Zeitlose Weisheit - Die Rosenkreuzer

Der Baum des Lebens

vier ElementeDer Baum des Lebens und die Vier mystischen Elemente

Alexander Crocoll

Qabalah heißt so viel wie Überlieferung und ist eine der alten Weisheitslehren. Zentrales Symbolmodell in diesem mystischen Gefüge ist der Baum des Lebens, der die Geschichte vom Werden der Schöpfung erzählt. Er zeigt dem Suchenden, woraus aus mystischer Sicht die Schöpfung besteht und wie er damit verbunden ist. Durch die Arbeit an sich selbst, d.h. die Reinigung der vier mystischen Elemente kann der Mensch den Aufstieg aus den Niederungen dieses Baumes wagen und sich von den Fesseln der materiellen Verhaftung befreien.

Der Baum des Lebens

Die Kabbalisten sprechen von der Schöpfung als einem Ergebnis bestimmter Emanationen der Gottheit, im Sinne von Ausflüssen oder Abglänzen. Diese zehn sogenannten Sephirot gelten als unendliche Kraftzentren der gesamten Schöpfung, d.h. sowohl des Universums als auch des Menschen.
Die zehn Emanationen Gottes schreiten als progressive Kräfte voran. Zuerst ist es Eins, woraus die Dualität und schließlich die Trinität entsteht; dann wird es Vielheit und verdichtet sich mehr und mehr. Und so entstehen aus dem „Heiligen Ältesten der Alten“, dem „Verborgensten alles Verborgenen“ Weisheit, der Vater und Einsicht, die Mutter. Aus der Vereinigung dieser beiden emanieren die anderen Sephiroth als die sieben Tage der Schöpfung. Auf diese Art erzählen die zehn Sephiroth, wie sich die Einheit in der Vielheit Ausdruck verschafft. Die Kosmische Energie verdichtet sich von oben nach unten, wandert durch vier Welten der endlichen Form entgegen.

Die Vier Qabalistischen Welten

Die traditionelle Darstellung der zehn Sephiroth lässt eine Obere Welt als Dreiergruppe erkennen, sowie eine Untere Welt in Gestalt einer Siebener-Gruppe als die sechs Tage der Schöpfung mit dem siebenten Tag, der als Frucht der vorangegangenen Tage heranreift. Dieser siebente Tag der Schöpfung stellt eine Welt dar, die der Mensch sich zu seinem Königreich machen soll, indem er dieses Reich hegt, pflegt und bewahrt, in aufrichtigem Streben nach Veredelung von Geist und Bewusstsein. Neun Sephiroth bilden drei Dreiecke, drei Welten und die zehnte Sephira steht alleine als vierte Welt darunter und bildet die Welt des Menschen im Exil.
Die Erste oder Oberste Welt wird von den Kabbalisten Atziluth genannt, die reine Welt des Göttlichen. In ihr existiert potentiell alles in vollkommener Entsprechung zur Gottheit selbst. Alles was einmal als Schöpfung in Erscheinung treten soll, existiert hier im Geiste der Gottheit in seinem vollkommenen Urbild. Atziluth ist die Welt der Archetypen. Das Element von Atziluth ist das Göttliche Feuer.
Die Zweite Welt wird von den Kabbalisten Briah genannt, die Welt der Schöpfung. Alles was einmal Form annehmen soll, um als Gestalt eine Mission zu erfüllen, fließt aus dem feuerartigen Ur-Meer der Archetypen der Ersten Welt nach Plan und Ordnung der Gottheit in den wässrigen Schoß des kosmischen Ozeans von Briah über. Das Element dieser Welt ist das Himmlische Wasser.
Die Dritte Welt wird von den Kabbalisten Jezirah genannt, die Welt der Ausgestaltung durch Formgebung. In ihr nimmt das Formlose durch überbewusste Lenkung endgültige Gestalt im Geistigen an. Der Mensch kann mit dieser geistigen Ebene über sein irdisches Bewusstsein in Berührung kommen. Das Element der Dritten Welt ist die Himmlische Luft.
Die Vierte Welt wird von den Kabbalisten Assiah genannt, die Welt der materiellen Erscheinungen, die Welt des Tuns. Assiah bildet den Brennpunkt, auf welchen die Mächte und Kräfte der drei Welten darüber gerichtet sind. Die Wahrnehmung des Menschen in dieser Welt ist beschränkt, gleichsam als schaue er mit seinen Augen durch dunkel gefärbtes Glas. Das Element dieser Vierten Welt ist die Erde.

Die Vier Mystischen Elemente

Die einzelne Sephira Malkuth, welche die Welt von Assiah beherrscht, wird als ein in vier Sektoren unterteilter Kreis dargestellt, der die vier Elemente des Menschen im Exil repräsentiert. Der Mensch ist aufgerufen im Verlaufe seines irdischen Lebens in Malkuth, in der Welt von Assiah, der Welt des Tuns selbst aktiv zu werden, schließlich ruhte Gott am siebenten Schöpfungstag. Es gilt durch eigenes Tun die Elemente zu reinigen.
Der mystischen Tradition entsprechend sind es diese vier Elemente, aus denen jegliche Substanz besteht. Jedes Element ist seinem Wesen nach ein Zweifaches. Es ist sowohl schwingende Essenz als auch Substanz. Jedes Element ist auch in seiner Äußerung zwiefach. Es kann sowohl positiv als auch negativ wirken, und dies sowohl im Bereich des Immateriellen als auch im Bereich des Materiellen. Darüber hinaus wirkt jedes Element sowohl im Universum, dem Makrokosmos, als auch in der Welt des Menschen, dem Mikrokosmos.
Im Mikrokosmos umfasst jedes dieser vier mystischen Elemente einen Wesensbestandteil des Menschen in dessen doppeltem Aspekt. Das Feuer symbolisiert die Gefühle des Menschen, die rein körperlichen wie auch die geistigen. Das Wasser symbolisiert das menschliche Bewusstsein, das Oberbewusstsein wie auch das Unterbewusstsein. Die Luft stellt den Intellekt des Menschen dar in seiner praktischen wie auch in seiner die Erscheinungswelt überschreitenden Tätigkeit durch den Verstand. Die Erde steht für den Körper des Menschen, sowohl in materieller als auch in immaterieller Hinsicht, also für den Leib des Menschen.

Die Reinigung der Vier mystischen Elemente

Wie aber vermag der Mensch seine vier mystischen Elemente zu reinigen? Wie kann der Mensch durch eigenes Tun es erreichen, Gefühle und Empfindungen, Bewusstsein, Intellekt und Verstand, aber auch den inneren und äußeren Körper so ausgewogen und gezielt zu lenken, um seinem kosmischen Auftrag gerecht zu werden?
Das Feuer seines Wesens reinigt der Mensch, indem er seine körperlichen wie auch seine rein geistigen Gefühle ständig hegt und pflegt. Das Wasser seines Wesens reinigt er, indem er auf die Botschaften seines Unterbewusstseins achtet und auf sein Denken sowie auf das Umsetzen seines Imaginierens und auf seine Willensbildung Acht gibt, um so sein Oberbewusstsein ausgewogen zu lenken. Die Luft seines Wesens reinigt er, indem er sich beim Einsetzen seines freien Willens auf seine Vernunft stützt und lernt, bei der Durchführung seiner Vorhaben seine Intelligenz klug einzusetzen. Die Erde seines Wesens reinigt er, indem er lernt, den physischen Körper vernünftig zu pflegen und auch auf die Seelenbedürfnisse seines psychischen Körpers harmonisch auszurichten.

Reintegration in die Kosmische Ordnung

So führt die Überlieferung über die vier qabalistischen Welten zu einer Betrachtung der vier mystischen Elemente, allerdings von der kosmischen Ebene her, der auch die uns bekannten Elemente im Irdischen entspringen. Die Elemente wirken als elementare Bausteine im Gefüge der Schöpfungskräfte, welche die Schöpfung in jedem Augenblick vollziehen. Der Lebensbaum erzählt, wie die Göttliche Welt die Schöpferkräfte hervorbringt, woraus die Ordnung des geistigen Kosmos zum Entstehen kommt. Je mehr der Mensch durch die Veredelung der vier mystischen Elemente an sich arbeitet, umso mehr kommt er mit dieser Ordnung des Kosmos in Verbindung und sein persönliches Bewusstsein steigt auf, um das zu werden, wofür der Schöpfer ihn bestimmte.

Dr. rer. nat. Alexander CrocollVita des Autors:

Dr. rer. nat. Alexander Crocoll, geb. 1966. Während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit Publikation von Arbeiten zur Genetik molekularer Embryologie. Er beschäftigt sich seit frühester Jugend mit spirituellen Fragen, ist seit drei Jahrzehnten AMORC-Mitglied und arbeitet heute als Sekretär in der deutschen AMORC-Zentrale.

 

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Bild und Text (c) AMORC

 

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