Was macht unsere Schulbildung mit unseren Kindern?

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schulbildung-schulsystem-learnDie Last der Kinder & Jugendlichen an der Schulbildung statt die Lust an der Bildung 

Ein Plädoyer für ein Leben ohne Schule und für mehr Liebe, Vertrauen & Gelassenheit im Umgang mit unseren Kindern – Teil 1/3

Den Begriff „Freilerner“ kannte ich noch gar nicht so lange, genauer gesagt erst 16 Monate, als ich mich entschloss, im Dezember 2016 Mutter eines freilernenden Sohnes im Alter von 13 Jahren zu werden. Im August 2015 hatte ich ein spirituelles Seminar in der Nähe von Berlin besucht, deren Leiterin, (selbst Mutter von 4 Kindern, damals im Alter zwischen 13 und 5 Jahren, die allesamt nicht in die Schule gingen), mich in Berührung mit diesem Thema brachte.
Ich kann mich daran erinnern, dass mich die Vorstellung, sein Kind nicht in die Schule zu schicken, damals doch sehr befremdete. Ich hatte gelernt und war darauf traininiert/konditioniert worden, Schule mit Bildung gleichzusetzen und die Notwendigkeit der Existenz unseres Schulsystems nicht in Frage zu stellen.
Von „Home schooling“ und frustfrei lernen hatte ich wohl schon gehört und wusste, dass es Eltern gab, die ihre Kinder zu Hause unterrichten und dass es auf der ganzen Welt Länder gibt, die dieses Konzept unterstützen (Deutschland zählt bedauerlicherweise nicht zu diesen Ländern).

Wir leben in einem Land, dass Schulbildung als ein hohes Gut darstellt

Den hohen Stellungswert der Schulbildung kann man regelmäßig bei der Wahlkampfwerbung anlässlich der Landtags- und Bundestagswahlen beobachten, bei der keine Partei von Bedeutung es sich leisten kann, dieses Thema auszusparen. Die Parteien ergehen sich dann über Diskussionen über kostenfreie Bildung, über schnellere Bildung (z.B. G8 versus G9, den 8-jährigen oder doch wieder den 9-jährigen Gymnasialbesuch), über Bildung für alle.. und und.., aber  das Thema „alternative Bildungskonzepte“ oder „Freude an der Bildung“ wird nicht thematisiert. Was ich besonders schade finde, aber von Regierungsseite wird die gängige Schulpolitik ganz offensichtlich als „alternativlos“ (berühmtes Unwort!) eingestuft.

In Deutschland herrscht Schulpflicht, was jedes Kind/jeden Jugendlichen dazu verpflichtet, mindestens 9 Jahre lang eine Schule seiner Wahl (im Regelfall ist das eher die Wahl der Eltern, als die ihrer Spösslinge) zu besuchen und sich den Lehrplänen, die in den jeweiligen Ministerien der Bundesländer ausgearbeitet und als bindend festgelegt werden, zu beugen. Die Lehrpläne diktieren den Kindern und Heranwachsenden, was sie zu wissen haben, um von einer Klasse in die nächst höhere zu wechseln und als gebildet gelten zu dürfen. Sie bestimmen auch, was ein Kind in welcher Klasse an welcher Schule zu lernen hat bzw. wissen muss.

Lehrpläne nehmen gar keine Rücksicht und Schulen so gut wie keine Rücksicht (Ausnahmen gibt es wohl immer) auf Vorlieben, Fähigkeiten, Besonderheiten, Gaben und am allerwenigsten auf das kreative Potential der Kinder und Jugendlichen. Mir scheint, Kreativität ist das allerletzte, was von einem Schulkind verlangt bzw. gewünscht wird.

Das schulische Wissen muss lehrplangetreu wiedergegeben werden, eine eigene Meinung des Schülern dazu ist nicht erwünscht

Der berühmt- berüchtigte Ausdruck des „Bulimie-Lernens“ prägt die Wissensvermittlung/das Lernen an den weiterführenden Schulen, allen voran den Gymnasien: frei übersetzt bedeutet es „Lernstoff reinziehen, rauskotzen & wieder vergessen“.

Und diesem System huldigen wir?
Diesem System vertrauen wir unsere Kinder von klein auf an?
In dieses System pressen wir unsere Kinder aus lauter Angst, dass aus ihnen nichts werden möge, wenn sie denn über keine „angemessene“ – hier zählt des Ermessen der Eltern!- Schulbildung verfügen.

Meine beiden Söhne sind in Bayern in die Grundschule gegangen, dem Bundesland, das deutschlandweit bekannt und gefürchtet ist für seine hohen schulischen Leistungsstandards und sein gnadenloses Auswahlverfahren am Ende der Grundschulzeit. Ein Bundesland, das Kinder im Alter von 9 oder 10 Jahren (je nachdem in welchem Alter sie eingeschult wurden) in zukünftige akademische Leistungsträger und in weniger Leistungsfähige klassifiziert.

Das klingt nicht nur brutal, das ist brutal und es hat fatale Konsequenzen für das Selbstwertgefühl und das Selbstbild dieser Kinder.

In so jungen Jahren in einem sogenannten Übergangszeugnis im zweiten Halbjahr der vierten Klasse attestiert zu bekommen, dass es für die höhere Schulbildung ungeeignet ist, macht etwas mit einem Kind. Ihm wird ein Stempel auf die Stirn gepresst, der es unter Umständen ein Leben lang prägt.
Ich weiss wovon ich spreche, denn meinem ältesten Sohn, David, einem sehr aufgeweckten, intelligenten Jungen, der sich einfach nicht in dieses System einfügen wollte, wurde genau dieses im Alter von 10 Jahren attestiert.

Teil 2: Frust an der Schulbildung statt die Lust an der Bildung finden Sie am 23. November 2018 hier auf Spirit-online.

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(c) Isabel Segarra-Hallmeyer
www.bewusstsein-und-heilung.de

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1 Kommentar

  1. Danke für diesen Artikel!!! Ich habe mein Leben lang immer gerne gelernt – und tue es noch heute gerne mit 63 Jahren – und manchmal frage ich mich, wie ich diese Lern-Begeisterung “trotz Schule und Hochschule” erhalten konnte.
    ich habe aus Schulkind und später auch als Studentin soooo gelitten unter dem System, wo:
    * “Lehrpläne nehmen gar keine Rücksicht und Schulen so gut wie keine Rücksicht (Ausnahmen gibt es wohl immer) auf Vorlieben, Fähigkeiten, Besonderheiten, Gaben und am allerwenigsten auf das kreative Potential der Kinder und Jugendlichen.”
    * “Das schulische Wissen muss lehrplangetreu wiedergegeben werden”.

    später bin ich selber in die Lehre gegangen und war 24 Jahre Professorin an der Hochschule Hannover”. Ich habe dort versucht “auszugleichen”, aber das war Knochenarbeit, hat mich viel (zu viel) Kraft gekostet und ist auch nur begrenzt gelungen.
    Danke, dass dieses Thema hier bei Spirit Online aufgegriffen wird.

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