare Wirklichkeiten und Zusammenhänge. So liegen die mythologischen Anfänge der Qabalah wie der Rosenkreuzer weit vor der Geschichtsschreibung und beide verweisen als verwandte, echte mystische Strömungen auf das Höhere und Unaussprechliche.

Die Ursprünge der Qabalah
Qabalah bedeutet wörtlich so viel wie Überlieferung und verweist auf eine ursprünglich ausschließlich von Mund zu Ohr vermittelte mystische Tradition göttlichen Ursprungs. Die Qabalah befasst sich mit dem Wesen Gottes, der Entstehung und Bestimmung der Schöpfung und des Menschen und schließlich seiner Reintegration in die Kosmische Ordnung. Der Begriff stammt aus dem Hebräischen und wird auf die unterschiedlichsten Arten geschrieben. Die für den Mystiker richtige Schreibweise lautet Qabalah, da im Hebräischen jeder Buchstabe auch einem Zahlenwert entspricht. Der gematrische Zahlenwert ergibt in der rosenkreuzerischen Tradition den Gesamtwert 137 und verweist direkt auf den Baum des Lebens bzw. die Gottheit, die göttliche Trinität und die sieben Tage der Schöpfung.

Das älteste Dokument dieser Geistesströmung ist das vermutlich aus dem 6. Jahrhundert stammende Sepher Jetzirah oder Buch der Schöpfung, das bereits die Lehre der Sephiroth aufweist und der Legende nach Abraham zugeschrieben wird. Im 12. Jahrhundert wurde erstmals in Südfrankreich das Buch Bahir oder Buch der Helle veröffentlicht. Das Hauptwerk ist aber sicherlich das Buch des Glanzes aus dem 13. Jahrhundert, der Sohar, der im chassidischen Judentum geradezu kanonische Bedeutung erlangte. Der Verfasser des Sohar, Mosche de Leon, nennt Rabbi Schimon ben Jochai aus dem 2. Jahrhundert als geistigen Urheber dieser Schrift, die inhaltlich zweifellos auf sehr alte und ursprüngliche Traditionen zurückgreift.

Der Charakter der qabalistischen Strömungen wechselte im Laufe der Geschichte vielfach nach Ländern und Persönlichkeiten. Als einer der ersten Qabalisten gilt lsaak der Blinde aus Narbonne in Südfrankreich. Die sog. deutsche Qabalah der aschkenasischen Juden datiert im 13. Jahrhundert in Regensburg und Worms. Sie war auf die Verinnerlichung des religiösen Lebens durch die Mystik ausgerichtet. In Spanien hatte die Qabalah ihre Blüte unter Nachmanides bzw. Mosche ben Nachman aus Gerona um 1250; weitere herausragende Gestalten sind Abraham Abulafia und sein Schüler Joseph Gikatilla. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492, wo sie über Jahrhunderte hinweg friedlich mit Christen und Muslimen zusammenleben konnten, gelangten viele in den Nahen Osten. Ein Teil davon siedelte sich in der altertümlichen Stadt Safed in Galiläa an, das sich zu einem bedeutenden Zentrum entwickelte, von dem durch große Persönlichkeiten jüdischer Mystiker neue und starke Impulse ausgingen. Safed war Wirkungsort von Mosche Cordovero, Jizchak Luria und Chaim Vital. Die Lehre Lurias verbreitete sich im Laufe des 17. Jahrhunderts über Mittel- und Osteuropa und im Mittelmeerraum. Eine Erneuerung eigener Prägung erfuhr sie im Chassidismus der osteuropäischen Juden, insbesondere durch Israel ben Eliezer, den Baal-Schem-Tow und seine Nachfolger. Nach den Verfolgungen im letzten Jahrhundert hat heutzutage im Judentum eine Rückbesinnung auf die Qabalah stattgefunden. Vor allem Luria, der Löwe oder ARI (Aschkenasi Rabbi Jizchak), genießt bis heute hohes Ansehen:
„Wenn wir vom Kommen des Messias sprechen, bedeutet das nicht, dass wir darauf warten müssen, bis jemand auf einem weißen Esel durch das Tor der Barmherzigkeit in der Ostmauer von Jerusalem reitet; vielmehr ist der Messias die Gegenwart von: Friede auf Erden allen Menschen guten Willens. Demnach ist der Messias nichts anderes als die Weltharmonie.

Grundzüge qabalistischen Denkens
Die Qabalah lehrt, dass „vor“ jeglicher Schöpfung, d.h. jenseits der drei Schleier des Absoluten, ein göttliches Urprinzip existiert, das als Nichts, unbegrenztes Nichts und grenzenloses Licht unoffenbart bleibt, um dann diesseits der drei Schleier, den Abstieg in die Welt der Formen zu beginnen. Dieser göttliche Urgrund oder Ungrund entspricht keiner Leere, sondern höchster Fülle, aus der die Schöpfung stufenförmig in vier Welten in Erscheinung tritt: Atziluth ‒ die Welt der Archetypen, Briah ‒ die Welt der Schöpfung, Jetzirah ‒ die Welt der Formgebung und Assiah ‒ unsere materielle Welt der Erscheinungen. Das in der Schöpfung zur Welt niedersteigende Göttliche erscheint in Gestalt der zehn Sephiroth als Emmanationen oder Abglänze im sog. Baum des Lebens, dem Ez Chajim, beginnend mit der obersten Krone, Kether und endend mit dem Königreich, Malkuth. Unter den vielfältigen Gliederungen sind am bedeutsamsten die in eine höchste Dreiheit und in die weiteren sieben Tage der Schöpfung. Der Lebensbaum steht dabei als zentrale Glyphe sowohl für den Kosmos als auch für den Menschen. Die Kluft zwischen den drei Schleiern des Absoluten, den Schöpfungswelten und dem „gefallenen“ Menschen und deren Überwindung hat auf einzigartige Weise Jizchak Luria durch die Lehre von der Selbstkonzentration Gottes, dem sog. Zimzum verständlich gemacht. Diese Lehre hat nachweislich Geistesgrößen wie Spinoza, Leibniz, Hegel, Herder, Goethe, Fichte und Schelling beschäftigt. Sie besagt, dass Gott sich in seiner Allmacht und Allgegenwart in sich selbst zurückziehen musste, um dann wieder aus sich herauszugehen und schöpferisch wirken zu können; mit der Welt, insbesondere im Menschen, hat er quasi ein Gegenüber gefunden.

Luria hebt das Ziel des Schöpfungsprozesses hervor, in dessen Verlauf jedes Geschöpf durch eine stufenweise Entwicklung im Wege zahlloser Wiedergeburten bis zur Vollkommenheit voranschreitet bzw. zu seinem Ursprung zurückkehrt; man spricht auch von der Reintegration in die kosmische Ordnung. In dieser Lehre hat eine ewige Verdammnis keinen Platz; ein karmischer Ausgleich für begangene Fehler ist heilsam und begegnet dem Menschen nur zu seinem Vorteil und zu seiner Veredelung. Dem Menschen kommt in dieser optimistischen Weltsicht eine zentrale Stellung zu und er trägt kosmische Verantwortung im Dienst der Vervollkommnung alles Geschaffenen.

Dieses überlieferte und nur innerlich erfahrbare Wissen hat sich immer wieder erneuert und musste stets neu erworben werden. Dies ist es letztendlich, was dieser zeitlosen Weisheit zu allen Zeiten neues Leben verlieh. Im Sinne der Rosenkreuzer ist dies eine ganz besondere Form von Leben, ein Leben, das stets um Einklang zwischen Mensch, Natur, Kosmos und Gott bemüht war und von vielen erreicht worden sein soll. Das ständige Erwerben jenes alten und ursprünglichen arkanen Wissens hat stets Erstarrung und Dogmatismus verhindert und in allen Epochen immer wieder große leuchtende Blüten hervorgebracht.

Christliche Qabalah
Eine solche Epoche der Erneuerung war die Zeit der Renaissance. Die Wiedergeburt des antiken Denkens, die dieser Zeit ihren Namen gab, führte im Gegensatz zum Mittelalter, in dem von offizieller Seite die sündhafte Natur des Menschen betont worden war, zu einem neuen Menschenbild; der Mensch wurde nun als etwas Großes und Wertvolles betrachtet. In dieser Zeit erhielt der Baum des Lebens auch seine uns heute vertraute Gestalt; ältere Darstellungen zeigen eine konzentrische sphärische Anordnung der Sephiroth. Bestreben dieser Epoche war es, eine erneuerte Form der Wissenschaft und der Kunst hervorzubringen, in das Geistige der Dinge einzutauchen und intuitiver Erkenntnis teilhaftig zu werden. Ein Zentrum dieser Entwicklung war die Platonische Akademie in Florenz, wo im 15. Jahrhundert unter der Schirmherrschaft des Cosimo de Medici hervorragende Geister wie Marsilio Ficino und Pico della Mirandola wirkten. Die Entdeckung der Qabalah ermöglichte es den dafür empfänglichen Christen, deren geistige Kraftquellen zu nutzen und die jüdische mit der christlichen Tradition zu verbinden. Eine Schlüsselfigur in Deutschland war neben dem Abt Trithemius und Cornelius Agrippa von Nettesheim der in Pforzheim geborene Johannes Reuchlin, der auf einer seiner Italienreisen Pico und dessen Kreis gelehrter Männer begegnete.

Reuchlin veröffentliche Ende des 15. Jahrhunderts, zwei Jahre nach der Vertreibung der Juden aus Spanien und Anfang des 16. Jahrhunderts seine beiden bedeutenden qabalistischen Werke, De verbo mirifico oder das Wunder wirkende Wort und De arte cabalistica oder die Kunst der Qabalistik. Reuchlin gilt als der bedeutendste deutsche Hebräist christlichen Bekenntnisses. Da die Buchstaben des Hebräischen Alephbets einen entsprechenden Zahlenwert ausdrücken, ermutige die Qabalah dazu, die Welt mit Hilfe eines Zahlensystems zu erschließen, da sie durch das schöpferische Wort Gottes erschaffen worden sei. Von besonderen Bedeutung ist es, was Reuchlin über den Messias überliefert: Der Messias sei nicht nur Mensch, sondern zugleich eine göttliche Kraft; dem Einzelnen können die Segnungen dieser messianischen Kraft durch innere Entfaltung und wachsende Erkenntnis zu Teil werden. Ausgehend von den Hebräischen Buchstaben steht das Tetragrammaton Jod-He-Vav-He an oberster Stelle. Dieser unaussprechliche Gottesname ist das Symbol des Gottes vor und über der Schöpfung, jenseits der drei Schleier des Absoluten. Die Gottheit ist so unerkennbar, wie das Tetragramm unaussprechbar ist. Nach qabalistischer Auffassung konnte Gott in der Welt nur wirken, in ihr erkannt und hörbar werden, wenn aus dem Tetragramm ein neuer Name hervorgegangen war. Wollte der Unaussprechliche sich in Erbarmen der Welt zuwenden, musste sein Name zum Wirknamen werden; dies geschah durch die Einführung des hebräischen feurig-lichten Buchstabens Schin in die Mitte des Tetragramms, das dadurch aussprechbar, hörbar und somit wirkend wird, auf lateinisch I H S V H ‒ Jehoschua, Jeschua, Jeheschua oder Jesu(s), der Christus.

Die Rosenkreuzer
Kleinere Zirkel von Gelehrten stützten sich auf diese kraftvolle alte Philosophie und gingen dabei weit über eine rein auf das Evangelium bezogene Christlichkeit hinaus. Simon Studion versuchte vergeblich, ähnlich wie bereits Pico de la Mirandola, eine Kirchenversammlung einzuberufen, um die Übereinstimmung christlicher, antiker und jüdischer Geistestraditionen zu diskutieren. 1604 vollendete er seine Schrift Naometria, die Tempelmesskunst, eine Erklärung der Geheimnisse nicht nur der Heiligen Schrift, sondern auch der Natur und der Einheit der Schöpfung, von deren Beginn an bis zur Wiederherstellung im Hinblick auf die große Reformation der gesamten Welt.

In diesem Umfeld der christlichen Qabalah traten auch die Rosenkreuzer erstmals unter dieser Bezeichnung an die Öffentlichkeit. Der sog. Tübinger Kreis um Tobias Heß, Christoph Besold und Johann Valentin Andreae bereitete die Veröffentlichung der mittlerweile als historisch geltenden Manifeste der Rosenkreuzer vor. Insbesondere durch die Veröffentlichung der Fama Fraternitatis wurde eine seit langer Zeit über die mündliche Tradition verbreitete Allegorie öffentlich, die das gesamte Geistgebäude der Rosenkreuzer beinhaltet. Bereits etwa zehn Jahre vor deren Veröffentlichung kursierten schon handschriftliche Exemplare. Ähnlich wie auch Simon Studion erachteten die Rosenkreuzer die Zeit für gekommen, auf die Notwendigkeit einer Generalreformation der ganzen Welt zu verweisen, zumal 100 Jahre nach der Reformation durch Luther eine grundlegende Erneuerung sowohl in der Religion als auch der Politik, Philosophie, Wissenschaft, Wirtschaft, usw. unbedingt erforderlich erschien. Schon etwa 100 Jahre davor, zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Theologia Germanica, eine Handschrift in der rosenkreuzerischen Tradition bekannt und „Vom vollkommenen Leben“ benannt, die selbst Martin Luther so faszinierte, dass er es mit einem Vorwort und der Bezeichnung „Eyn deutsch Theologia“ selbst als Geistes Reformationsschrift verbreitete, noch bevor seine Reformation begann. Nach Ansicht der Historiker war nun die Situation in zahlreichen europäischen Ländern wieder so chaotisch, dass man offen über eine europäische Krise sprach.

In diese Zeit, unserer heutigen nicht unähnlich, platzte die Veröffentlichung der rosenkreuzerischen Manifeste. In den Jahren 1614 und 1615 erschienen die Fama Fraternitatis und die Confessio Fraternitatis, die in der Öffentlichkeit großes Aufsehen erregten. Die dritte, im Jahre 1616 erschienene Schrift, die Chymische Hochzeit Christiani Rosenkreutz, ist dem Theologen Johann Valentin Andreae zuzuordnen. Erst mit dem Erscheinen dieser Rosenkreuzer-Manifeste lässt sich die wechselvolle äußere Geschichte des Ordens verfolgen, der sich auf Grund mangelnder Geistesfreiheit unter den verschiedensten Namen verbarg. So stand beispielsweise Giordano Bruno in dieser Tradition und behauptete nicht nur, Gott sei in der gesamten Natur anwesend, sondern hielt auch den Weltraum für unendlich. Er wurde Opfer der Inquisition und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Verständlich, dass sich solche freien Geister häufig zu kleinen Zirkeln und Gruppen zusammenschlossen und unter den unterschiedlichsten Bezeichnungen mehr im Verborgenen wirkten. Nicht jeder, der mehr oder weniger öffentlich agierte, wurde verbrannt, doch zumindest Schwierigkeiten waren meist vorprogrammiert, wie zum Beispiel auch Jakob Böhme zeitlebens erfahren musste.

Die Rosenkreuzer und deren Zirkel zeigen, dass es neben der offiziellen Religion auch bei uns im Westen eine überlieferte spirituelle Tradition gibt. So stehen die Buchstaben C.R. nicht für eine vermeintlich historische Gestalt als angeblichen Gründer des Ordens. Die Buchstaben C.R. waren bereits im alten Ägypten in Gebrauch und sind bis heute Symbol für die Veredelung des Geistes. Setzt man die lateinischen Buchstaben R.C. in die hebräischen Lettern Resch und Kaph um, so bedeutet ersterer im qabalistischen Sinn u.a. der Kopf, d.h. die zusammenfassende Intelligenz, die alle Arten des Bewusstseins in einer neuen Form konzentriert, die Regeneration, die umfassend zur Erneuerung der Persönlichkeit beiträgt, die Verbindung zwischen Himmel und Erde; letzterer die greifende Hand, d.h. die belohnende Intelligenz für alle, die nach kosmischer Wahrheit suchen, so dass Friede und Harmonie entstehen; zusammen ergibt sich daraus das hebräische Wort Rok, das Zärte und Güte bedeutet. Das Mitglied der Bruderschaft, R.C. soll diese Tugenden auszeichnen. Auch die weiteren in der Fama genannten Brüder hören auf ähnliche Namen.

Nur wenige Jahre nach dem Erscheinen der Rosenkreuzer-Manifeste, mit Beginn des 30jährigen Krieges und der für den Winterkönig Friedrich V. 1620 verlorenen Schlacht am Weißen Berg bei Prag waren die rosenkreuzerischen Bestrebungen, vor allem der Versuch, auf die „Häupter, Stände und Gelehrten Europae“ positiv zum Wohle der Menschen einzuwirken, weitgehend zunichte gemacht. Dennoch setzten die Rosenkreuzer ihre Bemühungen fort. Ein Zentrum befand sich in dem kleinen Herzogtum Sulzbach, zwischen Nürnberg und Regensburg. Dort hatte Herzog Christian August einen Gelehrtenzirkel eingerichtet, dessen Ruf bald über Deutschland hinausreichte. In einem Meer konfessioneller Auseinandersetzungen fanden dort viele wegen ihres Glaubens Verfolgte Sicherheit, eine Insel der Zuflucht und der Freiheit des Denkens, jenseits aller Religionen und persönlicher Glaubensvorstellungen.

Am Hofe des Herzogs lebten der Theologe und Jurist Christian Knorr von Rosenroth und längere Zeit auch Franziscus Mercurius van Helmont. Diese beiden führten Gottfried Wilhelm Leibniz, Universal-Gelehrter und Vordenker seiner Zeit anlässlich eines Besuchs in Sulzbach in die Qabalah ein; seine berühmte Monadenlehre ist davon beeinflusst. Die bekannteste Schrift Knorrs erschien unter dem Titel Qabalah Denudata oder enthüllte Qabalah als kommentierte Übersetzung insbesondere des Sohar und gibt das Lurianische Gedankengut wieder, bestrebt von einer Integration qabalistischer und christlicher Lehren. Das Hebräische galt Knorr als die Ursprache schlechthin, die nicht nur zur friedlichen Union der Religionen und Konfessionen beitragen, sondern auch die Entschlüsselung des Weltgeheimnisses bewirken konnte. In der Tradition, der unter diversen Sprachgesellschaften verborgenen Rosenkreuzer, wollte auch Knorr eine Hebräische Sprachgesellschaft gründen.

Der Ruf der Rosenkreuzer ‒ damals und heute
Wir sind gehalten von der geistigen Kraft der Gottheit, welche die Schöpfung hervorgerufen hat; in uns ist ein Funke dieses Bewusstseins. Das Universum ist zwar losgelöst von seinem göttlichen Urgrund, wird aber von dessen Gesetzen erhalten und geleitet. Trotz der Ruhelosigkeit der sichtbaren Schöpfung ist es dem Menschen auf Grund seines freien Willens gegeben, sich mit dem in ihm eingepflanzten göttlichen Prinzip zu identifizieren und in aufbauender Weise an der Vollendung der Schöpfung mitzuarbeiten, oder aber in Verwirrung das Böse zu erzeugen. Fehlt der Mensch, so wirkt sich die Strenge des Gesetzes aus, aber nicht im Sinne einer Verdammung, sondern als Ausgleich und Chance zur Besserung und Wiedergutmachung, als Ausfluss des Erbarmens einer gnädigen Gottheit. Vernimmt der Mensch den Ruf Gottes durch die Weisheit seiner frohen Botschaft, setzt die göttliche Offenbarung Kräfte im Menschen frei; er wird ein bewusster Mitwirkender des göttlichen Willens und sprengt die selbstauferlegten Ketten falscher Illusionen. Über all dem thront die unversehrte Herrlichkeit Gottes in aller Vollkommenheit: Auch wenn der Mensch die Wirkungskraft der Sonne zu vermehren oder zu vermindern vermag, indem er ihre Strahlen bündelt oder verdeckt und dadurch Schatten erzeugt, so bringt die Sonne selbst unaufhörlich das nämliche Licht hervor und übt trotz aller Verschiedenheit der Empfindung ihrer Wirksamkeit die gleiche Kraft aus, unveränderlich, gleich mächtig und gleich rein.


 

Dr. rer. nat. Alexander CrocollVita des Autors:

Dr. rer. nat. Alexander Crocoll, geb. 1966. Während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit Publikation von Arbeiten zur Genetik molekularer Embryologie. Er beschäftigt sich seit frühester Jugend mit spirituellen Fragen, ist seit drei Jahrzehnten AMORC-Mitglied und arbeitet heute als Sekretär in der deutschen AMORC-Zentrale.

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