Die rote Linie überschreiten und Neuland betreten

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Die rote Linie überschreiten und Neuland betreten

Leseprobe – Jammere nicht, handle- 
in 7 Schritten aus der Krise von Lara M. Lasko und Wolf W. Lasko

Leseprobe (S. 34-46):

Ihr könnt alles erreichen, was ihr wollt (…) Nur ein paar Menschen erreichen, was sie wollen (…) Die Menschen, die sich dafür wirklich anstrengen.

Dieses Zitat stammt aus dem Film „Dance – jeder Traum beginnt mit dem ersten Schritt“. Und wahrscheinlich werden die meisten dem zustimmen. Da wundert es doch, dass selbst die, die dem zustimmen, nicht alles erreichen, was sie wollen, obwohl sie sich wirklich anstrengen. Anstrengung ist die eine Sache. Anstrengen können Sie sich auch, wenn Sie eine halbe Stunde auf der Stelle laufen. Nur kommen Sie damit nicht weiter.

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Um wirklich zu erreichen, was Sie wollen,

müssen Sie die Anstrengung mit Mut ergänzen. Das, was Sie erreichen wollen, gehört logischerweise noch nicht zu Ihren derzeitigen Gegebenheiten. Es liegt außerhalb, und um dort hinzugelangen, müssen Sie den Kreis der Gewohnheiten verlassen. Stellen Sie sich vor, in diesem Moment wird genau da, wo Sie jetzt sitzen oder stehen, ein Kreis um Sie herum gezeichnet, begrenzt von einer unsichtbaren roten Linie.

Schauen Sie genau hin: Es ist eine magische Linie, die Sie nicht überschreiten können, die Sie gefangen hält in diesem Kreis, im Kreis Ihrer Gewohnheiten. Alles, was innerhalb des Kreises der Gewohnheiten liegt, ist Ihnen bekannt und vertraut; hier fühlen Sie sich sicher. Leider ist das auch der einzige Vorteil Ihrer Gefangenschaft. Denn im Kreis der Gewohnheiten gibt es kein Lernen, keine Entwicklung, keine Lebendigkeit.

Doch jenseits der roten Linie liegt aufregendes Neuland. Hier warten neue Erfahrungen und Erkenntnisse darauf, entdeckt zu werden. Hier finden Sie faszinierende Herausforderungen, die Sie annehmen sollten, wenn Sie vom Leben mehr erwarten als Stagnation.

Nun, niemand hindert Sie daran, diese magische rote Linie zu überschreiten. Es gibt keine bösen Hexenmeister und keine fauchenden Ungeheuer, die sich Ihnen in den Weg stellen. Wollen Sie den Schritt über die rote Linie wagen, gibt es kein anderes Hindernis als die selbst konstruierten Ängste, die es nun zu überwinden gilt.

Die rote Linie überschreiten und Neuland betreten

Starten wir mit einem Experiment, das wohl all jene erschaudern lässt, die für den Genuss der angeblichen Sicherheit alles gäben. Es ist ein Appell an Ihre Kreativität und Intelligenz, vielleicht aber schon der erste Schritt zu einem Blackout. Alles in allem geht es bei diesem Experiment um ein Abenteuer der besonderen Art.

Das Motto heißt: Hauptsache, völlig daneben! Sie sollen etwas tun, was Ihre Norm sprengt, was nicht zu Ihrer Rolle passt, was Sie eigentlich nie tun würden. Irgendetwas, was niemand von Ihnen erwartet. Und um die Spannung zu steigern, tun Sie es am besten im Beisein anderer.

Hier geht es weder um ein Verhaltenstraining mit dem Ziel, besser zu werden, noch um eine Wertung Ihres Tuns. Der Sinn dieser Übung liegt einzig darin, die eigenen Verhaltensmuster kennenzulernen. Wie reagieren Verstand und Körper, wenn Sie auf Neuland stoßen? Welche Gefühle werden dabei ausgelöst? Was passiert, während Sie den Schritt über die rote Linie wagen? Und was passiert, nachdem Sie es getan haben?

Ein paar Punkte sind beim Überschreiten der roten Linie zu beachten:

Das, was Sie tun wollen, können Sie frei wählen. Es kann so lange dauern, wie Sie möchten.

Es gibt keine Einschränkung. Sie sollen es hier und jetzt tun. Sie sind der einzige Akteur, verzichten Sie auf die Unterstützung anderer. Egal was Sie tun, tun Sie es nicht auf Kosten anderer. Tun Sie nichts, wobei Sie sich verletzen könnten.

Ich nehme an, Ihr Verstand arbeitet jetzt fleißig und sucht nach geistreichen Einfällen. Aber er bekommt keine Informationen, er zieht eine Leerschleife und versucht herauszufinden, ob eine solche Situation in der Vergangenheit schon einmal da gewesen ist, ob es etwas Vergleichbares gibt, um dann ein vertrautes Verhaltensmuster wiederholen zu können.

Doch auch das führt meist zu keiner Lösung, denn es gibt bisher nichts Vergleichbares. Der Verstand signalisiert: Gefahr in Verzug! Und sofort reagiert Ihr Körper. Kleine Adrenalinstöße setzen alle Stressreaktionen in Gang. Sie sind erregt, stehen unter Spannung.

Spannung kann ein fantastisches Gefühl sein:

Sie mahnt zur Vorsicht, verhilft zur erforderlichen Wachsamkeit und Aufmerksamkeit. Doch mit zunehmender Spannung kommt eine gewisse Unsicherheit auf, vielleicht begleitet von hektischen roten Flecken oder vor Aufregung feuchten Händen. Die krampfhafte Suche nach etwas Vernünftigem geht weiter.

Irgendetwas müsste doch da sein! Ihr Verstand ergeht sich in paranoiden Hochrechnungen. Mit missionarischem Eifer zeigt er auf, was alles Schlimmes passieren, was schiefgehen könnte. Und wie denken die anderen darüber? Werden sie lachen?

Fazit:

Was immer Sie auch tun werden, Sie können sich nur blamieren. Doch auf einmal kommen Ihnen brillante Ideen und völlig neue Vorstellungen in den Sinn. Sie werden ungeheuer kreativ.

Ich bin jedoch fast sicher, Sie tun es nicht. Und nachdem Sie mehrere vielleicht auch unschickliche Einfälle verworfen haben, gewinnt der Gedanke überhand, dass Sie natürlich mit Leichtigkeit irgendetwas in die Tat umsetzen könnten, nur haben Sie im Moment einfach keine Lust dazu.

Dann gelangen Sie langsam zu der Ansicht, dass dieses Experiment eigentlich gar nicht intelligent ist, sondern sogar ziemlich dumm. Und Sie lesen einfach weiter statt zu handeln. Ich weiß nicht, wie Sie mit diesem Unterfangen umgegangen sind.

Wollten Sie vielleicht etwas tun und haben es doch nicht ausgeführt?

Dann brauchen Sie jetzt ein Ventil, um sich abzureagieren, denn die Anspannung, der Stress ist noch nicht abgebaut. Sie können nun sauer werden und die aufsteigende Wut über Ihr Nichthandeln auf irgendjemanden projizieren.

Sie können mit anderen über irgendetwas Belangloses reden. Sie können auch über die Menschen lachen, die solch ein Experiment wirklich durchführen. Was hat das Spiel mit dem realen Leben zu tun?

Nun, wenn Sie die rote Linie tatsächlich überschreiten wollen, um an Ihr Ziel zu gelangen, werden Sie bestimmt eine weitaus größere Herausforderung spüren. Besonders dann, wenn Sie wissen, dass andere Menschen Ihre ungewöhnlichen Handlungen bemerken werden. Dann stehen Sie vor Ihrer roten Linie, noch geschützt im Kreis der Gewohnheiten, und schauen auf die außerhalb liegenden Ziele, die für Sie einfach wichtig sind.

Und während Sie über die notwendigen Schritte nachdenken, werden Sie wie in der Übung Erregung und Spannung spüren. Denn dann, wenn Ihnen etwas unbekannt ist, wenn Sie vor Neuland stehen, versetzt der Körper Sie in die Lage, sehr präsent, sehr wach zu sein, um auf das reagieren zu können, was auf Sie zukommt.

Adrenalinstöße bereiten den ganzen Körper auf eine mögliche Aktion vor.

Aber nicht das Ereignis an sich produziert die Adrenalinstöße. Auslöser sind vielmehr Ihre Gedanken über das, was Sie tun wollen, und über das mögliche Ergebnis. Wenn Sie die rote Linie schließlich überschritten haben, werden Sie vielleicht sagen: Hey, das war super! Und Sie werden feststellen, dass Sie sich gelöst und entspannt fühlen. Die aufgebaute Spannung ist während des Handelns verschwunden, der Stress ist abgebaut.

Jenseits der roten Linie ist Neuland.

Wir schauen aus dem Kreis der Gewohnheiten sehnsuchtsvoll dorthin, wo unsere Ziele, unsere Wünsche, unsere Absichten und Vorhaben wie leuchtende Sterne an einem unbekannten Himmel funkeln. Wir wollen hin zu ihnen, fühlen aber gleichzeitig die Angst vor dem Unbekannten. Und unverzüglich baut unser Denken eine Grenze auf zwischen dem, was wir bereits kennen, und dem, was es zu entdecken gäbe.

Diese Grenze ist wie eine dicke rote Linie, in Zentimeterabständen gespickt mit Warntafeln: Achtung! Sie betreten absolutes Neuland! Gefahr! Das ist die Tragik eines normalen Mitteleuropäers: Der Verstand, der so unendlich hilfreich sein kann, erweist sich vor dem Überschreiten der roten Linie als Zensor.

Er wird zum Großinquisitor,

dessen paranoide Ideen den Befehl geben, alles beim Alten zu lassen und auf keinen Fall ein Wagnis einzugehen. Denn wenn Sie die rote Linie überschreiten, betreten Sie absolutes Neuland, und damit gehen Sie ein Risiko ein. Risiko macht Angst, schürt Zweifel und Unsicherheiten.

Alles wird in Frage gestellt, tausend Gründe sprechen dagegen. Der Verstand läuft Amok, die Gefühle wenden sich mit Grausen ab. Und mit vereinten Kräften ziehen sie uns zurück, sobald wir uns dazu entschließen, den Schritt zu wagen. Dann stehen wir wieder am Ausgangspunkt, zwar in Sicherheit, aber erfolglos, frustriert, verzagt.

Kramen Sie doch einmal in Ihren Erinnerungen:

Wann sind Sie in Ihrem Leben über die rote Linie gegangen und wie haben Sie sich dabei gefühlt? Je nachdem, worum es sich bei Ihrer roten Linie gehandelt hat, mag ein zufriedenstellendes, beglückendes, befreiendes oder berauschendes Gefühl damit einhergegangen sein.

Auf jeden Fall war es einfach fantastisch, sich der Herausforderung gestellt und Neuland betreten zu haben. Solche Gefühle sind im Kreis der Gewohnheiten nicht anzutreffen. Hier gibt es die gewohnte Ordnung, die heimelige Sicherheit und die alltägliche Routine.

Nur: Die Chance zu lernen und zu wachsen, die Möglichkeit der Entwicklung gibt es hier nicht. Stellen Sie sich diese Situation vor: Ihnen wird angeboten, im kommenden Jahr die Vertretung Ihrer Firma in Japan zu übernehmen. Sie haben eine Woche Bedenkzeit.

Natürlich reagieren Sie voller Begeisterung auf dieses Angebot,

denn endlich scheint sich ein langgehegter Wunsch zu erfüllen. Sie sind ganz aufgewühlt und rufen abends sofort sämtliche Freunde an, um von dieser einmaligen Chance zu berichten.

Bevor Sie zu Bett gehen, denken Sie an all die faszinierenden Dinge, die Sie kennenlernen werden. Und beim Einschlafen steht für Sie fest: Ich übernehme den Job. Am nächsten Tag überlegen Sie noch einmal gründlich, aber immer noch voller Enthusiasmus, welche Vorbereitungen zu treffen sind. Natürlich werden Sie einen Intensivkurs für Japanisch besuchen und noch einiges für die Erweiterung Ihres Fachwissens tun. Dann stellen Sie eine Liste auf, was sonst noch alles zu regeln ist. Und abends legen Sie sich wieder schlafen mit der Überzeugung, in einem Jahr in Japan zu sein.

Nun gehen Sie aber am folgenden Tag nicht direkt zu Ihrem Vorgesetzten, um diesen Entschluss mitzuteilen. Sie zögern und wollen die endgültige Entscheidung noch ein wenig aufschieben.

Auf einmal spüren Sie eine leichte Anspannung, so ein unangenehmes Gefühl.

Bis zum Abend stehen Sie dann richtig unter Stress. Und damit haben Sie den Zeitpunkt verpasst, über die rote Linie zu gehen. Denn plötzlich empfinden Sie Furcht vor den Aufgaben, die auf Sie zukommen werden. In einem Jahr Japanisch lernen? Sie hatten schon mit Englisch einige Schwierigkeiten. Und ob Sie jemals mit der fremden Kultur vertraut werden?

Sie werden Ihre Freunde verlassen und mutterseelenallein sein. Sie werden alles Vertraute hinter sich lassen. Jetzt überfällt Sie richtige Angst. Es ist nichts Bestimmtes mehr, woran Sie denken. Nur noch ein umfassendes, ungutes Gefühl des Bedrohtseins macht sich breit. Einen ganzen Tag lang schlagen Sie sich damit herum, dann entscheiden Sie sich gegen Japan.

Wie oft lassen Sie in Ihrem Leben einfach Chancen verstreichen, statt etwas Neues zu wagen?

Hätten Sie den Mut, die eine oder andere rote Linie im Leben zu überschreiten, wäre das ein sicherer Weg aus dem Kreis der Gewohnheiten. Lernen können Sie nur jenseits der roten Linie! Aber viele Menschen denken zuerst über die möglichen negativen Auswirkungen ihrer Handlungen nach.

Das nimmt ihnen den Mut, etwas zu riskieren. Doch je seltener sie den Mut haben, den Kreis der Gewohnheiten zu verlassen, umso größer wird die Angst vor jeder neuen Herausforderung, und sie werden irgendwann passiv und lethargisch durchs Leben stolpern, ohne den geringsten Ehrgeiz zu entwickeln, mehr aus sich zu machen.

Dennoch: Die rote Linie bleibt bestehen, sie ist nur dazu gemacht, um überschritten zu werden.

Das Leben schenkt uns die roten Linien, damit wir die Chance haben, uns stetig zu entwickeln, vielschichtiger und vielseitiger zu werden. Wenn wir diese Chancen nicht nutzen, müssen wir untätig zusehen, wie das Leben sich beständig fortentwickelt, und wir müssen uns dem, was geschieht, machtlos unterwerfen.

Dabei braucht es nur einen mutigen Schritt über die rote Linie, um den Prozess der Entwicklung aktiv mitgestalten zu können. Stunden- und oft tagelang malen wir uns aus, was alles passieren könnte, wenn wir den Schritt über die rote Linie wagen würden.

Alle Eventualitäten werden im kleinsten Detail überdacht, bis uns eine schier unüberwindbare Mauer aus Zweifeln, Ängsten und Sorgen umgibt. Das alles sind Energieformen, die Signale setzen, um über uns hinaus zuwachsen und ungeahnte Fähigkeiten zu entwickeln.

Eine gute Sache, hätten wir dann auch tatsächlich den Mut, über uns hinauszuwachsen und der Entwicklung ungeahnter Fähigkeiten eine Chance zu geben. Doch leider lässt unser Verstand stattdessen alle erdenklichen Warnbojen aufsteigen.

Warum ein Risiko eingehen?

Warum nicht bei den vertrauten Gewohnheiten, dem eingefahrenen Verhalten und dem gebräuchlichen Denken bleiben? Die paranoiden Hochrechnungen des Verstandes produzieren Horrorszenarien und wollen mit aller Macht das Neue verhindern. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Vielleicht haben Sie Ähnliches bei dem Examen erlebt, vielleicht auch vor der Führerscheinprüfung oder vor dem Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten wegen der Ihrer Meinung nach längst fälligen Gehaltserhöhung. Manche Einwände des Verstandes mögen berechtigt sein. Die gilt es zu überdenken und abzuwägen. Alles andere aber wird sich niemals bewahrheiten.

Es ist schlicht und einfach Gedankenmüll,

der zudem eine Menge Energie bindet, die durchaus sinnvoller zu nutzen wäre. Stellen Sie sich vor, ein Trapezkünstler würde sich vor jedem Auftritt solchen Überlegungen hingeben – einfach undenkbar. Natürlich kennt auch er den Moment der Unsicherheit, er hat ihn tausendfach erlebt. Doch dann verlässt er die Sicherheit, bleibt für Sekundenbruchteile ohne Halt, bis er die Hand seines Partners ergreifen kann, auf die er zufliegt. Nicht mehr gehalten von der Sicherheit der Gewohnheit und noch nicht in der Sicherheit des Neulands – doch im Moment des Loslassens, in der Handlung selbst, ist der Verstand naturgemäß auf kraftvolles, funktionierendes Denken programmiert.

In der Handlung selbst gibt es kein Zaudern,

keine Unentschlossenheit, keine Angst vor dem Risiko. Nur die Gedanken vorher verunsichern und ängstigen, weil wir nie wissen können, zu welchem Ergebnis die Handlung tatsächlich führen wird. Doch dieses Risiko sollte uns nie davon abhalten, den Schritt zu wagen. Denn danach wissen Sie zumindest, was Sie besser oder anders machen könnten.

Leben Sie das Risiko, es schafft neue Erkenntnisse. Holen Sie sich das vom Leben, was Sie eigentlich verdient haben! Und denken Sie daran: Im Kreis der Gewohnheiten findet mit Sicherheit vieles statt, aber kein Wachstum.

Sicherheit gibt es nur in der Vergangenheit, in der Zukunft ist alles Risiko.

Risiko gehört zum Leben wie der Punkt unters Fragezeichen. Und letztendlich gehen Menschen, die jedes Risiko scheuen, das größte Risiko ein. Wenn Sie einmal den Mut gefasst haben, die rote Linie zu überschreiten, wird dieser Erfolg, dieses Glücksgefühl, jede neue Herausforderung leichter machen.

Und vor allem: Die quälenden Gedanken, die sich vor dem Schritt über die rote Linie in Ihrem Kopf tummelten, sind verschwunden, sie haben sich in Luft aufgelöst. Das soll aber nicht heißen, dass es Ihnen im Leben immer gelingen wird, die rote Linie zu überschreiten. In manchen Lebenssituationen werden Sie einfach zu viel Angst haben. Respektieren Sie das, und stehen Sie zu Ihrer Mutlosigkeit!

Aber lassen Sie sich niemals davon abhalten,

es bei der nächsten Gelegenheit wieder zu versuchen. Natürlich kann es Ihnen manchmal passieren, dass Sie mit aller Macht gegen die rote Linie laufen und wie von einem starken Gummiband zurückgezogen werden.

Wer in seinem Leben stets nach vorne geht, nie anhält, steht immer auf einem Bein und kann schnell umgeworfen werden. Wenn Sie aber wirklich bereit sind, die rote Linie zu überschreiten, macht es durchaus Sinn, sie eine Weile aus der Entfernung zu betrachten und die Handlung neu zu überdenken.

Dann holen Sie tief Luft, um mit ganzer Kraft aus dem Kreis der Gewohnheiten auszubrechen. Nehmen Sie sich das, was Sie für ein erfülltes Leben brauchen. Je häufiger Sie es schaffen, über die rote Linie zu gehen, umso intensiver leben Sie, umso mehr können Sie Ihren Erfolg ausbauen. Wer im Status quo verharrt, hat schon verloren.

Im Kreis der Gewohnheiten: Die Komfortzone

Was passiert eigentlich, wenn ein Mensch nie bereit ist, über die rote Linie zu gehen? Egal, ob Sie sich für oder gegen das Überschreiten der roten Linie entscheiden, es kostet Sie die gleiche Menge Energie.

Denn Stress werden Sie auf jeden Fall spüren, wenn Sie vor der roten Linie stehen. Doch sobald Sie den Schritt wagen, wird diese Energie in die Aktion umgesetzt und führt zu einem Ergebnis. Bleiben Sie aber stehen, dann brauchen Sie einen anderen Weg, um die Energie abzubauen. Und da gibt es nun verschiedene Fluchtwege, die ich gerne als „Verpisser-Routen“ bezeichne.

Zum Beispiel die intellektuelle Variante:

Viele Menschen verfallen auf die geniale Idee, sich zu rechtfertigen oder anderen die Schuld zuzuschieben. Rechtfertigung und Schuldzuweisung – ein interessantes Zwillingspaar, das zusammengenommen ungemein stark wirkt. Sie können sicher sein, dass Sie jeden Tag einen neuen Grund finden, um im Kreis der Gewohnheiten zu verharren.

Wer etwas vermeiden will, wird garantiert einen Weg dafür finden. Rechtfertigung bedeutet, dass Sie begründen, warum Sie etwas nicht getan haben. Und das in brillanter, wissenschaftlich fest belegbarer Art.

Im Leben lässt sich alles beweisen.

Die Schuldzuweisung ist aber noch wirkungsvoller, sie ist die beste Kampfformel zur Selbstverteidigung: Machen Sie doch einfach andere dafür verantwortlich, dass Sie nicht gehandelt haben.

Wenn Ihr Chef Ihnen nicht erst heute mitgeteilt hätte, dass er die Fertigstellung des Konzepts schon in einer Woche erwartet, hätten Sie endlich den Konflikt mit dem Kollegen klären können. Doch nun bleibt Ihnen leider nichts anderes übrig, als alle Kraft in die Ausarbeitung zu investieren.

Aber welche Rechtfertigung Ihnen auch immer einfällt, wie viel Schuld Sie anderen auch zuweisen, Tatsache ist, dass Sie nicht über die rote Linie gegangen sind. Tatsache ist, dass Sie Selbstrespekt verlieren und dass die Power des Lebens Ihnen nicht geschenkt werden kann. Denn Sie haben die Verantwortung für Ihr Leben in die Hände anderer gelegt.

Wem Rechtfertigung und Schuldzuweisung zu schwierig sind,

dem bleibt noch die Möglichkeit der Kompensation. Das ist sozusagen die emotionale Variante der Verpisser-Routen. Wenn Sie sich für diese entscheiden, dann vermeiden Sie einfach jegliche Aktion. Sie setzen sich vor den Fernseher und erleben das, was andere Ihnen vorleben: Sie fliegen zum Mond, überqueren den Amazonas und lernen hochinteressante Menschen kennen.

Im sicheren Kreis der Gewohnheiten wird Ihnen das serviert, was andere erleben. Sie leben sozusagen secondhand. Die eigene Lebendigkeit wird getragen von dem Tun anderer. Doch wer immer getragen wird, verlernt am Ende das Laufen. Vielleicht sitzen Sie aber auch zu Hause in Ihrer sicheren Welt und träumen von dem, was Sie tun könnten. Und damit der Traum nicht zu einem Albtraum wird, kompensieren Sie Ihr Nichthandeln durch bestimmte Ablenkungsstrategien.

Was auch immer Sie bevorzugen, um Veränderung zu umgehen,

jede Art von Kompensation hat einen entscheidenden Nachteil: Irgendwann lässt die positive Gefühlseinwirkung nach und Sie kehren in die Wirklichkeit zurück, in der einfach nichts passiert. Irgendwann werden die Träume, die nie wahr werden, nicht mehr ausreichen. Sie werden unzufrieden mit Ihrem Leben sein.

Doch statt endlich aufzustehen und das eigene Leben zu gestalten, wird erneut durch Kompensation nachgeholfen, um dem tristen Alltag zu entfliehen.

Für welche Verpisser-Routen Sie sich entscheiden,

Sie tun es, um etwas anderes nicht zu tun und weil Sie versuchen, den Stress und Frust irgendwie abzubauen.

Aber jeder Versuch bringt nur kurzfristige Erleichterung, denn zwischendurch werden Sie immer wieder mit Ihrem eigenen Dasein konfrontiert, mit einem Dasein, das zur trostlosen Routine geworden ist, und die Gewohnheit, die Sie festhält, wird zu einer Schutzschicht.

Erst wenn Sie den Mut aufbringen und den Schritt über die rote Linie wagen, können Sie die sedierende Schutzschicht sprengen und sich aus dem frustrierenden Kreis der Gewohnheiten befreien.

Niemand kann sein Leben so leben, wie er es sich wünscht, wenn ihm der Mut fehlt, den ersten Schritt ins unbekannte Neuland zu tun. Je länger dieser Schritt hinausgezögert, immer wieder auf morgen verschoben wird, umso dicker und höher wird die Mauer, die in den selbst gesetzten Grenzen der Gewohnheiten und Bequemlichkeiten gefangen hält.

Innerhalb dieser Grenzen gibt es kein Wachstum,

keine Entwicklung, keine Lebensfreude. Und wer möchte schon ein solch fades Leben führen? Wir sehnen uns danach, die Mauer zu überwinden und Neues kennenzulernen. Doch gleichzeitig wollen bleiben, wo wir sind.

Daran sind wir gewöhnt, da kennen wir uns aus, da ist es sicher und bequem. Außerhalb der Mauern liegt zwar eine verlockende, faszinierende und Glück versprechende Welt, aber sie ist uns unbekannt.

Es ist ein Wagnis, die Mauern zu verlassen und diese Welt zu betreten. Denn wir wissen nicht, welche Gefahren uns dort drohen, welche Risiken auf uns zukommen, welche Hindernisse zu überwinden sind.

Die Vorstellung dessen, was passieren kann, wenn wir die vertraute Komfortzone verlassen, ruft Angst hervor und nimmt den Mut, hinauszugehen und etwas zu riskieren. Doch je seltener wir die Komfortzone verlassen, umso größer wird die Angst davor, es zu tun.

Je länger Sie warten, über die roten Linien Ihres Lebens zu gehen,

umso einschränkender werden Ihre Vorstellungen darüber, was alles schiefgehen könnte. Sicherheitswahn lähmt die Lebensgeister, halluzinierte Gefahr limitiert, und all Ihre Energie wird von der freudlosen Schwarzmalerei aufgesaugt. Fürs Handeln bleibt nichts mehr übrig.

Irgendwann ist die Macht der Gewohnheit so groß, dass es keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Und tatsächlich: Jeder hemmende Gedanke, jede blockierende Vorstellung verstärkt die rote Linie, sie wird dicker, stabiler.

Allerdings:

Sie verstärkt sich nicht, indem sie nach außen wächst, im Gegenteil. Sie wächst nach innen und reduziert damit den Kreis der Komfortzone. Die Folge ist natürlich, dass die Komfortzone sich mehr und mehr verkleinert, je dicker die rote Linie wird.

Salopp gesagt: Die Schlinge zieht sich zu! Die rote Linie kontrahiert. Ob Sie sich das nun wie die Kontraktion eines Muskels oder aus physikalischer Sicht wie das Zusammenziehen und Verringern eines Volumens vorstellen, bleibt Ihnen überlassen. Fakt ist: Die rote Linie wird dicker und unbeweglicher, Sie haben weniger Raum in Ihrer Komfortzone und werden ebenfalls unbeweglicher.

Was nun passiert, liegt auf der Hand.

Sie befinden sich in Ihrer immer kleiner werdenden Komfortzone, umgeben von einer immer dominanter werdenden roten Linie. Damit verstärkt sich die Abwehr, über die rote Linie zu gehen. Denn natürlich ist es leichter, eine dünne Wand zu überwinden, als eine mächtige Mauer zu bewältigen.

In diesem Stadium bleiben nur noch Flucht oder Angriff. Entscheiden Sie sich für die Flucht, ist lethargischer Stumpfsinn das einzig mögliche Ende. Ziehen Sie den Angriff vor, haben Sie – zumindest vorübergehend – zwei Alternativen. Die erste ist die sinnlose Aggression gegen alles, was sich in Ihrer Komfortzone befindet.

Das wäre die aussichtslose Variante, denn die fortschreitende Kontraktion der roten Linie können Sie damit nicht aufhalten. Gewinn bringender ist da die zweite Alternative: Sie krempeln die Ärmel hoch, leisten der eigenen Bequemlichkeit couragiert Widerstand und bauen Schritt um Schritt die kompakte Mauer ab.

Um wie vieles leichter erscheint es da doch, rechtzeitig den Mut für den entscheidenden Schritt zu fassen, den Sicherheitswahn im Kreis der Gewohnheiten Adieu zu sagen und zu akzeptieren, dass Lernen und Entwicklung nur außerhalb der roten Linie stattfinden.
Ende der Leseprobe

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06.06.2020
Wolf W. Lasko
Geschäftsführer und Gründer der Winner/s Edge Resulting-Gesellschaft für Strategie, Vertrieb und Innovation mbH, Autor von 30 Büchern…


Vita von Lara M. Lasko und Wolf W. Lasko

Vita: Dr. Lara M. Lasko,

Diplom-Kauffrau (FH)/MBA, ist geschäfsführende Gesellschafterin der Think Result GmbH, Schweiz. Das Beratungsunternehmen ist spezialisiert auf Sales und Konzeption mit dem Schwerpunkt internationale Vertriebssteuerung.
Sie ist Autorin von sieben Büchern.
Mehr unter: www.think-result.ch

Vita: Dr. Wolf W. LaskoKamphausen-Wolf-W-Lasko

ist Geschäftsführer und Gründer der Winner/s Edge Resulting-Gesellschaft für Strategie, Vertrieb und Innovation mbH. Des Weiteren ist er Vorstand des IT-Unternehmens Centracon AG (Arbeitsplatz der Zukunft) und Geschäftsführer und Gründer der digital sales Resulting GmbH (Einsatz von selbstlernenden Algorithmen im Vertrieb).
Seine Leidenschaft ist „Think Result“, das Kreieren von konkreten, messbaren Resultaten für Unternehmen. Differenzierungsmerkmal und Positionierung im Markt: Resultate erzielen durch die Veränderung des Umfelds/des Kontexts, ohne den Menschen zu verändern.
Dr. Lasko ist Autor von mehr als 30 Büchern.
Mehr unter: www.lasko.de


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